Guinevere - manchmal auch Guenevere oder Guenever, walis. Gwenhwyfar, bretonisch Gwenivar, kornisch Gwynnever - ist die legendäre Ehefrau von König Artus. Zum ersten mal im frühen 12. Jh. in der walisischen Literatur erwähnt wurde sie auf alle möglichen Arten dargestellt: von der bösartigen und opportunistischen Verräterin bis hin zu einer fehlerbehafteten, aber edlen und tugendhaften Dame. Ein vielfach wiederkehrendes Thema in den Artusgeschichten ist ihre Entführung.

Königin Guinevere wurde zum ersten mal von Geoffrey of Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae erwähnt, einer pseudohistorischen Chronik der Britischen Geschichte. Dort wird sie von Mordred während seiner Rebellion gegen König Artus verführt. In späteren mittelalterlichen Artusromanen, die aus Frankreich stammen, ist eine der bekanntesten Geschichten Guineveres tragische Liebesgeschichte mit dem obersten Ritter und besten Freund ihres Mannes, Lancelot, die indirekt zum Tod von Artus und vielen Rittern sowie dem Niedergang des Königreiches führt. Dieses Motiv erschient zuerst in Chrétien de Troyes Gedicht Lancelot, vor seiner großen Erweiterung zum Prosa-Zyklus Lancelot-Grail, wo es als großer Themenkreis in Thomas Malorys Le Morte d'Arthur aufgenommen wurde. Das Thema blieb auch beliebt in modernen Adaptionen der Legende, normalerweise in Verbindung mit Lancelot.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche walisische Form des Namens Gwenhwyfar, die mit dem irischen Namen Findabair verwandt zu sein scheint, kann als "die Weiße Zauberin" oder "die Weiße Fee/der weiße Geist" übersetzt werden. Vom Proto-keltischen *windo für weiß, hell, heilig und *sebara, was "magisches Wesen" bedeutet. [1] [2] [3] Einige Forscher haben vermutet, dass der Name von "Gwenhwy-fawr" oder "Gwenhwy die Große" stammen könnte, als Kontrast zu Gwenhwy-fach oder "Gwenhwy die Geringere". Gwenhwyfach (auch Gwenhwyach) erscheint in der walisischen Literatur als Schwester von Gwenhwyfar, doch die walisischen Gelehrten Melville Richards und Bromwich weisen diese Theorie zurück. Richards glaubt, dass Gwenhwyfach eine Rückbildung ist, die von einer inkorrekten Interpretation von Gwenwhy-far als Gwenhwy-fawr stammt. [4] Die Englische Version des Namens wäre Jennifer. [5]

Im Vita Gildae erscheint der Name als Guennuuar (Guennimar). Geoffrey of Monmouth änderte ihn zu Ganhumara in der lateinischen Version seiner Historia Regum Britanniae, und bei Layamon wurde er zu Wenhauer (Wenhaiuer) und in einem seiner Manuskripte zu Gwenayfer. In Waces Roman de Brut erscheint sie als Genoivre und Gahunmare. Gerald of Wales nennt sie Wenneuereia und Chretien de Troyes Guenievre (Ganievre). Die Autoren der französischen Prosazyklen benutzen letzteren später weiter, auch in der Form Gueneure.

Ihre vielen anderen verschiedenen Namen erscheinen in verschiedenen Perioden und Regionen des Mittelalterlichen Europa, unter anderem als Gaynour und Waynour im Morte Arthure und The Awntyrs off Arthure, Genure oder Gaynor im Morte Arthur, Guenore im Sir Gawayn und þe Grene Knyȝt, Gwenvere (Guennevere, Guenera, Gwenner) im Polychronicon und Gwendoloena (Gwendolen) im De Ortu Waluuanii. In den mitteldeutschen Romanzen von Hartmann von Aue und Ulrich von Zatzikhoven heißt sie Ginover (Ginovere) und das Publikum der italienischen Romanzen kannte sie als Ginevra. Im Britannien des 15. Jh. wurde sie Gwynnever genannt im mittelkornischen Theaterstück Bewnans Ke, während der mittelenglische Autor Thomas Malory sie Gwenever (Guenever) nannte in seinem Le Morte d'Arthur. [6]

Mittelalterliche Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer der Walisischen Triaden (Nr. 56) gibt es drei Gwenhwyfars, die mit König Artus verheiratet waren. Die erste ist die Tochter von Cywryd von Gwent, die zweite von Gwythyr ap Greidawl und die dritte von (G)ogrfan Gawr (der Gigant). [7] In einer anderen walisischen Triade (No. 54) wird nur die Tochter von Gogfran Gawr erwähnt. Es gab einmal einen beliebten Volksreim in Wales über Gwenhwyfar: "Gwenhwyfar, Tochter von Ogrfan Gawr / böse als sie klein war, schlimmer als sie groß war". [8]

Die walisischen Überlieferungen erinnern auch an die Schwester der Königin, Gwenhwyfach, und berichten von der Feindschaft zwischen ihnen. Zwei Triaden (Nr. 53 und 84) erwähnen Gwenhwyfars Auseinandersetzung mit ihrer Schwester, was man für den Grund für die Schlacht von Camlann hielt. Im mittleren bis späten 12. Jh. wird sie im walisischen Volksmärchen Culhwch und Olwen erwähnt, zusammen mit Gwenhwyfach. In einigen späteren Romanzen erscheint sie als Guineveres böser Zwilling. Die deutsche Romanze Diu Crone gibt Guinevere zwei andere Schwestern: Gawains Geliebte Flori und Königin Lenomie von Alexandria.

Guinevere ist in den meisten Geschichten kinderlos. [9] Die wenigen Ausnahmen enthalten Artus' Sohn namens Loholt oder Illinot in Perlesvaus und Parzival (zuerst erwähnt in Erec und Enide). [10] Im Morte Arthure wird Guinevere freiwillig Mordreds Gefährtin und gebiert ihm zwei Söhne, obwohl der sterbende Artus befielt, Mordreds Kinder töten zu lassen (aber Guinevere zu verschonen, da er ihr vergibt). Es gibt Erwähnungen von Artus' Söhnen in den Walisischen Triaden, obwohl nicht klar ist, welche Mutter sie haben. Abgesehen von ihren biologischen Kindern zieht Guinevere auch die illegitime Tochter von Sagramore und Senehaut im Livre d'Artus auf.

Andere familiäre Beziehungen sind gleichermaßen obskur. Eine Halbschwester und ein Bruder namens Gotegin spielen jeweils die Rollen der Antagonisten im Vulgate-Zyklus und im Diu Crone, aber keiner der Charaktere wird anderswo erwähnt. Während spätere Werke beinahe immer Leodegrance als Guineveres Vater nennen, wird ihre Mutter normalerweise nicht erwähnt, obwohl es manchmal heißt, dass sie tot ist (wie im The Adventures of Arthur, wo der Geist von Guineveres Mutter ihr und Gawain im Inglewood Forest erscheint). Einige Werke nennen Cousins, obwohl diese normalerweise nicht mehr als einmal auftauchen. Einer dieser Cousins ist Guiomar, ein früherer Geliebter von Morgan le Fay in verschiedenen französischen Romanzen. Andere sind Elyzabel (Elibel) und Garaunt (möglicherweise Geraint). Im Perlesvaus ist König Madaglan(s) d'Oriande nach Guineveres Tod ein großer Feind, der in Artus' Gebiet einfällt und ihn zu zwingen versucht, dem Christentum abzuschwören und seine Schwester Königin Jandree zu heiraten.

Darstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früheste datierbare Erwähnung von Guinevere als Guanhumara erscheint in Geoffrey of Monmouths Historia Regum Britanniae, die gegen 1136 geschrieben wurde. Dort heißt es, dass Guinevere, die als eine der schönsten Frauen Britanniens beschrieben wird, mütterlicherseits aus einer edlen römischen Familie stammte und unter Cador von Cornwall, aufgezogen wurde. [11] Artus lässt sie in der Obhut seines Neffen Mordredus, als er nach Europa übersetzt, um gegen den römischen Anführer Lucius Tiberius in den Krieg zu ziehen. Während ihr Ehemann fort ist, wird Guinevere von Mordredus verführt und heiratet ihn, und Mordredus erklärt sich selbst zum König und übernimmt Artus' Thron. Schlussendlich kehrt Artus nach Britannien zurück und bekämpft Mordredus in der Schlacht von Camlann. [12]

Frühe Texte neigen dazu, sie ungünstig oder nur sehr wenig zu beschreiben. Eine von ihnen ist Culhwch und Olwen, wo sie als Artus' Frau Gwenhwyfar erwähnt wird, aber sonst wird kaum etwas über sie gesagt. [13] Diese Geschichte kann nicht sicher datiert werden. Der jüngste Versuch des Sprachforschers Simon Rodway datiert sie auf die zweite Hälfte des 12. Jh. [14] Die Werke von Chrétien de Troyes waren die ersten, die aus Guinevere mehr als einfach nur die Frau von Artus machten. Dies geschah wahrscheinlich aufgrund von Chretiens Publikum dieser Zeit, dem Hof von Marie, Countess of Champagne, der mit höfischen Damen angefüllt war, die hohe soziale Rollen spielten. [15]

Spätere Autoren nutzten ihre guten und schlechten Eigenschaften, um einen tiefgreifenderen Charakter zu erschaffen, der in de Geschichten eine größere Rolle spielte. In Chretiens Yvain, der Löwenritter wird sie für ihre Intelligenz, Freundlichkeit und Vornehmheit gepriesen. Auf der anderen Seite gibt es Werke wie das anglonormannische Gedicht Lanval von Marie de France aus dem späten 12. Jh. (und Thomas Chestres spätere mittelenglische Version Sir Launfal), wo Guinevere eine rachsüchtige Ehebrecherin und Verführerin ist, die den Tod des namensgebenden Protagonisten plant, nachdem es ihr nicht gelungen ist, ihn zu verführen. Es endet damit, dass seine heimliche wahre Liebe aus Avalon sie zur Strafe magisch blendet - die Feenprinzessin Lady Tryamour (von einigen als Morgan le Fay identifiziert [16]). Guinevere selbst hat in The rise of Gawain, Nephew of Arthur, magische Kräfte.

Solche Geschichten können sich in ihren Beschreibungen von Guinevere und der Art ihres Dahinscheidens stark unterscheiden. Im La Tavola Ritonda aus dem Italien des 15. Jh. fällt sie tot um, als sie vom Schicksal ihres Ehemannes erfährt, nachdem Lancelot sie vor der Belagerung durch Artus' Mörder Mordred rettet. Im Perlesvaus ist es Kais Mord an Loholt, der dazu führt, dass Guinevere vor Kummer stirbt, wonach sie mit Loholts abgetrenntem Kopf in Avalon begraben wird. Alternativ gibt es das, was die Artusgelehrten Ashe und Norris J. Lacy eine der "seltsamen Episoden" [17] des Ly Myreur des Histors nennen, einem romantisierten historischen/legendenhaften Werk des belgischen Autors Jean d'Outremeuse. Dort ist Guinevere eine böse Königin, die mit dem siegreichen Mordred gemeinsam regiert, bis sie von Lancelot getötet wird, hier dem letzten Ritter der Tafelrunde. Ihr Körper wird dann mit dem gefangenen Mordred eingemauert, der sie isst, bevor er selbst verhungert. Layamons Brut (ca. 1200) enthält einen Traum, in dem Artus selbst Guinevere in Stücke hackt, nachdem er Mordred geköpft hat. [18]

Entführungsgeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der walisische Kleriker und Autor Caradoc of Llancarfan, der irgendwann zwischen 1130 und 1150 [19] das Life of Gildas schrieb, berichtet, dass Guinevere von Melwas, König des "Sommerlandes" (Aestiva Regio, möglicherweise Somerset), entführt und vergewaltigt wurde, danach hielt er sie in seiner Festung in Glastonbury gefangen. Die Geschichte besagt, dass Artus ein Jahr auf der Suche nach ihr verbrachte, und eine Armee versammelte, um Melwas' Festung zu stürmen, als Gildas eine friedliche Lösung aushandelte und das Ehepaar wieder vereinte. Diese Geschichte scheint mit einem altirischen Entführungsmotiv in Verbindung zu stehen, das aithed genannt wird. Dort entführt ein seltsamer Fremder eine verheiratete Frau und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Der Ehemann rettet sie dann trotz unüberwindlicher Schwierigkeiten. [20] Ein scheinbar verwandter Bericht wurde in der Kathedrale von Modena in Italien eingraviert, der höchstwahrscheinlich vor dieser Erzählung datiert. Hier kommen Artus de Bretania und Isdernus an einen Turm, in dem Mardoc Winlogee gefangen hält, während auf der anderen Seite Carrado (wahrscheinlich Caradoc) gegen Galvagin (Gawain) kämpft, als die Ritter Galvariun und Che (Kai) erscheinen. Isdernus ist höchstwahrscheinlich eine Inkarnation von Yder (Edern ap Nudd), einem keltischen Helden, dessen Name in Culhwch und Olwen erscheint. Yder ist eigentlich Guinveres Liebhaber in einer beinahe vergessenen Überlieferung, die in Berouls Tristan aus dem 12. Jh. erwähnt wird. Dies erscheint auch im späteren Romanz du reis Yder, wo seine Geliebte die Guinevere-ähnliche Königin Guenloie of Carvain (möglicherweise Caerwent) ist.

Chretien de Troyes erzählt eine andere Version von Guineveres Entführung, diesmal von Meliagant (Maleagant, was sich von Melwas ableitet) im Lancelot, der Karrenritter aus dem 12. Jh. Die Entführung ist größtenteils eine Aufarbeitung derjenigen in Caradocs Werk, doch hier ist der Retter der Königin nicht Artus (oder Yder) sondern Lancelot, dessen Ehebruch mit der Königin in diesem Gedicht zum ersten mal erscheint. In Chretiens Liebesdreieck Artus-Guinevere-Lancelot vollzieht Guinevere ihre Affaire mit Lancelot, als Artus und seine Ritter versuchen, sie aus dem Land Gorre zu retten. Es wurde vermutet, dass Chretien ihre Affaire erfand, um Guinevere mit einem höfischen außerehelichen Liebhaber zu versorgen. Mordred konnte nicht genutzt werden, da sein Ruf unwiederbringlich zerstört war, und Yder war vollständig vergessen worden. [21] Diese Version wurde beliebt und ist heute am verbreitetsten durch ihre Einfügung in eine erweiterte Form des Zyklus, wo Lancelot mehr als einmal zu ihrer Rettung kommt.

Es gibt noch weitere Varianten dieses Motivs in der mittelalterlichen Literatur. In Ulrichs Lanzelet behauptet Valerin, der König des verschlungenen Waldes, er hätte das Recht sie zu heiraten, und bringt sie zu seinem Schloss. Es kommt zu einem Machtkampf, der Gelehrte an ihre Verbindung zu Fruchtbarkeit und der Oberherrschaft über Britannien erinnert. Artus' Begleitung rettet sie, doch Valerin entführt sie erneut und versetzt sie in einen magischen Schlaf, in einem anderen Schloss umgeben von Schlangen, wo nur der mächtige Magier Malduc sie retten kann. Im Diu Crone ist Guineveres Entführer ihr eigener Bruder Gotegrim, der sie töten will, da sie sich geweigert hatte, Gasozein zu heiraten, der behauptet, ihr rechtmäßiger Ehemann zu sein, ihr Retter ist Gawain. Im Dumart le Gallois wird Guinevere durch den namensgebenden Helden aus ihrer misslichen Lage befreit. Im Livre d'Artus wird sie kurz von König Urien gefangen genommen, während seiner Rebellion gegen Artus. Der walisische Poet Dafydd ap Gwilym aus dem 14. Jh. erwähnt ihre Entführung in zwei seiner Gedichte.

Eine Version der Erzählung von Guinevere steht in der örtlichen Folklore in Verbindung mit Meigle in Schottland, das für seine gravierten piktischen Steine bekannt ist. Einer der Steine, der jetzt im Meigle Sculptured Stone Museum ist, soll Vanora darstellen, der örtliche Name für Guinevere. Sie soll von König Modred entführt worden sein. Als sie schließlich zu Artus zurückkehrt, lässt er sie für Untreue zum Tode verurteilen und befielt, dass sie von wilden Bestien in Stücke gerissen werden soll; das Ereignis soll auf dem Meigle Stone 2 (Königin Venoras Stein) zu sehen sein. Dieser Stein war einer von zwei, die ursprünglich nahe einem Hügel standen, der als Vanoras Grab identifiziert wurde. [22] Heutige Gelehrte interpretieren den Stein als eine Darstellung der biblischen Geschichte von Daniel in der Löwengrube. Eine weitere mit Schottland verbundene Geschichte erscheint in Hector Boeces Chronica Gentis Scotorum, wo Guinevere von den Pikten gefangen genommen wird, nach dem Tod von Mordred und Artus in der Schlacht von Camlann. Sie verbringt den Rest ihres Lebens in Gefangenschaft. Nach ihrem Tod wird sie neben Artus begraben.

Der Mittelalterforscher Roger Sherman vermutet, dass dieses Motiv zeigt, dass "sie die Rolle einer keltischen Persephone geerbt hatte". [23] All diese ähnlichen Geschichten von Entführung durch einen anderen Verehrer - und diese Allegorie enthält Lancelot, der sie mitnimmt, als sie für ihren Ehebruch lebendig verbrannt werden soll - wirken wie ein wiederkehrendes "Hades entführt Persephone"-Motiv, was andeutet, dass Guinevere der andersweltlichen Braut Etain gleicht, die Midir, König der Unterwelt, mit sich nimmt aus ihrem irdischen Leben, nachdem sie ihre Vergangenheit vergessen hat. [24]

Französisch inspirierte Überlieferungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den französischen zyklischen Ritterromanzen und den auf ihnen basierenden späteren Werken, inklusive dem einflussreichen Le Morte d'Arthur von Thomas Malory, ist Guinevere die Tochter von König Leodegrance, der Artus' Vater Uther Pendragon gedient hatte und nach Uthers Tod die Tafelrunde verwahren sollte. In diesen Geschichten liegt Leodegrances Königreich üblicherweise nahe der bretonischen Stadt Carhaise (das heutige Carhaix-Plouguer). In den Feldern im Süden und Osten von Carhaise verteidigt Artus Leodegranz, indem er König Rience besiegt, was zu seinem Treffen und seiner Hochzeit mit Guinevere führt. Diese Version der Legende besagt, dass Guinevere schon früh in Artus Leben mit ihm verlobt wurde, während er noch Anhänger sammelte. Die folgende Erzählung basiert größtenteils auf dem Lancelot-Graal Zyklus und erzählt die Geschichte von Lancelot und Guinevere entsprechend der Konventionen der höfischen Liebe, die im Frankreich des 13. Jh. sehr beliebt waren. Guineveres Rolle in dieser Romanze ist die als Lancelots "weiblicher Herr", genau wie die Dame vom See seine "weiblicher Meister" ist, [25] doch bald darauf wird dies verdammt im Post-Vulgate Zyklus, der Malory ebenfalls beeinflusste.

Als der mysteriöse weiße Ritter (Lancelot) vom Kontinent ankommt, ist Guinevere sofort hingerissen. Der junge Lancelot schließt sich zunächst den Rittern der Königin an, um ihr zu dienen. Lancelot verweigert die Liebe anderer Damen und schickt Guinevere die Lösegeldpflichtigen Ritter, die er im Kampf besiegt hat und die sie um Vergebung bitten müssen. Nach seiner frühen Rettung von Guinevere vor Maleagant (im Le Morte d'Arthur geschieht dies erst viel später) und seine Aufnahme in die Tafelrunde beginnen sie und Lancelot mit Galehauts Hilfe eine romantische Affaire, die schlussendlich zu Artus' Untergang führt. Im Vulgate verbringen die Liebenden ihre erste Nacht miteinander, als Artus mit der schönen Sachsenprinzessin Camille oder Gamille (eine böse Zauberin, die er später noch immer liebt, obwohl sie ihn betrügt und einsperrt, allerdings wird angedeutet, dass er verzaubert war [26]). Artus ist auch weiterhin untreu in der Episode der "Falschen Guinevere" (die Artus einen Liebestrank trinken ließ, um Guinevere zu betrügen), ihrer eigenen Zwillings-Halbschwester (geboren am gleichen Tag, aber von einer anderen Mutter), die Artus zu seiner zweiten Frau macht, in einem sehr unbeliebten bigamistischen Akt. Er weigert sich sogar, sich dem Befehl des Papstes zu unterwerfen, das nicht zu tun, als Guinevere flieht, um mit Lancelot in Galehauts Reich zu leben. Die Autoren der französischen Prosazyklen wollten somit Guineveres und Lancelots Ehebruch rechtfertigen, indem sie Artus Ruf schädigten und es damit akzeptabel und sympatisch machten für ihr mittelalterliches höfisches Publikum. Malorys Le Morte d'Arthur stellt Artus allerdings als vollkommen treu gegenüber Guinevere dar, er widersteht sogar erfolgreich den drängenden Avancen der Zauberin Annowre, mit Ausnahme als Opfer eines Zauberspruchs in einer Variante der "Falsche Guinevere" Geschichte. Guinevere selbst ist oftmals sehr eifersüchtig bezüglich Lancelots Liebesleben, besonders im Fall von Elaine von Corbenic und Elaine von Ascolat. Malory geht sogar so weit, anzudeuten, dass Guinevere Zauber benutzt, um Lancelots Liebe zu gewinnen.

Jahre später, nach der Gralssuche, erzählt Malory seinen Lesern, dass das Paar begann, sich in der Öffentlichkeit sorglos zu verhalten. Er erzählt, dass "Lancelot wieder begann, bei der Königin Guinevere Zuflucht zu suchen und das Versprechen vergaß und die Vollkommenheit, die er in der Quest gemacht hatte ... und so liebten sie einander heißer, als sie es zuvor getan hatten". Sie versündigten sich in "geheimen Spielen mit einander" und verhielten sich in einer Weise dass "viele am Hof davon sprachen". Guinevere wird dreimal des Ehebruchs schuldig gesprochen, inklusive einem mal, als sie auch der Hexerei bezichtigt wird. [27] Ihre jetzt nicht mehr geheime Affaire wird schließlich von Guineveres geschworenem Feind und Artus' Halbschwester, der Zauberin Morgan le Fay, öffentlich gemacht, die mehrfach gegen sie ein Komplott geschmiedet hatte (manchmal wurde sie davon durch Lancelot behindert, der Guinevere bei mehreren Gelegenheiten verteidigt und besondere Feste zu ihren Ehren gegeben hatte), und von zwei Söhnen von König Lot bezeugt, Agravain und Mordred. Als Verräter an seinem König und Freund entlarvt kämpft Lancelot und kann entkommen. Um seine Ehre zu verteidigen, verurteilt Artus Guinevere dazu, lebendig verbrannt zu werden. Im Wissen, dass Lancelot und seine Familie versuchen würden, dies zu verhindern, schickt Artus viele Ritter aus, um den Scheiterhaufen zu beschützen, allerdings weigert sich Gawain, daran teilzunehmen. Lancelot kommt mit seinen Verwandten und Anhängern und rettet die Königin. Gawains Brüder Gaheris und Gareth werden in der Schlacht getötet (zusammen mit anderen Rittern der Tafelrunde wie Aglovale, Segwarides und Tor, und ursprünglich auch Gawains dritter Bruder Agravain), was Gawain in einen Wutrausch versetzt, der so groß ist, dass er Artus in eine direkte Konfrontation mit Lancelot drängt.

Guinevere kehrt später aus Lancelots Schloss zu Artus zurück und ihr wird vergeben (Artus beginnt zu bezweifeln, dass Guinevere ihm jemals untreu war). Als Artus Lancelot nach Frankreich folgt, lässt er sie in der Obhut von Mordred zurück, der plant, die Königin selbst zu heiraten und Artus Thron zu besteigen. Während in einigen Versionen der Legende (wie dem Morte Arthure) Guinevere Mordreds Antrag zustimmt, versteckt sie sich in den Geschichten von Lancelot im Tower of London, wo sie Mordreds Belagerund wiedersteht, und sucht später Zuflucht in einem Nonnenkloster (bei Alfred Lord Tennysons modernerer Erzählung ist es Almesbury). [28] Als er von dem Verrat hört, kehrt Artus nach Britannien zurück und erschlägt Mordred in der Schlacht von Camlann, doch seine Wunden sind so schwer, dass er von Morgan auf die Insel Avalon gebracht wird. Während dem Bürgerkrieg wird Guinevere als Sündenbock für die Gewalt dargestellt, ohne ihre Perspektive oder Motivation darzustellen. Nach Artus' Tod zieht sich Guinevere in ein Kloster zurück, als Buße für ihre Untreue. Ihre reue ist ernst und tief. Lancelot gelingt es nicht, sie zu überzeugen, mit ihm zu kommen. [29] Guinevere trifft Lancelot ein letztes mal und weigert sich, ihn zu küssen, dann kehrt sie ins Kloster zurück. Sie verbringt den Rest ihres Lebens als Äbtissin in freudloser Sorge, im Gegensatz zu ihrer früheren fröhlichen Natur. Nach ihrem Tod begräbt Lancelot sie neben Artus' (realem oder symbolischem) Grab.

Moderne Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moderne Darstellungen der Artuslegende variieren stark in ihrer Darstellung von Guinevere, größtenteils deshalb, weil einige Aspekte ihrer Geschichte von den modernen Autoren aussortiert werden müssen. Trotz ihrer ikonischen fluchbeladenen Liebe zu Lancelot stellen einige moderne Neuinterpretationen sie so dar, als wäre sie in die Affaire mit Lancelot hinein manövriert worden, mit Artus als ihrer rechtmäßigen wahren Liebe. Andere stellen ihre Liebe für Lancelot dar als Form einer Beziehung, die schon vor ihrer arrangierten Ehe mit Artus bestand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Darkspell (Deverry Zyklus) - hier ist Gweniver eine Kriegerprieterin, die der Göttin des Mondes verschworen ist, eine inspirierende Anführerin im Krieg und ein Berserker im Kampf.
  • Guinevere von Lavinia Collins - Eine historische Romantrilogie, die von Guineveres Ehe mit Artus und der nachfolgenden Entwicklung ihrer Beziehung zu Lancelot handelt. Zusätzlich zu typischen Themen des romantischen Genres handelt diese Version auch von Magie und Religion und baut auf dem Le Morte d'Arthur auf.
  • Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley - Gwenhwyfar wird von einem kalten, lieblosen Vater aufgezogen, der sie mit einem starken Minderwertigkeitskomplex und starker Agoraphobie zurücklässt. Da sie nicht in der Lage ist, einen Erben zu gebären und die Liebe ihres Lebens für sich zu gewinnen - Lancelot - verfällt sie in eine tiefe Depression und wird in der Hoffnung auf Erlösung eine immer fanatischere Christin. Bradleys Version ist erwähnenswert für die walisische Schreibweise, die viele nachfolgende Autoren übernommen haben.
  • The squire's Tales von Gerald Morris - Guinevere ist ein Nebencharakter, beginnend mit ihrer Rolle als frisch vermählte Königin und Ehefrau von Artus. Die Serie endet mit ihr als Schwester Arthur, die nach Artus Abreise friedlich in einem Kloster lebt.
  • The Warlord Chronicles von Bernard Cornwell - Guinevere ist die Prinzessin von Henis Wyren in Nord Wales. Sie ist eine starke Gegnerin der Christen und eine hingebungsvolle Anhängerin der antiken ägyptischen Göttin Isis. Sie will durch ihre ehe mit Artus Königin von Dumnonia werden, der in der Novelle der illegitime Sohn von Uther Pendragon ist. Guinevere ist der Grund für den Bürgerkrieg in The Winter King und verschwört sich später mit Lancelot gegen Artus in Enemy of God, obwohl sie sich später versöhnen, denn sie spielt eine wichtige Rolle im Sieg bei der Schlacht von Badon. Schlussendlich begleiten sie und ihr Sohn den verwundeten Artus ins Exil in die Bretagne nach der Schlacht von Camlann am Ende von Excalibur.
  • Once and Future von Amy Rose Capetta und Cory McCarthy - Gweneviere wird wiedergeboren als Königin eines Planeten namens Lionel, einem mittelalterlichen Freizeitpark. Sie spielt eine Schlüsselrolle in Once and Future und dem Nachfolger Sword in the Stars.
  • The Guinevere Deception von Kiersten White - Sie ist ein Lehrling von Merlin, die ausgesandt wird, um Artus' Frau zu werden und ihn vor einem verheerenden Schicksal zu retten.

Andere Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981 Excalibur - dargestellt von Cherie Lunghi
  • Camelot, Broadway Musical - Dargestellt von Julie Andrews und Sally Ann Howes. In der Filmversion von Vanessa Redgrave.
  • 1995 Der Erste Ritter - dargestellt von Julia Ormond, mit Richard Gere als Lancelot und Sean Connery als Artus.
  • Guinevere Jones - sie wird als die Hauptperson Gwen Jones wiedergeboren, dargestellt von Tamara Hope.
  • Sabrina - the Animated Series (in der Folge Hexcalibur)
  • King Arthur (Film) - dargestellt von Keira Knightley
  • King Arthur and the Knights of Justice (Cartoon-Serie)
  • 1983 Camelot 3000 (Comic-Reihe)
  • 1989 Dragon and Slippers (animierter Fantasy-Film)
  • 1998 Merlin (Miniserie) - Dargestellt von Lena Headey
  • King Arthur's Disasters (Cartoon-Serie)
  • Merlin (Fernsehserie) - Dargestellt von Angel Coulby
  • Camelot (Fernsehserie) - Dargestellt von Tamsin Egerton
  • Legends of Tomorrow (Fernsehserie) - Dargestellt von Elyse Levesque in der Episode "Camelot/3000"
  • Once Upon a Time (Fernsehserie) - Dargestellt von Joana Metrass
  • Princess Gwenevere and the Jewel Riders (Cartoon-Serie)
  • 2014 High Noon Over Camelot von The Mechanisms (Album) - Dargestellt von Jessica Law
  • Mobile Legends: Bang Bang (Computerspiel) - als spielbarer Charakter möglich
  • Cursed - dargestellt von Bella Dayne
  • Wizards: Tales of Arcadia (Computerspiel)

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Schrijver, Peter (1995). Studies in British Celtic Historical Phonology
  2. Koch, John T. (2006). Celtic culture: a historical encyclopedia
  3. Dictionary of the Irish Language
  4. Richards, Melville "Arthurian Onomastics", in: Transactions of the Honourable Society of Cymmrodorion
  5. Evans, Cleveland "Jennifer went from 'strange' to popular". Omaha.
  6. http://users.clas.ufl.edu/jshoaf/ArthGuinevere.html
  7. Bromwich, Rachel (2006). Trioedd Ynys Prydein: The Triads of the Island of Britain
  8. Rhys, Sir John Studies in the Arthurian Legend
  9. Walters, Lori (2001). Lancelot and Guinevere: A Casebook
  10. Mediavilla, Cindy (1999). Arthurian Fiction: An Annotated Bibliography
  11. Baron Hallam Tennyson Tennyson, Baron Alfred Tennyson Tennyson (1908). Works of Tennyson, Volume 5.
  12. Wilentz, Abigail (2009). Relationship Devotional: 365 Lessons to Love & Learn
  13. Bruce, Christopher W. (2013). The Arthurian Name Dictionary
  14. Rodway, Simon Dating Medieval Welsh Literature: Evidence from the Verbal System
  15. Noble, Peter (1972). "The Character of Guinevere in the Arthurian Romances of Chretien de Troyes". The Modern Language Review
  16. Hebert, Jill M. (2013). Morgan le Fay, Shapeshifter
  17. Lacy, Norris J.; Ashe, Geoffrey; Mancoff, Debra N. (2014). The Arthurian Handbook: Second Edition
  18. Göller, Karl Heinz (1981). The Alliterative Morte Arthure: A Reassessment of the Poem
  19. "Caradoc of Llangarfan: The Life of Gildas". Fordham University Medieval Sourcebook
  20. Kibler, William W., The Romance of Arthur
  21. Chrétien de Troyes (1990). Lancelot, or, The Knight of the Cart
  22. "Historic Environment Scotland". historicenvironment.scot
  23. Loomis, Roger Sherman (2000). The Development of Arthurian Romance
  24. Thomas, Neil (2002). Diu Crône and the medieval Arthurian cycle
  25. Longley, Anne P. (2002). "Guinevere as Lord". Arthuriana
  26. Archibald, Elizabeth; Putter, Ad (2009). The Cambridge Companion to the Arthurian Legend
  27. Spisak, James W. (1985). Studies in Malory
  28. "While King Arthur was Away, Did Guinevere with Mordred Play?". Children of Authur
  29. Roberts, Sandye; Jones, Arthur (2010). Divine Intervention II: A Guide to Twin Flames, Soul Mates, and Kindred Spirits
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