Alcuin of York - auch Ealhwine, Alhwin oder Alchoin - war ein englischer Gelehrter, Kleriker, Poet und Lehrer aus York. Am bekanntesten ist er für seinen Aufenthalt am Hof von Karl dem Großen in den 780er und 790er Jahren. Alcuin wird als einer der wichtigsten intellektuellen Architekten der karolingischen Renaissance angesehen. Unter seinen Schülern waren viele der wichtigsten Intellektuellen der Karolinger-Ära.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alcuin wurde vermutlich irgendwann in den 730er Jahren in Northumbria geboren. Über seine Eltern, seinen familiären Hintergrund und seine Herkunft ist nichts bekannt. [1] In seiner Heiligenbiographie, der Vita Alcuini, heißt es, dass Alcuin "von edler englischer Abstammung" war, und diese Behauptung wurde üblicherweise von den Gelehrten akzeptiert. Alcuins eigene Werke erwähnen nur entfernte Verwandte wie Wilgils, Vater des Missionars und Heiligen Willibrord, und Beornad (oder Beornred), Abt von Echternach und Bischof von Sens. [1] Alle drei waren miteinander blutsverwandt. [2] [3]

In seinem Life of St. Willibrord schrieb Alcuin, das Wilgils, den er einen paterfamilias nannte, ein Oratorium und eine Kirche an der Mündung des Humber gegründet hatte, die Alcuin geerbt hatte. Da sich in frühen anglo-lateinischen Schriften paterfamilias ("Oberhaupt der Familie, des Haushalts") normalerweise auf einen Ceorl bezieht, vermutet Donald A. Bullough, dass Alcuins Familie diesen Status hatte: frei, aber einem Adligen unterstellt, und dass Alcuin und andere Mitglieder seiner Familie durch gute Verbindungen zum Adel aufstiegen. [1] Wenn dem so ist, könnte Alcuin möglicherweise aus dem südlichen Teil von Northumbria stammen, der früher als Deira bekannt war. [1]

York[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Alcuin kam während dem Goldenen Zeitalter von Erzbischof Ecgbert und dessen Bruder, dem northumbrischen König Eadberht, in die Kathedrale von York. Ecgberht war ein Schüler von Beda gewesen, der ihn drängte, York zu einem Erzbischofssitz erheben zu lassen. König Eadberht und Erzbischof Ecgberht beaufsichtigten die Neuorganisation der englischen Kirche mit Hauptaugenmerk auf der Reformierung des Klerus und und nach der Tradition des Lernens, die Beda begonnen hatte. Ecgbert kümmerte sich sehr um Alcuin, der unter seiner Aufsicht gedieh.

Die Schule von York war bekannt als Zentrum des Lernens der sieben Freien Künste (Trivium und Quadrivium), Literatur und Wissenschaft sowie religiöser Angelegenheiten. [4] Von dort zog Alcuin seine Inspiration für die Schule, die er am fränkischen Hof einführen würde. Er führte dort die Disziplinen des Trivium (Grammatik, Dialektik und Rhetorik) und Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) ein. [5] Er schrieb einen Kodex über das Trivium, während sein Student Hraban eines über das Quadrivium schrieb.

Alcuin schloss seine Ausbildung während der 750er Jahre ab und wurde Lehrer. Sein Aufstieg in die Führungsriege der Yorker Schule begann, nachdem Aelbert 767 Erzbischof von York geworden war. Um die gleiche Zeit wurde Alcuin ein Diakon in der Kirche. Er war niemals ein geweihter Priester. Obwohl es keine wirklichen Hinweise darauf gibt, dass er die Mönchischen Weihen erhalten hatte, lebte er, als hätte er.

781 Schickte König Aelfwald Alcuin nach Rom, um den Papst um eine offizielle Bestätigung des Status von York als Erzbischofssitz zu bitten und die Wahl des neuen Erzbischofs, Eanbald I, zu bestätigen. Auf dem Heimweg traf Alcuin Karl den Großen (den er bereits einmal zuvor getroffen hatte), diesmal in der italienischen Stadt Parma.

Karl der Große[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alcuins intellektuelle Neugier erlaubte es ihm, sich schnell von Karl überzeugen zu lassen, an dessen Hof zu kommen. Er schloss sich einer illustren Gruppe von Gelehrten an, die Karl um sich versammelt hatte, die treibenden Kräfte der karolingischen Renaissance: Peter von Pisa, Paulinus von Aquileia, Rado und Abt fulrad. Alcuin schrieb später: "der Herr rief mich in den Dienst von König Karl".

Alcuin wurde der Meister der Palastschule von Karl dem Großen in Aachen im Jahr 782. [5] Sie war von den Vorfahren des Königs gegründet worden als Ort für die Ausbildung der königlichen Kinder (hauptsächlich in Manieren und der höfischen Art). Doch Karl wollte auch die Freien Künste einführen und besonders das Studium der Religion. Von 782 bis 790 unterrichtete Alcuin Karl selbst, seine Söhne Pippin und Ludwig und alle jungen Männer, die zur Ausbildung an den Hof geschickt worden waren, sowie die jungen Kleriker, die zur Palastkapelle gehörten. Er hatte aus York seine Assistenten Pyttel, Sigewulf und Joseph mitgebracht und revolutionierte den Ausbildungsstandart der Palastschule. Er machte Karl mit den Freien Künsten bekannt und schuf eine personalisierte Atmosphäre der Gelehrsamkeit und des Lernens, was so weit ging, dass die Einrichtung als "Schule von Meister Albinus" bekannt wurde.

In seiner Rolle als Berater kümmerte sich um die Politik des Kaisers, Heiden bei Todesandrohung zur Taufe zu zwingen, mit dem Argument "Glaube ist ein Akt des freien willens, nicht ein erzwungener Akt. Wir müssen an das Bewusstsein appellieren, nicht durch Gewalt überzeugen. Du kannst Menschen zwingen, sich taufen zu lassen, doch du kannst sie nicht zwingen, zu glauben." Seine Argumente scheinen sich bewährt zu haben - Karl schaffte die Todesstrafe für Heidentum 797 ab. [6]

Karl sammelte die besten Männer jedes Landes an seinem Hof und wurde weit mehr als nur der König im Zentrum. Es scheint, dass viele dieser Männer seine engsten Freunde und Berater wurden. Sie nannten ihn "David", als Anspielung auf den biblischen König David. Alcuin fand sich bald als enger Freund von Karl und den anderen Männern am Hof wieder, wo Schüler und Meister unter einander mit liebevollen und scherzhaften Spitznamen bekannt waren. [7] Alcuin selbst war bekannt als "Albinus" oder "Flaccus". Während er in Achen seinen Schülern Haustiernamen gab - sie stammten hauptsächlich von Virgils Eclogues. [8] Laut der Encyclopaedia Britannica "liebte er Karl den Großen und genoss des Königs Achtung, doch seine Briefe enthüllen, dass seine Angst vor ihm so groß war wie seine Liebe". [9]

Rückkehr nach Northumbria und ins Fränkische Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

790 reiste Alcuin vom Hof Karls des Großen zurück nach England, mit dem er in Verbindung geblieben war. Dort lebte er für einige Zeit, doch Karl lud ihn ein, ihm im Kampf gegen die Häresie des Adoptianismus [10] zu helfen. Diese machte zu dieser Zeit große Fortschritte in Toledo, der alten Hauptstadt der Visigoten und immer noch einer großen Stadt der Christen unter islamischer Herrschaft in Spanien. Alcuin soll soll Kontakte mit Beatus von Liébana aus dem Königreich Asturia gehabt haben, der gegen den Adoptionismus kämpfte. Beim Konzil von Frankfurt 794 verteidigte Alcuin die orthodoxe Doktrin gegen die Ansichten, die von Felix von Urgel dargelegt wurden, der laut der katholischen Enzyklopädie ein Häresiarch [11] war. [5] Nachdem es ihm während seinem Aufenthalt in Northumbria nicht gelungen war, König Aethelreds Art der Herrschaft zu beeinflussen, kehrte Alcuin niemals wieder nach England zurück.

Spätestens Mitte 792 war Alcuin zurück am Hof von Karl dem Großen. Er schrieb in den folgenden Monaten eine Reihe von Briefen an Aethelred, Hygebald, Bischof von Lindisfarne und Aethelhard, Erzbischof von Canterbury, die sich mit dem Wikinger-Angriff auf Lindisfarne im Juli 793 befassten. Diese Briefe und Alcuins Gedicht über die Angelegenheit, De clade Lindisfarnensis monasterii, stellen den einzigen zeitgenössischen Bericht über diese Ereignisse dar. In seiner Beschreibung des Angriffs schrieb er: "Niemals zuvor war solcher Terror in Britannien erschienen. Sehet die Kirche des Hl. Cuthbert, bespritzt mit dem Blut von Gottes Priestern, ihrer Ornamente beraubt."

Tours und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

796 war Alcuin in seinen 60ern. Er hoffte darauf, von den Pflichten des Hofes befreit zu werden und nach dem Tod von Abt Itherius von Saint Martin at Tours übergab Karl der Große die Abtei Marmoutier an Alcuin, damit dieser immer verfügbar wäre, wenn der König jemals seinen Rat benötigen würde. Dort ermutigte Alcuin die Mönche in ihrer Arbeit an der wunderschönen karolingischen Kleinschrift, Vorgänger der modernen römischen Schriftart. [9]

Alcuin starb am 19. Mai 804, etwa zehn Jahre vor dem Kaiser und wurde in der Kirche St. Martin's begraben unter folgender Inschrift: [12]

Staub, Würmer und Asche jetzt ...
Alcuin mein Name, Weisheit liebte ich immer
Bete, Leser, für meine Seele.

Der Großteil der Details über Alcuins Leben stammt aus seinen Briefen und Gedichten. Es finden sich auch autobiographische Teile in Alcuins Gedicht über York und in der Vita Alcuini, einer Heiligenbiographie, die für ihn in den 820er Jahren in Ferrières geschrieben wurde und möglicherweise zum Teil auf den Erinnerungen von Sigwulf basierte, einem der Schüler von Alcuin.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bullough, Donald A (2004). Alcuin: Achievement and Reputation
  2. Mayr-Harting, Henry (2016). "Alcuin, Charlemagne and the problem of sanctions". In Baxter, Stephen; Karkov, Catherine; Nelson, Janet L.; Pelteret, David (eds.). Early Medieval Studies in Memory of Patrick Wormald
  3. Stenton, Frank (2001). Anglo-Saxon England
  4. Hutchison, Fred (1 June 2006). "A cure for the educational crisis: Learn from the extraordinary educational heritage of the West". RenewAmerica
  5. 5,0 5,1 5,2 Burns, James Aloysius (1907). "Alcuin" . In Herbermann, Charles (ed.). Catholic Encyclopedia
  6. Needham, N. R. (2000). 2,000 Years of Christ's Power
  7. Wilmot-Buxton, E.M. (1922). Alcuin
  8. Jaeger, C. Stephen (1999). Ennobling Love: In Search of a Lost Sensibility
  9. 9,0 9,1 "Alcuin | Anglo-Saxon scholar". Encyclopedia Britannica
  10. Eine christliche Lehre, nach der Jesus nicht ein Teil von Gott, sondern ein Mensch war, der von Gott adoptiert wurde.
  11. Anführer einer christlichen Sekte, deren Meinung von der üblichen abweicht.
  12. Duckett, Eleanor Shipley (1951). Alcuin, Friend of Charlemagne
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