Gnaeus Julius Agricola war ein gallisch-römischer General, der für einen Großteil der Römischen Eroberung von Britannien verantwortlich war. Sein Schwiegersohn Tacitus ist die Hauptquelle für die meisten Informationen über ihn, gemeinsam mit detaillierten archäologischen Beweisen im nördlichen Britannien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agricola begann seine Karriere als Militärtribun 58 bis 62 unter Gaius Suetonius Paulinus in Britannien. Vermutlich gehörte er zur Legion II Augusta, wurde aber ausgewählt, um direkt unter Suetonius zu dienen und nahm somit sehr wahrscheinlich an der Unterdrückung von Boudiccas Aufstand 61 n. Chr. teil.

Nachdem Vespasian sich zum Kaiser gemacht hatte, erhielt Agricola das Kommando über die Legion XX Valeria Victrix, die in Britannien stationiert war. Er ersetzt damit Marcus Roscius Coelius, der eine Meuterei gegen den britischen Gouverneur Marcus Vettius Bolanus angeführt hatte. Britannien hatte während des Bürgerkriegs rebelliert und Bolanus war ein weicher Gouverneur. Agricola setzte die Disziplin der Legion wieder durch und half, die Römische Herrschaft erneut zu festigen. Bolanus wurde 71 durch den aggressiveren Quintus Petillius Cerialis ersetzt und Agricola konnte sein Talent als Kommandant in den Feldzügen gegen die Briganten in Nordengland zeigen. 73 endete sein Kommando.

77 wurde er zum Gouverneur des Römischen Britannien ernannt und kehrte zum dritten mal dort hin zurück. Bei seiner Ankunft im Sommer entdeckte Agricola, dass die Ordovicer von Nordwales die dort stationierte römische Kavallerie vollständig zerstört hatten. Er zog sofort gegen sie und besiegte sie, danach wandte er sich der Insel Mona (Anglesey) zu, die Gaius Suetonius Paulinus im Jahr 60 erfolglos zu unterwerfen versucht hatte, da Boudiccas Rebellion seinen sofortigen Abzug erforderte. Agricola zwang die Einwohner, sich zu unterwerfen. Er erwarb sich einen guten Ruf als Verwalter und Kommandant, indem er die größtenteils korrupte Getreidebesteuerung reformierte. Er führte die Romanisierung fort und ermutigte die Gemeinden, Städte nach römischem Vorbild zu erbauen und ihre Söhne nach römischem Vorbild zu erziehen.

Weiterhin erweiterte er die Römische Herrschaft nach Caledonien. Im Sommer 79 führte er seine Armeen in die Gebiete des Flusses Taus, was als Firth of Tay angesehen wird, und konnte dort einige Festungen erbauen lassen. Obwohl Forscher den genauen Ort nicht kennen, vermuten sie, dass das zu dieser Zeit erbaute Fort in Elginhaugh in Mittel-Lothian von ihm erbaut wurde.

Irland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

81 "überquerte [Agricola] im ersten Schiff" und besiegte den Römern bis dahin unbekannte Völker. Tacitus sagt uns nicht, welche Gewässer er überquerte, doch die meisten Gelehrten glauben, dass es sich um den Fluss Clyde oder Forth handelte und einige Übersetzer fügten dem Text sogar den von ihnen vorgezogenen Namen hinzu. Doch der Rest des Kapitels beschäftigt sich ausschließlich mit Irland, so dass es sich vermutlich um den Südwesten Schottlands handelte. Der Text von Tacitus' Agricola wurde hier abgeändert, um die "Überquerung in weglose Wüsten" der Römer aufzuzeichnen, was sich auf die Wildnis der Galloway-Halbinsel bezieht. Agricola befestigte die Küste gegenüber Irland und Tacitus berichtet, dass sein Schwiegervater oft behauptete, die Insel könnte mit einer einzigen Legion und Hilfstruppen erobert werden. Er hatte einem geflohenen irischen König Zuflucht gewährt, von dem er hoffte, dass er ihn als Grund für die Eroberung benutzen könnte. Diese fand jedoch niemals statt, doch einige Historiker glauben, dass die Überquerung sich auf etwas bezog, das eigentlich eine kleine Erkundungs- oder Strafmission nach Irland war, obwohl keine römischen Lager gefunden wurden, um das zu stützen.

Irische Legenden zeigen auffällige Parallelen. Tuathal Teachtmhar, ein legendärer irischer Hochkönig, soll als Junge aus Irland vertrieben worden sein, und kehrte von Britannien an der Spitze einer Armee zurück, um den Thron zu beanspruchen. Das traditionelle Datum seiner Rückkehr liegt zwischen 76 und 80 n. Chr, und Ausgrabungen haben römische oder römisch-britische Artefakte an verschiedenen Orten hervorgebracht, die mit Tuathal in Verbindung stehen.

Invasion von Caledonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im folgenden Jahr stellte Agricola eine Flotte zusammen und kreiste die Stämme hinter dem Forth ein, wobei die Caledonii sich in großer Zahl gegen ihn erhoben. Sie griffen das Lager der Legion IX Hispana nachts an, doch Agricola schickte ihnen seine Kavallerie entgegen und schlug sie in die Flucht. Die Römer zogen tiefer in den Norden.

Im Sommer 83 stellten sich die Armeen der Caledonii unter Calgacus in der Schlacht von Mons Graupius entgegen. Tacitus schätzt ihre Zahl auf mehr als 30.000. Agricola stellte seine Hilfstruppen an die Spitze und hielt die Legionen in Reserve. Er verließ sich auf Nahkämpfe, um die Langschwerter der Caledonii nutzlos zu machen, da sie sie nicht richtig schwingen oder stoßen konnte. Obwohl die Caledonii geschlagen wurden und somit die Schlacht verloren, konnten zwei Drittel ihrer Armee fliehen und sich in den Highlands oder der "weglosen Wildnis" verstecken, wie Tacitus es nennt. Die Verluste der Schlacht wurden von Tacitus auf etwa 10.000 auf caledonischer und 360 auf römischer Seite geschätzt.

Verschiedene Autoren glauben, dass die Schlacht sich in der Grampian Mounth ereignete, in Sichtweite der Nordsee. Die am meisten vermuteten Orte sind Kempstone HIll, Megray Hill oder andere Hügel beim Römischen Lager in Raedykes. Diese hoch gelegenen Orte sind in der Nähe des Elsick Mounth, einem antiken Pfad, der von Römern und Caledonii für militärische Manöver benutzt wurde. Doch nach der Entdeckung des Römischen Lagers bei Durno 1975 glauben die meisten Gelehrten inzwischen, dass die Schlacht in der Gegend um Bennachie in Aberdeenshire stattfand.

Zufrieden mit dem Sieg nahm Agricola Geiseln von den caledonischen Stämmen. Er könnte mit seiner Armee an die nördliche Küste Britanniens marschiert sein, wie die Entdeckung einer möglichen römischen Festung bei Cawdor (nahe Iverness) andeutet.

Er befahl außerdem dem Präfekten der Flotte, um die Nordküste zu segeln, womit bestätigt wurde (angeblich zum ersten mal), dass Britannien tatsächlich eine Insel war.

Spätere Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agricola wurde 85 aus Britannien zurückgerufen, nach einer ungewöhnlich langen Zeit als Gouverneur. Tacitus berichtet, dass Domitian diesen Rückruf befahl, da Agricolas Erfolge die des Kaisers in Germanien überstrahlten. Er betrat Rom unauffällig, da er Berichten zufolge in der Nacht in den Palast befohlen war. Die Beziehung zwischen Agricola und dem Kaiser ist unklar. Einerseits erhielt Agricola triumphale Dekorationen und eine Statue [1], andererseits erhielt Agricola nie wieder einen zivilen oder militärischen Posten, trotz seiner Erfahrung und seinem Ruf. Er erhielt das Gouverneursamt der Provinz Africa angeboten, doch er lehnte ab, entweder aufgrund seiner schlechten Gesundheit oder aber (wie Tacitus behauptet) aufgrund der Machenschaften Domitians. 93 starb Agricola auf seinen Familiengütern in Gallia Narbonensis im Alter von dreiundfünfzig Jahren. Gerüchte waren im Umlauf, dass der Kaiser ihn hatte vergiften lassen, doch es gab niemals Beweise dafür.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Die höchste militärische Ehre, abgesehen von einem tatsächlichen Triumphzug.
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