Aelfgifu war die Ehefrau und Königin von Eadwig von England (955 bis 959).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt nur wenige Informationen über Aelfgifu, doch zwei Tatsachen über sie werden von den Quellen einstimmig bestätigt: zunächst der Name ihrer Mutter, Aethelgifu, einer Frau von sehr hoher Geburt (natione praecelsa). Zweitens war sie mit ihrem Ehemann Eadwig verwandt, denn 958 wurde ihre Ehe von Erzbischof Oda von Canterbury aus dem Grund annulliert, dass beide zu nahe mit einander verwandt waren. [1] Weiterhin wurde Aelfgifu als eine Frau identifiziert, die irgendwann zwischen 966 und 975 ein Testament hinterließ, das weitere Informationen über ihre Herkunft gibt. [2]

Aufgrund dieser Informationen wurden von Historikern zwei mögliche Stammbäume vorgeschlagen, die ihr beide einen königlichen Rang zuschreiben. Die erste Theorie, die von Cyril Hart unterstützt und von Pauline Stafford geprüft wurde, macht sie zu einer Adligen mercischer Herkunft, die von Aethelfrith, Ealdorman von Mercia und dessen Frau Aethelgyth abstammt, die eine Tochter des Ealdorman Aethelwulf und Nichte von König Alfreds Ehefrau Ealhswith war. Diese Rekonstruktion basiert auf der Tatsache, dass die Stadt Risborough in Buckinghamshire in Aelfgifus Testament als eine ihrer Besitzungen erwähnt wird und zuvor möglicherweise Aethelgyth gehörte. Eine mögliche Andeutung ist, dass Aelfgifu das Gut erbte und noch einige andere in Buckinghamshire. Da im Testament erwähnt wird, dass sie Bischof Aethelwold, einen ihrer Begünstigten, darum bittet, für die Seele ihrer Mutter zu beten, kann man vermuten, dass dieses Erbe durch die mütterliche Linie kam. Wenn diese Vermutung korrekt ist, wäre sie eng verwandt mit der Familie des Ealdorman Aethelstan Halbkönig. [3]

Das Testament bietet aber auch die Möglichkeit einer anderen Hypothese. [4] Die Verfasserin hinterlässt Aelfweard und Aethelweard - anscheinend ihre Brüder, von denen einer mit Aethelflaed verheiratet war - und ihrer Schwester Aelfwaru einige Ländereien. Aethelweard und Aelfweard erscheinen erneut als Brüder und Thegns in der Zeugenliste einer fragwürdigen königlichen Urkunde, die auf 974 datiert wurde. Es scheint sich um den gleichen Aethelweard zu handeln, der in den Jahren 958 bis 977 regelmäßig königliche Urkunden bezeugte, und zu einem Ealdorman der westlichen Provinzen und Autor einer lateinischen Chronik wurde, in der er behauptet, von König Aethelred von Wessex abzustammen, dem vierten Sohn von König Aethelwulf. Wenn man daraus seine Schlüsse zieht, stellte sich heraus, dass der Chronist Aethelweard Aelfgifus Bruder war und sie dadurch einen gemeinsamen Vorfahren mit Eadwig hatte. Sie wäre dadurch seine Urgroßnichte.

Die beiden Stammbäume schließen sich gegenseitig nicht aus. Andrew Wareham vermutete, dass die beiden verschiedenen Zweige der königlichen Familie in der Ehe zusammen gekommen sein könnten, aus der Aelfgifu hervor ging. Bedenkt man die spezielle Erwähnung der Seele von Aelfgifus Mutter, könnte dies bedeuten, dass Aethelgifu eine Nachfahren von Aethelgyth war, während der anonyme Vater von Aethelred abstammte. [5]

Aber keine der beiden Hypothesen ist wirklich eindeutig überzeugend. Eine Schwäche der Vermutungen liegt in der Annahme, dass das Testament von der gleichen Aelfgifu stammt, die auch die Ehefrau von Eadwig war. [6] Dennoch wird diese Identifikation von den meisten Historikern bevorzugt, wenn auch normalerweise mit Zurückhaltung. [7]

Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem unbekannten Zeitpunkt nach seiner Thronbesteigung heiratete der junge König Eadwig Aelfgifu. Die Verbindung sollte einer der umstrittensten der königlichen Ehen im 10. Jh. werden. Eadwigs Bruder Edgar war der Thronerbe, doch ein legitimer Sohn aus dieser Ehe hätte dessen Chancen auf die Thronfolge stark beeinträchtigt, besonders da beide Elternteile von königlichem Rang waren. [4] Edgars Ziehmutter war Aelfwynn, die Ehefrau von Aethelstan Halbkönig und Edgar hatte dessen Unterstützung und auch die seiner Söhne. Aethelstans Machtbasis befand sich in Mercia und East Anglia und er hätte sicherlich ungern seinen Einfluss dort an Aelfgifus Verwandte und Anhänger verloren. Wenn die Vermutung von Cyril Hart korrekt ist, dass Aelfgifu von mercischer königlicher Abstammung war, könnte Eadwig gehofft haben, durch diese Ehe einige politische Vorteile zu erringen und die Kontrolle von Wessex über Mercia dadurch auszuweiten. [8]

Aelfgifus Mutter Aethelgifu scheint eine entscheidende Rolle darin gespielt haben, dass Aelfgifu an die Seite des Königs aufstieg; so deutet es jedenfalls ihr gemeinsames Erscheinen in den Quellen an. Sie bezeugten gemeinsam eine Urkunde, die einen Landtausch zwischen Bischof Brihthelm und Aethelwold, zu dieser Zeit Abt von Abingdon betrifft. Weiterhin erscheinen ihre beiden Namen als "erhabene" Gönner auf einer Seite des Liber Vitae des New Minster in Winchester aus dem frühen 11. Jh. In Aelfgifus angeblichem Testament bittet sie Bischof Aethelwold darum, für sie und ihre Mutter zu beten.

Es ist möglich, dass Aelfgifu und Aethelgifu die beiden Frauen sind, die im Life of St. Dunstan und dem Life of St. Oswald von Byrthferth of Ramsey als Eadwigs Sexualpartnerinnen dargestellt werden, beide etwa um das Jahr 1000 geschrieben. Dunstans Life berichtet, dass Eadwig nach seiner Krönung das darauf folgende Bankett verließ, und sich in seine Kammer zurück zog, um sich dort mit zwei Frauen zu korrumpieren, einer unsittlichen Adligen, die später als Aethelgifu identifiziert wird, und ihrer erwachsenen Tochter. Es heißt, dass sie sich ihm angehängt haben sollen, "offensichtlich um sich oder ihre Tochter mit ihm in rechtmäßiger Ehe zu verbinden". [7] Schockiert von Eadwigs unangemessenem Rückzug schickten die Adligen Dunstan und Bischof Cynesige, die den König mit Gewalt zum Fest zurück zerrten. Dafür zog sich Dunstan die Feindschaft des Königs zu, der ihn auf Aethelgifus Drängen hin ins Exil schickte. Sie soll außerdem Eadwigs Zorn ausgenutzt haben, indem sie Dunstans Verfolgung befahl und die Beschlagnahmung seines Besitzes. Dass die Erinnerung an Eadwigs sexuelle Affairen um die Jahrhundertwende herum verdorben und verwirrt war, wird von Byrthferths Life of St. Oswald angedeutet, das eine weit ausgeschmücktere Geschichte über Eadwigs beide Frauen zu erzählen hat. Es berichtet, dass der König verheiratet war, aber mit einer Frau unter seinem Rang davonlief. Erzbischof Oda persönlich ließ die Mätresse des Königs in ihrem Haus verhaften, zwang sie aus dem Land und konnte das Verhalten des Königs korrigieren.

Diese Geschichten, die etwa vierzig Jahre später aufgeschrieben wurden, scheinen auf späteren Verleumdungskampagnen zu basieren, die Eadwig und seine Ehe in Verruf bringen sollten. Obwohl beide Biographien sich auf die persönlichen Dimensionen der Affären aus der Perspektive der Protagonisten beschränken, spürt man den Einfluss der Rivalität im Hintergrund. Es ist bekannt, dass Erzbischof Oda von Canterbury, ein Anhänger des Hl. Dunstan, 958 die Ehe zwischen Eadwig und Aelfgifu aus dem Grund annullierte, dass beide zu nahe mit einander verwandt waren. [1] Das dahinter stehende Motiv für diese ansonsten überraschend verspätete Reaktion könnte sehr gut eher politisch als religiös oder überhaupt legal gewesen sein. Es förderte Edgars Status als Thronerbe. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Odas Tat von Edgars Anhängern gefördert wurde, den Söhnen von Aethelstan Halbkönig, und besonders von ihrem Verbündeten Dunstan, deren Klosterreform sie großzügig unterstützten. [4]

Die Ereignisse müssen in einen viel größeren Kontext gesetzt werden, von Eadwigs Kampf um politische Kontrolle und von den Fraktionen, die Edgar als Thronerben unterstützten. [4] Im Sommer 957 wurde Edgar zum König von Mercia gewählt. [9] Der Autor des Life of St. Dunstan stellt dies als das Ergebnis einer nördlichen Revolte gegen Eadwig war, in der er die Kontrolle über die Gebiete nördlich der Themse verlor (Mercia und Northumbria), und Edgar wurde in diesem Teil von England als König eingesetzt. Das ist eine starke Übertreibung, da Eadwig den Titel "König der Engländer" in seinen Urkunden beibehielt und Aethelweard ihm eine "anhaltende" Herrschaft zuschreibt. Edgars Beschreibung als regulus" in einer Urkunde aus dem Jahr 956 könnte sogar bedeuten, dass es eine bereits bestehende Übereinkunft gab, dass Edgar Unterkönig in Mercia werden würde, sobald er erwachsen geworden war. [4] Die Schwäche von Eadwigs politischer Postion wird dennoch bestätigt von Bischof Aethelwolds rückblickender Notiz über eine Beschwerde, dass Eadwig "durch die Ignoranz der Jugend sein Königreich aufgelöst und dessen Einheit geteilt hatte". [7]

Während es scheint, dass Dunstan und Erzbischof Oda der Ehe entgegen standen, war es nicht nur Feindseligkeit, die Aelfgifu vom Klerus erfuhr. Andere Benediktinerreformer wie Aethelwold, Abt von Abingdon und später Bischof von Winchester, scheint sie unterstützt zu haben, auch wenn er der Herrschaft ihres Mannes nicht unkritisch gegenüber stand. Eine der wenigen Urkunden, die von Aelfgifu bezeugt wurden, ist das zuvor erwähnte Memorandum von Abingdon, das einen Austausch von Land zwischen Aethelwold und Birhthelm betrifft. In der Unterschrift wird sie als Ehefrau des Königs anerkannt. Aelfgifus Testament, wenn es denn ihres ist, zeigt sogar noch deutlichere Beweise für ihre enge Verbindung zu Aethelwold. [4]

Witwe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht weniger wichtig als die Umstände ihrer Ehe ist auch die Art, wie Aelfgifu sich nach deren Auflösung und besonders seit dem Herbst 959 verhielt, als Eadwig starb und sein Bruder Edgar König von England wurde. Die Biographien sind wenig hilfreich an diesem Punkt. Byrthferth schreibt, dass Eadwigs Mätresse von Oda verbannt wurde, doch dieser Bericht über die Einmischung des Erzbischofs ist zweifelhaft. Noch weniger verlässlich ist die Geschichte, die von Osbern im späten 11. Jh. erzählt wurde. Er übernahm die Beschreibung von Edgars Herrschaft in Mercia aus dem Life of St. Oswald und stellte sie als das Ergebnis eines großen Putsches gegen Eadwig dar und erweitert die Geschichte, indem er andeutet, dass Eadwigs Mätresse bei einem Hinterhalt von Mercischen Aufständischen gelähmt wurde und nicht lange danach starb.

Ob Aelfgifu sich einfach ruhig verhielt oder tatsächlich im Exil lebte, ist nicht bekannt, doch es gibt Hinweise darauf, dass sie Mitte der 960er Jahre einigen Frieden, Wohlstand und ein gutes Verhältnis mit König Edgar und dem königlichen Haushalt hatte. Dieses Bild basiert auf ihrer Identifikation mit der Aelfgifu, die eine wohlhabende Landbesitzern im südöstlichen England und Verwandte von König Edgar gewesen sein soll. Sie erscheint als eine von Edgars Gönnerinnen in zwei königlichen Urkunden aus dem Jahr 966, in der er sie "eine gewisse edle Dame" nennt, "die verbunden ist mit mir durch die Beziehung weltlichen Blutes". Einige Zeit vor Edgars Tod im Jahr 975 [7] hinterließ sie ein Testament, in dem sie ausgedehnte Ländereien in Buckinghamshire, Oxfordshire und Hertfordshire, große Summen Geldes und verschiedene Wertgegenstände an kirchliche Häuser, Bischof Aethelwold persönlich, Mitglieder der königlichen Familie und ihre engsten Verwandten hinterlässt. [7] Es werden keine Kinder erwähnt. Es gibt keinen eindeutigen Beweis, doch dass die beiden Aelfgifus identisch sind, wird stark angedeutet durch ihre enge Verbindung zur königlichen Familie, zu Bischof Aethelwold, dem New Minster in Winchester und ihrer eigenen Mutter. [4]

Leider sind die Umstände für Aelfgifus erneuten Aufstieg nicht klar. Es wäre beispielsweise wichtig zu wissen, wie und unter welchen Bedingungen sie an die in ihrem Testament erwähnten Ländereien kam. Einige davon hatte sie von König Edgar erhalten und sie gingen durch ihr Testament an die königliche Familie zurück, doch es ist nicht möglich herauszufinden, welche der Ländereien teil ihres Witwenerbes waren und welche anders ererbt oder erhalten wurden. [10] Wie zuvor erwähnt wurde vermutet, dass eine der Ländereien durch die mütterliche Linie an sie übergegangen war. Wenn die anderen Besitzungen gleichermaßen ihre eigenen Waren, kam die Wiederherstellung ihrer Position möglicherweise mit einem hohen Preis, der die königliche Familie sehr mit Ländereien nördlich der Themse bereicherte. [8]

Obwohl Edgar in den beiden Urkunden von 966 als großzügig dargestellt wird und die Verwandtschaft anerkennt, kam unter Historikern die Frage auf, wie viel davon unter Druck und nicht aus gutem Willen entstand. [8] Wareham hat vermutet, dass Edgar durch die Benennung seines dritten und "thronwürdigsten" Sohnes Aethelred nach seinem Urgroßonkel und somit Aelfgifus und Aethelweards Vorfahre, versucht haben könnte, eine freundliche Geste zu vollziehen um ihr Verhältnis zu verbessern. [5]

In ihrem Testament verbindet Aelfgifu ihre Schenkungen an die Kirche mit der Errettung von ihrer und Edgars Seele, was vermuten lässt, dass sie ein gemeinsames Interesse an der Benediktinerreform hatten, die Edgar großzügig unterstützte und von der Bischof Aethelwold ein bekannter Leiter war. Im Gegenzug könnte sie gehofft haben, dass er ihre Schenkungen fromm nutzen würde.

Stammbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aethelred Mucel ⚭ Eadburh
    1. Ealhswith von Gaini ⚭ ♔ Alfred der Große
      1. Edward der ÄltereEadgifu von Kent
        1. Edmund IAelfgifu von Shaftesbury
          1. EadwigAelfgifu
          2. Edgar der Friedfertige
    2. Aethelwulf, Ealdorman von Gaini
      1. Aethelgyth ⚭ Aethelfrith, Ealdorman of Mercia
        1. Aethelgifu
          1. Aethelweard
          2. Aelfweard
          3. Aelfwaru
          4. Aelfgifu ⚭ ♔ Eadwig

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Angelsächsische Chronik, Jahr 958#951 bis 960
  2. Keynes, Simon. "Eadwig (c. 940-959)." Oxford Dictionary of National Biography
  3. Hart, Cyril. The Danelaw. 1992
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Yorke, Barbara. Bishop Æthelwold: his career and influence. 1988
  5. 5,0 5,1 Wareham, Andrew. "Transformation of Kinship and the Family in late Anglo-Saxon England." Early Medieval Europe (2001)
  6. Wormald, Patrick, “Æthelweard (d. 998?’).” Oxford Dictionary of National Biography
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Whitelock, Dorothy (ed.), Anglo-Saxon Wills
  8. 8,0 8,1 8,2 Stafford, Pauline. "Ælfgifu (fl. 956–966)." Oxford Dictionary of National Biography
  9. Angelsächsische Chronik, Jahr 957#951 bis 960
  10. Stafford, Pauline. "The King's Wife in Wessex, 800-1066." Past and Present (1981)
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.