Chad war Bischof von York, Bischof von Northumbria und schließlich Bischof von Mercia und Lindsey. Die meisten Informationen über ihn finden sich in den Schriften von Beda Venerabilis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chad war einer von vier Brüdern, die alle der angelsächsischen Kirche angehörten. Die anderen waren Cedd, Cynibil und Caelin. [1] Vermutlich stammten sie aus dem northumbrischen Adel [2] und hatten enge Verbindungen in der northumbrischen Herrscherklasse. Doch der Name Chad ist eher britisch-keltisch als Angelsächsisch. [3] Sein Name enthält ein Element, das bei denen vieler walisischer Prinzen und Adligen dieser Zeit gefunden werden kann und "schlacht" bedeutet. Dies deutet auf eine Familie von gemischtem ethnischem Hintergrund hin mit Wurzeln in der ursprünglichen keltischen Bevölkerung der Region.

Laut Beda war er ein Student von Aidan im keltischen Kloster Lindisfarne. [4] Aidan war ein Anhänger von Columba und wurde von König Oswald von Northumbria eingeladen, in Northumbria ein Kloster einzurichten. Aidan erschien dort 635 und starb 651. Chad muss irgendwann in dieser Zeit in Lindisfarne ausgebildet worden sein.

Chad reiste später als Mönch nach Irland, [5] bevor er zum Priester geweiht wurde. Historiker vermuten, dass er der jüngste der Brüder war und dass sein Bruder Cedd sehr viel älter war. Cedd wurde einige Jahre zuvor zum Priester geweiht, spätestens 653, als er zu den Mittelangeln geschickt wurde. [6] Bei seiner Irlandreise wurde Chad von Egbert begleitet, der etwa im gleichen Alter war. Beide wurden von englischen Gelehrten unterrichtet, die in Irland ankamen, als Finan und Colman Bischöfe in Lindisfarne waren, was bedeutet, dass Chad und Egbert nach dem Tod von Aidan 651 nach Irland gingen.

Laut Beda wurde Egbert in Irland 664 sehr krank und sein einziger Gefährte war ein gewisser Ethelhun, was bedeutet, dass Chad zu dieser Zeit Irland schon verlassen haben muss. Ein weiterer Bericht zeigt, dass er zu dieser Zeit in Northumbria ankam, wo er für seinen Bruder Cedd einsprang, der ebenfalls an der Seuche litt. Somit verbrachte er vermutlich die Zeit 651-664 in Irland. Da laut Beda Priester etwa im Alter von dreißig geweiht wurden, muss Chad etwa 634 geboren worden sein oder etwas früher. Seine Brüder Cynibil und Caelin wurden ende der 650er Jahre zu Priestern geweiht. Chad war vermutlich der jüngste, mit großem Abstand.

Egbert berichtete über sein und Chads Leben, dass sie "zusammen dem klösterlichen Leben sehr streng folgten - in Gebeten und Enthaltsamkeit, und in Meditation über die Heiligen Schriften". Beda berichtet, dass die irischen Mönche sie gern unterrichteten und versorgten und sie ihre wertvollen Bücher benutzen ließen. Das war äußerst großzügig, da die Bücher in mühevoller Handarbeit hergestellt werden mussten. Columba wurde beispielsweise aus Irland verbannt wegen eines Streits über die Kopie eines geliehenen Buches.

Politische Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Britannien gab es zu dieser Zeit keine gesicherten Strukturen, auch nicht in kirchlicher Hinsicht. Während Chads Lebenszeit war einer der bedeutendsten Konflikte der zwischen Northumbria und Mercia. Penda, der heidnische König von Mercia, führte regelmäßig Feldzüge gegen die Herrscher von Northumbria und wurde dabei von den christlichen walisischen Prinzen unterstützt. Jede Niederlage in diesem Konflikt konnte die zerbrechliche Einheit des besiegten Königreiches bedrohen. 641 fügte Penda den Northumbriern eine verheerende Niederlage zu und tötete Oswald. Northumbria brach wieder in Bernicia und Deira auseinander und Penda manipulierte die rivalisierenden Fraktionen. Erst 651 wurde es wieder unter Oswiu vereint. Dieser besiegte und tötete Penda 655, was Mercia für mehr als ein Jahrzehnt in Uneinigkeit stürzte, so dass die northumbrischen Herrscher sich einmischen konnten.

Ein weiterer Streitpunkt waren die verschiedenen Traditionen der beiden Kirchenlinien, der irisch-keltischen und der römisch-katholischen. Es gab deutliche Unterschiede in den Praktiken und der Organisation. Die meisten Bischöfe in Irland und Britannien - Northumbria nutzte den irischen Ritus - wurden von Rom nicht anerkannt. Weiterhin spielten die Klöster in Irland und Britannien, als auf dem Kontinent und Äbte wurden tatsächlich als Kirchenführer angesehen. Die meisten Streitigkeiten beruhten auf der Berechnung von Ostern, das in den verschiedenen örtlichen Kirchen an unterschiedlichen Daten gefeiert wurde.

Beda schrieb etwa sechzig Jahre nach Chads Zeit und bemühte sich einerseits, die Kirchenpraktiken und Strukturen seiner eigenen Zeit zu bewerten, aber gleichzeitig auch ein Bild der früheren northumbrischen Kirche und Monarchie darzustellen. Beda stellte das Ergebnis der Synode von Whitby als totalen Sieg der Römischen Kirche dar, versuchte aber gleichzeitig, Chad zu rehabilitieren, da dieser ein Lehrer von Bedas eigenem Lehrer Trumbert gewesen war. Er schreibt ihm eine wichtige Rolle in der Christianisierung Englands zu.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Chads Leben zwischen seinem Aufenthalt in Irland und seinem Aufstieg zum Kirchenführer ist nichts bekannt. Vermutlich war er erst kurz zuvor aus Irland zurückgekehrt. Die Bedeutung seiner Familie in Northumbria wuchs zu dieser Zeit, was deutlich wird aus Bedas Bericht über Cedds Karriere. [1] Er war während Chads Abwesenheit ein sehr wichtiger Mann in der Kirche geworden. Oswiu von Northumbria hatte ihn 653 zu den Mittelangeln geschickt, um dort zu missionieren und später nach Essex, um dort die gleiche Arbeit durchzuführen. Kurz danach wurde er zum Bischof geweiht.

Durch die Gründung des Klosters Lastingham zeigt sich die enge Verbindung der Brüder zum northumbrischen Adel und auch die enge Verbindung unter einander. Caelin war Kaplan von Ethelwald, einem Neffen von Oswiu, der das Küstengebiet von Deira verwaltete. Caelin regte die Gründung eines Klosters an, um später dort begraben zu werden und Messen für seine Seele lesen zu lassen. Laut Beda wurde Ethelwald Cedd vorgestellt und erhielt von diesem ein Landstück zu diesem Zweck. Cedd fastete auf diesem Land, um es von unheilvollen Einflüssen zu reinigen, wurde aber vor Ende dieser Fastenzeit abberufen und sein Bruder Cynibil übernahm für ihn die restliche Zeit. Dies zeigt, dass das Kloster Lastingham als Basis für die Familie geplant war. Chad wird erst erwähnt, als er zum Abt des Klosters ernannt wird.

Chad wird 664, kurz nach der Synode von Whitby, als Nachfolger von Cedd in Latistingham erwähnt. [2] Einer von seinen engsten Mitarbeitern dort war Owin, ein Angestellter im Gefolge von Aethelthryth, der Königin von Ecgfrith von Northumbria, der sich aus dem weltlichen Leben zurückgezogen hatte, um im Kloster zu arbeiten.

Chads Verbindung zum keltisch-irischen Kirchenritus zeigt sich in einem Bericht über seine Reaktion gegenüber Stürmen. Wenn das Wetter sich verschlechterte, während er las, hörte er auf und begann zu beten. Wenn der Sturm sich verstärkte, schloss er das Buch und betete stärker. Bei längeren Stürmen oder Gewittern pflegte er in die Kirche zum Beten zu gehen. Auf Anfrage der Mönche erklärte er, dass Stürme von Gott geschickt wurden, um die Menschen an den Tag des jüngsten Gerichts zu erinnern. Dies zeigt die typisch keltisch-christliche Beziehung zur Natur und das Bemühen, Gottes Absichten zu erforschen. [7]

663/4 kam es zur Synode von Whitby, die die Streitigkeiten zwischen den beiden Kirchenzweigen lösen sollte. Chads Bruder Cedd war hierbei ein wichtiger Vermittler, da er mehrere Sprachen sprach. Kurz nach der Synode kam eine Seuche über Britannien und viele Kirchenmänner starben, darunter auch mehrere Bischöfe, so dass die Posten neu besetzt werden mussten. Cedd gehörte zu den Toten.

Der Bischof von Northumbria, Colman, hatte sich nach Schottland zurückgezogen, da die Synode nicht nach seinen Wünschen verlaufen war. Sein Nachfolger wurde Tuda, der jedoch kurze Zeit nach seiner Weihe starb. Dessen Nachfolger wurde Wilfrid I von York, der jedoch ins Frankenland reisen musste, um sich weihen zu lassen; die Seuche hatte dafür gesorgt, dass nicht die drei benötigten Bischöfe verfügbar waren, um diese Weihe durchzuführen. Wilfrid reiste nach Compigne, verbrachte dort aber so viel Zeit, dass Oswiu von Northumbria entschied, einen Nachfolger für ihn zu finden. Er lud Chad ein, der neue Bischof zu werden. Beda nennt eindeutig Oswius Wunsch, Chad zum neuen Bischof über das gesamte northumbrische Volk zu machen.

Doch Chad hatte die gleichen Probleme wie Wilfrid bezüglich seiner Weihung. Er reiste zunächst nach Canterbury, wo Erzbischof Deusdedit drei Jahre zuvor gestorben war und man noch keinen Ersatz gefunden hatte. Beda nennt diese Tatsache, die jedoch sinnlos zu sein scheint, da der Tod von Deusdedit bereits bekannt gewesen sein muss. Historiker vermuten, dass er für Oswiu auf einer diplomatischen Mission war, um eine Allianz um Mercia zu erbauen, das sich aus seiner schwachen Position erholte. Chad reiste dann nach Wessex weiter, wo er von Bischof Wini von Wessex und zwei walisischen Bischöfen geweiht wurde. Laut Beda war nur Wini kanonisch geweiht und dieser war außerdem von König von Wessex unrechtmäßig eingesetzt worden.

Chad verbrachte sein Leben weiterhin mit vielen Reisen. 666 kam Wilfrid von Neustrien zurück und fand Chad als sein Nachfolger vor. Laut Beda stellte er sich ihm nicht entgegen und versuchte sich einen eigenen Bischofssitz in einem anderen Gebiet aufzubauen. Er zog durch Mercia und Kent, um dort Priester zu weihen und laut Beda führten seine Anstrengungen dazu, dass die irischen Mönche sich nach und nach dem römischen Ritus anpassten, oder aber nach Irland zurückkehrten. Doch Beda stellt auch klar, dass die Northumbrische Kirche geteilt war durch zwei geweihte Bischöfe.

669 kam Theodore von Tarsus als neuer Erzbischof von Canterbury nach England. Er befahl Chad, von seinem Posten zurückzutreten und Wilfrid, ihn zu übernehmen. [8] Gleichzeitig war Theodore aber wohl so beeindruckt von Chads Demut, dass er seine Bischofsweihe bestätigte. Was ihn nicht davon abhielt, Chads Rücktritt zu fordern. Chad folgte der Aufforderung und zog sich als Abt nach Lastingham zurück, während Wilfrid Bischof der Northumbrier in York wurde. [5]

Bischof von Mercia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Später im gleichen Jahr forderte Wulfhere von Mercia einen Bischof an. Er und die anderen Söhne von Penda waren zum Christentum konvertiert, Penda selbst war bis zu seinem Tod 655 ein Heide geblieben, hatte aber das Christentum in Mercia erlaubt und unterstützt. Theodore schickte Chad nach Mercia. Laut Beda war er sehr beeindruckt von Chads Demut und Heiligkeit. Chad benutzte nie ein Pferd und bestand darauf, überall hin zu laufen. Dennoch befahl Theodore ihm, zu reiten und soll ihn von Zeit zu Zeit sogar selbst in den Sattel gesetzt haben.

Chad wurde zum Bischof von Mercia und Lindsey geweiht. Laut Beda war er der dritte zu Wulfhere geschickte Bischof und somit der fünfte Bischof von Mercia. [9] Wulfhere spendete Ländereien bei Lichfield, damit Chad dort ein Kloster bauen konnte und so wurde das Zentrum der Diözese von Mercia schließlich Lichfield. [5] Chad blieb dennoch weiterhin Abt von Lastingham bis zu seinem Tod.

Chad arbeitete laut Beda weiterhin als Missionar, doch es gibt kaum Details über diese Arbeit, außer dass sie auf die Art durchgeführt wurde, wie es in Northumbria geschehen war. Das Gebiet, in dem er arbeitete, war sehr groß. Es erstreckte sich über England von Küste zu Küste. Wenn er nicht unterwegs war, unterrichtete er seine Schüler in seinem eigenen Haus in Lichfield. Seine Arbeit in Mercia und Lindsey ging bis zu seinem Tod, zweieinhalb Jahre nach seiner Weihung zum Bischof. Er starb an einer Seuche. Beda sah seine Arbeit als Bischof sehr entscheidend an für die Entwicklung des Christentums in Mercia.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chad starb am 2. März 672 und wurde in der Kirche Saint Mary begraben, die später ein Teil der Kathedrale von Lichfield wurde. Beda erzählt die Geschichte seines Todes, als wäre Chad schon während seines Lebens als Heiliger angesehen worden. Tatsächlich ist diese Geschichte über Chads Heiligkeit Beda so wichtig, dass sie einen größeren Teil in seiner Historia ecclesiastica einnimmt, als der Bericht über Chads ganzes restliches Leben.

Die Geschichte besagt, dass Chad allein beim Studieren war, während die anderen Mönche sich in der Kirche befanden. Sein enger Untergebener Owin hörte plötzlich näher kommenden freudigen Gesang, der vom Himmel kam. Dann gab es eine halbe Stunde stille, bis der Gesang erneut erklang und sich entfernte. Nach einer Stunde rief Chad Owin zu sich und bat ihn, die Mönche aus der Kirche zu holen. Chad verabschiedete sich von ihnen und ermahnte sie, ihr Leben weiterhin in mönchischer Disziplin zu führen, dann sagte er, sein eigener Tod sei nahe. Als Chad und Owin allein waren, erklärte Chad ihm, dass die Engel ihn besucht hatten, um ihn in den Himmel abzuberufen und er starb schließlich sieben Tage später, wie er es selbst vorhergesagt hatte. Viele Jahre später erzählte Chads Freund Egbert, dass jemand in Irland gesehen hatte, wie Chads Seele von den Engeln in den Himmel geleitet worden war und dass sein lange verstorbener Bruder Cedd sie begleitete, um ihn abzuholen. Beda war nicht sicher, ob diese Vision Egberts gewesen war oder nicht.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Beda, Historia ecclesiastica, III/23
  2. 2,0 2,1 Fletcher, Richard (1997). The Conversion of Europe
  3. Koch, John T., (2006) Celtic Culture: A Historical Encyclopedia
  4. Beda, Historia ecclesiastica, III/28
  5. 5,0 5,1 5,2 Beda, Historia ecclesiastica, IV/3
  6. Beda, Historia ecclesiastica, III/21
  7. Mayr-Harting, Henry (1991). The Coming of Christianity to Anglo-Saxon England
  8. Beda, Historia ecclesiastica, IV/2
  9. Beda, Historia ecclesiastica, III/24
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