Camulodunum war eine wichtige Stadt im Römischen Britannien und lag dort, wo sich heute Colchester in Essex befindet. Sie war die erste Hauptstadt der Provinz und wird für die älteste Stadt in Britannien gehalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caumulodunum war ursprünglich die britisch-keltische Stadt Camulodunon, Hauptstadt der Trinovanten und später der Catuvellaunen und wurde zum ersten mal auf Münzen des Stammesführers Tasciovanus irgendwann zwischen 20 und 10 v. Chr. erwähnt. Der Name bezog sich auf den Gott Camulos und bedeutete etwa Festung des Camulos.

Die ersten Bauten an diesem Ort stammen aus dem 1. Jh. v. Chr., doch der Großteil datiert aus dem 1. Jh. n. Chr. Addedomarus, ein König der Trinovanten, ist der erste namentlich bekannte Herrscher von Camulodunon, bekannt durch Münzfunde, die aus der Zeit um 25 bis 10 v. Chr. stammen. Für kurze Zeit um 10 v. Chr. gab auch Tasciovanus, König der Catuvellaunen, der schon in Verlamion Münzen prägen ließ, in Camulodunon Münzen heraus. Dies lässt vermuten, dass die Stadt von den Catuvellaunen erobert worden war, die jedoch bald gezwungen waren, sich zurückzuziehen - vermutlich aufgrund von Druck der Römer - und Addedomarus wurde als König wieder eingesetzt.

Sein Sohn Dumnovellaunos wurde sein Nachfolger, doch schon bald ersetzte ihn Cunobelinus, der Sohn von Tasciovanus, der auch in Verulamion der neue Herrscher wurde und damit die Dominanz der Catuvellaunen im Südosten Britanniens begann. Er stand in freundschaftlichen Beziehungen zu den Römern und Ausgrabungen zeigen steigende Zahlen von römischen Luxusgütern in seinem Gebiet zu dieser Zeit. Er gehörte vielleicht zu einem der britischen Könige, die laut Strabo Gesandte zu Kaiser Augustus schickten.

Suetonius nannte Cunobelinus den "König der Briten" und unter seiner Herrschaft ersetzte Camulodunum Verulamium als wichtigste vorrömische Siedlung in Britannien. Um 40 n. Chr. hatte Cunobelinus sich mit seinem Sohn Amminius überworfen, der daraufhin nach Rom floh und um Unterstützung bat. Er wurde dort von Kaiser Gaius empfangen - der möglicherweise eine Invasion nach Britannien plante, unter dem Vorwand, Adminius auf den Thron seines Vaters zu setzen. Nach Cunobelinus' Tod teilten seine Söhne Togodumnus und Caratacus das Gebiet unter sich auf - Togodumnus regierte von Verulamium aus, Caratacus von Camulodunum. Gemeinsam begannen sie ihren Einfluss auf die umliegenden Stämme wie die Atrebates auszuweiten.

Verica, der König der Atrebates, der auf beiden Seiten des englischen Kanals Verbündete besaß, ersuchte Kaiser Claudius in Rom um Hilfe an. Dieser hatte erst kurz zuvor den Thron bestiegen und benötigte einen militärischen Sieg, um sein Ansehen zu festigen. Er schickte Aulus Plautius mit vier Legionen nach Britannien mit Camulodunon als Hauptziel. Plautius besiegte und tötete Togodumnus und wartete dann nahe der Themse auf Claudius. Gemeinsam führten sie den Angriff auf Camulodunon durch und Caratacus floh zu den Ordovicer und Silurern, von wo aus er den Widerstand gegen die Römer anführte und ein walisischer Volksheld wurde. Die britischen Könige, die bis zu dieser Zeit unter der Herrschaft von Cunobelinus' Söhnen gestanden hatten, unterwarfen sich Claudius in Camulodunum.

Römische Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Festung eines starken britischen Stammes hatte Camulodunon strategische Wichtigkeit und wurde schnell zu einer römischen Legionsfestung umgewandelt, der ersten in Britannien. Sie war der Wohnort der 20. Legion. Archäologische Ausgrabungen von 2008/9 haben gezeigt, dass es einen großen Hafen gab und ein Netzwerk von Schotterstraßen und Holzbauten, das viel größer war, als man früher dachte.

49 n. Chr. wurde die Legion abgezogen, die Befestigungsanlagen abgebaut und die Festung entwickelte sich zu einer Stadt. Der offizielle Name wurde Colonia Victricensis und römische Soldaten im Ruhestand machten einen Großteil der Bevölkerung aus und waren Römischen Bürgern in ihren Rechten gleichgestellt. Camulodunum wurde die Hauptstadt im Römischen Britannien.

Abgesehen von der römischen Bevölkerung war die Stadt auch das Heim einer großen menge Einheimischer; Ausgrabungen weisen auf enge Zusammenarbeit zwischen beiden Gruppen hin. Doch 60/1 kam es zu Unruhen, als die Römer nach dem Tod des Iceni-Königs Prasutagus das Vermögen des Stammes einzogen, um seine Schulden zu begleichen und seine Witwe Boudicca und ihre Töchter schwer misshandelten.

Die Iceni unter Boudicca rebellierten und die Trinovanten um Camulodunum schlossen sich ihnen an. Als Symbol der römischen Herrschaft in Britannien war die Stadt die erste, die von den Rebellen geplündert und niedergebrannt wurde. Aufgrund der fehlenden Verteidigungsanlagen und der nur kleinen Garnison war sie ein leichtes Ziel. Noch heute findet sich eine tiefliegende Ascheschicht die auf den Brand hinweist.

Quintus Petillius Cerialis versuchte die Stadt mit der 9. Legion zu retten, wurde jedoch außerhalb der Stadt von den Rebellen besiegt. Gouverneur Gaius Suetonius Paulinus schlug den Aufstand schließlich nieder, nachdem auch Verulamium und Londinium Opfer der Rebellen geworden waren.

Die Stadt wurde in größerem Maßstab neu erbaut und florierte, obwohl sie ihren Status als Hauptstadt gegen Londinium verloren hatte. Sie wurde zu einem großen Industriezentrum und war kurzzeitig die größte und einzige Stadt in Britannien, die Glas- und Metallwaren produzierte und eine Münzprägestätte besaß. Weiterhin gehörte Camulodunum zu einer der wenigen Siedlungen in Britannien, die den Status einer Colonia hatte, nicht einer Municipia, was bedeutet, dass es sich nicht um eine Provinzstadt handelte, sondern um eine Erweiterung der Stadt Rom, und dass ihre Bewohner als römische Bürger, nicht als Provinzbewohner angesehen wurden.

Nach dem Aufstand von Boudicca begann man mit dem Bau von großen Verteidigungsanlagen. Die Stadtmauer von Camulodunum ist die erste in Britannien, mit mehr als 150 Jahren Bauzeit vor der anderer Stadtmauern. Sie wurde 80 n. Chr. fertiggestellt. Um 175 bis 200 n. Chr. wurde ein großer Erdwall darum errichtet.

Im späten 3. und 4. Jahrhundert gab es eine Reihe von Krisen im Imperium, unter anderem die Errichtung des Gallischen Imperiums, dem Britannien angehörte, und steigende Überfälle von sächsischen Piraten, die zur Errichtung der Festungen an der Sachsenküste führte. Ausgrabungen zeigen Verstärkungen an Mauern und Toren und Hinweise auf Angriffe. Der Wall um die Mauer wurde ab ca. 400 n. Chr. immer wieder verstärkt und Funde größerer Horde von Goldmünzen weisen ebenfalls auf die Unruhen dieser Zeit hin.

Wie so viele Städte im Römischen Imperium verringerte sich die Größe von Camulodunum im 4. Jh., doch es behielt immer noch seinen wichtigen Status. Trotz dieser Entwicklungen kam es zwischen 275 und 325 zu einem kleinen Bau-Boom und viele der Mosaike an Stadthäusern stammen aus dieser Zeit. Im 4. Jh. kam es außerdem zu einer Verringerung der Töpferindustrie, doch die Knochenschnitzer-Industrie für Möbel und Schmuck erlebte einen Aufschwung, weiterhin gibt es Hinweise auf gesteigerte Glasbläserarbeiten. Große Bereiche um die Stadt wurden außerdem zur Landwirtschaft benutzt.

Nachrömische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 409 bis 411 kam es zum Zusammenbruch der Römischen Verwaltung in den Provinzen und die Aktivitäten in Camulodunum wurden stark reduziert. Ausgrabungen in der Nähe zeigen germanische Gräber aus den 420er Jahren und verschiedene Gegenstände, die aus der Zeit zwischen 400 und 440 stammen. Es gibt außerdem Hinweise auf spätrömische und germanische Militäraktivitäten, die laut dem Archäologen Philip Crummy entweder auf Sächsische Verbündete und ihre Familien in Camulodunum oder kulturelle Einflüsse vom Kontinent hinweisen.

Weitere Ausgrabungen lassen vermuten, dass die römische Stadt noch bis zur sächsischen Zeit benutzt wurde. Die Historia Brittonum von Nennius nennt 28 Städte in Britannien, zu denen auch eine Cair Colun gehört, die auf Colchester hindeuten könnte. Colchester selbst wird zum ersten mal in der Angelsächsischen Chronik für das Jahr 917 genannt, als es von einer sächsischen Armee unter König Edward der Ältere von den Dänen zurückerobert wurde.

Die römischen Mauern wurden erhalten und viele der mittelalterlichen und sächsischen Gebäude wurden auf römischen Überresten der Stadt erbaut. Viele der alten Ziegel und Steine der römischen Gebäude wurden dazu wiederverwendet. Die Ruinen des Tempels des Claudius, der nach der Eroberung Britanniens 43 n. Chr. erbaut worden war, standen noch bis die Normannen im 11. Jh. die Überreste für das Colchester Castle verwendeten. Sie bezeichneten die Ruinen als King Coel's Palce und die Colchester Chronicle, die im 13. oder frühen 14. Jh. geschrieben wurde, berichtet, dass die römische Stadt von einem Kriegsherrn namens Coel gegründet worden war. Laut der mittelalterlichen Legende war er der Vater der Hl. Helena, die mit Constantius Chlorus verheiratet worden sein soll, um eine zweijährige Belagerung der Stadt zu beenden. Ihr gemeinsamer Sohn Constantine I der Große soll in dieser Stadt geboren worden sein.

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