Die Lage von East Anglia mit Norfolk und Suffolk in Rot und Cambridgeshire in Rosa.

East Anglia ist ein Gebiet im Osten von England. Es besteht aus den Counties Norfolk, Suffolk und Cambridgeshire. Der Name stammt von dem angelsächsischen Königreich East Anglia, das von dem germanischen Stamm der Angeln gegründet wurde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angelsächsische Königreich East Anglia, das im 6. Jh. entstand, beinhaltete die heutigen Counties Norfolk und Suffolk und einen Teil von Cambridgeshire. Das heutige East Anglia besteht aus den gleichen Gebieten, jedoch gehört ganz Cambridgeshire dazu. Seit 1976 bilden diese Counties die Diözese von East Anglia.

Zeitweise wurde auch Essex zu East Anglia hinzugezählt, es handelte sich dabei jedoch um ein eigenständiges Königreich der Heptarchie, das nicht von Angeln, sondern von Sachsen gegründet wurde.

East Anglia grenzt im Norden und Osten an die Nordsee, im Süden an die Gebiete der Themse und besitzt eine nicht genau definierte Grenze im Westen an den Rest von England. Der nördliche Teil besteht aus flachen, niedrigen Sumpfgebieten, wie zum Beispiel The Fens, gleichzeitig ist er jedoch durch große Trockenlegungen des vergangenen Jahrhunderts eines der trockensten Gebiete Englands.

Im Nordwesten befindet sich die Bucht The Wash. Die Küstenlinie East Anglias erlitt während der vergangenen Jahrhunderte verschiedene Veränderungen. Unter anderem liegen einige frühere Küstenstädte inzwischen weiter im Inland. Die nähe zur Nordsee hat in der Vergangenheit mehrere signifikante Veränderungen herbeigeführt.

Große Flüsse in East Anglia sind der Stour, der Nene, der Cam, der Yare und der Wensum. Große Städte sind Norwich, Cambridge, Peterborough und Ipswich. Kleinere, aber historisch bekannte Städte sind unter anderem Bury St Edmunds, Ely und King's Lynn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Königreich East Anglia bestand ursprünglich nur aus Norfolk und Suffolk, bis die Hochzeit der ostanglischen Prinzessin Aethelthryth auch die Insel Ely zum Reich hinzufügte. Es entstand um 520 durch die Verschmelzung des Nordvolks (Norfolk) und des Südvolks (Suffolk), die sich in dem Gebiet angesiedelt hatten, das vor und während der Römischen Besiedlung von Britannien dem Stamm der Iceni gehört hatte.

Königreich East Anglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von East Anglia, wie es im 12. oder 13. Jh. gestaltet wurde.

Das Königreich von East Anglia entstand in der ersten Hälfte des 6. Jh. Bis 749 war das Königsgeschlecht von East Anglia das der Wuffinger, die nach dem Sohn ihres angeblichen Gründers Wehha benannt wurden, Wuffa. Während des frühen 7. Jh. wurde es unter Raedwald ein mächtiges angelsächsisches Königreich. Er war der erste der ostanglischen Könige, der als Christ getauft wurde. Viele Historiker glauben, dass er möglicherweise der König ist, der das Schiffsbegräbnis in Sutton Hoo bei Woodbridge erhielt. In den Jahrzehnten nach seinem Tod, um 624, kam East Anglia immer mehr unter den Einfluss des mächtigen Mercia. Mehrere von Raedwalds Nachfolgern starben in Schlachten, wie zum Beispiel Sigebert. Er und sein Bischof Felix von Burgund verbreiteten das Christentum in East Anglia.

Nach dem Tod von Aethelberht II 794 bis 825 verlor East Anglia seinen Status als unabhängiges Königreich, mit Unterbrechung um 796 unter Eadwald. Es bestand noch bis 869 fort, als die Wikinger East Anglia in der Schlacht besiegten und ihren König Edmund der Märtyrer töteten. Nach 879 folgte die permanente Besiedlung der Wikinger und 903 führte der ins Exil geschickte Aethelwold von Wessex die ostanglischen Dänen in den Krieg gegen seinen Cousin Edward der Ältere. Um 917 schließlich waren die Dänen mehrfach besiegt worden und East Anglia wurde ins Königreich England aufgenommen und zur Grafschaft gemacht.

Besiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise schon 450 begannen die Angelsachsen East Anglia zu besiedeln als eines der frühesten Reiche von Angeln in diesem Gebiet, das zuvor den Iceni gehört hatte. Laut Beda stammten die Ostangeln von Angeln aus Germanien ab. Der erste Hinweis auf sie findet sich im Life of St. Gregory aus der Zeit 704-713. East Anglia bildete sich als eines der sieben großen Königreiche der Heptarchie.

Heidnische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrschaft in East Anglia begann mit der heidnischen Dynastie der Wuffinger, die nach ihrem König Wuffa benannt worden war. Historiker vermuten, dass es sich dabei nicht zwangsläufig um eine wirkliche Person, sondern eher um eine Legende handelte, um den Namen der Dynastie zu erklären, der "Abkömmlinge des Wolfs" bedeutet. Eine Quelle für die Könige von East Anglia ist Bedas Historia ecclesiastica gentis Anglorum, doch er liefert nur wenige Informationen außer einer Liste von Namen. Die frühen Könige des Reiches sind nicht bekannt und auch nicht die Art der Regierung, aber eine Reihe von Schiffsgräbern um Snape und Sutton Hoo in Ost-Suffolk deutet auf das Regierungszentrum hin.

Der mächtigste König der Wuffinger war Raedwald, der "Sohn von Tytil, dessen Vater Wuffa war", wie Beda schreibt. Unter seiner Herrschaft war East Anglia das mächtigste angelsächsische Königreich. Beda beschreibt ihn sogar als Bretwalda der Königreiche südlich des Humber. 616 war er in der Lage, den northumbrischen König Aethelfrith in der Schlacht am Fluss Idle zu besiegen und zu töten, und Edwin als neuen König einzusetzen. Dies führte dazu, dass Historiker und Archäologen vermuten, er könnte das prächtige Schiffsbegräbnis in Sutton Hoo erhalten haben. Der Historiker Hunter Blair vermutete aufgrund einiger Parallelen zwischen gefundenen Grabbeigaben in Sutton Hoo und in einem Grab in Schweden, dass die Wuffinger die Nachfahren einer schwedischen Königsdynastie sein könnten, doch inzwischen sind Forscher überzeugt, dass dies eine Fehlannahme ist und die Gegenstände in England hergestellt wurden.

Christianisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raedwald war der erste ostanglische König, der sich 604 taufen ließ. Er ließ einen christlichen Altar errichten, fuhr aber dennoch fort, heidnische Götter anzubeten. Ab 616, als für einige Zeit erneut heidnische Könige in Kent und Essex regierten bis zu Raedwalds Tod im Jahr 624 war East Anglia das einzige angelsächsische Königreich, das einen getauften König besaß. Sein Sohn Eorpwald wurde sein Nachfolger und ließ sich kurz nach seiner Thronbesteigung durch Edwin von Northumbria taufen. Er stieß jedoch auf großen Widerstand in seinem Reich und starb schließlich durch den heidnischen Ricbert. Drei Jahre später bestieg Eorpwalds Bruder Sigebert den Thron, der sich im Exil im Frankreich hatte taufen lassen, und brachte das Christentum erneut nach East Anglia. Er setzte auch Felix von Burgund in Dommoc (Möglicherweise Dunwich) als Bischof ein und dankte später zugunsten seines Neffen Egric ab, um ins Kloster zu gehen.

Machtkampf mit Mercia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vormachtstellung, die Raedwald für East Anglia erreicht hatte, fand ein Ende, als der heidnische Penda von Mercia und seine Nachfolger den Thron bestiegen. Von Mitte des 7. Jh. bis zum frühen 9. Jh. wuchs die Macht von Mercia, bis es East Anglia in unter seine Herrschaft gebracht hatte.

Es begann mit Pendas Sieg über Egric und Sigebert in den 640er Jahren, letzterer wurde später zum Heiligen erklärt. Ecgrics Nachfolger Anna und sein Sohn Jurmin starben in der Schlacht von Bulcamp 654 und Penda konnte East Anglia unter seine Herrschaft bringen. 655 war Aethelhere von East Anglia ein Unterkönig von Mercia und zog mit Penda in den Krieg gegen Oswiu von Northumbria, doch sie erlitten eine schwere Niederlage in der Schlacht von Winwaed und wurden beide getötet.

749 starb mit Aelfwald der letzte König der Wuffinger und East Anglia kam immer mehr unter den Einfluss von Mercia. 794 ließ Offa von Mercia schließlich Aethelberht II von East Anglia hinrichten und übernahm selbst die Herrschaft über das Königreich, ohne den Umweg über einen Vasallenkönig. Nach seinem Tod 796 kam es kurz zu einer Periode der Unabhängigkeit von East Anglia unter Eadwald, der jedoch schon bald durch Cenwulf von Mercia wieder seine Macht verlor.

825 kam es erneut zur Unabhängigkeit von East Anglia, als Aethelstan gegen Mercia rebellierte. Beornwulf von Mercia versuchte die Kontrolle zurück zu erlangen, starb jedoch in der Schlacht, genau wie sein Nachfolger Ludeca 827. Die Ostangeln baten Egbert der Große von Wessex um Schutz gegen Mercia und Aethelstan schwor Egbert Gefolgschaft. Stück für Stück begann Wessex in dieser Zeit, die von Mercia annektierten Reiche unter seine Herrschaft zu bringen, und East Anglia konnte durch diesen Schutz noch eine Zeit lang seine Unabhängigkeit behalten.

Wikingerangriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

865 kam es zum Angriff des Großen Heidnischen Heeres in East Anglia, das dort sein Winterquartier bezog und sich mit Pferden versorgte, ehe es nach Northumbria weiter zog. 869 kehrten die Dänen nach East Anglia zurück, um erneut dort zu überwintern. Edmund von East Anglia griff sie an, wurde jedoch getötet und später aufgrund seines Todes durch die Hand von Heiden heilig gesprochen und als Märtyrer verehrt. Dies war auch der Zeitpunkt, als East Anglia aufhörte, ein unabhängiges Königreich zu sein. Die Dänen setzten Marionettenkönige ein, während sie ihre Feldzüge gegen Mercia und Wessex führten.

878 wurde der letzte Rest des Großen Heidnischen Heeres von Alfred dem Großen besiegt und zog sich aus Wessex zurück. 880 kehrten die Wikinger nach East Anglia zurück, angeführt von Guthrum, der laut der Historikerin Stafford für kurze Zeit König von East Anglia wurde. Er regierte außer den Gebieten von East Anglia auch Cambridgeshire, Teile von Bedfordshire, Hertfordshire, vermutlich Essex und Teile von Wessex.

Angelsächsisches England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 10. Jh. wuchs der Druck auf die ostanglischen Dänen durch Edward der Ältere, König von Wessex. Sein Cousin Aethelwold von Wessex hatte ins Exil gehen müssen, nachdem er den Kampf um den Thron gegen Edward verloren hatte, und verbrachte einige Zeit in Essex und Northumbria. Einige, möglicherweise sogar alle Dänen erkannten ihn 903 als König an und er brachte sie dazu, gegen Edward in den Krieg zu ziehen. Doch sowohl Aethelwold als auch Eohric von East Anglia starben in einer Schlacht in den Fens.

Zwischen 911 und 919 konnte Edward seine Macht in England erweitern und 917 brach die Macht der Dänen in dem von ihnen besetzten Gebiet plötzlich zusammen. Nach mehreren Niederlagen gingen viele Gebiete an Edward verloren und schließlich ergaben sich die Dänen von East Anglia.

East Anglia ging im Königreich England auf. Norfolk und Suffolk wurden teile der neuen Grafschaft East Anglia, als Thorkell the Tall 1017 durch Knut den Großen der erste Earl of East Anglia wurde.

Grafschaft und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz einiger von den Römern erbauten Barrieren blieb der Großteil von East Anglia bis zum 17. Jh. Sumpfland. Zu dieser Zeit begann eine Reihe von Trockenlegungsprojekten, die zur Gewinnung fruchtbaren Ackerlands führten. In den 1630er Jahren wanderten viele puritanische Familien aus East Anglia nach Amerika aus und siedelten sich in der Region Neu England an, wobei die Spuren ihrer Kultur noch bis heute gefunden werden könnten. East Anglia selbst war das wohlhabendste Gebiet Englands, das seinen Reichtum Wolle, Textilien und Landwirtschaft verdankte, bis die Industrielle Revolution diesen Titel in die Midlands und den Norden verschob.

Im zweiten Weltkrieg entstanden viele Flugbasen in East Anglia, um von dort aus Luftangriffe auf das von den Nazis besetzte Europa zu fliegen. Das Gebiet war prädestiniert für solche Vorhaben, da es aus großen Regionen offenen, ebenen Landes bestand und nahe am Festland lag. Die dadurch eingesparte Flugzeit reduzierte auch die Menge an benötigtem Treibstoff und erhöhte damit die Menge an Bomben, die mitgeführt werden konnten. Gegen Ende des Krieges gab es durchschnittlich alle 8 Meilen einen Flugplatz, viele davon können heute noch auf Luftbildern gesehen werden, einige sind sogar noch in Benutzung. Der berühmteste ist der Norwich International Airport. Auch viele zum Schutz der Bevölkerung errichtete Bunker sind immer noch an strategischen Punkte in diesem Gebiet zu sehen.

Könige und Earls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 6. bis etwa zum 8. Jh. stammten die Könige von East Anglia aus der Dynastie der Wuffinger.

Könige von East Anglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Earl of East Anglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Earls of East Anglia waren im 11. Jh. die Gouverneure des früheren Königsreichs East Anglia. Das Amt wurde von Knut der Große 1017 geschaffen und verschwand wieder, nachdem Ralph de Gael am Aufstand der Earls 1075 teilgenommen hatte.

Englische Ealdormen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dänische Earls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englische Earls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normannische Earls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 

Heptarchie

Königreiche
East AngliaEssexKentMerciaHwicceLindseyNorthumbriaBerniciaDeiraSussexWessex

Monarchen
Bretwalda
East AngliaEssexKentMerciaNorthumbriaSussexWessex

Regionen
East Anglia:NorfolkSuffolkKent:Limenwara
Essex:BrahhingasGodhelmingasHaueringasHroðingasMittelsachsenNox-gaga und Oht-gagaTetingasTewingasWaeclingasWoccingas
Mercia:AebbingasArosaeteBeormingasBilsaeteCilternsaeteGainiGyrwasHusmeraeLindisfarasMagonseteMittelangelnPecsaetePencersaeteSnotingasSouthumbriansSpaldingasStoppingasSweordoraTomsaeteWeorgoranWesterneWreocensaete
Northumbria:ElmetsaeteSussex:Haestingas
Wessex:BasingasGewissaeMeonwaraRēadingasSumorsaeteSunningasWihtwaraYtene

Siehe auch
Angelsächsische Besiedelung von BritannienAngelsächsische ChronikBurghal HidageDanelagTribal Hidage

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