Armorica während der römischen Besetzung.

Armorica - auch Aremorica, von gallisch are-mor-ika = "vor dem Meer, Ort an der See" - war im Frühmittelalter der Teil von Gallien zwischen der Seine und der Loire, das heißt die heutige Normandie und Bretagne.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britonische Auswanderer im 6. Jh.

Plinius der Ältere [1] behauptet in seiner Natural History, dass Armorica der alte Name von Aquitanien wäre und sich dessen Grenzen bis zu den Pyrenäen erstreckten. Ihm zufolge lebten folgende keltische Stämme in dem Gebiet: die Aedui und Carnuteni, die Verträge mit Rom hatten, die Meldi und Secusiani, die einige Unabhängigkeit besaßen, und die Boii, Senonen, Aulerci, Parisii, Tricassen, Andicavi, Vinducassen, Bodiocassen, Veneti, Coriosveliten, Diablinti, Rhedonen, Turonen und Atseui.

Es gab schon lange Handelsbeziehungen zwischen Armorica und Britannien. Dies ist auch dadurch bewiesen, dass nach dem Feldzug von Publius Crassus [2] 57 v. Chr. weiterhin Widerstand gegen die Römische Herrschaft in Armorica von keltischen Adligen in Britannien unterstützt wurde. Deshalb führte auch Julius Caesar 55 und 54 v. Chr. zwei Invasionen nach Britannien durch. Einige Hinweise auf das komplizierte kulturelle Netzwerk zwischen Britannien und Armorica gibt Caesar, als er Diviciacus von den Suessionen beschreibt als "den mächtigsten Herrscher in ganz Gallien, der nicht nur über ein großes Gebiet in dieser Region Kontrolle hat, sondern auch von Britannien". Auch Ausgrabungen entlang der Südküste von England zeigen Verbindungen zu Armorica. Diese "prähistorische" Verbindung von Cornwall und der Bretagne bereitete die Bühne für eine Verbindung, die bis zum Mittelalter fort bestand. Weiter östlich allerdings war die typische Verbindung von Britannien zum Kontinent das untere Seine-Tal.

Unter dem Römischen Imperium wurde Armorica als Teil der Provinz Gallia Lugdunensis verwaltet, deren Hauptstadt Lugdunum war (das heutige Lyon). Nachdem sich die Legionen gegen 407 aus Britannien zurückgezogen hatten, vertrieb der örtliche Adel dort die zivilen Magistrate im nächsten Jahr. Armorica rebellierte in den 430er Jahren und in den 440ern erneut und vertrieb die herrschenden Beamten, wie Britannien es getan hatte.

Während der schlecht dokumentierten Periode zwischen dem 5. und 7. Jh. wurde die "armoricanische" Halbinsel von Britonen aus Britannien besiedelt. Sogar im fernen Byzanz hörte Prokopius Geschichten von Migrationen auf das fränkische Festland. Diese Siedler, ob sie nun Flüchtlinge waren oder nicht, machten ihre Anwesenheit bemerkbar, indem sie die westlichsten, am Atlantik gelegenen Provinzen Armoricas in Cornouaille (Cornwall) und Domnonée (Devon) benannten.

Die Sprache der Bretonen entstammt ganz eindeutig der keltisch-britonischen Sprache, wie das Walisisch oder Kornisch der Inselkelten, das von den migrierenden Britonen auf den Kontinent gebracht wurde.

Im 9. und 10. Jh. begannen Wikinger sich um Rouen anzusiedeln und das Gebiet wurde als Normandie bekannt, wobei der Name Armorica nicht mehr benutzt wurde.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das fiktive Dorf der Asterix-Comics befand sich im Armorica der Zeit der römischen Republik.
  • Joyce, James - Finnegans Wake (Er erwähnt gleich im ersten Satz Nord Armorica.)
  • Cornwell, Bernard - The Winter King (Mont Saint Michel wird von den Franken belagert und zerstört.)
  • Mowat, Farley - The Farfarers: Before the Norse (Spekulation, dass Armorica der Ursprung der Albans waren, die vor den Römern nach Britannien und später vor den Wikingern nach Nordamerika flohen.)
  • L'Amour, Louis - The Walking Drum (Der Hauptdarsteller stammt aus der Bretagne und macht viele Hinweise auf das Armorica im 12. Jh.)
  • Marillier, Juliet - Sevenwaters-Serie (Heimatland eines der Charaktere)

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Römischer Autor, Naturalist und Philosoph sowie Flottenkommandant; Freund von Kaiser Vespasian. Er lebte 23 bis 79 n. Chr.
  2. 82-53 v. Chr. Sohn von Marcus Licinius Crassus, einem der drei Mitglieder des Triumvirats, aus dem Julius Caesar später als Diktator von Rom hervor ging.
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