Aethelberht I von Kent war König von Kent von etwa 580 bis 616. Die Angabe des Beginns seiner Herrschaft ist unter Historikern umstritten und variiert von 560 bis 589. Aufgrund der Tatsache, dass es in Kent nicht ungewöhnlich war, einen Oberkönig und einen Unterkönig zu haben, regierte Aethelberht möglicherweise schon ab 560 in Westkent, und wurde nach dem Tod seines Vaters spätestens 589 König von ganz Kent.

Er wird als Heiliger verehrt, sein Feiertag ist der 25. Februar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelbert ist der erste angelsächsische König, über den starke historische Tatsachen existieren, obwohl diese bei der Länge seiner Herrschaft und seinen Lebensdaten große Widersprüche aufweisen.

Lebensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angelsächsische Chronik berichtet von seiner Geburt im Jahr 552 und sein Todesdatum wird in vielen Quellen mit dem 24. Februar 616 angegeben, was ihm eine Lebensdauer von 64 Jahren gibt, wobei einige Quellen das Jahr 618 nennen, was zu 66 Jahren führen würde. Bei Beda erscheint eine Zahl von 56 Jahren. [1]

Weitere Schwierigkeiten ergeben sich bezüglich seiner Religion. Beda berichtet, dass Aethelberht 22 Jahre nach seiner Taufe starb und dass er von den Missionaren getauft wurde, die mit Augustinus von Canterbury aus Rom kamen. Diese Mönche erschienen 597 in Britannien und Aethelberht soll innerhalb eines Jahres nach ihrer Ankunft getauft worden sein. [1] Dies führt zu einer Zeit von 20 Jahren, die nicht zu Bedas Aussagen passt. Es ist natürlich möglich, dass Aethelberht schon vor der Ankunft von Augustinus zum Christentum bekehrt wurde, was die längere Zeitangabe rechtfertigen würde. Oder aber sein Todesjahr ist tatsächlich 618, wodurch sowohl die Taufe durch Augustinus als auch die Zeitspanne zwischen Taufe und Tod korrekt angegeben wären.

Die nächste Unsicherheit betrifft die Dauer seiner Herrschaft. Laut Beda hatte Aethelberht 56 Jahre regiert, was mit seinem Tod im Jahr 616 seine Thronbesteigung auf 560 verlegen würde. Hierbei widerspricht sich Beda in seinen Angaben, und auch die Angelsächsische Chronik stimmt nicht mit ihm überein und weist in ihren verschiedenen Manuskripten ebenfalls Unstimmigkeiten auf. Die wahrscheinlichsten Angaben für seine Herrschaft, zusammengefasst aus den verschiedenen Angaben, sind entweder 560 bis 616 oder 565 bis 618. [2]

Das letzte Problem, das Historiker beschäftigt, stellt das Datum seiner Eheschließung dar. Gregory of Tours schrieb in seiner Historia Francorum, dass Bertha von Franken, Tochter des Frankenkönigs Charibert, den "Sohn des Königs von Kent" heiratete. Beda berichtet, dass Aethelberht Bertha "von ihren Eltern" empfing. Wenn man Beda richtig interpretiert, muss die Hochzeit vor 567 stattgefunden haben, dem Jahr, in dem Charibert starb. Weiterhin müsste die Hochzeit dann außerdem vor 565 oder 560 stattgefunden haben, bevor Aethelberht den Thron bestieg und somit noch "Sohn des Königs von Kent" war, betrachtet man die Zahlen als korrekt. [1] [2]

Die extreme Länge von Aethelberhts Herrschaft in dieser frühen Zeit wurde von Historikern mit Skepsis betrachtet. Es wurde vermutet, dass die von Beda angegebene Zahl von 56 Herrschaftsjahren sich eher auf seine Lebensdauer bezieht. Dies würde sein Geburtsjahr auf 560 verlegen. Somit wäre er nicht vor Mitte der 570er Jahre in der Lage gewesen, zu heiraten. Laut Gregory of Tours war Charibert bereits König, als er Ingoberg heiratete, die Mutter von Bertha, wodurch die Hochzeit nicht vor 561 stattgefunden haben kann. Somit ist es unwahrscheinlich, dass Bertha vor 580 verheiratet wurde. Diese späteren Daten lösen ein weiteres Problem in der Datierung: Aethelberhts Tochter Aethelburg von Kent war wahrscheinlich Berthas Kind, doch die früheren Daten würden dafür sorgen, dass Bertha zu dem wahrscheinlichen Geburtsjahr von Aethelburh bereits sechzig gewesen sein müsste.

Gregory of Tours berichtet bei der Beschreibung der Hochzeit von Aethelberht und Bertha von Aethelberht als "ein Mann aus Kent", und schreibt später, 589, über den Tod von Berthas Mutter Ingoberg, wobei er Aethelberht als den "Sohn des Königs von Kent" bezeichnet. Da es aufgrund der engen Beziehungen zwischen dem Frankenland und Kent unwahrscheinlich ist, dass Gregory über die Umstände nicht informiert gewesen sein kann, ist es durchaus wahrscheinlich, dass Aethelberhts Herrschaft nicht vor 589 begann, oder aber er zu einem früheren Zeitpunkt von seinem Vater als Unterkönig eingesetzt wurde, da es in Kent nicht ungewöhnlich war, dass das Reich von zwei Königen - einem Oberkönig und einem Unterkönig - regiert wurde, was einerseits Bedas Angabe über seine Herrschaftszeit erklären, eine mögliche frühe Thronbesteigung - das heißt in seinen frühen Teenagerjahren - wahrscheinlich machen und ihm eine nicht übermäßig ungewöhnliche Lebenszeit zuschreiben würde.

Beziehung zu den Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt viele Anzeichen für eine enge Beziehung zum fränkischen Königreich. Aethelberhts Hochzeit mit Bertha von Franken verband die beiden Höfe mit einander, aber nicht als gleichgestellte, die Franken dürften Aethelberht eher als einen Untergebenen angesehen haben. Es gibt keine Berichte darüber, dass er die Könige des Kontinents jemals als Lehnsherren ansah und Historiker sind sich bis heute uneinig über die tatsächliche Beziehung zwischen Kent und dem Frankenland. Ein Hinweis auf eine fränkische Oberherrschaft stammt aus einem Brief von Papst Gregor I an Theuderich II [3] und Theudebert II. [4] Der Brief betrifft die Mission von Augustinus von Canterbury 597 und Gregor erklärt darin, dass er glaubt "dass ihr wünscht, dass eure Untertanen in jeder Hinsicht zu dem Glauben bekehrt werden sollen, in welchem ihr, ihre Könige und Lords, steht." Dies könnte natürlich nur ein Kompliment sein, keine tatsächliche Beschreibung der Umstände zwischen den Königreichen. Andererseits wurde auch angedeutet, dass Berthas Kaplan Liudhard ein Repräsentant der fränkischen Kirche in Kent war, was ebenfalls auf eine Oberherrschaft der Franken hindeutet. [2] [5]

Ein anderer Grund für die Hochzeit könnte gewesen sein, dass Aethelberht noch nicht König war zu der Zeit, als er und Bertha heirateten, und dass die Ehe die fränkische Unterstützung mit sich brachte, die er benötigte, um den Thron besteigen zu können. [2]

Unabhängig von der politischen Beziehung zwischen Aethelberht und den Franken gibt es reichlich Hinweise auf starke Bindungen über den Englischen Kanal. Es gab einen Handel mit Luxusgütern zwischen Kent und den Franken und kentische Gräber zeigen eine größere Vielzahl von fränkischen Gegenständen, als die benachbarten angelsächsischen Gebiete. [6]

Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spätere Geschichte von Kent zeigt ein System geteilter Herrschaft mit einem dominanten König im östlichen Kent und einem Unterkönig im westlichen Kent. Die Hinweise aus dieser frühen Periode sind spärlich, doch es gibt frühe Urkunden, von denen bekannt ist, dass sie gefälscht sind, die aber dennoch andeuten, dass Aethelberht später als König gemeinsam mit seinem Sohn Eadbald regierte. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass das gleiche System zwischen ihm und seinem Vater Eormenric stattfand, auch wenn darüber keine Quellenbeweise existieren. [6]

In seiner Historia ecclesiastica nennt Beda eine Liste von sieben Königen, die die "Vorherrschaft" [7] über die anderen Königreiche südlich des Humber hatten. Dabei erscheint Aethelberht zwischen Aelle von Sussex und Ceawlin von Wessex als dritter auf der Liste. [1] Der anonyme Autor der Angelsächsischen Chronik fügt in seinem Eintrag für das Jahr 527 zu dieser Liste noch Egbert von Wessex hinzu. Die Chronik berichtet weiterhin, dass diese Könige den Titel Bretwalda führten. [8]

Kurzdokumentation_(engl.)

Kurzdokumentation (engl.)

Die Angelsächsische Chronik berichtet im Jahr 568 von einem Kampf zwischen dem Bretwalda Ceawlin und Aethelberht, wobei Aethelberht den Kampf verloren und nach Kent zurückgetrieben worden sein soll. Die Datierung dieses Eintrags ist höchstwahrscheinlich falsch, oder aber es wurden die namen der Könige verwechselt, da Ceawlin eher gegen 581 bis 588 regierte. An irgend einem Punkt ging der Titel des Bretwalda dann von Ceawlin auf Aethelberht über. Spätestens 601 war Aethelberht der dominante Herrscher im angelsächsischen England, dem Jahr, als Papst Gregor I an ihn schrieb und ihn drängte, das Christentum unter seinem Volk und den Königen, die ihm untertan waren, zu verbreiten. [2]

Außer den Angaben in der Angelsächsischen Chronik gibt es weiter Hinweise, dass Aethelberht mehrere Königreiche der Heptarchie dominierte. Kurz nach 604 scheint er die Kontrolle über Essex erlangt zu haben, als er bei der Bekehrung seines Neffen Saebert von Essex half. Es war auch Aethelberht, der den Bau der St. Paul's Cathedral in London begann. Außerdem nennt auch Beda Aethelberht eindeutig den Lehnsherrn von Saeberht. [1] [2] [5]

Eine Passage von Beda betreffen Raedwald von East Anglia ist nicht eindeutig zu erklären. Sie scheint anzudeuten, dass Raedwald das militärische Kommando über sein Volk behielt, obwohl Aethelberht die Vorherrschaft hatte. [1] Dies deutet an, dass der Status als Bretwalda üblicherweise auf das militärische Kommando über andere Königreiche beinhaltete, aber auch mehr als das war, denn Aethelberht war Bretwalda, obwohl Raedwald die Kontrolle über seine eigenen Truppen behielt. [2] Raedwald wurde in Kent christianisiert, behielt aber seinen heidnischen Glauben und dies, gemeinsam mit der Tatsache, dass er seine eigenen Truppen kommandierte, lässt vermuten, dass Aethelberhts Kontrolle über East Anglia viel schwächer war, als sein Einfluss auf Essex. [6] Higham ist jedoch der Meinung, dass dieser eher schwierige Abschnitt folgendermaßen übersetzt werden sollte, "Raedwald, König der Ostangeln, der während Aethelberht lebte, übergab ihm sogar die militärische Führung seines Volkes", was - wenn es korrekt ist - Aethelberhts Kontrolle über East Anglia natürlich bestätigt. [9]

Es gibt keine Hinweise darauf, ob Aethelberts Einfluss stark genug war, andere Könige zum Christentum zu bekehren, doch dies liegt auch an dem Mangel an Quellen. Beispielsweise ist nichts von der Geschichte von Sussex aus dem gesamten 7. und 8. Jh. bekannt. [6] 602 war Aethelberht in der Lage, eine Versammlung im Severn-Tal an der nordwestlichen Grenze von Wessex einzuberufen, was das Ausmaß seines Einflusses andeuten könnte. [2] Über seinen Einfluss auf Mercia jedenfalls haben keine Hinweise überlebt, doch es ist bekannt, dass Mercia unabhängig von Northumbria war, so dass man annehmen kann, dass es sich unter der Vorherrschaft von Kent befand. [5]

Law of Aethelberht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Zeit nach der Ankunft von Augustinus von Canterbury, möglicherweise 602 oder 603 gab Aethelberht einen Gesetzeskodex heraus, der als Law of Aethelberht [10] bekannt ist. Diese Gesetze sind der früheste überlebende Kodex irgend eines germanischen Landes und gehört höchstwahrscheinlich zu einem der ersten geschriebenen Dokumente der Angelsachsen, da die Schrift mit Augustinus nach England gekommen sein muss. Aethelberhts Kodex bezieht sich zuerst auf die Kirche, scheint aber dennoch recht unbeeinflusst von christlichen Prinzipien zu sein. Beda berichtet, dass die Gesetze "nach der Römischen Art" verfasst wurden, doch es gibt auch nur wenig römischen Einfluss. Weiterhin wurden die Gesetze auch mit der Lex Salica der Franken verglichen, doch auch hier gibt es keine Übereinstimmungen und Historiker sind der Meinung, dass Aethelberht kein besonderes Modell als Vorbild hatte.

Das Hauptthema der Gesetze ist die Durchsetzung von Bußen für Verstöße in allen Gesellschaftsschichten. Die Höhe des Bußgeldes hängt dabei vom Status des Opfers ab und der König hatte ein finanzielles Interesse an der Durchsetzung der Gesetze, da ein Teil der Bußgelder ihm zukommen würde. Weiterhin gehörte diese Art der Regelung auch dazu, die Kontrolle über die Bevölkerung zu behalten und seine Regeln durchzusetzen. Alfred der Große erwähnte später Aethelberhts Gesetze und benutzte dessen Vorlage, wie auch die von Offa von Mercia und Ine von Wessex, um seine eigenen Gesetze zu schaffen.

Stammtafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hengest (455-488)
    1. Oeric (488–516)
      1. Octha (ca 516-540)
        1. Eormenric (✝ 580)
          1. Ricola ⚭ Sledda von Essex
          2. Aethelberht I (580-616) ⚭ | Bertha von Franken; ⚭ || NN
            1. | ♔ Eadbald (616-640) ⚭ NN (Stiefmutter); ⚭ || Emma von Austrasien
            2. | Aethelburg von Kent ⚭ ♔ Edwin von Northumbria

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Beda, Historia ecclesiastica gentis Anglorum
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Kirby, D. P. - Earliest English Kings
  3. Theuderich II (587-613), König von Burgund und Austrasien
  4. Theudebert II (585-612), König von Austrasien, Bruder von Theuderich II
  5. 5,0 5,1 5,2 Stenton, Frank - Anglo-Saxon England
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Yorke, Barbara - Kings and Kingdoms
  7. Beda nennt das Wort "imperium", das üblicherweise mit Vorherrschaft übersetzt wird.
  8. ASC, Jahr 827
  9. Higham, N. J. - "Raedwald" in Encyclopaedia of Anglo-Saxon England
  10. Englische Ausgabe des Law of Aethelberht bei der Fordham Universität.
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