Björn Eisenseite war ein nordischer Wikingerhäuptling und legendärer König von Schweden. Laut den skandinavischen Sagas aus dem 12. und 13. Jh. war er der Sohn des legendären Wikingerkönigs Ragnar Lodbrok. Er lebte im 9. Jh. und ist historische belegt in den Jahren 860-865.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fränkische Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Björn erscheint als "Berno" in zeitgemäßen Quellen wie den Annales Bertiniani und dem Chronicon Fontanellense. Er soll ein mächtiger Wikingerhäuptling und Seefahrer gewesen sein. Er wird zum ersten mal im Sommer 855 erwähnt. Der älteste Text, der von seiner Herkunft berichtet, stammt aus der normannischen Geschichte von William of Jumièges (c. 1070). Laut William hatten die Dänen den brauch, dass die jüngeren Söhne des Königs das Reich verlassen mussten, um die Autorität des Königs durchzusetzen. Als also Ragnar Lodbrok König wurde, befahl er Björn, sein Reich zu verlassen. Björn segelte mit einer großen Flotte ab und begann, das Westfrankenreich zu verwüsten. [1] Die Chroniken berichten, dass er mit einem Wikinger namens Sigtrygg zusammenarbeitete, mit dem er 855 die Seine hinauf segelte, von wo aus sie das Inland verwüsteten. Ihre Truppen wurden im gleichen Jahr in der Champagne von Karl dem Kahlen von Westfranken besiegt, aber nicht entscheidend. [2]

Sigtrygg zog sic im folgenden Jahr zurück, doch Björn erhielt Verstärkung von einer anderen Wikingerarmee und konnte nicht aus dem Gebiet der Seine vertrieben werden. Er und seine Männer überwinterten am sogenannten Givold's Grave, das als Ausgangsbasis für Angriffe gegen Paries diente, das sie um Neujahr 856/7 plünderten. [3] Björn ließ auf der Insel Oissel über Rouen eine Festung erbauen, die er Jahrelang als Rückzugsort behielt. [4] Es ist gesichert, dass er Karl dem Kahlen 858 in Verberie Gefolgschaft schwor, doch es ist nicht klar, ob er seinen Eid einhielt. König Karl entschloss sich schließlich, die unbeherrschbaren Seine-Wikinger mit all seinen Truppen anzugreifen und belagerte Oissel im Juli. Die Belagerung schlug fehl, denn die Piraten verteidigten die Festung gut. [5] Außerdem fiel Karls Bruder Ludwig der Deutsche vom Ostfrankenreich in sein Gebiet ein und viele Vasallen lösten sich von ihm. [6] Somit wurde die Belagerung im September abgebrochen. [7]

Nach Björns Treffen mit Karl in Verberie findet sich sein Name nicht mehr in zeitgenössischen Quellen. Doch die Wikinger an der Seine führten ihre Überfälle in den folgenden Jahren fort und plünderten sogar Paris erneut 861. Verzweifelt versuchte Karl der Kahle den Wikingeranführer Veland zu benutzen, dessen Männer sich in der Somme-Region befanden, um die Seine-Wikinger in Oissel anzugreifen. Doch die beiden Armeen verbündeten sich und vereinigten ihre Truppen. [8] Sie lagerten 861-2 an der unteren Seine, teilten sich dann aber wieder auf. Veland stimmte zu, Christ zu werden und trat in den königlichen Dienst ein, während die Wikinger der Seine aufs Meer zurückkehrten. Einige von ihnen schlossen sich den Kämpfen zwischen dem Herrscher der Bretagne und einigen fränkischen Grafen an. [9]

Expedition zum Mittelmeer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige fränkische, normannische, arabische, skandinavische und irische Quellen sprechen von einem großen Vikingerüberfall im Mittelmeergebiet in den Jahren 859-861, das von Hastein, Björn Eisenseite und möglicherweise einem oder mehreren seiner Brüder angeführt wurde. Nachdem sie die iberische Küste geplündert und sich ihren Weg durch Gibraltar freigekämpft hatten, plünderten die Nordmänner Südfrankreich, wo die Flotte überwinterte, bevor sie in Italien landeten und die Stadt Pisa eroberten. [10] Berauscht von ihrem Sieg und anderen in der Mittelmeerregion (unter anderem Sizilien und Nordafrika) sollen die Wikinger vierzig Schiffe in einem Sturm verloren haben. Sie kehrten zur Straße von Gibraltar zurück und verloren an der Küste von Medina-Sidona 2 Schiffe wegen Feuer-Katapulten bei einem Überraschungangriff andalusischer Truppen, so dass nur noch 20 Schiffe unbeschädigt blieben. Die Reste der Flotte kehrte 862 in französische Gewässer zurück. Björn Eisenseite war der Anführer der Expedition, wie William of Jumièges berichtet. Die Fragmentarischen Annalen von Irland aus dem frühen 11. Jh. berichten, dass zwei Söhne von Ragnall mac Albdan - ein Häuptling, der von seinen Brüdern aus Lochlann vertrieben worden war und sich auf den Orkney-Inseln niederließ - die Expedition anführte. [7]

William of Jumièges nennt Björn Bier Costae ferreae (Eisenseite), der Lotbroci regis filio (Sohn von König Lodbrok) war. [11] Williams Bericht von der Mittelmeerexpedition zentriert sich um Björns Ziehvater Hastein. Die beiden Wikinger unternahmen viele (größtenteils erfolgreiche) Überfälle in Frankreich. Später kam Hastein auf die Idee, Björn zum neuen Römischen Kaiser zu machen und führte einen großen Wikingerangriff ins Mittelmeergebiet, zusammen mit seinem Schützling. Sie zogen zur Stadt Luni, die sie zu dieser Zeit für Rom hielten, konnten die Stadtmauern aber nicht überwinden. Um sich Eintritt zu verschaffen, überlegten sie sich einen Trick: Hastein schickte Boten an den Bischof und sagte, er wäre tödlich erkrankt, hätte auf dem Totenbett eine Bekehrung erfahren und wolle jetzt die christlichen Sakramente erhalten, um in geweihter Erde innerhalb der Kirche begraben zu werden. Man brachte ihn mit einer kleinen Ehrengarde in die Kapelle, und er überraschte die bestürzten Kleriker, indem er aus seinem Sarg sprang. Die Wikinger hackten sich dann ihren Weg durch die Stadttore, die sofort geöffnet wurden, um die restliche Armee einzulassen. Als ihnen klar wurde, dass Luni nicht Rom war, wollten Björn und Hastein diese Stadt auch angreifen, doch sie änderten ihre Meinung, als sie hörten, dass die Römer gut auf die Verteidigung vorbereitet waren. Nach ihrer Rückkehr nach Westeuropa teilte sich die Armee. Björn erlitt Schiffbruch an der englischen Küste und überlebte gerade so. Er zog dann nach Friesland, wo er laut William gestorben sein soll. [12]

Es gibt einige historische Herausforderungen in diesem Bericht. Hastein erscheint in den zeitgenössischen Quellen später als Björn und um sein Ziehvater zu sein, hätte er bei seinem Tod um die achtzig gewesen sein müssen. Das ist nicht unmöglich, bedenkt man, dass ihre Zeitgenossen - der Wikingerkönig Rollo und Harald Schönhaar von Norwegen - ähnlich lange lebten. Es ist bekannt, dass Luni von den Sarazenen geplündert wurde. [7]

Die Saga von Ragnar Lodbrok und die Geschichte von Ragnars Söhnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von Björn und seinen Brüdern, den Söhnen des skandinavischen Königs Ragnar Lodbrok, wurde in verschiedenen Versionen im ganzen Mittelalter erzählt. Die Geschichte von Ragnars Söhnen (Ragnarssona þáttr) ist eine isländische Sage aus dem 14. Jh., die traditionelle nordische mündliche Überlieferungen mit legendären Themen verbindet. Sie besagt, dass Björn der Sohn von Ragnar und Aslaug war, [13] [14] seine Brüder waren Hvitserk, Ivar der Knochenlose und Sigurd Schlangenauge. Die Gesichte erzählt auch von seinen Halbbrüdern Eric und Agnar.

Die Geschichte stellt Ragnar als Herrscher über große Teile von Schweden und möglicherweise sogar Dänemark dar. Während er noch am Leben war, verließen Björn und seine Brüder Schweden, um Zealand, Teidgotaland, Gotland, Öland und all die kleineren Inseln zu erobern. Sie ließen sich dann in Lejre in Zealand nieder, Ivar wurde ihr Anführer. Ragnars Söhne Eric und Agnar segelten dann nach Lake Mälaren und schickten eine Nachricht an den schwedischen König Eysteinn, einen Vasallen von Ragnar, dass er sich ihnen unterwerfen sollte. Eric forderte außerdem Eysteinns Tochter Borghild zur Frau. Eysteinn wollte zunächst die schwedischen Häuptlinge befragen, die das Angebot ablehnten und einen Angriff gegen die rebellischen Söhne begannen. Eric und Agnar wurden von den Schweden besiegt, Agnar starb und Eric wurde gefangen genommen.

Als Wergeld für Agnar bot Eysteinn Eric so viel von Uppsala an, wie er haben wollte, und Borghild ebenfalls. Eric erklärte, dass er nach dieser Niederlage nichts wollte, außer seine eigene Todesart zu wählen. Er verlangte, dass man ihn auf Speere aufspießte, die ihn über die Toten erheben würden, und man gewährte ihm den Wunsch. In Zealand wurden Björn, Aslaug und Hivtserk verärgert, als sie davon hörten, und segelten mit einer großen Armee n ach Schweden. Aslaug ritt mit der Kavallerie durch das Land. In einer großen Schlacht töteten sie schließlich Eysteinn.

Laut der Sage wurde ihr Vater Ragnar von König Aelle gefangen genommen und getötet, nachdem er einen tollkühnen Invasionsversuch gewagt hatte. Björn und seine Brüder wollten Rache, griffen Aelle an, wurden aber zurückgeschlagen. Als Ivar klar wurde, dass der englische König nicht einfach so besiegt werden konnte, wollte er eine Versöhnung. Er bat um so viel Land, wie er mit einer Ochsenhaut abdecken konnte, und schwor, niemals wieder gegen Aelle Krieg zu führen. Danach schnitt Ivar die Ochsenhaut in so feine Streifen, dass er eine große Festung damit umgeben konnte (in einer älteren Saga ist es York, in einer jüngeren London), die danach ihm gehörte. Ivar machte sich in England beliebt und bat seine Brüder, erneut anzugreifen. In der Schlacht stellte er sich auf die Seite seiner Brüder und mit ihm viele englische Häuptlinge und ihre Männer, die Ivar gegenüber loyal waren. Aelle wurde gefangen genommen und mit dem Blutadler getötet.

Später plünderten Björn und seine Brüder in England, der Normandie, Frankreich und der Lombardei, bis sie zu der Stadt Luna in Italien kamen. Von dort zogen sie zurück nach Skandinavien und teilten das Reich unter einander auf, so dass Björn Eisenseite Uppsala und Schweden erhielt. [15]

Andere Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die teils legendäre dänische Chronik von Saxo Grammaticus - Gesta Danorum (ca. 1200) - ist der erste Text, der Björn Eisenseite als König von Schweden erwähnt. Laut Saxo hatte Ragnar Lodbrok einen Streit mit dem kurz zuvor aufgestiegenen Herrscher der Schweden, Sörle. Er fiel deshalb in Schweden ein, gemeinsam mit seinen Söhnen Björn, Fridleif und Radbard. Bevor die Schlacht ausbrach, stimmten beide Seiten überein, dass man die Angelegenheit durch einen Zweikampf regeln würde. Ragnar und seine drei Söhne trafen auf den wohlbekannten Krieger Starkad und seine sieben Söhne, in Sichtweite der Armeen. "Nachdem Björn vielen Feinden den Tod gebracht hatte, ohne sich selbst zu verletzen, erhielt von der Stärke seiner Seiten, die wie Eisen waren, einen fortwährenden Namen [Eisenseite]". Ragnar und seine Söhne erschlugen ihre acht Gegner, und danach fielen ihre Truppen über Sörle und seine Armee her und löschten sie aus. Dann "übergab [Ragnar] Björn die Herrschaft von Schweden für seinen bemerkenswerten Mut und Dienst". Später verbündete sich ein anderer Sohn von Ragnar, Ubbe, heimlich mit seinem Großvater mütterlicherseits, Esbjörn, und verschwor sich gegen Ragnar. Esbjörn schickte Gesandte zu Björn nach Schweden, um Unterstützung für eine Rebellion zu sammeln, doch Björn wollte nicht zuhören. Statt dessen ließ er die Gesandten hängen, während ihre Begleiter von den Schweden getötet wurden. Kurz danach wurde Esbjörn bei einer Seeschlacht getötet und Ubbe wurde nach heroischem Widerstand gefangen genommen. Nach kurzer Zeit ernannte Ragnar Björn zum Regenten von Norwegen, während Schweden an seinen anderen Sohn Eric Wetterhut ging. Nach dem Tod von Ragnar griffen Björn und seine Brüder Aelle in England an mit vierhundert Schiffen und töteten ihn. Danach ging er zurück in sein schwedisches Königreich, mischte sich aber in Dänemark ein, als die Dänen sich gegen die Herrschaft von Ragnars Söhnen auflehnten. Mit einer Flotte von 1700 Schiffen vernichteten er und seine Brüder die Aufrührer bei Slesvig. Dies ist das letzte, was wir über Björn Eisenseite in der Gesta Danorum hören. [16]

Die Hervarar Saga aus dem 13. Jh. berichtet, dass Eysteinn Beli von Björn und seinen Brüdern getötet wurde, wie es auch in der Saga von Ragnar Lodbrok erzählt wird, und sie eroberten ganz Schweden. Als Ragnar starb, erbte Björn Eisenseite Schweden. Er hatte zwei Söhne, Refil und Erik Björnsson, die die nächsten Könige von Schweden wurden. [17] Laut der Saga von Erik dem Roten hatte Björn einen Sohn namens Asleik (Aslak), der der Vorfahre von Thorfinn Karlsefni war.

Angelsächsische und irische Quellen lassen vermuten, dass die dänische Invasion von England nach 865 von drei Brüdern namens Ingvar (Ivar), Ubbe und Halfdan angeführt wurde, die laut dem irischen Cogad Gádel re Gallaib die Söhne eines Ragnall (Ragnar oder ein ähnlicher Name) waren. [18] Björn wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, doch spätere normannische Überlieferungen benennen den "Frisischen Jarl" und die Invasoren werden manchmal Scaldingi (Männer von Schelde) genannt. Die Herrschaft von Björn wird zeitweise historisch problematisch angesehen, da sie nicht von älteren Quellen unterstützt wird und unüberwindliche chronologische Inkonsistenzen darstellt. [7]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Björn ist einer der Hauptcharaktere in der Fernsehserie Vikings und wird als Junge von Nathan O'Toole gespielt, als Erwachsener von Alexander Ludwig. Sein Charakter basiert lose auf der historischen Person und wird als Sohn von Lagertha dargestellt, nicht von Aslaug. Laut den Überlieferungen war Björn nicht der älteste Sohn, wird in der Serie als ältester Sohn von Ragnar dargestellt.

In der Novelle Monster von Michael Grant erwähnt ein Charakter, dass er abstammt von "Björn Eisenseite, einem echt krassen Wikinger".

Stammbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sigurd RingÂsa
    1. Ragnar Lodbrok ⚭ | Thora Borgarhjort; ⚭ || ?; ⚭ ||| Kraka/Aslaug
      1. | Erik
      2. | Agnar
      3. ||| Björn Eisenseite
      4. ||| Hvitserk Ragnarsson
      5. ||| Ragnvald
      6. ||| Sigurd Schlangenauge
      7. ||| Halfdan Ragnarsson
      8. ||| Ivar der Knochenlose
      9.  ? Ubba Ragnarsson

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. William of Jumièges, Histoire des ducs de Normandie
  2. "Chronicon Fontanellense, Anno 855"
  3. Annales de Saint Bertin, Anno 856, 857
  4. "Chronicon Fontanellense, Anno 856, 857"
  5. Annales de Saint Bertin, Anno 858
  6. Die Jahrbücher von Fulda, Anno 858
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Storm, Gustav (1877), Historisk Tidskrift II:1
  8. Annales de Saint Bertin, Anno 861
  9. Annales de Saint Bertin, Anno 862
  10. Annales de Saint Bertin, Anno 859, 860
  11. McTurk, Rory Kings and kingship in Viking Northumbria
  12. William of Jumièges, Histoire des ducs de Normandie
  13. "The Saga of Ragnar Lodrok and his Sons". Translated by Tunstall, Peter. 2005
  14. Gödecke, Peter August Sagan om Ragnar Lodbrok och hans söner
  15. The Tale of Ragnar's Sons
  16. Saxo Grammaticus, The Danish History, Book IX
  17. The Saga of King Heidrik the Wise
  18. Smyth, Alfred P. (1977), Scandinavian kings in the British Isles
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