Caradog Freichfras war ein König von Ergyng und Gwent. Er regierte vermutlich in den 550er Jahren.

Caradog ist außerdem als König Carados und Carados Briefbras ein Charakter der Artussagen geworden und gilt dort als Ritter der Tafelrunde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist schwer, sich über die Lebensdaten von Caradoc sicher zu sein. Er gilt als der Urenkel von Peibio Clafroawg ap Erb und lebte möglicherweise Mitte des 6. Jh. Sein Spitzname bedeutet "Starkarm" was vermuten lässt, dass er ein tapferer und starker Held war.

Er gilt als Gründer der königlichen Dynastie von Gwent, auch wenn dies seine Lebenszeit zu weit zurück versetzen würde. Wenn es nicht zwei Helden gleichen Namens gab, so sind die Stammbäume, die ihn als Vater von Eudaf Hen zeigen, höchstwahrscheinlich fehlerhaft, denn dies würde seine Lebenszeit um ein oder zwei Jahrhunderte verschieben.

Es sind keine historischen Fakten über Caradocs Leben bekannt, doch man kann sich vorstellen, dass er ein bekannter Krieger war, vermutlich beteiligt an den Kämpfen gegen die sächsischen Invasoren.

Es ist interessant, über die Namensähnlichkeit zwischen Caradoc und Cerdic von Wessex zu spekulieren; Cerdic, der zu den Gewissae gehörte, wird als Vorfahre der westsächsischen Königslinie angesehen. Ergyng war bekannt als Gebiet der Gewissae und es ist möglich, dass Cerdic und Caradoc die gleiche Person gewesen sein könnten. Cerdic/Caradoc könnte eine Armee von sächsischen Söldnern angeführt haben, um gegen andere sächsische Plünderer zu kämpfen und erschuf sich damit sein eigenes Königreich in Wiltshire, nicht weit von Ergyng entfernt. Aber natürlich ist und bleibt das reine Spekulation.

Einige Archäologen halten Caradog Freichfras für den Sohn Ynyr Gwents, der auch als Caradog ap Ynyr bekannt ist, im sechsten Jahrhundert über Gwent herrschte und in Caerwent lebte, der früheren römischen Stadt Venta Silurum. Sie interpretieren seinen Namen als eine Erinnerung an den früheren Helden Caratacus, was eine Fortführung der vorrömischen Kultur der Silurer andeutet, die im heutigen südost-Wales lebten.

Im Mittelalter war der Name Caradog weit verbreitet, und es ist möglich, dass einige der gleichnamigen Personen aus den walisischen Stammtafeln und Heiligenbiographien wie dem Life of St. Tatheus die gleichen sind. Aufgrund der Namensähnlichkeiten gibt es nachvollziehbare Verwirrung über Caradogs Identität, sowohl historisch als auch literarisch. Er wurde vermutlich mit dem britischen Helden Caratacus, Cerdic von Wessex und einigen späteren Caradogs verwechselt. Seine Vorfahren ändern sich von Quelle zu Quelle. Im Mabinogion wird er mehrfach als Sohn von Llyr Marini bezeichnet und eine möglicherweise bretonische Legende, die in der ersten Erweiterung des Perceval gefunden wurde, hat einen gewissen Caradoc den Älteren als Vater, was die Verwirrung noch steigert.

Walisische Triaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Walisischen Triaden wird Caradog als Artus' Anführer in Celliwig, Cornwall und einer der "Drei Ritter der Insel Britannien" bezeichnet. Sein Pferd heißt Lluagor (Hostienspalter), seine Ehefrau Tegau Eurfron wird in den Triaden als eine der "Drei prächtigen Jungfrauen an Artus' Hof" bezeichnet und die große Liebe des Paares wird eine der "Drei überragendsten Bande der Liebe der Insel Britannien" genannt.

Französische Romanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"König Carados" als Ritter der Tafelrunde (vorn in Blau) während der Erscheinung des Heiligen Grals. Miniatur aus dem 15. Jh.

In der Artussage war Caradog einer der Ritter der Tafelrunde während der Herrschaft von Uther Pendragon, doch er schloss sich der Rebellion der anderen Könige an, als Artus den Thron bestieg. Er versöhnte sich schließlich mit dem jungen König und wurde sein vertrauenswürdigster Verbündeter. Er erscheint immer wieder in den Artusgeschichten und erhielt sogar seine eigene Geschichte, Life of Caradoc, die in Chrétien de Troyes' Perceval, die Geschichte des Grals enthalten ist. Diese Geschichte basiert vermutlich auf keltischen Überlieferungen und soll erklären, wie Caradoc zu seinem Beinamen "Kurzarm" kam: Caradoc der Ältere heiratete die schöne Ysave, doch sie wird schon bald von einem Zauberer namens Eliavres verführt. Dieser verzaubert Caradoc, damit dieser verschiedene Tiere für seine Frau hält, während der Zauberer mit dieser einen Sohn zeugt. Caradoc der Jüngere geht an Artus' Hof und wird dort ein Ritter der Tafelrunde, wie sein Vater.

Nach einiger Zeit erscheint Eliavres am Hof von Artus und fordert einen Köpfungs-Test [1]. Eliavres fragt nach einem Ritter, der ihm den Kopf abschlägt, fordert aber dessen eigenen Kopf, sollte er die Prozedur überleben. Caradoc der Jüngere erklärt sich bereit und bietet seinen eigenen Hals dar, als der Zauberer seinen Kopf magisch wieder an seinen Platz setzt. Eliavres weigert sich, Caradoc zu köpfen und enthüllt, dass er sein leiblicher Vater ist. Caradoc der Jüngere ist verständlicherweise verärgert und zieht zu verschiedenen Abenteuern aus, bevor er nach Hause zurückkehrt und seinem Vater Caradoc dem Älteren alles offenbart. Vater und Sohn rächen sich fürchterlich an Eliavres und demütigen ihn unter anderem mit verschiedenen Tieren. Danach wird der Zauberer weggesperrt.

Er versucht schließlich, auszubrechen und Caradoc der Jüngere versucht ihn aufzuhalten. Eliavres verzaubert eine Schlange, so dass sie sich um seinen Arm windet, in verkrüppelt und ihm die Lebensenergie aussaugt. Sein bester Freund Cador und dessen Schwester Guinier finden schließlich die Lösung, um die Schlange zu entfernen, doch sein Arm bleibt verkrüppelt. Er und Guinier heiraten.

Die Geschichte erscheint erst gegen Ende des 13. Jh., basiert aber sicherlich auf walisischen Überlieferungen, Anspielungen darauf finden sich in den Walisischen Triaden.

Stammtafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Stammbaum zeigt die Verbindung zwischen Caradog Freichfras und Caradog ap Ynyr.

  1. Ynyr Gwent (Gw) ⚭ | Hl Madrun ferch Gwerthefyr; ⚭ || Derwela ferch Budic [2]
    1. | ♔ Caradog ap Ynyr
      1. | ♔ Meurig ap Caradog (Gw+Gl, ✝ 550) ⚭ Dyfwn ferch Glywys Cernyw [3]
        1. ♔ Erbig ap Meurig (Gw+Gl) ⚭ Hl. Deurig ferch Pebiaw
          1. Erb ap Erbig (Gw+Gl, ✝ 550)
            1. Peibio Clafroawg ap Erb (E, fl. 500) ⚭ NN ferch Custennin
              1. Efrddyl ferch Peibio
                1. Hl. Dubricius, Erzbischof von Wales
              2. Cynfyn ap Peibio (E, fl. 510er)
                1. Gwrgan Mawr ap Cynfyn (fl. 530er)
                  1. Onbrawst ferch Gwrgan ⚭ ♔ Meurig ap Tewdrig (Gw+Gl, 596-665)
                  2. Caradog Freichfras (E+Gwent, fl. 550er) ⚭ | Enynny ferch Cynfarch Oer ap Meirchion [4]; ⚭ || Tegau Eurfron ferch Nudd [5]; ⚭ ||| Gwegnier ferch Gereint [6]
                    1. Caurdaf ap Caradog Freichfras (E, fl. 570er)
                  3. Morgan ap Gwrgan
                  4. Andres ap Gwrgan [7]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Ein keltisches Motiv, das zuerst in dem altirischen Text Fled Bricrenn erschien und später in verschiedenen Artusgeschichten, die bekannteste ist Sir Gawain und der Grüne Ritter
  2. Haus Bretagne
  3. Haus Glywysing
  4. Haus von Coel Hen
  5. Haus Strathclyde
  6. Haus Dumnonia
  7. in einigen Quellen auch Sohn von Morgan, Enkel von Gwrgan
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