Das Danegeld - auch dänische Steuer, wörtlich übersetzt "dänische Beute/Ernte" oder Tribut - war eine Steuer, die erhoben wurde, um den Wikingernagreifern Tribut zu zahlen und das Land davor zu bewahren (weiter) verwüstet zu werden. Es wurde in den Quellen des 11. Jh. als geld oder gafol bezeichnet und war in der Zeit vom 9. bis 11. Jh. in England und Frankreich ein Teil der königlichen Politik. Es wurde sowohl als Tribut zum Auszahlen der Angreifer als auch zum Bezahlen der Verteidigungstruppen verwendet. Der Begriff Danegeld erschien erst im späten 11. Jh. Im Angelsächsischen England waren die Tributzahlungen an die Dänen als gafol bekannt und die Abgabe, die zur Bezahlung für die stehende Armee, die das Reich verteidigen sollte, benutzt wurde, war bekannt als Heregeld (Armeesteuer).

England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In England bezeichnete ein Hide normalerweise das Gebiet von Land, das benötigt wurde, um eine Familie zu versorgen. Doch die tatsächliche Größe und der wirtschaftliche Wert eines Hide variierte extrem. Anfänglich wurde das Danegeld erhoben, um die Wikingerinvasoren auszuzahlen, doch nach der Dänischen Eroberung von 1016 unter Knut dem Großen benutzte man es als permanente Grundsteuer, um die Verteidigung des Reiches zu bezahlen. [1] Die Wikingerfeldzuge nach England wurden normalerweise von dänischen Königen durchgeführt, die Armeen bestanden aber aus Kriegern aus ganz Skandinavien und sie brachten normalerweise mehr als 100 Tonnen Silber heim. [2]

Obwohl der Begriff Danegeld normalerweise für die Bezeichnung der Tributzahlungen an die Wikinger vor der Normannischen Eroberung gehalten wird, bezeichnete man diese Zahlungen üblicherweise als gafol. Die Begriffe Gafol, gyld und einmal heregild erscheinen in der Angelsächsischen Chronik, und Details über die Bezahlung finden sich in den Manuskripten C, D und E für die Jahre 991, 994, 1002, 1006, 1007, 1009, 1011, 1012, 1013 und 1018. [3] 1012 führte König Aethelred der Unberatene eine jährliche Grundsteuer ein, um die skandinavischen Söldner zu bezahlen, die von Thorkell the Tall angeführt wurden und das Reich verteidigten. Nach ihm nutzen die Könige von England die gleiche Methode der Steuereintreibung, um ihre eigenen stehenden Armeen zu finanzieren. Dies wurde als Heregeld bekannt. Es wurde 1051 von Edward dem Bekenner abschafft. Es waren schließlich die normannischen Verwalter, die diese Steuer als Danegeld bezeichneten. [4] [5]

Angelsächsische Ära[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

991 gab es die erste englische Zahlung von 10.000 römischen Pfund (3,300 kg) Silber an die Wikinger, nach der Schlacht von Maldon in Essex. Aethelred dem Unberatenen war von Sigeric dem Ernsthaften, Erzbischof von Canterbury und den Ealdormen der südwestlichen Provinzen dazu geraten worden, die Wikinger auszuzahlen, anstatt den Kampf fortzuführen. Ein Manuskript der Angelsächsischen Chronik besagt, dass Olaf Tryggvason diese Wikingertruppe anführte. [6]

994 kehrten die Dänen unter Sven Gabelbart und Olaf Tryggvason zurück und belagerten London. Sie wurden erneut ausgezahlt und die Menge an Silber, die sie erhielten, ließ bei den Dänen den Gedanken aufkommen, dass es profitabler wäre, Zahlungen von den Engländern zu verlangen, als einfach alles zu plündern, was sie konnten.

Weitere Zahlungen folgten 1002 und 1007 erkaufte sich Aethelred zwei Jahre Frieden mit den Dänen, indem er 36.000 Pfund (13.400 kg) Silber zahlte. 1012, nach der Gefangennahme und Ermordung des Erzbischofs von Canterbury und der Brandschatzung von Canterbury wurden die Dänen mit weiteren 48.000 Pfund (17.900 kg) ausgezahlt.

1016 wurde Sven Gabelbarts Sohn Knut der Große König von England. Nach zwei Jahren war er sich der Kontrolle über sein Reich sicher genug, um alle Schiffe seiner Flotte bis auf vierzig auszuzahlen, die er als persönliche Leibwache behielt. Das Danegeld dafür war die riesige Menge von 72.000 Pfund (26.900 kg) Silber, das im ganzen Land gesammelt wurde, plus weitere 10.500 Pfund (3.900 kg) aus London.

Man geht davon aus, dass die vollständige Menge an Geld, das die Angelsachsen zahlten, etwa bei sechzig Millionen Pence lag. Es wurden mehr angelsächsische Pennies dieser Periode in Dänemark gefunden als in England, und auf einem Hof, auf dem ein Runenstein von einer Reise in den Westen erzählt, wurde ein Hort von mehreren hundert englischen Münzen gefunden. [7]

Normannische Ära[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im südlichen England basierte die Höhe des Danegeld auf Hides, einem Gebiet bebaubaren Lands, das eine Familie versorgen konnte, mit Ausnahme von Kent, wo die Einheit ein Sulung von vier Joch war - der Menge von Land, das in einer Jahreszeit von einem Paar Ochsen gepflügt werden konnte. Im Norden war die typische Einheit das Carucate oder Pflügland, das Kents Sulung entsprach. In East Anglia wurde es nach der Hundertschaft bewertet. Überall wurde die Steuer von örtlichen Sheriffs eingesammelt. Berichte über Schätzungen und Einkommen vor der Normannischen Eroberung lassen ein System vermuten, das James Campbell beschrieb als "alt aber nicht unveränderlich". [8] Laut David Bates war es "eine nationale Steuer von einer Art, die im westlichen Europa unbekannt war". [9] Tatsächlich versichert Judith A. Green, dass das nationale System der Grundsteuer, das entwickelt wurde, um das Danegeld zu erheben, das erste war, das im westlichen Europa wieder benutzt wurde seit dem Zusammenbruch des Weströmischen Imperiums. [4] Es wurde von Wilhelm I dem Eroberer als Hauptwerkzeug benutzt, kontinentale Kriege zu finanzieren, sowie den königlichen Appetit zu befriedigen und die Kosten der Eroberung zu bezahlen, nicht um die Wikinger auszuzahlen. Er und seine Nachfolger erhoben die Steuer weit öfter als die angelsächischen Könige und in höheren Raten. Das sechs-Schilling-geld von 1084 ist berüchtigt und das geld in Ely von 1096 beispielsweise war doppelt so hoch wie die normale Rate. [4] [10] Judith Green berichtet, dass von 1110 an Krieg und die Katastrophe des White Ship zu weiteren Steuererhöhungen führten. [11] Bis 1130 erhob Heinrich I Danegeld jährlich, in Höhe von zwei Shilling pro Hide. In diesem Jahr versprach der König laut der Chronik von John of Worcester, das Danegeld sieben Jahre lang auszusetzen - ein Versprechen, das Stephen bei seiner Krönung erneuerte, das danach aber gebrochen wurde. Heinrich II belebte das Danegeld 1155-56 wieder, doch 1161-62 war das letzte mal, dass das Danegeld auf einer Pipe Roll [12] erschien und die Steuer wurde danach nicht mehr benutzt. [4]

Die Bedeutung des Danegeld für die Staatskasse zeigt sich bei dessen Erhebung in Höhe von 2400 Pfund im Jahr 1229-30, was etwa zehn Prozent der gesamten Steuern dieses Jahres ausmachte. [4]

Bewertet man es allgemein und nicht nach den zeitgenössischen Standards, gibt es viel zu kritisieren bei der Erhebung des Danegeld im frühen 12. Jh. Es basierte auf antiken Beurteilungen der Produktivität des Landes und es gab unzählige privilegierte Senkungen oder Ausnahmen, die als Zeichen der Gunst gewährt wurden und dazu dienten, jene, die es noch zahlen mussten, in einem "unvorteilhaften" Licht erscheinen zu lassen: "Ausnahmen waren zum Großteil eine Angelegenheit königlicher Gunst und wurden den sich verändernden Umständen angepasst ... auf diese Art war das Danegeld ein flexibleres Instrument der Besteuerung, als viele Historiker ihm zugestehen wollen". [11] [4] Heinrich I gewährte London 1133 Steuerbefreiung und befreite die Stadt von bestimmten Steuern wie dem Scot (einer örtlichen Steuer, die an den Herrscher und später den Sheriff gezahlt werden musste), dem Danegeld und dem Murdrum (das Bußgeld, das für die Tötung eines unbekannten Mannes gezahlt werden musste). [13] Ab dem späten 12. Jh. ersetzte eine Abgabe auf bewegliche Güter, die die Zustimmung des Parlaments erforderte, das Danegeld. Das Prinzip "keine Zustimmung, aber Ausnahmen" wurde ersetzt durch "Zustimmung, aber keine Ausnahmen". [14]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Lipson, E. (1959). The Economic History of England
  2. Edberg, Rune. "Runriket Täby-Vallentuna – en handledning" (PDF) (Schwedish)
  3. Bosworth, Joseph; Toller, T. Northcote, eds. (2010). "Gafol". An Anglo-Saxon Dictionary Online
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Green, Judith A. (April 1981). "The Last Century of Danegeld". The English Historical Review
  5. Cannon, John, ed. (1997). "Danegeld". The Oxford Companion to British History
  6. Gordon, E. V. (1957). The Battle of Maldon
  7. Jansson, Sven B. (1980). Runstenar
  8. Campbell, James (1986). "The Anglo Norman State in administrative History". Essays in Anglo-Saxon History
  9. Bates, David (1989). William the Conqueror
  10. Prestwich, J. O. (1954). War and Finance in the Anglo-Norman State. Transactions of the Royal Historical Society
  11. 11,0 11,1 Green, Judith A. (1986). The Government of England under Henry I
  12. Die Steuerunterlagen der englischen und britischen Regierung, die von 1156 bis 1833 reichen und bis heute vollständig erhalten sind.
  13. Cave, Roy C.; Coulson, Herbert H. (1965). A Source Book for Medieval Economic History
  14. Maddicott, John (2010). The Origins of the English Parliament, 924–1327
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