Cartimandua war Königin der Briganten von ca. 43 bis 69 n. Chr. Sie kam um die Zeit der Römischen Eroberung von Britannien an die Macht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Briganten waren der dominante Stamm im mittleren nördlichen Britannien, ihr Gebiet bedeckte den größten Teil des heutigen Yorkshire und Lancashire. Es sind keine früheren Herrscher bekannt, obwohl die Größe des Stammes vermuten lässt, dass sie viele mächtige Herrscher hatten. Die Briganten waren einheimische Britonen und nicht verwandt mit den gallischen Invasoren, die im ersten Jh. über den Kanal kamen.

Obwohl Tacitus Cartimandua zum ersten mal 51 n. Chr. erwähnt, dürfte sie ihre Herrschaft über die Briganten schon vor oder um die Römische Eroberung durch Kaiser Claudius begonnen haben und sie verbündete sich bereitwillig mit den Römern. Sie könnte einer der elf "Könige" gewesen sein, die sich gemäß dem Triumphbogen des Claudius [1] kampflos ergaben. Sie könnte aber auch nach der Rebellion einer Fraktion der Briganten an die Macht gekommen sein, die Publius Ostorius Scapula 48 n. Chr. niederschlug.

Laut Tacitus soll sie von "hoher Geburt" gewesen sein und erbte möglicherweise ihre Stellung, denn sie scheint aus eigenem Recht und nicht durch Ehe regiert zu haben. Münzfunde stützen diese These. Sie und ihr Ehemann Venutius werden von Tacitus als loyal zu Rom beschrieben und "verteidigt durch unsere [römischen] Waffen".

Cartimandua schloss ihr Bündnis vermutlich mit der Absicht, dadurch ihr Gebiet zu erhalten, während die gallischen Stämme im Süden unterworfen wurden. Die Römer unterstützten sie die ganze Zeit über und man kann davon ausgehen, dass ihre Taten oder ihre Tatenlosigkeit es den Römern ermöglichte, die Kontrolle über die Insel zu behalten.

51 n. Chr. suchte der britische Widerstandskämpfer Caratacus Zuflucht bei Cartimandua, nachdem er von Publius Ostorius Scapula in Wales besiegt worden war, vermutlich in der Hoffnung, ihren Stamm zum Aufstand bewegen und gegen die Römer ziehen zu können. Doch sie verriet ihn an die Römer und übergab ihren Gefangenen in Ketten. Nachdem sie somit Claudius das größte Ausstellungsstück für seinen Triumph geliefert hatte, wurde Cartimandua reich belohnt.

Dies verursachte sicherlich einige Uneinigkeit unter den Briganten, von denen einige sich mit den Silurern verbündeten. 57 n. Chr. hatte sie Venutius' Bruder und andere seiner Verwandten gefangen genommen und hielt sie als Geiseln, doch Venutius zog dennoch gegen sie und ihre römischen Beschützer in den Krieg. Er schloss Allianzen mit anderen Stämmen und begann eine Invasion ins Reich der Briganten während der Herrschaft des Gouverneurs Aulus Didius Gallus (52-57). Die Römer schickten einige Kohorten, um ihre Vasallenkönigin zu verteidigen, doch erst als Caesius Nasica mit der Legion IX Hispana erschien, konnten die Rebellen besiegt werden. Cartimandua verdankte somit ihren Thron der schnellen römischen Unterstützung.

Als es 60/61 zum Aufstand von Boudicca kam, hielt sich Cartimandua ebenfalls zurück und schuf somit die Siegesbedingungen für die Römer. Denn hätte sie sich mit den Briganten der Rebellion angeschlossen, wäre das Ergebnis vermutlich ein anderes gewesen.

Bis 69 n. Chr. kam es zu einem Umschwung. Cartimandua hatte sich bis dahin an der Macht gehalten, doch in diesem Jahr trennte sie sich von ihrem Ehemann Venutius und ersetzte ihn durch seinen Waffenträger Vellocatus. Venutius hob eine Armee gegen Cartimandua aus, die zwar von den Römern gerettet werden konnte, aber als Herrscherin ihres Stammes abgesetzt wurde. Danach gibt es über sie und Vellocatus keine weiteren Informationen in den Quellen.

In den Walisischen Mythen erscheint sie als die Verräterkönigin Aregwedd Foeddawg. Und obwohl Cartimandua eine mächtigere und taktisch fähigere Königin war als Boudicca - tatsächlich war sie Königin aus eigenem Recht, anders als Boudicca, die nur Ehefrau eines Königs war - erinnert man sich an sie als Verräterin, nicht als die fähige Herrscherin, der es zwei Jahrzehnte lang gelang, ihren Stamm vor der Unterwerfung zu bewahren.

Tacitus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinen Annalen und den Historiae stellt Tacitus Cartimandua in einem eher negativen Licht da. Obwohl er ihre Loyalität gegenüber Rom erwähnt, erwähnt er ihre "verräterische" Rolle bei der Gefangennahme von Caratacus, der ihren Schutz gesucht hatte. Weiterhin spricht er von ihrer "Hemmungslosigkeit" und ihrer sexuellen Unanständigkeit, durch die sie ihren Ehemann für einen gewöhnlichen Soldaten verließ. Außerdem ihre "gerissenen Listen", Venutius' Verwandte zu Geiseln zu machen. Er nennt sie aber auch grundsätzlich eine Königin (regina), die einzige, die im frühen römischen Britannien beschrieben wurde. Boudicca, die andere weibliche britische Anführerin, wird nicht als solche beschrieben.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Triumphbogen des Claudius, aufgestellt in Rom, Boulogne und Kyzikos. Der Römische Senat und das Volk an Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Sohn von Drusus, Pontifex Maximus, Tribunführer elf mal, Konsul fünf mal, Imperator 22 mal, Censor, Vater des Vaterlandes, denn er erhielt die Unterwerfung von elf Königen der Briten, besiegt ohne Verluste, und brachte zum ersten mal barbarische Menschen über den Ozean in das Reich des Römischen Volkes.
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