Das Wort Aetheling ist ein altenglischer Begriff aus dem angelsächsischen England, der die Thronanwärter der königlichen Dynastie bezeichnet.

Ethymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ætheling, Aetheling, Atheling oder Etheling stammt aus dem Altenglischen. Es besteht aus den Worten aetheleæþele oder (a)ethel, das "edle Familie" bedeutet, und -ing, einer Endung, die "gehört zu" bedeutet. Weiterhin stammt es von dem germanischen Wort Edeling oder Edling ab und ist verwandt mit dem heutigen Adel und adelig oder adlig. Im Lateinischen wurde es grundsätzlich mit clito übersetzt.

Bedeutung im Angelsächsischen England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu beginn der Angelsächsischen Herrschaft in England wurde das Wort vermutlich für alle Personen von edler Geburt verwendet. Doch seine Nutzung wurde schon bald auf die Mitglieder der königlichen Familie beschränkt. Die Vorsilbe æþel bildete schon bald den ersten Teil der Namen verschiedener angelsächsischer Könige, zum Beispiel Aethelberht I von Kent, Aethelwulf von Wessex und Aethelred I von Wessex, und wurde benutzt, um ihre edle Geburt auszudrücken. Laut einer Urkunde aus dem zehnten Jahrhundert lag das Wergeld für einen Aetheling bei 15.000 thrymsas, oder 11.250 Schilling, was dem eines Erzbischofs entsprach, und der Hälfte für einen König.

Im Jahr 728 der Angelsächsischen Chronik wird Bezug genommen auf einen Oswald als Aetheling, da sein Ururgroßvater König von Wessex war. Seit dem 9. Jh. wurde der Begriff viel enger gefasst und bezog sich ausschließlich auf die Mitglieder des Hauses von Cerdic von Wessex, der Herrscherdynastie von Wessex, besonders auf die Söhne und Brüder des regierenden Königs.

Laut dem Historiker Richard Abels "veränderte König Alfred der Große das gesamte Prinzip der königlichen Erbfolge. Vor Alfred konnte jeder Adlige, der eine königliche Abstammung vorweisen konnte, egal wie weit entfernt, den Thron beanspruchen. Nach ihm war die Thronfolge auf Söhne und Brüder des regierenden Königs beschränkt." [1] Während der Herrschaft von Edward der Bekenner erhielt Edgar Aetheling die Bezeichnung als Enkel von Edmund II Eisenseite, doch dies geschah, da es zum ersten mal seit 250 Jahren keinen lebenden Aetheling gemäß der strengen Definition gab.

Aetheling wurde auch in poetischem Sinne genutzt und bedeutete "ein guter und edler Mann". Altenglische Verse nutzten das Wort oft zur Beschreibung von Christus, sowie auch verschiedene Propheten und Heilige. Beowulf, der Held des 8. Jh., wurde als Aetheling vorgestellt, möglicherweise als Verwandter des Königs der Gauten, auch wenn einige Übersetzer Aetheling als "Dienstmann" übersetzen. Da viele führe skandinavische Könige durch Wettkampf oder Wahl gewählt wurden und nicht durch Erbfolge, könnte der Begriff hier für eine Person reserviert sein, die für die Königswürde qualifiziert war.

Andere Benutzungen und Variationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der normannischen Eroberung von England wurde der Begriff gelegentlich benutzt, um Mitglieder der königlichen Familie zu bezeichnen. Die lateinisierte germanische Form Adelin(us) wurde im Namen des einzigen legitimen Sohnes und Erben von Heinrich I von England benutzt, William Adelin, der beim Untergang des White Ship 1120 ertrank.

Der Historiker Dáibhí Ó Cróinín [2] hat die Idee vorgebracht, dass die Bezeichnung tánaist ríg im frühmittelalterlichen Irland aus dem Angelsächsischen Konzept des Aetheling stammt. Die frühste Benutzung des Begriffs bezog sich auf einen angelsächsischen Prinzen um 628.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Abels, Richard "Royal Succession and the Growth of Policital Stability in Ninth-Century Wessex" in The Haskins Society Journal: Studies in Medieval History 12
  2. (*1954) Irischer Historiker und bekannte Autorität für hiberno-lateinische Texte.
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