Austrasien war ein Gebiet im Nordosten des Merowingischen Königreichs der Franken während dem 6. bis 8. Jh. Es war das ursprüngliche Territorium der Franken, wozu sowohl die Salischen als auch die Rheinlandfranken gehörten, die Clovis I eroberte, nachdem er die Kontrolle über das Grenzland des Römischen Gallien - das heutige Nordfrankreich - übernommen hatte, das in dieser Zeit manchmal Neustrien genannt wird.

567 wurde Austrasien ein eigenständiges Königreich innerhalb des Fränkischen Reiches und wurde von Sigebert I regiert. im 7. und 8. Jh. war es die Machtbasis, von der aus die Karolinger - ursprünglich Hausmeier [1] von Austrasien - die Herrschaft über alle Franken, ganz Gallien, einen Großteil von Deutschland und das nördliche Italien übernahmen. Nach dieser Zeit der Vereinigung wurde das jetzt größere Fränkische Reich erneut geteilt in ein östliches und ein westliches Unterkönigreich, wobei das östliche schlussendlich die Grundlage für das Königreich Deutschland wurde.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Austrasien wird nicht sehr oft erwähnt in den Quellen aus der Zeit der Merowinger. Er wurde zum ersten mal von Gregory von Tours ca. 580 erwähnt und später von Aimoin of Fleury gegen 1000. Vermutlich handelt es sich um die lateinische Form eines altfränkischen Namens, der als Osterike (östliches Königreich) rekonstruiert wurde. [2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austrasien lag um das mittlere Rheingebiet und beinhaltete die Mosel-, Main- und Maas-Becken. Es grenzte im Norden an Friesland und Sachsen, im Osten an Thüringen, im Süden an Schwaben und Burgund und im Südwesten an Neustrien. Die genaue Grenze zwischen dem merowingischen Neustrien und Austrasien ist nicht klar.

Metz war die Hauptstadt von Austrasien, allerdings regierten einige austrasische Könige auch von Reims, Trier oder Köln aus. Andere wichtige Städte waren Verdun, Worms und Speyer. Das Kloster Fulda wurde im letzten Jahrzehnt der Merowinger-Zeit im östlichen Austrasien gegründet.

Im Hochmittelalter wurde das Gebiet von Austrasien zwischen den Herzogtümern Lothringen und Franken in Deutschland aufgeteilt, wobei einige westliche Teile inklusive Reims und Rethel an Frankreich gingen.

Die genauen Grenzen von Austrasien waren fließend im Verlauf der Geschichte der fränkischen Unterkönigreiche, doch Austrasien entsprach ungefähr dem Gebiet des heutigen Luxemburg mit Teilen des östlichen Belgien, nord östlichen Frankreich (Lorraine und Champagne-Ardenne), west-mittel-Deutschland (das Rheinland, Hessen und das Herzogtum Franken) und die südlichen Niederlande (Limburg, Nord-Brabant und ein Landzipfel nördlich des Rheins inklusive Utrecht und Teilen von Gelderland).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod des fränkischen Königs Clovis I im Jahr 511 teilten seine vier Söhne sein Reich unter einander auf. Theuderic I erhielt die Gebiete, die später Austrasien wurden. Seine Nachfahren regierten es bis 555, als es von Chlothar I mit den anderen Fränkischen Reichen wieder vereinigt wurden. Er teilte das Land ebenfalls unter seinen vier Söhnen auf, doch die vier Reiche verschmolzen nach dem Tod von Charibert I 567 zu drei: Austrasien unter Sigebert I, Neustrien unter Chilperic I und Burgund unter Guntram. Diese drei Reiche definierten die politische Teilung des Frankenreichs bis zum Aufstieg der Karolinger und sogar noch danach.

Von 567 bis zum Tod von Sigbert II 613 bekämpften sich Neustrien und Austrasien beinahe ständig, während Burgund zwischen ihnen den Friedensstifter spielte. Diese Kämpfe erreichten in den Kriegen zwischen Brunhilda und Fredegund - die jeweiligen Königinnen von Austrasien und Neustrien - ihren Höhepunkt. 613 kam es zu einer Rebellion im Adel gegen Brunhilda, die verraten und ihrem Neffen und Feind Chlothar II von Neustrien übergeben wurde. Er übernahm die Kontrolle über die anderen beiden Königreiche und gründete ein vereinigtes fränkisches Königreich mit Paris als Hauptstadt. Während dieser Zeit erschienen die ersten Hausmeier. Diese Beamten handelten als Vermittler zwischen dem König und dem Volk in jedem Reich. Der erste austrasische Hausmeier kam aus der Familie der Pippiniden, die einen langsamen aber stetigen Aufstieg erlebten, bis sie schließlich die Merowinger als Herrscher ersetzten.

623 baten die Austrasier Chlothar II um einen eigenen König und er ernannte seinen Sohn Dagobert I zum Herrscher, mit Pippin der Ältere als Regent. Dagoberts Verwaltung von Austrasien wurde bewundert. 629 erbte er Neustrien und Burgund. Austrasien wurde erneut vernachlässigt, bis das Volk 633 erneut den Sohn des Königs als eigenen König forderten. Dagobert schickte seinen ältesten, Sigebert III. Historiker kategorisieren Sigebert oft als den ersten roi fainéant oder Nichtstuer-König der Merowingerdynastie. Sein Hof wurde von den Hausmeiern beherrscht: 657 hatte Grimoald der Ältere sogar Erfolg darin, seinen Sohn Childebert der Adoptierte auf den Thron zu setzen, wo dieser bis 662 blieb. Danach war Austrasien hauptsächlich das Königreich der Arnulfinger-Hausmeier und ihre Machtbasis. 687 besiegte Pippin der Mittlere den neustrischen König Theuderich III in der Schlacht von Tetry und wurde Hausmeier über alle fränkischen Königreiche. Dies wurde sogar von seinen Zeitgenossen als Beginn seiner "Herrschaft" angesehen. Es signalisierte auch die Herrschaft von Austrasien über Neustrien, die bis zum Ende der Merowingischen Ära anhielt.

718 erhielt Karl Martel die Unterstützung von Austrasien in seinem Krieg gegen Neustrien um die Kontrolle über alle fränkischen Reiche. Er war selbst kein König, ernannte aber Chlothar IV zum Herrscher in Austrasien. 719 wurde das Fränkische Reich von Martels Familie - der Dynastie der Karolinger - unter der austrasischen Oberherrschaft vereinigt. Während die fränkischen Könige weiterhin das Reich auf verschiedene Arten in verschiedenen Generationen aufteilten, wurde der Begriff Austrasien nur selten nach der Dynastie der Karolinger benutzt.

Herrscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Könige von Austrasien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigenständiges Teilreich

  • 511 – 533 Theuderich I.
  • 533 – 548 Theudebert I.
  • 548 – 555 Theudebald

Teil des Gesamtreiches

  • 555 – 561 Chlothar I.

Eigenständiges Teilreich

  • 561 – 575 Sigibert I.
  • 575 – 596 Childebert II. (ab 592 in Personalunion mit Burgund)
  • 596 – 612 Theudebert II.
  • 612 – 613 Theuderich II. (in Personalunion mit Burgund)
  • 613 – 613 Sigibert II. (in Personalunion mit Burgund)

Teil des Gesamtreiches

  • 613 – 623 Chlothar II.

Eigenständiges Teilreich (bis 639 Unterkönigreich)

  • 623 – 634 Dagobert I. (bis 629 Unterkönig, ab 629 König des Gesamtreiches)
  • 634 – 656 Sigibert III. (bis 639 Unterkönig)
  • 656 – 661 Childebertus adoptivus
  • 661 – 662 Chlothar III. (in Personalunion mit Neustrien und Burgund)
  • 662 – 675 Childerich II. (ab 675 in Personalunion mit Neustrien und Burgund)
  • 675 – 676 Chlodwig von Austrasien, Usurpator
  • 676 – 679 Dagobert II.

Eigenständiges Teilreich im Gesamtreich

Ab 679 stand im Normalfall nur noch ein König dem gesamten Frankenreich vor. Die Teilreiche blieben jedoch eigenständig und wurden – bis zur Machtübernahme durch Karl Martell 719 – von eigenen Hausmeiern regiert.

  • 679 – 691 Theuderich III.
  • 691 – 695 Chlodwig III.
  • 695 – 711 Childebert III.
  • 711 – 715/716 Dagobert III.
  • 716 – 720 Chilperich II.
  • 717 – 719 Chlothar IV., durch den Hausmeier Karl Martell zum Gegenkönig in Austrasien erhoben
  • 721 – 737 Theuderich IV.
  • 737-743 Interregnum
  • 737 – 741 Karl Martell (als Hausmeier des Gesamtreiches)
  • 741 – 743 Karlmann (als Hausmeier Austrasiens)
  • 743 – 751 Childerich III.

Hausmeier von Austrasien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Parthemius 531–548
  • ...
  • Gogo 567–581
  • Wandalenus 581–583
  • ...
  • Florentianus um 589
  • ...
  • Protadus 595–600
  • Claudius 600
  • Gundulf 600–612
  • Landerich 612
  • Rado, 613 bis 616/17
  • Chucus (Hugo), 617 bis 622
  • Pippin I., der Ältere 623–640
  • Otto, 640–643
  • Grimoald der Ältere (Pippiniden), 643–662
  • Chlodulf (Arnulfinger), 648/650–656
  • Ansegisel (Arnulfinger), 648/650 bis nach 657
  • Wulfoald, 662–680
  • Pippin II., der Mittlere (Arnulfinger), 680 dux, 688–714 Hausmeier
  • Theudoald 714–715 (de jure)
  • Karl Martell (Karolinger), 715–718 in Austrien, 718–741 im Gesamtreich
  • Karlmann, 741–747
  • Pippin III., der Jüngere (auch der Kurze genannt) 747–751

Im Jahr 751 ließ sich Pippin zum König wählen und schaffte zugleich das Amt des Hausmeiers ab.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Hausmeier (auch Majordomus) war ein Amt am frühmittelalterlichen Hof. Im Merowingerreich hatten die Hausmeier einen sehr großen Einfluss und bestimmten einen Großteil der Politik.
  2. Taylor, William Cooke (1848). A Manual of Ancient and Modern History
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