Die Briganten waren ein keltischer Stamm des eisenzeitlichen Britannien und kontrollierten den größten Teil des heutigen Nordengland. Ihr Territorium wurde oft Brigantia genannt und sein Zentrum lag im heutigen Yorkshire.

Dem griechischen Gelehrten Ptolemäus zufolge gab es einen Stamm der Briganten in Irland, und einen weiteren erwähnt Strabo im Gebiet der Alpen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebiet der Briganten im heutigen England.

Das Gebiet der Briganten in Britannien wurde von vier anderen keltischen Stämmen begrenzt. Im Nordwesten waren die Carvetii, die möglicherweise mit ihnen verwandt waren. Im Osten lag das Gebiet der Parisii, im Süden die Corieltauvi und die Cornovii. Im Norden lag das Territorium der Votadini, die in der Gegend der heutigen Grenze zwischen England und Schottland siedelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren keine geschriebenen Berichte über die Briganten aus der Zeit vor der Römischen Eroberung von Britannien. Deshalb ist es schwer zu vermuten, wie lange der Stamm als politische Einheit bereits existiert hat. Die archäologischen Funde zeigen eine langanhaltende Besiedlung seit einem frühen Datum, weshalb sie sich möglicherweise nach und nach zu einem mächtigen Stamm entwickelten, und nicht durch plötzliche Eroberung. Sie könnten aber auch in Verbindung stehen mit dem Brand einer großen Hügelfestung bei Castle Hill um ca. 430 v. Chr.

Die Briten besaßen das größte Territorium in Britannien, das verschiedene Unterstämme wie die Gabrantovicen an der Küste von Yorkshire und die Textoverdi im Oberen Tal des Flusses South Tyne beim Hadrianswall beinhaltete. Möglicherweise gehörten die Setantii und die Lopocares an der Küste von Lancashire und dem Fluss Tyne ebenfalls dazu. Auch die Carvetii, die das heutige Cumbria bewohnten, könnten ein Unterstamm gewesen sein, doch dies wird heute oft bezweifelt, da sie unter der römischen Herrschaft eine eigene Civitas waren.

Römische Periode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Römischen Eroberung 47 n. Chr. war der britische Gouverneur Publius Ostorius Scapula gezwungen, seinen Feldzug gegen die Deceangli von Nordwales abzubrechen, weil es "Unzufriedenheiten" unter den Briganten gab, deren Anführer mit Rom verbündet waren. Einige der Rebellen wurden getötet, dem Rest wurde vergeben.

51 n. Chr. suchte der besiegte Wiederstandskämpfer Caratacus Zuflucht bei Cartimandua, der Königin der Briganten, doch sie zeigte den Römern ihre Loyalität und übergab ihn gefesselt. Sie und ihr Ehemann Venutius werden als loyal beschrieben und "verteidigt durch römische Waffen", doch sie trennten sich später. Zunächst zog Venutius gegen Cartimandua ins Feld und wandte sich später gegen ihre römischen Beschützer. Während der Herrschaft des Gouverneurs Aulus Didius Gallus (52-57) sammelte er eine Armee und fiel in ihr Reich ein. Die Römer schickten Truppen, um Cartimandua zu verteidigen und schlugen Venutius' Rebellion nieder. Cartimandua heiratete später Venutius' Waffenträger Vellocatus und erhob ihn zum König. 69 begann Venutius eine neue Rebellion, wobei er die römische Instabilität im Vierkaiserjahr nutzte. Diesmal waren die Römer nur in der Lage, Verstärkung zu schicken, der es gelang, Cartimandua zu evakuieren, doch Venutius und seine Anhänger erhielten die Kontrolle über das Reich.

Eine in den 1950er Jahren ausgegrabene weitläufige eisenzeitliche Festung bei Stanwick im nördlichen Yorkshire wurde ursprünglich für die Hauptstadt von Venutius gehalten, doch spätere Nachforschungen ergaben, dass sie vermutlich etwas früher erbaut wurde und zu Cartimandua gehörte.

Nach der Thronbesteigung von Kaiser Vespasian wurde Quintus Petillius Cerialis zum Gouverneur von Britannien ernannt und die Eroberung der Briganten wurde begonnen. Die Römer scheinen mehrere Jahrzehnte benötigt zu haben, um sie abzuschließen. Der Gouverneur Gnaeus Julius Agricola (78-84) scheint sich an den dortigen Kämpfen beteiligt zu haben. Der römische Poet Juvenal schrieb im frühen 2. Jh. und stellt den römischen Vater dar, wie er seinen Sohn drängt, Ehre durch den Sieg über die Briganten zu erlangen.

Irgendwann während der Anfangszeit der Herrschaft von Kaiser Hadrian scheint es eine Rebellion im Norden gegeben zu haben, doch die Details sind unklar. Ein Aufstand der Briganten wurde oft als Erklärung für das Verschwinden der Legion IX Hispana vorgebracht, die in York stationiert war. Als der Bau des Hadrianswalls (um 122) begann, war es möglicherweise ihr Zweck, die Briganten davon abzuhalten, sich mit den Stämmen der schottischen Lowlands auf der anderen Seite in Verbindung zu setzen.

Kaiser Antoninus Pius (138-161) soll sie besiegt haben, nachdem sie einen grundlosen Krieg gegen ihre römischen Verbündeten begonnen hatten, möglicherweise als Teil des Feldzuges, der zum Bau des Antoniuswalls (142-144) führte.

Tacitus bezieht sich in einer Rede, die er Calgacus, dem Anführer der Caledonii, in den Mund legt, auf die Briganten als "Unter der Herrschaft einer Frau", als sie beinahe die Römer besiegten.

Siedlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lateinischer Name Heutiger Name County
Epiacum Whitle Castle Northumberland
Vinovium Binchester Durham
Cataractonium Catterick North Yorkshire
Calatum Burrow in Lonsdale Lancashire
Isurium Brigantum Aldborough North Yorkshire
Rigodunum Castleshaw Greater Manchester
Olicana Ilkley West Yorkshire
Eboracum York North Yorkshire
Caombodunum Slack West Yorkshire

Briganten in Irland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Ptolemäus' Geographia gab es in Irland ebenfalls Briganten, doch es ist nicht klar, ob es eine Verbindung zwischen den beiden Stämmen gab. Der irische Sprachwissenschaftler T. F. O'Rahilly glaubte, dass der irische Zweig der Ursprung des späteren Uí Bairrche-Clans war und zu den Iverni gehörten, die seiner Meinung nach ursprünglich von den gallischen und britischen Belgae abgestammt haben sollen. Koch stellte eine Verbindung zwischen den irischen und den Britischen Briganten her, indem er die römisch-britische Göttin Brigantia mit der irischen Brigid identifizierte und ein mögliches römisches oder romano-britisches Grab in Stonyford nannte.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010 Centurion
    • Der Film behandelt das Schicksal der Legion IX Hispana aus der Perspektive des Zenturio Quintus Dias. Die Legion und Dias werden in die Machenschaften des Brigantenkriegerin Etain verwickelt, die zunächst als Späherin für sie arbeitet und sie dann an die Pikten verrät.
  • 1954 Sutcliff, Rosemary - The Eagle of the Ninth
    • Der Hauptcharakter ist Esca, der Sohn eines Brigantenhäuptlings, der mit dem römischen Soldaten Marcus Aquila nach Norden über den Hadrianswall reist, um herauszufinden, was mit der Legion IX Hispana geschah.
    • Filmadaptionen sind eine BBC-Verfilmung von 1977 und The Eagle von 2011.

 


Keltische oder eisenzeitliche Stämme in Großbrittannien

England, Wales und Schottland
AncalitesAtecottiAtrebatesBelgaeBibrociBrigantenCaereniCaledoniiCantiaciCarnonacaeCarvetiiCassiCatuvellaunenCenimagniCorieltauviCorionototaeCornoviiCreonesDamnoniiDeceangliDecantaeDemetaeDobunniDumnoniiDurotrigesEpidiiGrabantovicesIceniLopocaresLugiNovantaeOrdovicerParisiiPiktenRegnensesSegontiaciSelgovaeSetantiiSilurerSkotenSmertaeTaexaliTrinovantenVacomagiVeniconesVotadini
Irland
Airgialla ♦ Ailech ♦ Autini ♦ Cauci ♦ Coriondi ♦ Darini ♦ Eblani ♦ Gangani ♦ Herpeditani ♦ Iberni ♦ Magnate ♦ Manapii ♦ Robogdii ♦ Ulidia ♦ Velabri ♦ Vennicnii ♦ Vodie

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