Aethelred - auch bekannt als der Unberatene - war König der Engländer von 978 bis 1013 und erneut von 1014 bis zu seinem Tod 1016. Die größten Probleme während seiner Herrschaft waren die Konflikte mit den Dänen, die Aethelred durch hohe Geldzahlungen, bekannt als Danegeld, zu lösen versuchte. Trotz all seiner Bemühungen war er schließlich gezwungen, auf den Kontinent zu fliehen, als Sven Gabelbart 1013 in England einfiel, konnte seinen Thron jedoch nach dessen Tod zurück erhalten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelred war der Sohn von König Edgar dem Friedfertigen und dessen dritter Frau Aelfthryth. Sein älterer Bruder Edmund starb jung und Aethelred hatte zwei Halbgeschwister, die Hl. Edith von Wilton und Edward den Märtyrer, der vor ihm den Thron bestieg, als ihr Vater 975 starb.

Aussehen und Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelred wurde als "ein junger Mann mit anmutigen Manieren, einem gut aussehenden Gesicht und einer schönen Persönlichkeit" [1] sowie auch "ein großer, gut aussehender Mann, elegant in seinen Manieren, schön im Gesicht und interessant in seinem Benehmen". [2]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelreds Name besteht aus den Elementen æðele für "edel" und ræd für "Rat, Ratschlag", [3] eine typische Zusammenstellung für die Namen der königlichen Familie des Haus Wessex. Er ist verwandt mit den Namen seiner Vorfahren wie Aethelwulf ("edler Wolf"), Alfred ("Elfenrat"), Eadweard ("reich an Schutz") und Eadgar ("Reich an Speeren"). [4]

Aethelreds berüchtigter Spitzname, altenglisch Unræd, wird üblicherweise als "der unfertige" übersetzt, weniger oft aber weniger falsch als "der Ratlose". [5] Das angelsächsische Substantiv Unræd bedeutet "schlechter Rat", "schlechter Plan" oder "Torheit". [3] Er wurde meistens benutzt in Hinsicht auf Entscheidungen und Taten, aber einmal auch auf den schlecht beratenen Ungehorsam von Adam und Eva. Das Element ræd in unræd ist das gleiche in Aethelreds Namen, das "Rat" bedeutet. Somit ist Æþelræd Unræd ein Oxymoron von "Edler Rat, kein Rat". Der Spitzname wurde auch als "schlecht beraten", "schlecht vorbereitet" übersetzt. [6]

Da der Name zum ersten mal in den 1180er Jahren in Quellen erscheint, mehr als 150 Jahre nach Aethelreds Tod, ist es zweifelhaft, dass er irgend einen Zusammenhang mit dem Ruf des Königs in den Augen seiner Zeitgenossen oder nahen Zeitgenossen hat. [7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Stenton merkte an, dass "viel, das König Aethelred die Verachtung der Historiker eingebracht hat, sehr gut auch an dem letzten Ausweg der Umstände liegen kann, unter denen er König wurde." [8] Aethelreds Vater König Edgar war plötzlich im Juli 975 gestorben und ließ zwei junge Söhne zurück. Der ältere, der später als Edward der Märtyrer bekannt wurde, war möglicherweise illegitim [9] und "noch immer ein Jugendlicher an der Schwelle zum Mann". [8] Der jüngere Sohn war Aethelred, dessen Mutter Aelfthryth 964 Edgar geheiratet hatte. Aelfthryth war die die Tochter von Ordgar, Ealdorman of Devon und Witwe von Aethelwald, Ealdorman of East Anglia. Zur Zeit von Edgars Tod konnte Aethelred nicht älter als zehn Jahre gewesen sein. Als der ältere von Edgars Söhnen wäre ihm Edward - Berichten zufolge ein junger Mann mit gelegentlichen gewalttätigen Wutanfällen - wahrscheinlich natürlicherweise auf den Thron gefolgt, trotz seines geringen Alters, hätte er nicht "viele wichtige Personen mit seiner inakzeptablen Gewalt von Sprache und Verhalten beleidigt". [8] Einige englische Adlige stellten sich gegen Edwards Thronfolge und verteidigten Aethelreds Anspruch auf den Thron. Dieser war der Sohn von Edgars letzter lebender Ehefrau und es gab keine bekannten Gerüchte über Illegitimität, die seine Geburt befleckten, wie es bei seinem älteren Bruder war. [10]

Beide Kinder, und Aethelred sicherlich, waren zu jung, um irgend eine entscheidende Rolle in den politischen Manövern nach Edgars Tod zu spielen. Es waren ihre Anhänger, die für die Unruhen verantwortlich waren, die die Entscheidung über den Nachfolger begleiteten. Aethelreds Anspruch wurde von seiner Mutter unterstützt und zu seinen Anhängern gehörten Aelfhere, Ealdorman of Mercia und Bischof Aethelwold von Winchester, [11] [12] während Edward die Unterstützung von der Erzbischöfe Dunstan von Canterbury und Oswald von Worcester hatte, [13] sowie auch einigen Adligen wie Aethelwine, Ealdorman of East Anglia und Byrhtnoth, Ealdorman von Essex. Schlussendlich erwiesen sich Edwards Anhänger als die mächtigeren und überzeugenderen und er wurde noch vor Ende des Jahres in Kingston upon Thames zum König gekrönt.

Edward regierte nur drei Jahre, bevor er von Mitgliedern aus dem Haushalt seines Bruders ermordet wurde. [14] Obwohl nur wenig über seine kurze Herrschaft bekannt ist, wissen wir jedoch, dass sie von politischen Unruhen durchzogen war. Edgar hatte große Landschenkungen an Klöster gemacht, die das neue mönchische Ideal der Klosterreformen durchführten, doch diese unterbrachen die traditionelle Schirmherrschaft von adligen Familien. Nach dem Ende seiner festen Herrschaft wurde seine Politik rückgängig gemacht und die Adligen erhielten ihre verlorenen Ländereien zurück oder eigneten sich neue an. Dem stand Erzbischof Dunstan entgegen, doch Cyril Hart sagt: "Die Anwesenheit von Anhängern der Kirchenreform auf beiden Seiten deutet an, dass der Konflikt zwischen ihnen genauso sehr von Angelegenheiten des Landbesitzes und der örtlichen Macht abhing wie auch von kirchlicher Legitimität. Es ist ersichtlich, dass sowohl Anhänger von Edward als auch von Aethelred sich Klosterländereien aneigneten oder zurück forderten." [9] Dennoch muss die Bevorzugung von Edward stark gewesen sein in den klösterlichen Gemeinden. Als Edward im März 978 auf Aethelreds Gut Corfe Castle, Dorset getötet wurde, fiel die Aufgabe, das Ereignis aufzuzeichnen und auch die Reaktionen dazu, an die mönchischen Schreiber. Stenton stellt eine Zusammenfassung des frühesten Berichts über Edwards Mord bereit, der aus einem Werk stammt, das das Leben des Hl. Oswald von Worcester beschreibt. [8]

Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den ersten Blick scheinen die neuen Beamten und Berater des Königs in keiner Weise schlecht gewesen zu sein. Laut einem Chronisten fand die Krönung von Aethelred mit viel Jubel bei den Beratern des englischen Volkes statt. [15] Simon Keynes merkt an, dass "Byrthferth of Ramsey gleichermaßen berichtet, dass bei Aethelreds Krönung durch Erzbischof Dunstan und Erzbischof Oswald 'gab es große Freude bei seiner Salbung' und beschreibt den König als 'einen jungen Mann in Hinsicht auf seine Jahre, elegant in seinen Manieren, mit einem attraktiven Gesicht und einer gutaussehenden Erscheinung'." [15]

Aethelred war zwischen neun und zwölf Jahre alt, als er König wurde, und die Angelegenheiten wurden anfänglich von führenden Beratern wie Aethelwold von Winchester, Königin Aelfthryth und Erzbischof Dunstan von Canterbury geregelt. Aethelwold war besonders einflussreich und als er am 1. August 984 starb, wies Aethelred seine früheren Berater zurück und verlegte sich auf Politik, die einen Eingriff in Kirchenprivilegien beinhalteten, was er später bedauerte. In einer Urkunde von 993 erklärt er, dass Aethelwolds Tod dem Land jemanden entzogen hatte, "dessen Fleiß und seelsorgerische Fürsorge nicht nur meine Interessen vertrat sondern auch die aller Bewohner des Landes." [15]

Königinwitwe Aelfthryth erhielt ihren Status in den 990er Jahren zurück, als sie seine Erben aufzog und ihr Bruder Ordulf einer von Aethelreds führenden Beratern wurde. Sie starb zwischen 1000 und 1002. [16]

Konflikt mit den Dänen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem König Edgar der Friedfertige Mitte des 10. Jh. das Danelag hatte zurückerobern könnten, konnte England eine Zeit des Friedens genießen. Doch Anfang der 980er Jahre, als Aethelred kaum älter als vierzehn gewesen sein kann, begannen dänische Abenteurer eine Reihe von Angriffen auf die Küstenlinien von England. Hampshire, Thanet und Cheshire wurden 980 angegriffen, Devon und Cornwall 981 und Dorset 982. Dann vergingen sechs Jahre, ehe 988 ein weiterer Angriff auf die Küste in den Quellen erscheint, der anscheinend im Südwesen stattfand, allerdings gibt es eine berühmte Schlacht, die zwischen den Invasoren und den Thegns von Devon ausgetragen wurde. Frank Stenton berichtet, dass, obwohl die Angriffe keinen langanhaltenden Einfluss auf England selbst hatten, "ist ihre hauptsächliche historische Bedeutung, dass sie England zum ersten mal in diplomatischen Kontakt mit der Normandie brachten." [8]

Während dieser Zeit boten die Normannen den aus England zurückkehrenden Dänen Zuflucht an. Dies führte zu Spannungen zwischen den englischen und normannischen Höfen und die Nachricht über ihre Feindschaft erreichte schließlich auch Papst Johannes XV. Der Papst war geneigt, ihre Feindseligkeit gegenüber einander zu beenden und begann Maßnahmen, einen Friedensvertrag zwischen England und der Normandie auszuarbeiten, der 991 in Rouen unterzeichnet wurde. [17]

Schlacht von Maldon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Schlacht von Maldon

Im August 991 begann eine große dänische Flotte einen anhaltenden Feldzug im Südosten von England. Sie kam in Folkestone, Kent an und zog entlang der Südostküste und den Fluss Blackwater hinauf, bis sie schließlich zu dessen Mündung kamen und die Insel Northey besetzten. [15] Etwa 2 Kilometer westlich von Northey befindet sich die Küstenstadt Maldon, wo Byrhtnoth, Ealdorman von Essex, mit einer Gruppe von Thegns stationiert war. Die Schlacht, die danach zwischen den Engländern und Dänen begann, wurde durch das altenglische Gedicht The Battle of Maldon unsterblich gemacht. Es beschreibt den aussichtslosen aber heldenhaften Versuch von Byrhtnoth, die Küste von Essex gegen eine Übermacht zu verteidigen. [8] Dies war die erste einer Reihe von vernichtenden Niederlagen der Engländer: zunächst von dänischen Plünderern und später von organisierten dänischen Armeen.

Englands Tributzahlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schlacht von Maldon wurde entscheiden, dass die Engländer den Dänen den Tribut zahlen sollten, den sie forderten, und so wurde ihnen ein gafol von £10.000 für den Frieden gezahlt. Dennoch war es vermutlich die dänische Flotte, die Byrhtnoth in Maldon besiegt hatte, die weiterhin die englische Küste verwüstete, von 991 bis 993. 994 zog sie, inzwischen stark angewachsen, die Themse hinauf nach London. Die dort ausgetragene Schlacht endete unentschieden.

Etwa zu dieser Zeit traf sich Aethelred mit den Anführern der dänischen Flotte und konnte eine Übereinkunft erreichen. Ein Vertrag wurde unterzeichnet, der ein scheinbar zivilisiertes Arrangement zwischen den zu dieser Zeit angesiedelten dänischen Truppen und der englischen Regierung bot, wie die Regelung von Siedlungsstreitigkeiten und Handel. Doch der Vertrag legte auch fest, dass die Verwüstungen und das Töten des Vorjahres vergessen werden würden und endet recht plötzlich mit der Festlegung, dass £22.000 Pfund Gold und Silber den Angreifern als Friedenspreis gezahlt werden mussten. [8] 994 wurde der norwegische Prinz - und bereits getaufte Christ - Olaf Tryggvason in einer Zeremonie in Andover als Christ bestätigt, König Aethelred war sein Pate. Nachdem er Geschenke erhalten hatte, versprach Olaf, "dass er niemals in Feindschaft nach England zurückkommen würde". [15] Olaf verließ dann England, zog nach Norwegen und kehrte niemals zurück, obwohl "andere Teile der Wikingertruppe sich entschieden zu haben scheinen, in England zu bleiben, denn es ist aus dem Vertrag ersichtlich, dass einige sich entschieden hatten, als Söldner in König Aethelreds Dienste zu treten, und vermutlich auf der Isle of Wight stationiert waren". [15]

Erneute dänische Überfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

997 begannen die dänischen Überfälle erneut. Laut Keynes "gibt es keinen Hinweis darauf, dass dies eine neue Flotte oder Armee war, und wahrscheinlich hatte sich die Söldnertruppe, die 994 aus den Zurückbleibenden der plündernden Armee von 991 gebildet worden war, gegen jene gewandt, für deren Schutz sie angeworben worden waren." [15] Sie verwüsteten 997 Cornwall, Devon, das westliche Somerset und südliche Wales, und 998 Dorset, Hampshire und Sussex. 999 überfielen sie Kent und verließen 1000 England auf dem Weg in die Normandie, möglicherweise weil die Engländer sich in dieser letzten Angriffswelle geweigert hatten, die dänischen Forderungen für gafol oder Tribut zu erfüllen. Dies wurde später als Danegeld, "Dänen-Bezahlung" bekannt. Diese plötzliche Befreiung von Angriffen nutzte Aethelred, um seine Gedanken, Ressourcen und Armeen zu sammeln. Die Abreise der Flotte im Jahr 1000 "erlaubte es Aethelred, die Verwüstung von Strathclyde durchzuführen, deren Motiv Teil der verlorenen Geschichte des Nordens ist." [8]

1001 kehrte eine dänische Flotte - möglicherweise diejenige von 1000 - zurück und wütete im westlichen Sussex. Während ihren Ausflügen kehrte die Flotte regelmäßig zu ihrer Basis auf der Isle of Wight zurück. Es gab später einen versuchten Angriff im Süden von Devon, doch die englischen musterten eine erfolgreiche Verteidigung in Exeter. Dennoch musste Aethelred sich verloren gefühlt haben und im Frühling 1002 erkauften sich die Engländer einen Frieden für £24.000. Aethelreds gelegentliche Zahlungen von riesigen Summen Danegelt werden oft als Beispiel der Inkompetenz seiner Regierung und seiner eigenen Kurzsichtigkeit angeführt. Doch Keynes weist darauf hin, dass solche Zahlungen seit mindestens einem Jahrhundert Brauch und von Alfred dem Großen, Karl dem Kahlen und vielen anderen gemacht worden waren. Tatsächlich "könnte es [in einigen Fällen] als der bestmögliche Weg angesehen worden sein, um das Volk gegen den Verlust des Lebens, Obdachs, Vieh und Ernte zu schützen. Obwohl zweifellos belastend stellt es einen Maßstab dafür dar, wie weit sich der König auf breite Unterstützung verlassen konnte." [15]

St. Brice's Day Massacre von 1002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St. Brice's Day Massacre

Aethelred befahl ein Massaker an allen dänischen Männern in England, das am 13. November 1002 stattfinden sollte, dem St. Brice's Day. Kein Befehl dieser Art konnte in mehr als einem Drittel von England ausgeführt werden, wo die Dänen so stark waren, doch Gunhilde, Schwester von Sven Gabelbart, König von Dänemark, soll sich unter den Opfern befunden haben. Es ist wahrscheinlich, dass sein Wunsch, sie zu rächen, eines der Hauptmotive für Svens Invasion ins westliche England im folgenden Jahr war. [8] 1004 befand sich Sven in East Anglia, wo er Norwich plünderte. In diesem Jahr traf sich Ulfcytel Snillingr, ein Adliger aus East Anglia, mit Svens Truppen und machte Eindruck auf die bis dahin ungezügelte dänische Truppe. Obwohl Ulfcytel schlussendlich bei Thetford besiegt wurde, fügte er den Dänen schwere Verluste zu und war beinahe in der Lage, ihre Schiffe zu zerstören. Die dänische Armee verließ England 1005 und zog zurück nach Dänemark, möglicherweise aufgrund der in East Anglia erlittenen Verluste und möglicherweise aufgrund der sehr schweren Hungersnot, die den Kontinent und die Britischen Inseln in diesem Jahr beeinflusste. [15]

Ein Feldzug im folgenden Jahr wurde 1007 durch eine Tributzahlung von £36.000 abgebrochen und in den nächsten beiden Jahren blieb England vor Angriffen verschont. 1008 ließ die Regierung eine neue Flotte von Kriegsschiffen erbauen, die auf nationaler Ebene organisiert war, doch diese wurde geschwächt, als sich einer der Kommandanten auf Piraterie verlegte und der König und seine Berater sich entschieden, nichts weiter zu riskieren. Frank Stenton merkt hierzu an: "Die Geschichte von England in der nächsten Generation wurde zwischen 1009 und 1012 entschieden ... der schmachvolle Zusammenbruch der englischen Verteidigung führte zu einem Verlust von Moral, der irreparabel war." Die dänische Armee von 1009, angeführt von Thorkell the Tall und seinem Bruder Hemming, war die außergewöhnlichste Flotte, die in England einfiel, seit Aethelred König geworden war. Sie verwüstete England, bis sie mit £48.000 im April 1012 ausgezahlt wurde. [8]

Sven begann dann 1013 eine Invasion mit der Absicht, sich selbst zum König von England zu krönen, während er sich als größerer General erwies als jeder andere Vikingeranführer seiner Generation. Gegen Ende von 1013 war der englische Widerstand zusammengebrochen und Sven hatte das Land erobert und Aethelred gezwungen, ins Exil in die Normandie zu fliehen. Doch die Situation änderte sich schlagartig, als Sven am 3. Februar 1014 starb. Die Crews der dänischen Schiffe auf dem Trent, die Sven unterstützt hatten, schworen sofort seinem Sohn Knut dem Großen Gefolgschaft, doch die führenden englischen Adligen schickten eine Gesandtschaft zu Aethelred, um seine Wiedereinsetzung auf dem Thron zu verhandeln. Er musste ihnen schwören, loyal zu sein, Reformen in allem, das ihnen missfiel, zu bringen und alles vergeben, das in seiner ersten Herrschaft gegen ihn gesagt oder getan worden war. Die Bedingungen dieser Übereinkunft sind von großem rechtsstaatlichem Interesse in der frühen englischen Geschichte, da sie den ersten aufgezeichneten Pakt zwischen einem König und seinen Untertanen darstellen, und außerdem auch als Zeichen angesehen werden, dass viele englische Adlige sich Sven unterworfen hatten, einfach weil sie Aethelred nicht vertrauten. [8] [6]

Aethelred begann dann einen Feldzug gegen Knut und dessen Verbündete. Es waren nur die Menschen des Königreichs Lindsey (das heutige nördliche Lincolnshire), die Knut unterstützten. Aethelred begann zuerst, London zurück zu erobern, anscheinend mit Hilfe des Norwegers Olaf Haraldsson. Laut dem isländischen Historiker Snorri Sturluson führte Olaf mit einer Flotte von Schiffen einen erfolgreichen Angriff auf die London Bridge durch. Dann half er Aethelred, London und andere Teile des Landes zurück zu erobern. Knut und seine Armee entschieden sich, sich im April 1014 aus England zurück zu ziehen und ließen ihre Verbündeten aus Lindsey zurück. Gegen 1016 zog Olaf vermutlich ab, um das westliche Europa zu überfallen. [18] Im gleichen Jahr kehrte Knut zurück und fand eine komplizierte und brisante Situation in England vor. [18] Aethelreds Sohn Edmund II Eisenseite hatte gegen seinen Vater rebelliert und sich im Danelag zum König gemacht. Die Bewohner des Danelag waren wütend auf Knut und Aethelred für die Verwüstung von Lindsey und bereit, Edmund in jedem Aufstand gegen beide zu unterstützen.

Tod und Begräbnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den nächsten Monaten eroberte Knut den Großteil von England, während Edmund sich Aethelred wieder anschloss, um London zu verteidigen. Aethelred starb am 23. April 1013. Der daraufhin ausbrechende Krieg zwischen Edmund und Knut führte zu einem entscheidenden Sieg für Knut in der Schlacht von Assandun am 18. Oktober des gleichen Jahres. Edmunds Ruf als Krieger war jedoch so groß, dass Knut trotzdem bereit war, England zu teilen: Edmund erhielt Wessex und Knut alles Land auf der anderen Seite der Themse. Edmund starb jedoch schon am 30. November und Knut wurde König von England. [8]

Aethelred wurde in der Alten St. Paul's Cathedral in London begraben. Das Grabmal und sein Monument wurden gemeinsam mit der Kathedrale im Großen Feuer von London 1666 zerstört. [19]

Errungenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesetzgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelreds Regierung produzierte viele Gesetze, die er "gnadenlos durchsetzte". [20] Es gibt Berichte über mindestens sechs Gesetzestexte aus seiner Herrschaft, die eine Vielzahl von Themen abdeckten. [21] Eines der Mitglieder seines Rats war Wulfstan II, Erzbischof von York, ein sehr bekannter Homilist. [22] Die drei letzten Gesetzestexte, die während Aethelreds Herrschaft entstanden, scheinen von ihm entworfen worden zu sein. [23] Diese Kodizes beschäftigen sich sehr mit kirchlichen Angelegenheiten. Sie stellen außerdem den Charakter von Wulfstans außergewöhnlichem rhetorischem Stil dar. Wulfstan entwarf später Gesetzestexte für König Knut und benutzte dort viele der Gesetze, die schon aus der Zeit von Aethelred stammten. [24]

Trotz dem Misserfolg seiner Regierung im Angesicht der dänischen Bedrohung war Aethelreds Herrschaft nicht ohne einige wichtige institutionelle Errungenschaften. Die Qualität der Münzen, ein guter Indikator für die vorherrschenden wirtschaftlichen Bedingungen, steigerte sich während seiner Herrschaft aufgrund seiner zahlreichen Münzreformgesetze. [25]

Herkunft der Jury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aethelred wird die Entwicklung einer örtlichen Untersuchungsgruppe aus zwölf Thegns zugeschrieben, die damit beauftragt waren, die Namen jedes berüchtigten oder verkommenen Mannes in ihrem jeweiligen Gebiet veröffentlichen sollten. Da die Mitglieder dieser Gruppen unter dem heiligen Eid standen, in Übereinstimmung mit dem Gesetz und ihrem eigenen gesunden Verstand zu arbeiten, wurden sie von einigen Rechtshistorikern als der Prototyp der englischen Jury angesehen. [26] Die Vorbereitungen für so eine Gruppe erscheinen in einem Gesetzestext, den er 997 in Wantage erließ, doch die Wortwahl dort lässt vermuten, dass er möglicherweise einen Brauch wiederbelebte, der bereits existierte. Tatsächlich ist es möglich, dass er einen englischen Brauch für die Nutzung unter dänischen Einwohnern im Norden erweiterte. Zuvor hatte König Edgar ähnliche Richtlinien in einem eigenen Gesetzestext aufgestellt.

Die "Legende" eines angelsächsischen Ursprungs der Jury wurde zum ersten mal ernsthaft von Heinrich Brunner im Jahr 1872 in Frage gestellt, der behauptete, Hinweise auf die Jury fänden sich zum ersten mal während der Herrschaft von Heinrich II, etwa 200 Jahre nach Ende der angelsächsischen Zeit, und dass die Praxis bei den Franken entstanden war, die wiederum die Normannen beeinflusst hatte, die es danach in England einführten. [26] [24] Seit dieser These wurde der Ursprung der englischen Jury viel diskutiert. Während dem 20. Jh. stritten sich Rechtshistoriker darüber, ob die Praxis in England entstanden oder dort direkt oder indirekt von Skandinavien oder Frankreich eingeführt worden war. [26] Erst kürzlich haben die Rechtshistoriker Patrick Wormald und Michael Macnair Argumente vorgestellt, dass sich in Praktiken, die während der angelsächsischen Zeit Brauch waren, Spuren der angevinischen Praxis finden, Untersuchungen mit eingeschworenen, privaten Zeugen durchzuführen. Wormald ist sogar so weit gegangen, Hinweise darauf vorzustellen, die vermuten lassen, dass die englische Praxis, die in Athelreds Gesetzeskodex aus Wantage enthalten ist, mindestens aus 975 stammt, wenn nicht schon früher, und sich schlussendlich auf ein karolingisches Modell zurückführen lässt. [27] Es wurde jedoch noch immer keine Einigkeit unter Gelehrten erreicht.

Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätere Darstellungen von Aethelred waren weniger schmeichelhaft. Zahlreiche Legenden und Anekdoten wurden entwickelt, um seine Unzulänglichkeiten zu erklären und übertrieben oft seinen Charakter und seine Fehler. Eine dieser Anekdoten wurde von William of Malmesbury (c. 1080-1143) aufgezeichnet und berichtet, dass Aethelred als Kind ins Taufbecken kotierte, was Dunstan prophezeien ließ, dass die englische Monarchie während seiner Herrschaft gestürzt werden würde. Diese Geschichte ist eine Erfindung und eine ähnliche wird über den byzantinischen Kaiser Constantine Copronymus erzählt, einen anderen mittelalterlichen Herrscher, der bei einigen seiner Untertanen sehr unbeliebt war.

Versuche, Aethelreds Ruf wiederherzustellen, wurde seit 1980 unternommen. Einer der eifrigsten ist Simon Keynes, der oftmals argumentiert hat, dass der schlechte Eindruck von Aethelred beinahe ausschließlich auf späteren Berichten und Anschuldigungen basiert. Einer der größten Übeltäter in dieser Hinsicht und auch eine der wichtigsten Quellen dieser Zeit ist die Angelsächsische Chronik. Sie berichtet nach einer Zeitspanne von fünfzehn Jahren über die Ereignisse und interpretiert die Ereignisse der schlussendlichen englischen Niederlage als vorherbestimmtes Schicksal.

Da eigentlich kein absolut zeitnaher Bericht über die Ereignisse von Aethelreds Herrschaft existiert, sind Historiker gezwungen, sich auf die vorhandenen Beweise zu stützen. Keynes und andere machen daher auf die unvermeidlichen Fallstricke von Untersuchungen in der Geschichte eines Mannes aufmerksam, den die spätere öffentliche Meinung vollkommen verdammt hat. Jüngste vorsichtige Bewertungen von Aethelreds Herrschaft haben viel öfter Gründe für Zweifel offen gelegt, als Aethelreds spätere Unbeliebtheit aufrecht erhalten. Obwohl die Fehlschläge seiner Regierung diese immer in den Schatten der Herrschaft von Edgar, Aethelstan und Alfred stellen werden, halten heutige Historiker seinen Charakter nicht für so schlecht, wie er einst dargestellt wurde: "Aethelreds Unglück als Herrscher lag nicht so sehr an irgendwelchen angeblichen Defekten seines angeblichen Charakters sondern an einer Kombination aus Umständen, die jeder schwer hätte kontrollieren können." [28]

Stammbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edmund I ⚭ I Aelfgifu von Shaftesbury; ⚭ II Aethelflaed von Damerham
    1. | ♔ EadwigAelfgifu
    2. | ♔ Edgar der Friedfertige ⚭ I Aethelflaed Eneda; ⚭ II Wulfthryth von Wilton; ⚭ ||| Aelfthryth
      1. | ♔ Edward der Märtyrer
      2. || ⛪ Edith of Wilton
      3. ||| Edmund Aetheling
      4. ||| ♔ Aethelred der Unberatene ⚭ | Aelfgifu von York; ⚭ || Emma von der Normandie
        1. | Aethelstan Aetheling (✝ 1014)
        2. | Ecgberht Aetheling (✝ 1005)
        3. | ♔ Edmund II Eisenseite (✝ 1016)
        4. | Eadred Aetheling (✝ 1013)
        5. | Eadwig Aetheling (✝ 1017)
        6. | Edgar Aetheling (✝ 1008)
        7. | Edith ⚭ Eadric Streona
        8. | Aelfgifu ⚭ Uhtred der Stolze, Ealdorman of Northumbria
        9. | Wulfhild ⚭ Ulfcytel Snillingr
        10. | ⛪ NN, Äbtissin von Wherwell Abbey
        11. || ♔ Edward der Bekenner (✝ 1066)
        12. || Alfred Aetheling (✝ 1036–37)
        13. || Goda von England ⚭ | Drogo von Mantes; ⚭ || Eustace II, Graf von Boulogne

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Florence of Worcester (1854). The Chronicle of Florence of Worcester: With the Two Continuations; Comprising Annals of English History, from the Departure of the Romans to the Reign of Edward I. Translated by Thomas Forester. London: Henry G. Bohn
  2. The Gunnlaugr Saga of Gunnlaugr the Scald
  3. 3,0 3,1 Bosworth, Joseph; Toller, T. N. (1882). An Anglo-Saxon Dictionary
  4. Schröder, Edward (1944). Deutsche Namenkunde: Gesammelte Aufsätze zur Kunde deutsche Personen- und Ortsnamen
  5. "Ethelred the Redeless" e.g. in Hodgkin, Thomas (1808). The History of England from the Earliest Times to the Norman Conquest
  6. 6,0 6,1 Williams, Ann (2003). Æthelred the Unready: The Ill-Counselled King
  7. Keynes, Simon (1978), "The Declining Reputation of King Æthelred the Unready", in David Hill (ed.), Ethelred the Unready: Papers from the Millenary Conference
  8. 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 Stenton, Frank (2001). Anglo-Saxon England
  9. 9,0 9,1 Hart, Cyril (2007). "Edward the Martyr". Oxford Dictionary of National Biography
  10. Miller, Sean (1999). "Edward the Martyr". In Lapidge, Michael; Blair, John; Keynes, Simon; Scragg, Donald (eds.). The Blackwell Encyclopædia of Anglo-Saxon England
  11. Higham, N. J. (2000). The Death of Anglo-Saxon England
  12. Stafford, Pauline (1989). Unification and Conquest: A Political and Social History of England in the Tenth and Eleventh Centuries
  13. Phillips, G. E. (1909). "St. Edward the Martyr" . In Herbermann, Charles (ed.). Catholic Encyclopedia
  14. Keynes, Simon (1980). The Diplomas of King Æthelred 'the Unready' 978–1016
  15. 15,0 15,1 15,2 15,3 15,4 15,5 15,6 15,7 15,8 Keynes, Simon (2004). "Æthelred II (c. 966x8–1016)". Oxford Dictionary of National Biography
  16. Stafford, Pauline (2004). "Ælfthryth (d. 999x1001)". Oxford Dictionary of National Biography
  17. Brusher S. J., Joseph. "John XV - the Scholarly Pontiff", "Popes Through the Ages"
  18. 18,0 18,1 Hagland, J.R.; Watson, B. (2005). "Fact or folklore: the Viking attack on London Bridge" (PDF). London Archaeologist
  19. Keynes, Simon (2012). "The Burial of King Æthelred the Unready at St. Paul's". In Roffe, David (ed.). The English and Their Legacy, 900–1200: Essays in Honour of Ann Williams
  20. Wormald, Patrick (1978), "Aethelred the lawmaker", in Hill, David (ed.), Ethelred the Unready: Papers from the Millenary Conference
  21. Liebermann, Felix (1903). Die Gesetze der Angelsachsen: in der Ursprache mit Übersetzung und Erläuterungen
  22. Homilistik ist die Kunst des Umgangs mit Menschen und bezeichnet in der Theologie die Predigtlehre.
  23. Wormald, Patrick (2004). "Wulfstan (d. 1023)". Oxford Dictionary of National Biography
  24. 24,0 24,1 Wormald, Patrick (1999). Making of English Law: King Alfred to the Twelfth Century
  25. "Ethelred II". Encyclopædia Britannica. 2009
  26. 26,0 26,1 26,2 Turner, Ralph V. (1968). "The Origins of the Medieval English Jury: Frankish, English, or Scandinavian?". The Journal of British Studies
  27. Wormald, Patrick (1999). "Neighbors, Courts, and Kings: Reflections on Michael Macnair's Vicini". Law and History Review
  28. Keynes, Simon (1986). "A Tale of Two Kings: Alfred the Great and Æthelred the Unready". Transactions of the Royal Historical Society
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