Geschichte der Britischen Monarchie Wiki
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Hengest ist eine legendäre Gestalt aus dem 5. Jh. Die Quellen berichten über ihn als Führer der angelsächsischen Invasion Britanniens und Gründer des Königreiches Kent. Außerdem taucht er in der "Finnsage" auf, als Gefolgsmann des Dänenkönigs Hnæf. Es ist möglich, dass es zwischen diesen beiden Figuren eine Verbindung gibt.

Hengest hatte laut Überlieferung einen Bruder namens Horsa. In der modernen Forschung werden beide als Konstrukte einer späteren Überlieferung und nicht als real existierende Personen betrachtet.

Geschichte[]

Trotz der romantischen Überlieferung, dass Hengest der erste König von Kent war, gibt es keine zeitgenössischen Hinweise auf seine Existenz und kaum mehr als Geschichten, die von Barden Generationen später erzählt wurden.

Die Geschichte von der Ankunft von Hengest in Britannien enthält eine gewisse Logik und basiert möglicherweise auf Tatsachen, doch ob Hengest selbst tatsächlich existierte, ist dennoch nicht sicher. Das angebliche Datum seiner Ankunft ist genauso fragwürdig. Dennoch gibt es genug logische Abfolgen in den Überlieferungen, die es ermöglichen, einen wahrscheinlichen Lebenslauf zu verfassen.

Die Überlieferungen besagen, dass das Herzland von Britannien nach dem Fall der römischen Herrschaft unter die Bedrohung dreier Gruppen kam: die Iren, die Pikten und die Sachsen. Es kam schließlich die Zeit, als der Hochkönig Vortigern entschied, sie gegen einander auszuspielen, und Hengest und seine Krieger um Hilfe im Kampf gegen die Pikten bat. Das Datum dieser Bitte wird üblicherweise mit 449 [1] angegeben, doch einige Historiker vermuten, dass es auch schon 429 geschehen sein könnte, oder sogar erst in den 470ern, wobei das letzere Datum für am wahrscheinlichsten gehalten wird.

Hengest und sein Bruder Horsa stimmen zu, Hilfe in Form von mehr Kriegern bereitzustellen. Die Überlieferungen sagen, dass sie in Ebbsfleet bei der Insel Thanet landeten, [1] doch dies war wahrscheinlich nicht der Ort ihrer ersten Landung. Andere Chronisten berichten nur von ihrer Landung im Osten und es ist wahrscheinlich, dass Vortigern sie weiter im Norden traf, da der Kampf schließlich gegen die Pikten gehen sollte; möglicherweise im Gebiet Gododdin.

Die Söldner machten ihre Sache gut und man vermutet, dass Hengest in seinem Lager blieb und seinen Sohn Oeric schickte, um die Pikten zu bekämpfen, während sein Neffe Ebissa die Flotte in den Kampf gegen die Iren führte. Dafür erhielt Hengest Land, die Insel Thanet im östlichen Kent.

Die Überlieferungen berichten weiter, dass Vortigern sich in Hengests Tochter Rowena verliebte und Hengest mehr Land forderte, und im Gegenzug der Ehe zustimmen würde. Vortigern übergab ihm das Land der Cantiaci, die zu dieser Zeit von dem Britonen Gwyrangon regiert wurden. Dabei handelte es sich vermutlich um das Gebiet des heutigen Canterbury und die Marschen in Richtung Thanet. Dieses Gebiet enthält die ältesten archäologischen Hinweise auf germanische Siedlungen in Britannien, was vermuten lässt, dass sich im 5. Jh. dort Händler und Handwerker von der Nordküste der Sachsen dort angesiedelt hatten.

Nach sechs Jahren hatte Hengest seine Macht gefestigt und schickte seine Truppen aus, um mehr Land zu erobern. Es gab eine Reihe von Schlachten, und in der Schlacht von Aylesford 455 wurde den Überlieferungen zufolge sein Bruder Horsa getötet. [2] Dabei wurden die Britonen aus Kent Richtung London vertrieben und Hengest beanspruchte das gesamte Kent für sich. [3] Vermutlich eroberte er auch Gebiete weiter in Richtung Sussex und bis hin zur Isle of Wight, deren Bewohner später behaupteten, sie würden von den gleichen Vorfahren abstammen, wie die Menschen von Kent.

Die Angelsächsische Chronik spricht von weiteren Schlachten in den folgenden Jahren, als Hengest seine Kontrolle über das südöstliche England erweitert; darunter sind die Schlacht von Crayford [3] und die Schlacht von Wippedesfleot. [4] Zu dieser Zeit hatte sein Erfolg andere ermutigt, ihr Glück in Britannien versuchen und zum Ende des Jahrhunderts werden die Eroberungsfeldzüge von Aelle von Sussex und Cerdic von Wessex berichtet. Hengest soll 488 gestorben sein, [5] als er mindestens in seinen späten sechzigern war. Geoffrey of Monmouth, dessen Geschichten immer mit Vorsicht betrachtet werden sollten, berichtet, dass Hengest in Knaresborough getötet und begraben wurde.

Obwohl es keinen wirklichen Grund gibt, die Existenz einer Person wie Hengest zu bezweifeln, sollte auch nicht zu viel in die überlieferten Berichte hinein gelesen werden. Die Hinweise lassen vermuten, dass er ein existierender Krieger war, der mit Hilfe einer List Kent für sich beanspruchte und Britannien den germanischen Eroberern öffnete.

Quellenlage[]

Frühmittelalterlichen Quellen zufolge begannen Hengest und Horsa die angelsächsische Eroberung von Südost-England. Gildas berichtet in seiner De Excidio im 6. Jh. von einem tyrannischen König namens Vortigern, der die Sachsen in sein Reich einlud, um es gegen die Angriffe nordenglischer Völker zu schützen. Doch die Sachsen wurden bald gierig und beschwerten sich über die Nahrungsknappheit. Es werden hierbei allerdings keine Namen erwähnt.

Die früheste existierende Quelle, die Namen nennt, ist der Beda, der um das Jahr 730 lebte. Er erwähnt Hengest und Horsa namentlich, schreibt sonst aber ähnlich wie Gildas. Beda datiert die Landung der Brüder auf das Jahr 449. Er berichtet außerdem, dass Horsa in einer Schlacht gegen die Britonen fiel, und dass die Nachfahren von Hengest durch seinen Sohn Oeric zu den Oiscingas wurden, aus denen die Könige von Kent hervorgingen.

Die Angelsächsische Chronik, die im 9. Jh. verfasst wurde, bringt mehr Details zu Hengest hervor. Laut ihr rief Vortigern Hengest und Horsa 447 zu Hilfe gegen die Pikten. Er nennt die Schlacht von Aylesford im Jahr 455, in der Horsa vermutlich fiel. Hengest und sein Sohn Oeric werden Herrscher der Sachsen und bekämpfen die Briten 457 siegreich bei Crayford und 465 ebenso erfolgreich an einem anderen, unbekannten Ort. Nach einem weiteren Kampf 473 berichtet die Angelsächsische Chronik, dass Oeric 488 König von Kent wurde, was bedeutet, dass Hengest wohl in diesem Jahr starb.

Die ebenfalls im 9. Jh. verfasste Historia Brittonum zieht viele Informationen von den vorangegangenen Autoren, bringt aber ebenfalls neue Informationen. Sie fügt einen Stammbaum für die Brüder hinzu, der sie zu Nachfahren des germanischen Gottes Wodan macht. [6] Die Historia berichtet, dass Vortigern den Neuankömmlingen die Insel Thanet als Siedlungsland zuweist. Sie sagt wie die früheren Quellen, dass die Sachsen zur Bekämpfung der nordenglischen Feinde - der Pikten - gerufen wurden, aber so viele waren, dass die Britonen sie nicht mit der versprochenen Nahrung und Kleidung versorgen konnten. [7] Neu ist hier, dass Hengest außer seinem Sohn auch eine Tochter namens Rowena hat, [8] die Vortigern im Austausch gegen Kent als Ehefrau gegeben wird. [9] Ihr gemeinsamer Sohn Vortimer bekämpft Hengest und Horsa erfolgreich, bis die Sachsen England verlassen, aber nach dessen Tod zurückkehren.

Finnsage[]

In der Finnsage ist Hengest ein Gefolgsmann des Dänenkönigs Hnæf. Der friesische König Finn überredet sie, nach Friesland zu segeln. Die nur in Fragmenten erhaltene Sage berichtet von einem Kampf gegen Hnæf, der sich fünf Tage lang halten konnte, bevor er getötet wurde. Hengest wird der neue König in seiner Halle. Er sinnt auf Rache gegen Finn. Er erhält Verstärkung aus seiner Heimat und kann Finn töten.

Gemeinsame Identität[]

Viele heutige Forscher vermuten, dass es sich bei den beiden gleichnamigen Männern um die selbe Person handelt, doch die vorhandenen Quellen liefern dafür keinen Hinweis. Man nimmt an, dass Hengest, der laut Beda ein Jüte war, als Söldner bei Hnæf diente. Beda berichtete, dass die Jüten sich in Kent ansiedelten.

Dies bringt folgenden Lebenslauf für Hengest: als junger Mann begleitet er den Dänen Hnæf zum Friesenkönig Finn, wo er nach dem Mord an seinem Herren diesen rächte, indem er Finn tötete. Er kehrte nach Dänemark zurück und zog später mit seinem Bruder Horsa nach Britannien, eroberte Kent und starb dort 488. Sein Sohn Oeric erbte von ihm Kent und gründete das Geschlecht der Oiscingas. [10]

Stammtafel[]

  1. Wodan
    1. Wecta
      1. Witta
        1. Wihtgils
          1. Horsa (✝ 455)
          2. Hengest (455-488)
            1. Rowena ⚭ ♔ Vortigern, König der Britonen
            2. Oeric von Kent (488–516)

Anmerkungen[]

  1. 1,0 1,1 ASC, Jahr 449
  2. ASC, Jahr 455
  3. 3,0 3,1 ASC, Jahr 457
  4. ASC, Jahr 465
  5. ASC, Jahr 488: "In diesem Jahr erbte Esc das Königreich."
  6. Historia Brittonum, III/31
  7. Historia Brittonum, III/36
  8. Geoffrey of Monmouth, Historia Regum Britanniae
  9. Historia Brittonum, Kapitel 37
  10. Beda, Historia ecclesiastica gentis Anglorum
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