Ivar der Knochenlose - auch Ivar Ragnarsson - war ein Wikingeranführer, der die angelsächsischen Königreiche von England überfiel. Den Legenden zufolge war er der jüngste Sohn von Ragnar Lodbrok und dessen Frau Aslaug.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ivar war angeblich der jüngste [1] der sechs Söhne von Ragnar Lodbrok. Seine Brüder waren Björn Eisenseite, Halfdan Ragnarsson, Hvitserk Ragnarsson, Sigurd Schlangenauge und Ubba Ragnarsson.

Der Ursprung seines Namens ist nicht bekannt. "Ívarr beinlausi" könnte übersetzt werden mit "Ivar Beinlos", doch "beinlausi" könnte auch "knochenlos" heißen, da "Knochen" und "Bein" im Dänischen mit dem gleichen Wort "ben" übersetzt werden. Einige der Sagas beschreiben, dass er zu wenig Knochen/Beine hatte, während eine Passage im Ragnarssona þáttr (auch bekannt als die Geschichte von Ragnars Söhnen) andeutet, dass es sich auf männliche Impotenz bezieht, [2] wobei Ivars "Knochenlosigkeit" eher bildlich gemeint ist.

Laut der Erzählung von Ragnar Lodbrok war Ivars Knochenlosigkeit das Resultat eines Fluchs. Seine Mutter Aslaug war Ragnars dritte Frau. Sie wurde als Völva beschrieben, eine Art Seherin oder Hellseherin. Sie sagte vorher, dass sie und ihr Ehemann drei Nächte warten müssten, bevor sie die Ehe vollziehen könnten, nachdem er von einer langen Abwesenheit (Überfällen in England) zurückgekehrt war. Doch Ragnar war nach der langen Trennung so ungeduldig, dass er nicht auf sie hörte. Als Resultat daraus wurde Ivar mit schwachen Knochen geboren. [3]

Eine andere Hypothese ist, dass er eigentlich als "der Verhasste" bekannt war, was im lateinischen Exosus bedeuten würde. Ein mittelalterlicher Schreiber mit nur geringem lateinischem Verständnis könnte das leicht als ex (ohne) os (Knochen), als "knochenlos" übersetzt haben, [4] obwohl diese Theorie schwer in Einklang zu bringen ist mit der direkten Übersetzung seines Namens aus den nordischen Quellen. [3]

Während die Sagas Ivars körperliche Unzulänglichkeit beschreiben, betonen sie aber auch seine Weisheit, Gerissenheit und nennen ihn einen Meister von Strategie und Taktik in der Schlacht. [5] Man geht oft davon aus, dass er identisch ist mit Imar, dem Gründer der Dynastie der Ui Imair, die zu verschiedenen Zeiten von Mitte des 9. bis 10. Jahrhunderts an Northumbria von der Stadt York aus regierten und die irische See als Königreich Dublin regierten. [6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

865 fiel das Große Heidnische Heer, angeführt von Ivar und Halfdan, in den angelsächsischen Königreichen der Heptarchie ein. [7] Die Invasion war von den Söhnen von Ragnar Lodbrok organisiert worden, um Rache zu üben an Aelle von Northumbria, der angeblich 865 Ragnar hinrichten ließ, indem er ihn in eine Schlangengrube warf, doch die Historizität dieser Behauptung ist unbekannt. [8] [9] Laut der Saga konnte Ivar Aelle nicht besiegen und bemühte sich um Versöhnung. Er bat um so viel Land, wie er mit er Ochsenhaut abdecken konnte und schwor, nie wieder Krieg gegen Aelle zu führen. Dann schnitt Ivar die Ochsenhaut in so feine Streifen, dass er damit eine große Festung umspannen konnte (in einer älteren Saga ist es York und laut einer jüngeren London), die er danach zu seiner eigenen machen konnte.

Später im gleichen Jahr wandte sich die Armee nach Norden und fiel in Northumbria ein, wo sie Aelle 867 in York gefangen nahmen. [10] Laut der Legende wurde Aelle von Ivar und seinen Brüdern hingerichtet, indem sie den Blut-Adler benutzten, eine rituelle Exekutionsmethode, die historisch umstritten ist: der Rippenkäfig wird von hinten geöffnet und die Lungen werden herausgezogen, was eine Flügelform ergibt. [6] Später im Jahr zog die Armee wieder nach Süden und fiel in Mercia ein, wobei sie Nottingham eroberten und dort den Winter verbrachten. König Burgred von Mercia verbündete sich daraufhin mit Aethelred I von Wessex und sie belagerten gemeinsam die Stadt. Die Angelsachsen konnten sie aber nicht zurückerobern und man beschloss einen Waffenstillstand, durch den die Dänen sich nach York zurückzogen. [10] Das Große Heidnische Heer blieb dann über ein Jahr in York, um für weitere Angriffe neue Truppen zusammeln. [10]

Ivar und Ubba waren die Kommandanten der Dänen, als diese 869 nach East Anglia zurückkehrten, und die Henker des letzten ostanglischen Königs, Edmund der Märtyrer, der sich weigerte, dem Christentum abzuschwören. [11] Der genaue Bericht von Edmunds Tod ist nicht bekannt, doch es wurde vermutet, dass seine Gefangennahme und Hinrichtung durch die Söhne von Ragnar wahrscheinlich passiert ist. [12]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Angelsächsische Chronist Aethelweard berichtet von seinem Tod im Jahr 870. [13] Die Annalen von Ulster beschreiben den Tod von Ivar im Jahr 873, ebenso wie die fragmentarischen Annalen von Irland. [14]

Der Schreiber aus dem 17. Jh., der ein Manuskript kopierte, identifizierte Imars Vater als Gothfraid, König von Laithlind. Im original-Manuskript aus dem 11. Jh. wurde die Person aus dem Eintrag einfach righ Lochlann (König von Lochlainn) genannt, was sich höchstwahrscheinlich auf Imar bezog, dessen Tod nirgendwo anders in den fragmentarischen Annalen aufgezeichnet ist. Die Todesursache - eine plötzliche und schreckliche Krankheit - wird in keiner anderen Quelle erwähnt, lässt aber die Möglichkeit aufkommen, dass der wahre Ursprung von Ivars altnordischem Spitznamen von dem lähmenden Effekt einer unbekannten Krankheit kommt, die ihn am Ende seines Lebens niederstreckte.

1686 entdeckte ein Farmarbeiter namens Thomas Walker eine skandinavische Grabstätte bei Repton in Derbyshire, nahe eines Schlachtfeldes, wo das Große Heidnische Heer den mercischen König Burgred von Mercia aus seinem Königreich vertrieb. Die Anzahl teilweise erhaltener Skelette, die den Körper umgaben - über 250 - zeigt, dass der dort begrabene Mann einen sehr hohen Status hatte. Es wurde vermutet, dass ein solcher Grabhügel möglicherweise die letzte Ruhestätte von Ivar sein könnte. [15]

Laut der Saga befahl Ivar, dass er an einem Ort begraben werden wollte, der leicht anzugreifen war und prophezeite, dass danach Feinde, dir dort hin kämen, schweren Misserfolg erleiden würden. Die Prophezeiung bewahrheitete sich laut der Saga, bis "als Wilhjalm bastard (Wilhelm I der Eroberer) an die Küste kam, ging er [zu der Grabstätte] und öffnete Ivars Grabhügel und sah, dass [Ivars] Körper nicht verwest war. Dann ließt Viljhalm einen großen Scheiterhaufen errichten, auf dem Ivars Körper] verbrannt wurde ... Danach [zog Vilhjalm mit der Invasionsarmee weiter und errang] den Sieg". [16] [17]

Darstellung in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969 Alfred the Great (Film) - Als Nebencharakter wird er als akrobatischer und gelenkiger Krieger dargestellt.
  • 2013 Hammer of the Gods (Film) - Er erscheint als sodomitischer Wikinger, gespielt von Ivan Kaye (später Aelle in Vikings), der als Einsiedler lebt.
  • 2013 Vikings (TV-Serie) - Gespielt von James Quinn Markey und Alex Høgh Andersen.
  • "Barbarian" von The Darkness - Lied über Ivars Invasion nach East Anglia und die Tötung von Edmund der Märtyrer.
  • Cornwell, Bernard - Die Uhtred-Saga (2015 als The Last Kingdom, TV-Serie)
  • Assassin's Creed: Valhalla (Computerspiel) - Als Verbündeter des Hauptcharakters Eivor. Er wird als extrem aggressiv und gefühllos dargestellt.

Stammbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sigurd RingÂsa
    1. Ragnar Lodbrok ⚭ | Thora Borgarhjort; ⚭ || ?; ⚭ ||| Kraka/Aslaug
      1. | Erik
      2. | Agnar
      3. ||| Björn Eisenseite
      4. ||| Hvitserk Ragnarsson
      5. ||| Ragnvald
      6. ||| Sigurd Schlangenauge
      7. ||| Halfdan Ragnarsson
      8. ||| Ivar der Knochenlose
      9.  ? Ubba Ragnarsson

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. "Tale of King Ragnar Lodbrok and his sons; Translated to Swedish". Heimskringla; Tale of Ragnar. Part 6
  2. "Ivar der Knochenlose war König in England für eine lange Zeit. Er hatte keine kinder, wegen der Art, wie er mit Frauen war - der Lust nicht fähig - doch kein Mann kann sagen, dass er einen Mangel an Gefühllosigkeit und Grausamkeit hatte." - Ragnarssona þáttr, chapter 4 (titled "Of King Gorm").
  3. 3,0 3,1 Baker, Mick "Anglo-Saxon Britain: In the Footsteps of Ivarr the Boneless". The History Files
  4. Ferguson, Robert (2009). The hammer and the cross: a new history of the Vikings
  5. Mahoney, Mike. "Ivar the Boneless". www.englishmonarchs.co.uk.
  6. 6,0 6,1 Holman, Katherine (2007). The northern conquest: Vikings in Britain and Ireland
  7. Venning, Tim (19 June 2013). The Kings & Queens of Anglo-Saxon England
  8. Munch, Peter Andreas (10 September 2010). Olsen, Magnus (ed.). Norse Mythology: Legends Of Gods And Heroes
  9. Jones, Gwyn (1 November 1984). A History of the Vikings
  10. 10,0 10,1 10,2 Forte, Angelo; Oram, Richard; Pedersen, Frederik (30 May 2005). Viking Empires
  11. Swanton, Michael, ed. (18 August 1998). The Anglo-Saxon Chronicle
  12. Mostert, Marco (1 January 1987). The political theology of Abbo of Fleury: A study of the ideas about society and law of the tenth-century monastic reform movement
  13. Giles, J. A., ed. (10 September 2010). Six Old English Chronicles: Ethelwerd's Chronicle, Asser's Life Of Alfred, Geoffrey Of Monmouth's British History, Gildas, Nennius And Richard Of Cirencester
  14. https://celt.ucc.ie//published/T100017/index.html
  15. Arnold, Martin. The Vikings: A Short History by Martin Arnold
  16. "Ivar the Boneless, Ragnar Lothbrok's Son - Mythologian.Net". mythologian.net
  17. "Saga of Ivar (The Boneless) Ragnarsson | Up Helly Aa". www.uphellyaa.org (Seite nicht mehr verfügbar)
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