Aethelbald war König von Wessex von 858 bis 860.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelbald war der zweitälteste Sohn von Aethelwulf von Wessex. Man geht davon aus, dass alle von Aethelwulfs Kindern von seiner ersten Frau Osburga stammten, einer westsächsischen Adligen.

Er hatte vier weitere Brüder und eine Schwester. Nach dem Tod seines Vaters heiratete Aethelbald seine Stiefmutter Judith von Flandern, eine fränkische Prinzessin und Tochter von Karl dem Kahlen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelbalds Geburtsdatum ist unbekannt. Die erste bekannte Quelle über ihn ist eine Urkunde aus dem Jahr 841, auf der er als Zeuge benannt ist. Historiker vermuten, dass er möglicherweise um das Jahr 835 geboren wurde, falls er - wie später auch sein Bruder Alfred der Große - im Alter von sechs Jahren damit begann, als Zeuge aufzutreten.

Sein ältester Bruder Aethelstan starb vermutlich um das Jahr 850 nach einem Sieg über eine dänische Flotte bei Sandwich, da es über ihn nach dieser Zeit keine weiteren Aufzeichnungen gibt. 851 nahm Aethelbald an der Schlacht von Aclea gegen die Wikinger teil und die Angelsächsische Chronik berichtet, dass es niemals einen größeren Sieg gegeben haben soll. [1] An Ostern 854 unterzeichneten Aethelbald und sein Bruder Aethelberht Urkunden als dux und ein Jahr später begann sein Vater eine Pilgerreise nach Rom und ernannte für diese Zeit Aethelbald zum König von Wessex, während Aethelberht König von Kent, Essex, Surrey und Sussex wurde. [2]

Aethelwulf verbrachte ein ganzes Jahr in Rom und verheiratete sich auf dem Rückweg mit Judith von Flandern, der Tochter des fränkischen Königs Karl dem Kahlen, einer Enkelin von Karl dem Großen. Sie wurde vom Bischof von Rheims gesalbt und erhielt den Titel Königin. Aethelwulf und Judith erreichten England im Oktober 856.

Asser berichtet, dass Aethelbald in dieser Zeit einen Plan geschmiedet hatte, seinen Vater vom Thron zu verdrängen, verbündet mit dem Bischof von Sherborne und Eanwulf, Ealdorman of Somerset, die beide die engsten Berater von Aethelwulf gewesen waren. Historiker geben verschiedene Erklärungen sowohl für die Ehe als auch für die Rebellion. Kirby und Stafford sehen die Angelegenheit als Bündnis gegen die Wikinger an, während andere denken, dass Judiths Herkunft einiges vom Ansehen der Karolinger auf Aethelwulf übertrug. [3] Durch ihre Salbung und Ernennung zur Königin hätten ihre Söhne einen größeren Anspruch auf den Thron von Wessex als Aethelwulfs andere Kinder, was Aethelbalds Rebellion erklären würde. Möglicherweise könnte er auch gefürchtet haben, dass er einen Nachteil dadurch erlangen würde, dass sein Vater wieder die Herrschaft über Wessex übernahm, während sein Bruder Kent regierte.

Der Historiker Enright sieht die Ehe als Reaktion auf Aethelbalds Rebellion an, da eine Allianz zwischen zwei so weit entfernten Reichen wie Wessex und dem Frankenland keinen Vorteil gebracht hätte, und deutet an, dass ein Sohn von Judith Aethelbald um seinen Thronanspruch gebracht hätte. [4] Nelson geht sogar noch weiter und vermutet, dass Aethelwulfs Pilgerreise der Beginn seiner Bemühungen gegen die Rebellion seiner Söhne war, um sein Ansehen zu erhöhen. [5] D. P. Kirby und Miller argumentieren jedoch, dass Karl der Kahle seine Tochter wahrscheinlich nicht an einen Mann verheiratet hätte, das sich im Bürgerkrieg befand, so dass Aethelbalds Aufstand wohl eher eine Antwort auf die Ehe seines Vaters gewesen sein könnte. [3] Richard Abels vermutet, dass Aethelbald geglaubt haben könnte, die Herrschaft dauerhaft übernehmen zu können, da die Gefahren auf einer Reise nach Rom durchaus zum Tod seines Vaters geführt haben könnten.

Auch eine Rivalität zwischen dem Osten und Wesen von Wessex könnte ein Grund für den Streit gewesen sein. Der Wald von Selwood markierte von Alters her die Grenze zwischen den Bischofssitzen Sherborne und Winchester. Im 8. Jh. hatte das Haus Wessex eher Bindungen zum Westen, doch im 9. Jh. änderte sich dies zugunsten des Ostens und die Familie verbündete sich mit dem Klerus von Winchester. Laut Asser wurde der Plan, Aethelwulf seines Throns zu berauben, im westlichen Teil von Selwood geschlossen und Aethelbalds mächtigste Anhänger waren westliche Adlige, die möglicherweise gegen die Unterstützung Aethelwulfs für den Osten waren.

Asser ist die einzige Quelle für den Streit zwischen Aethelwulf und Aethelbald, der nicht in der Angelsächsischen Chronik erwähnt wurde. Laut Asser stimmte Aethelwulf nach seiner Rückkehr nach Wessex zu, das Reich zu teilen, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Die meisten Historiker bestätigen, dass Aethelbald Wessex behielt, während sein Bruder Aethelberht Kent, Essex, Surrey und Sussex an Aethelwulf übergab, wobei Keynes allerdings glaubt, dass Aethelwulf eine gewisse Eigenständigkeit behielt. [1] Andere Historiker glauben jedoch, dass Wessex selbst geteilt wurde, wobei Aethelbald den Westen von Selwood erhielt, Aethelwulf den Osten, und Aethelberht Kent. Weiterhin weisen Kirby und Stafford darauf hin, dass Asser andeutet, dass Judith 856 Königin von Wessex wurde. [3] [6]

Laut Asser entschied Aethelwulf in seinem Testament, dass das Reich zwischen seinen beiden ältesten Söhnen aufgeteilt werden sollte. Aethelbald übernahm somit die Herrschaft von Wessex, während Aethelberht Kent und den Südosten regierte. Weiterhin hinterließ Aethelwulf die Bitte, dass derjenige seiner Söhne, der am längsten lebte, das gesamte Reich erben sollte. Einige Historiker glauben, dass dies darauf hindeutet, dass das gesamte Reich an den Überlebenden gehen sollte, doch andere glauben, dass Aethelwulf damit sicherstellen wollte, dass seine jüngsten Söhne ebenfalls etwas erben würden. [1]

Das Ansehen seiner Stiefmutter Judith war so groß, dass Aethelbald sie selbst heiratete. Die Angelsächsische Chronik ignoriert diese Ehe - vielleicht weil eine Erwähnung von den Errungenschaften seines Bruders Alfred abgelenkt hätte. [7] Asser verdammte diese Ehe als "gegen Gottes Verbot und christliche Würde, und auch entgegen der Praktiken aller Heiden", obwohl sie zu dieser Zeit keine Gegner gehabt zu haben scheint. Die fränkischen Annalen von St. Bertin berichten kommentarlos von dieser Ehe und besagen, dass Judith nach Aethelbalds Tod "mit all der Ehre, die einer Königin geschuldet wird" zu ihrem Vater zurückkehrte.

Über Aethelbalds Herrschaft ist nur wenig bekannt und nur zwei seiner Urkunden haben überlebt, die beide von Judith bezeugt wurden, was ihren hohen Status andeutet, da westsächsische Frauen normalerweise nie den Rang einer Königin erhielten und beinahe niemals eine Urkunde bezeugten. Die Ehe mit Judith lässt vermuten, dass Aethelbald die Absicht hatte, die Nachfolge seinen Söhnen und nicht seinen Brüdern zu überlassen. [8] Allerdings zeigt eine von Aethelberht bezeugte Urkunde, dass die Brüder sich nicht feindlich gegenüber standen.

Aethelbald starb 860 und die Angelsächsische Chronik besagt, dass er fünf Jahre lang herrschte, beginnend mit dem Jahr, in dem Aethelwulf nach Rom zog. Sowohl Asser als auch die Annalen von St. Neots nennen nur eine zweieinhalbjährige Herrschaft, wobei die Annalen ebenfalls besagen, dass er zuvor zweieinhalb Jahre lang gemeinsam mit seinem Vater herrschte. Die meisten modernen Historiker datieren den Beginn seiner Herrschaft auf 855, andere jedoch auf 858.

Nur das Jahr seines Todes ist bekannt, doch da sein Vater im Januar 858 starb und er danach zweieinhalb Jahre regierte, starb er vermutlich im Juli dieses Jahres. Er wurde in Sherborne begraben und es sind keine Kinder von ihm bekannt. Sein Bruder Aethelberht wurde sein Nachfolger und vereinigte Wessex und Kent unter seiner Herrschaft. Es ist nicht klar, ob die Teilung zuvor permanent gewesen sein sollte, doch wenn dies der Fall ist, ermöglichte Aethelbalds Tod seinem Bruder die Wiedervereinigung, wobei Kent und der Südosten danach als Teil von Wessex behandelt wurden.

Stammtafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ealhmund (Kent 762-764) ⚭ | NN; ⚭ || NN
    1. | ♔ Egbert (802-839) ⚭ Redburga von Franken
      1. Aethelwulf ⚭ | Osburga; ⚭ || Judith von Flandern
        1. | Aethelstan (ca. 820-851)
        2. | Aethelswith (✝ 888) ⚭ ♔ Burgred von Mercia
        3. | ♔ Aethelbald (ca. 835-860) ⚭ Judith von Flandern
        4. | ♔ Aethelberht (839-865)
        5. | ♔ Aethelred I (848-871) ⚭ Wulfthryth
        6. | ♔ Alfred der Große (849-899) ⚭ Ealhswith von Gaini
      2. Edith of PolesworthSitric Caech
    2. || Aethelburg von Wilton ⚭ Wulfstan, Ealdorman von Wiltshire

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Keynes, Simon; Lapidge, Michael, Alfred the Great: Asser's Life of King Alfred & Other Contemporary Sources 1983
  2. Miller, Sean (2004). "Æthelbald (d. 860), king of the West Saxons". Oxford Dictionary of National Biography
  3. 3,0 3,1 3,2 Kirby, D. P., The Earliest English Kings 2000
  4. Enright, Michael J. (1979). "Charles the Bald and Æthelwulf of Wessex: Alliance of 856 and Strategies of Royal Succession". Journal of Medieval History
  5. Nelson, Janet L. (2013). "Britain, Ireland and Europe, c. 750–c. 900". In Stafford, Pauline (ed.). A Companion to the Early Middle Ages: Britain and Ireland c. 500–c. 1100
  6. Stafford, Pauline (1981) "Charles the Bald, Judith and England". In Gibson, Margaret; Nelson, Janet L. (eds.). Charles the Bald: Court and Kingdom
  7. Smyth, Alfred P. (1995) King Alfred the Great
  8. Stafford, Pauline (2003). "Succession and Inheritance: a Gendered Perspective on Alfred's Family History". In Reuter, Timothy (ed.). Alfred the Great.
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