Hastein war ein Wikingerhäuptling im späten 9. Jh.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist nur wenig über Hasteins frühe Jahre bekannt. Er wird in der Angelsächsischen Chronik als Däne beschrieben. Er soll an mehreren Überfällen auf das fränkische Reich beteiligt gewesen sein, ist aber wahrscheinlich am bekanntesten dafür, eine große Reihe von Überfällen in der Mittelmeerregion 859 durchgeführt zu haben. [1]

Spanien und die Mittelmeerregion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 859 und 862 führte Hastein gemeinsam mit Björn Eisenseite eine Expedition an. Eine Flotte von 62 Schiffen segelte von der Loire ab, um die Gebiete am Mittelmeer zu überfallen. [2] Zunächst waren sie erfolglos und Hastein wurde von den Asturiern und später von den Muslimen bei Niebla 859 besiegt. Erfolg kam mit der Eroberung von Algeciras, wo sie die Moschee niederbrannten und dann Mazimma an der Nordküste Afrikas verwüsteten, gefolgt von weiteren Überfällen auf den Balearischen Inseln und anderen Gebieten.

Hastein und Björn überwinterten auf der Insel Camargue an der Mündung der Rhone, bevor sie Narbonne, Nimes und Arles verwüsteten, und dann nördlich bis hoch nach Valence zogen, bevor sie nach Italien gingen. Dort griffen sie die Stadt Luna an. Im Glauben, es handle sich um Rom, versuchten sie die Stadt zu erobern, konnten die Mauern aber nicht überwinden, so dass sie zu einer List greifen mussten. Hastein ließ sich von seinen Männern vor die Tore tragen und behauptete, er läge im Sterben und wolle zum Christentum übertreten. Als sie in der Stadt waren, erhielt er in der Kirche die Sakramente, sprang dann von seinem Totenbett und ließ seine Männer ein, um die Stadt zu plündern. Ein anderer Bericht besagt, er hätte behauptetet, zum Christentum übertreten zu wollen, bevor er starb, und dann am folgenden Tag seinen eigenen Tod vorgetäuscht. Die Stadtbewohner ließen dann fünfzig seiner Männer mit dem Leichnam hinein, um ihn dort begraben zu lassen. Hasteins Männer hatten versteckte Schwerter bei sich und sobald sie in der Stadt waren, sprang Hastein aus seinem Sarg, enthauptete den Priester und plünderte die Stadt. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist jedoch stark umstritten. Nach Luna segelte Hastein die Küste hinunter und eroberte Pisa, dann den Fluss Arno hinauf, um Fiesole zu verwüsten. Die Flotte überfiel dann möglicherweise die Gebiete des Byzantinischen Imperiums in der östlichen Mittelmeerregion.

Auf dem Weg zurück zur Loire machte Hastein in Nord Afrika halt, wo er mehrere afrikanische Sklaven kaufte (die bei den Wikingern als "blámenn", blaue Männer bekannt waren) und die er später in Irland verkaufte. Die Gruppe soll vierzig Schiffe in einem Sturm verloren haben und zwei in der Straße von Gibraltar, nahe Medina-Sidonia, doch sie konnten dennoch Pamplona plündern, bevor sie mit 20 Schiffen in die Loire zurückkehrten.

Loire und Seine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieder zurück in der Bretagne verbündete sich Hastein 866 mit Solomon, König der Bretagne, gegen die Franken. Als Teil einer wikingisch-bretonischen Armee tötete er Robert den Starken in der Schlacht von Brissarthe nahe Châteauneuf-sur-Sarthe. [3] 867 verwüstete er Bourges und ein Jahr später griff er Orleans an. Der Frieden hielt bis zum Frühling 872, als die Wikingerflotte ins Maine segelte und Angers besetzte, was zu einer Belagerung durch den fränkischen König Karl der Kahle führte. Im Oktober 873 einigte man sich auf einen Friedensvertrag.

Hastein blieb bis 882 im Loire-Gebiet, als er schließlich von Karl vertrieben wurde und seine Armee nördlich der Seine verlegte. Dort blieb er, bis die Franken Paris belagerten und sein Gebiet in der Picardie bedroht wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde er einer vo vielen erfahrenen Wikingern, die sich nach England zu wenden begannen. [4]

England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hastein setzte von Boulogne aus 892 nach England über und landete mit einer von zwei großen Abteilungen. Seine Armee, die kleinere der beiden, landete mit 80 Schiffen und besetzte das königliche Dorf Milton in Kent, während seine Verbündeten in Appledore landeten mit 250 Schiffen. [5] Alfred der Große positionierte die westsächsische Armee zwischen sie, um sie von der Vereinigung abzuhalten, so dass Hastein schließlich seinen Bedingungen zustimmte: unter anderem ließ er zwei seiner Söhne taufen und verließ Kent auf dem Weg nach Essex. Die größere Armee versuchte sich mit Hastein zu vereinigen, nachdem sie im späten Frühling 893 Hampshire und Berkshire verwüstet hatten, wurden aber von einer Armee unter Prinz Edward in der Schlacht von Farnham besiegt. Die Überlebenden konnten Hasteins Armee schließlich auf der Insel Mersea erreichen, nachdem es einer Armee aus Westsachsen und Merciern nicht gelungen war, sie aus ihrer Festung in Thorney zu vertreiben. [3]

Hastein fügte seine Truppen aus Appledore und Milton zusammen und zog sich in ein befestigtes Lager in Benfleet, Essex zurück. Er nutzte dieses Lager als Basis für Überfälle in Mercia. Während seine Haupttruppen auf Beutezug waren, wurden die in der Festung verbliebenen von der verstärkten Miliz des östlichen Wessex besiegt. Die Westsachsen eroberten die Festung, zusammen mit den Schiffen, Beute, Frauen und Kindern. Dazu gehörten auch Hasteins eigene Frau und seine Söhne. [6] Hastein sammelte seine Truppen in einer neuen Festung bei Shoebury weiter nördlich in Essex, [5] und erhielt Verstärkung von den Dänen, die sich in East Anglia und York angesiedelt hatten. Kurz danach, laut der Angelsächsischen Chronik, führte Hastein Verhandlungen mit Alfred, möglicherweise um die Bedingungen für die Freilassung seiner Familie auszuhandeln. [7] Wie auch immer die Verhandlungen ausgingen - es scheint, dass Hastein seine beiden Söhne zurück erhielt. Die Angelsächsische Chronik berichtet, dass dies geschah, weil Alfred und sein Schwiegersohn Aethelred, Ealdorman von Mercia die Paten für Hasteins Söhne bei deren Taufe 893 gewesen waren, bevor Hastein nach Benfleet gekommen war. Somit war Alfred Pate eines der Jungen und Athelred der Pate des anderen. [8]

Falls es Alfreds Strategie war, einen Frieden auszuhandeln, schlug dies Fehl, denn kurz danach unternahm Hastein einen zweiten Überfall im Themsetal und von dort den Severn entlang. Hastein wurde den ganzen Weg von Aethelred und einer Armee aus Westsachsen und Merciern verfolgt, verstärkt durch ein Kontingent walisischer Krieger. Schlussendlich wurde die Wikingerarmee in Buttington eingeschlossen - möglicherweise die Insel Buttington am Severn nahe Welshpool [9] - was zur Schlacht von Buttington einige Wochen später führte, wo sie sich ihren Weg freikämpften und viele Männer verloren, aber zur Festung in Shoebury zurückkehrten. [7] Die Annalen berichten:

... Nachdem viele Wochen vergangen waren, starben einige der Heiden an Hunger, aber andere, die bis dahin ihre Pferde gegessen hatten, brachen aus der Festung aus und begannen eine Schlacht mit jenen, die am östlichen Ufer des Flusses waren. Doch als viele tausende von Heiden erschlagen worden waren und all die anderen in die Flucht geschlagen, waren die christen die Herren des Ortes des Todes. In dieser Schlacht wurden der höchst edle Ordheah und viele der Thegns des Königs getötet ... [10]

Im Spätsommer 893 schlugen Hasteins Männer wieder zu. Sie brachten all ihre Beute, Frauen und Schiffe von East Anglia zu einer verfallenen römischen Festung in Chester. Der Plan war es, die Befestigungen wieder aufzubauen und sie für Überfälle im nördlichen Mercia zu nutzen. Doch die Mercier belagerten die Festung und versuchten, die Dänen auszuhungern, indem sie alles Getreide im Gebiet vernichteten und alles Vieh fort brachten. [10]

Im Herbst verließ die belagerte Armee Chester, marschierte in den Süden von Wales und verwüstete die walisischen Königreiche Brycheiniog, Gwent und Glywysing [5] bis in den Sommer 894 hinein. Sie reisten über Northumbria, die in dänischer Hand befindlichen Midlands der Five Boroughs und East Anglia, um zu der Festung auf der Insel Mersea zurück zu kehren. Im Herbst 894 zogen sie mit ihren Schiffen die Themse hinauf zu einer neuen Festung am Fluss Lea. Im Sommer 895 kam Alfred der Große mit der westsächsischen Armee und blockierte den Fluss Lea mit einer Festung auf beiden Seiten. Die Dänen verließen ihr Lager, schickten ihre Frauen nach East Anglia und marschierten durch die Midlands an den Severn (dort, wo heute Bridgnorth liegt), wobei die feindlichen Truppen sie den ganzen Weg über verfolgten. Dort blieben sie bis zum Frühling 896, als die Armee sich schließlich in East Anglia und Northumbria zerstreute. Laut der Angelsächsischen Chronik gingen die ohne Geld auf Schiffe und zogen nach Süden über das Meer zur Seine. [11] [12]

Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hastein verschwindet gegen 896 aus den Quellen, er muss zu dieser Zeit ein alter Mann gewesen sein und wurde beschrieben als "der wollüstige und schreckliche alte Krieger der Loire und der Somme", [5] als er einige Jahre zuvor in England ankam. Er war einer der berüchtigsten und erfolgreichsten Wikinger aller Zeiten und hatte dutzende von Städten in vielen Reichen in Europa und Nordafrika überfallen.

Man hält ihn für den Jarl Hasting der einige Zeit lang die Kanalinseln beherrschte. Einige Gelehrte haben vermuten, dass das Gebiet Hastings in Sussex von einem Vorfahren von Hastein gegründet worden sein könnte. [13]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jarl Hastein ist ein wiederkehrender Charakter in Bernard Cornwells Uhtred-Saga, als früherer Verbündeter und dann Gegner von Uhtred von Bebbanburg. In der Fernsehserie The Last Kingdom wird er von Jeppe Beck Laursen gespielt.

Er erscheint außerdem als Jarl Hastein in der Strongbow Saga von Judson Roberts.

Das The Old Gods-Expansion Pack für Crusader Kings II macht es möglich, Hastein zu spielen.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Ullditz, Per 1016 the Danish Conquest of England
  2. Haywood, John (1995). The Penguin Historical Atlas of the Viking
  3. 3,0 3,1 Kendrick, T. D. (1930). A History of the Vikings
  4. Jones, Aled (2003). Transactions of the Royal Historical Society: Sixth Series
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Stenton, Frank (1971). Anglo-Saxon England
  6. Walker, Ian (2000). Mercia and the Making of England
  7. 7,0 7,1 Horspool, David (2006). Why Alfred Burned the Cakes
  8. ASC, Jahr 893/894
  9. "Buttington, Possible site of battle near Welshpool". Royal Commission on Historic Sites in Wales
  10. 10,0 10,1 ASC, Jahr 893
  11. Sawyer, Peter (1989). Kings and Vikings: Scandinavia and Europe, A.D. 700–1100
  12. ASC, Jahr 897
  13. Chevalier, C. T. The Frankish origin of the Hastings tribe in Sussex Archaeological Collections
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