Die Atrebates waren ein belgischer Stamm aus Gallien und Britannien vor der Römischen Eroberung. Es ist auch möglich, dass es sich bei ihnen um eine Herrscherfamilie handelte, denn es gibt keinen Hinweis auf eine große Einwanderung von Belgien nach Britannien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gallische Atrebaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gallischen Atrebates lebten in oder um das heutige Artois in Nordfrankreich. Ihre Hauptstadt Nemetocenna ist heute die Stadt Arras, der Name entstand durch die Evolution des Stammesnamens und ersetzte den ursprünglichen Namen in der Zeit gegen Ende des Römischen Reiches. Der Regionsname Artois ist das Resultat einer weiteren Namensentwicklung.

57 v. Chr. waren die Atrebates ein Teil des belgischen Militärbündnisses, das sich durch Cäsars Britannienfeldzüge in anderen Gegenden von Gallien bedroht sah. Eine Armee von 15.000 Mann kam zusammen, die Julius Caesar als Bedrohung sah. Er marschierte gegen sie, doch die Belgier hatten die vorteilhaftere Position und erlangten eine Pattsituation. Die Allianz brach auseinander und Caesar konnte in Kämpfen gegen die einzelnen Stämme deren Unterwerfung erlangen.

Die Atrebates schlossen sich mit den Nervii [1] und den Viromandui [2] zusammen und griffen Caesar an, wurden jedoch besiegt. Nachdem er sie unterworfen hatte, ernannte Caesar Commius zum König der Atrebates, der ihn auch zu seinem Eroberungsfeldzug nach Britannien 55 und 54 begleitete. Commius war es ebenfalls, der mit Cassivellaunus über dessen Unterwerfung verhandelte. Als Belohnung erhielt Commius die Autorität über die Morini [3], wandte sich jedoch später gegen die Römer und schloss sich dem Aufstand des Vercingetorix [4] 52 v. Chr. an. Nach der Niederschlagung des Aufstands hatte Commius noch mehrere Zusammenstöße mit den Römern und floh schließlich nach Britannien mit einigen Anhängern.

Commius scheint in Gallien einigen Einfluss zurückgewonnen zu haben, denn er erscheint auf verschiedenen Münzen aus der Zeit nach der Eroberung durch die Römer.

Britannische Atrebaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keltische Stämme im Süden.png

Commius konnte sich schnell zum König der britischen Atrebates aufschwingen, vermutlich gründete er das Königreich selbst. Ihr Territorium lag im heutigen Hampshire, West Sussex und Berkshire, das Zentrum war die Hauptstadt Cavella Atrebatum (das heutige Silchester). Im Norden lagen die Gebiete der Dobunni und Catuvellaunen, im Osten die Regnenses und im Süden die Belgae.

Siedlungsgebiet der Atrebates in Britannien.

Die britannische Siedlung entstand nicht durch eine massive Bevölkerungsbewegung. Der Archäologe Cunliffe glaubt, dass es sich um eine Reihe von einheimischen Stämmen hatte, möglicherweise gehörten einige störende Belgische Elemente dazu, die von Commius zusammengehalten wurden. Es ist möglich, dass der Name Atrebates sich wie so viele Stammesnamen dieser Periode nur auf die herrschende Dynastie bezog und nicht auf eine ethnische Gruppe. Vermutlich schufen Commius und seine Anhänger nach ihrer Ankunft in Britannien eine Machtbasis und erweiterten ihr Territorium nach und nach zu einem Ur-Staat. Während Caesars erster Expedition nach Britannien 55 v. Chr. war die römische Kavallerie nicht in der Lage, den englischen Kanal zu überqueren, und Commius konnte den Römern eine kleine Abteilung von Reitern stellen. Daraus lässt sich ableiten, dass er vermutlich bereits Verwandte in Britannien hatte. Danach wurden die Atrebates als Unterkönigreich von Rom anerkannt.

Zwischen 30 und 20 v. Chr. wurden Münzen mit Commius' Namen geprägt. Auf einigen ist der Schriftzug "Com Commios" eingeprägt, was Historiker als "Commius Sohn von Commius" deuten und wenn man die Dauer seiner Herrschaft bedenkt, könnte es sich auch um zwei Könige gleichen Namens gehandelt haben, Vater und Sohn.

Drei spätere Könige der britischen Atrebates nannten sich ebenfalls auf ihren Münzen Söhne von Commius: Tincommius, Eppillus und Verica. Tincomarus scheint gemeinsam mit seinem Vater regiert zu haben, von etwa 25 v. Chr. bis zu Commius' Tod 20 v. Chr. Danach regierte er den Norden des Reiches, während Eppillus den Süden beherrschte. Münzforscher glauben Hinweise darauf gefunden zu haben, dass Tincomarus eine römerfreundlichere Haltung hatte als sein Vater und der Forscher Creighton vermutet sogar, dass er unter Kaiser Augustus eine diplomatische Geisel in Rom war.

Die Res Gestae von Augustus erwähnt zwei britische Könige, die sich ihm als Bittsteller präsentierten, möglicherweise gegen 7. n. Chr. Die Passage ist beschädigt, doch bei einem von ihnen handelte es sich vermutlich um Tincomarus, der andere ist Dumnovellaunos, der von den Trinovanten oder Cantiaci stammte. Anscheinend wurde Tincomarus von seinem Bruder vertrieben und Epillus beschriftete seine Münzen danach mit "Rex", was vermuten lässt, dass er von Rom als König anerkannt wurde.

Um 15 n. Chr. folgte Verica als König der Atrebates; etwa um die gleiche Zeit gibt es Aufzeichnungen über einen König namens Eppillus als Herrscher der Cantiaci in Kent, doch es ist fragwürdig, ob es sich um die gleiche Person handelt. Vericas Königreich wurde durch die Expansionsbewegungen der Catuvellaunen unter Cunobelinus bedroht. Der nördliche Teil fiel an Cunobelinus' Bruder Epatticus um etwa 25 n. Chr. Verica konnte einige Gebiete nach Epaticcus' Tod zurückerobern, doch Caratacus, Sohn von Cunobelinus, führte den Feldzug weiter und eroberte die Atrebates fünf Jahre später um 40 n. Chr. Verica floh nach Rom und lieferte dem neuen römischen Kaiser damit einen Grund für die Römische Eroberung von Britannien.

Nach der Römische Eroberung von Britannien wurden Teile der Gebiete der Atrebates in das pro-römische Königreich der Regnenses integriert, das von Tiberius Claudius Cogidubnus beherrscht wurde, möglicherweise Vericas Sohn. Später wurde das Gebiet als Civitates der Atrebaten, Regnenses und möglicherweise der Belgae umorganisiert.

Könige der Atrebates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Mächtigster keltischer Stamm im nördlichen Gallien zur Zeit von Caesars Eroberungsfeldzügen.
  2. Kleiner Unterstamm der Belgae im nördlichen Gallien, bekannt aus Caesars De Bello Callico.
  3. Belgischer Stamm in Nordgallien
  4. Häuptling der Arverni. Er vereinigte die Gallier zu einem Aufstand gegen die römischen Truppen während der letzten Phase von Caesars Gallischen Kriegen.

 


Keltische oder eisenzeitliche Stämme in Großbrittannien

England, Wales und Schottland
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