Canterbury ist eine historische englische Stadt und Sitz des Erzbischofs von Canterbury - dem Oberhaupt der weltweiten anglikanischen Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von Canterbury wurde schon seit prähistorischen Zeiten bewohnt. Seine erste geschichtliche Erwähnung findet die Gegend als Hauptsiedlungsgebiet des keltischen Stammes der Cantiaci, die den Großteil des heutigen Kent bewohnten.

Im 1. Jh. eroberten die Römer die Siedlung und benannten sie in Durovernum Cantiacorum um. Sie erbauten die Stadt neu mit Straßen, einem Theater, einem Tempel, einem Forum und öffentlichen Bädern. Obwohl es dort keine große Garnison gab, hatte die Stadt aufgrund ihrer Lage an der Watling Street eine große strategische Wichtigkeit.

Im späten 3. Jh. erbauten die Römer eine Verteidigungsmauer um die Stadt, um sie gegen Angriffe von Barbaren zu schützen, und eine Mauer mit sieben Toren.

Obwohl sie als eine der 28 Städte des nachrömischen Britannien gezählt wird, scheint es, dass die Stadt nach dem Abzug der Römer 410 die nächsten einhundert Jahre verlassen blieb, mit Ausnahme einiger Bauern. Danach begann sich eine angelsächsische Gemeinde dort zu formieren, als jütische Flüchtlinge dort ankamen. Es ist möglich, dass sie sich schon früh mit den Einheimischen vermischten.

597 war Aethelberht I König von Kent und Papst Gregor I schickte Augustinus von Canterbury, um die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Danach wurde Canterbury von Augustinus als Zentrum seines Kirchensitzes in Kent gewählt, und man ließ eine Abtei und eine Kathedrale erbauen. Augustinus wurde der erste Erzbischof von Canterbury. Dies führte dazu, dass die Stadtbevölkerung anwuchs und der Handel sich stärker entwickelte. 630 ließ man in Canterbury eigene Münzen prägen und 672 wurde auf der Synode von Hertford beschlossen, dass Canterbury die kirchliche Autorität über ganz England haben sollte.

Während der Wikingerangriffe 842 und 851 erlitt Canterbury schwere Verluste. 978 ließ Erzbischof Dunstan von Canterbury die von Augustinus erbaute Abtei renovieren und in St. Augustine's Abbey umbenennen.

1011 kam es zur Belagerung von Canterbury durch eine große Wikingerarmee, was schließlich dazu führte, dass die Stadt geplündert und der damalige Erzbischof Aelfheah von Canterbury 1012 ermordet wurde. In Erinnerung an die dort verursachte Zerstörung wehrten sich die Bewohner der Stadt nicht, als Wilhelm I der Eroberer 1066 die Stadt einnahm.

Nach dem Mord an Erzbischof Thomas Becket in der Kathedrale von Canterbury 1170 wurde die Stadt eine der bekanntesten von Europa und Pilger aus der ganzen Welt kamen, um den dortigen Schrein zu besichtigen. Dies inspirierte Geoffrey Chaucer im 14. Jh. zu seinen berühmten Canterbury Tales.

1215 wurde Canterbury Castle - von Wilhelm I erbaut - von dem französischen Prinzen Ludwig I der Löwe erobert, bevor der Tod von König Johann Ohneland die Engländer sich um seinen Sohn Heinrich III scharen ließ.

Während der Pest-Epidemie im 14. Jh. war Canterbury die zehntgrößte Stadt in England mit einer Einwohnerzahl von 10.000. Doch bis Anfang des 16. Jh. war die Zahl auf 3.000 gefallen.

Während dem Hundertjährigen Krieg fand eine Kommission heraus, dass die alte römische Mauer durch Steinraub erodiert war und ließ sie zwischen 1378-1402 reparieren. Zusätzlich wurden neue Mauertürme erbaut. 1381 wurde während des Bauernaufstandes der Bischofspalast erobert und Erzbischof Simon Sudbury wurde in London geköpft.

1413 wurde Heinrich IV der einzige englische König, der in der Kathedrale von Canterbury begraben wurde.

Während der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII wurden die Priorei der Stadt, das Nonnenkloster und drei Mönchskloster geschlossen. Die St. Augustine's Abbey, eine der reichsten Kirchen Englands, ging in den Besitz der Krone über, Kirche und Kreuzgang wurden zerstört. Der Rest der Abtei wurde in den folgenden 15 Jahren abgetragen, allerdings wurde ein Teil in einen Palast umgewandelt. Der Schrein von Thomas Becket wurde zerstört und alles Gold, Silber und Juwelen wurden in den Tower of London gebracht.

Im 17. Jh. war Canterburys Einwohnerzahl wieder auf 5.000 angewachsen, wovon 2.000 französische Hugenotten waren, die Mitte des 16. Jh. vor Verfolgung und dem Krieg in den spanischen Niederlanden geflohen waren. Sie führten die Seidenweberei in der Stadt ein, die bis 1676 das Wollweben abgelöst hatte.

1647, während dem englischen Bürgerkrieg, brachen Aufstände aus, als Canterburys puritanischer Bürgermeister den Kirchendienst an Weihnachten verbannen ließ. Dies führte im folgenden Jahr zu einem Aufstand von Kent gegen die Truppen der Parlamentarier und damit zur zweiten Phase des Krieges. Nach dem Sieg der Parlamentarier in der Schlacht von Maidstone ergab sich Canterbury jedoch friedlich.

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