Das Karolingerreich war von 800 bis 888 ein großes, fränkisch dominiertes Imperium im westlichen und mittleren Europa. Es wurde von der Dynastie der Karolinger regiert, die seit 751 die Könige der Franken und seit 774 die Könige der Lombarden in Italien waren. Im Jahr 800 wurde der fränkische König Karl der Große in Rom von Papst Leo III zum Kaiser gekrönt, um das römische Imperium von Osten nach Westen zu verlegen. Historiker sehen das Karolingerreich als erste Phase in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches an, das bis 1806 Bestand hatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufstieg der Karolinger ca. 732 bis 768[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Karl Martell sich entschied, nicht den Titel des Königs - wie sein Sohn Pippin III später - oder Kaisers - wie sein Enkel Karl der Große - anzunehmen, war er der absolute Herrscher des gesamten heutigen kontinentalen Westeuropas nördlich der Pyrenäen. Nur die noch verbliebenen sächsischen Königreiche, die er zum Teil eroberte, die Lombardei und die Spanische Mark südlich der Pyrenäen wurden erst nach seinem Tod dem Fränkischen Reich hinzugefügt.

Martell sicherte sich seinen Platz in der Geschichte mit der Verteidigung des christlichen Europa gegen eine Muslimische Armee in der Schlacht von Tours im Jahr 732. Die iberischen Sarazenen hatten die leichte Kavallerie der Berber mit der schweren Kavallerie der Araber verbunden, um eine Armee zu erschaffen, die beinahe niemals besiegt worden war. Den Truppen des christlichen Europa fehlte als mächtiges Werkzeug der Steigbügel. In diesem Sieg erwarb sich Karl den Nachnamen Martell (der Hammer). [1] Edward Gibbon, der Historiker von Rom und dessen Niedergang, nannte Karl "den herausragendsten Prinzen seines Zeitalters".

Pippin III akzeptierte die Ernennung zum König von Papst Zacharias im Jahr 741. Die Herrschaft von Karl dem Großen begann 768 bei Pippins Tod. Er übernahm die Kontrolle über das Königreich nach dem Tod seines Bruders Karlmann, da die beiden Brüder das Reich gemeinsam geerbt hatten. Karl der Große wurde im Jahr 800 zum Römischen Kaiser gekrönt.

Karl der Große 768 bis 814[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Karolingerreich bedeckte während der Herrschaft von Karl dem Großen den Großteil des westlichen Europa, wie es das Römische Imperium einst getan hatte. Anders als die Römer, die sich nach der Niederlage in der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. nicht mehr über den Rhein hinaus wagten, besiegte Karl den germanischen Widerstand und erweiterte sein Reich bis an die Elbe. Sein Einfluss reichte beinahe bis in die Russische Steppe.

Seine Herrschaft war geprägt von beinahe ständigem Krieg. Er führte jährlich Feldzüge durch, viele davon führte er persönlich an. Er besiegte das Lombardische Königreich im Jahr 774 und fügte es seinem eigenen Hinzu, indem er sich zum König der Lombarden erklärte. Später führte er einen erfolglosen Feldzug in Spanien durch, im Jahr 778, der mit der Schlacht von Roncesvalles endete, die als Karls größte Niederlage angesehen wird. Danach erweiterte er sein Reich bis nach Bayern, nachdem er Tassilo III, Herzog von Bayern, gezwungen hatte, alle Ansprüche auf seinen Titel 794 zurück zu ziehen. Sein Sohn Pippin zog 795 gegen die Avaren, da Karl zu dieser Zeit mit den aufständischen Sachsen beschäftigt war. Schließlich endete der Kampf gegen die Avaren im Jahr 803, nachdem Karl eine bayrische Armee nach Pannonien geschickt hatte. Er eroberte auch sächsische Gebiete in Kriegen und Rebellionen zwischen 772 und 804 mit Ereignissen wie dem Massaker von Verdun 782 und der Herausgabe des Lex Saxonum 802. [1] [2]

Vor dem Tod von Karl dem Großen wurde das Reich unter verschiedenen Mitgliedern der Karolinger-Dynastie aufgeteilt. Dazu gehörten König Karl der Jüngere, Sohn Karls des Großen, der Neustrien erhielt. Ludwig der Fromme erhielt Aquitanien und König Pippin Italien. Pippin starb 810 mit einem illegitimen Sohn, Bernhard, und Karl der Jüngere starb 811 ohne Erben. Obwohl Bernhard der neue König von Italien wurde, machte man 813 Ludwig zum Mitkaiser und das gesamte Reich ging mit dem Tod von Karl dem Großen im Winter 814 auf ihn über. [3]

Ludwig der Fromme und der Bürgerkrieg 814 bis 843[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrschaft von Ludwig dem Frommen als Kaiser kam unerwartet. Als dritter Sohn von Karl dem Großen war er ursprünglich mit drei Jahren zum König von Aquitanien gekrönt worden. [4] Obwohl seine Herrschaft größtenteils von dynastischen Kämpfen und daraus entstehenden Bürgerkriegen überschattet war, hatte er ein großes Interesse an Angelegenheiten der Religion. Eine seiner ersten Handlungen war es, die Kirchen restaurieren zu lassen, sowie auch viele Klöster, von denen er auch einige neu gründen ließ. [4]

Doch er musste während seiner Herrschaft auch sehr darum kämpfen, die Kontrolle über das Reich zu behalten. Sobald Ludwig vom Tod seines Vaters hörte, eilte er nach Aachen, wo er viele der vertrauenswürdigsten Berater Karls verbannte. Einer davon war Wala, Sohn des jüngsten Sohnes von Karl Martell und somit eine Bedrohung für Ludwig als rivalisierende Familie mit potentiellem Anspruch auf den Thron. [5] Ludwigs Taktik war es, Wala und seine Brüder ins Kirchenexil zu verbannen, was eine von ihm oft benutzte Taktik während seiner Herrschaft war, um seine Position zu stärken und potentielle Rivalen zu entfernen. [5] 817 rebellierte sein Neffe Bernhard gegen ihn, da er nicht damit einverstanden war, ein Vasall von Lothar zu sein, Ludwigs ältestem Sohn. [6] Die Rebellion wurde schnell niedergeschlagen und 818 war Bernhard gefangen genommen und bestraft worden - sein Todesurteil wurde zu Blenden abgeschwächt. Doch das Trauma des Vorgangs führte zu seinem Tod zwei Tage später. [7] Italien wurde unter die Kaiserliche Kontrolle zurückgebracht. 822 vollzog Ludwig eine öffentliche Buße für den Tod von Bernhard, was sein Ansehen als Kaiser im Adel schwer beschädigte. Einige behaupteten, es hätte ihn für kirchliche Beeinflussung zugänglich gemacht. [8] Dennoch hatte Ludwig 817 drei neue karolingische Throne für seine Söhne aus seiner ersten Ehe geschaffen: Lothar wurde König von Italien und Mitkaiser, Pippin wurde König von Aquitanien und Ludwig der Deutsche König von Bayern.

Ludwigs Versuche, seinen vierten Sohn (aus seiner zweiten Ehe) Karl den Kahlen mit in sein Testament einzubringen, führte zum Widerstand seiner ältesten Söhne. Während dies ein Teil der Gründe für den Streit unter Ludwings Söhnen war, glauben einige, dass die Ernennung von Bernhard von Septimanien zum Kämmerer war, die Uneinigkeit mit Lothar brachte, da dieser 829 seinen Rang als Mitkaiser verlor und nach Italien verbannt wurde (obwohl es nicht bekannt ist warum. In den Quellen heißt es, dass Ludwig "seinen Sohn Lothar entließ, nach Italien zurück zu gehen" [9]) und Bernhard übernahm seinen Platz als Ranghöchster direkt unter dem Kaiser. [5] Mit Bernhards Einfluss nicht nur über den Kaiser sondern auch über die Kaiserin kam es zu weiteren Unstimmigkeiten im Adel. Pippin, Ludwings zweiter Sohn, war ebenfalls verstimmt. Er war an einem fehlgeschlagenen Feldzug im Jahr 827 beteiligt gewesen und hatte es satt, dass sein Vater sich in seine Herrschaft über Aquitanien einmischte. [5] Der wütende Adel unterstützte jetzt Pippin und es kam zur Fastenzeit 830 zum Bürgerkrieg, der die letzten Jahre von Ludwigs Herrschaft anhielt.

Kurz nach Ostern griffen Ludwigs Söhne das Reich an und entthronten ihn zugunsten von Lothar. Es heißt, dass Ludwig den Sommer im Gewahrsam seiner Söhne verbrachte, "Kaiser nur dem Namen nach". [5] Im folgenden Jahr griff Ludwig die Reiche seiner Söhne an, indem er neue Pläne für die Nachfolge ausarbeitete. Er gab Neustrien an Pippin, entzog Lothar seinen kaiserlichen Titel und übergab das Königreich Italien an Karl. Eine weitere Änderung im Jahr 832 schloss Pippin und Ludwig den Deutschen vollständig aus, was Lothar und Karl zu den einzigen Erben des Reiches machte. Lothar brachte unter dem Vorwand der Vermittlung Papst Gregor IV aus Rom, doch seine tatsächliche Rolle war es, die Herrschaft von Lothar und seinen Brüdern zu legitimieren, indem er Ludwig absetzte und exkommunizierte. [5] 835 schloss die Familie Frieden und Ludwig kehrte auf den kaiserlichen Thron zurück. Als Pippin 838 starb, krönte Ludwig Karl zum König von Aquitanien, während der Adel Pippins Sohn Pippin II wählte, ein Konflikt, der erst 860 mit Pippins Tod gelöst wurde.

Als Ludwig der Fromme schließlich 840 starb, beanspruchte Lothar das gesamte Reich für sich. Dies führte dazu, dass Karl und Ludwig der Deutsche gegen Lothar in den Krieg zogen. Nach der Niederlage in der Schlacht von Fontenay floh Lothar in seine Hauptstadt Aachen und hob eine neue Armee aus, die der seiner jüngeren Brüder unterlegen war. 842 stimmten Karl und Ludwig schließlich in den Straßburger Eiden zu, Lothar des kaiserlichen Throns unwürdig zu erklären. Dies war das Ende der ost-westlichen Teilung des Reiches zwischen Ludwig und Karl bis zum Vertrag von Verdun. Die Straßburger Eide werden als Meilenstein in der europäischen Geschichte angesehen, als Symbol der Geburt von Frankreich und Deutschland. [10] Die Teilung des Karolingerreiches wurde schließlich 843 zwischen den drei Söhnen von Ludwig dem Frommen im Vertrag von Verdun festgeschrieben. [11]

Nach dem Vertrag von Verdun 843 bis 877[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lothar erhielt den kaiserlichen Titel, den Titel des Königs von Italien und die Gebiete zwischen Rhein und Rhone - allgemein als das Mittelfränkische Reich bezeichnet. Ludwig erhielt die Herrschaft über alle Gebiete im Osten des Rheins und nördlich und östlich von Italien, bekannt als das Ostfränkische Reich - der Vorfahre des heutigen Deutschland. Karl erhielt alle Gebiete westlich der Rhone, bekannt als das Westfränkische Reich.

Lothar übergab Italien 844 an seinen ältesten Sohn Ludwig III und machte ihn 850 zum Mitkaiser. Lothar starb 855 und teilte sein Reich in drei Teile auf: die Gebiete, die Ludwig bereits beherrschte, blieben seine, die Gebiete des früheren Königreichs Burgund gingen an seinen dritten Sohn Karl von Provence und der Rest, für den es keinen traditionellen Sohn gibt, ging an seinen zweiten Sohn Lothar II, dessen Reich Lothringen genannt wurde.

Ludwig II war unzufrieden damit, nach dem Tod seines Vaters keine zusätzlichen Gebiete erhalten zu haben und verbündete sich 858 mit seinem Onkel Ludwig dem Deutschen gegen seinen Bruder Lothar und seinen Onkel Karl den Kahlen, versöhnte sich jedoch kurz darauf wieder mit ihnen. Karl war so unbeliebt, dass er keine Armee ausheben konnte, um die Invasion zu bekämpfen und floh statt dessen nach Burgund. Er wurde gerettet, weil die Bischöfe sich weigerten, Ludwig zum Deutschen König zu krönen. 860 fiel Karl der Kahle ins Reich von Karl von Provence ein, wurde jedoch zurückgeschlagen. Lothar II überschrieb Ludwig II 862 Ländereien, um Unterstützung für die Scheidung von seiner Frau zu erhalten, was zu wiederholten Konflikten mit dem Papst und seinen Onkeln führte. Karl von Provence starb 863 und sein Reich wurde von Ludwig II geerbt.

Lothar II starb 869 ohne legitime Erben und sein Reich wurde zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen aufgeteilt, 870 durch den Vertrag von Meerssen. Während dessen war Ludwig der Deutsche an Streitigkeiten mit seinen drei Söhnen beteiligt. Ludwig II starb 875 und ernannte Karlmann, den ältesten Sohn von Ludwig dem Deutschen, zu seinem Erben. Karl der Kahle wurde mit Unterstützung des Papstes zum König von Italien und zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Im folgenden Jahr starb Ludwig der Deutsche. Karl versuchte sein Reich ebenfalls zu annektieren, erlitt jedoch eine schwere Niederlage in Andernach und das Reich der Ostfranken wurde zwischen Ludwig III dem Jüngeren, Karlmann von Bayern und Karl III dem Dicken aufgeteilt.

Niedergang 877 bis 888[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Reich wurde nach dem Tod von Karl dem Kahlen im Norden und Westen von den Wikingern angegriffen und es kam von Italien bis zum Baltikum und von Ungarn bis nach Aquitanien zu inneren Streitigkeiten. Karl der Kahle starb 877 bei der Überquerung des Passes von Mont Cenis und sein Sohn Ludwig der Stammler wurde König der Westfranken, der Titel des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches blieb jedoch unbesetzt. Ludwig der Stammler war körperlich schwach und starb zwei Jahre später, sein Reich teilte man unter seinen ältesten Söhnen auf: Ludwig III erhielt Neustrien und das Westfränkische Reich, Karlmann erhielt Aquitanien und Burgund. Das Reich Italien erhielt schließlich Karlmann von Bayern, doch ein Schlaganfall zwang ihn, Italien an seinen Bruder Karl den Dicken zu übergeben und Bayern ans Ludwig von Sachsen. 879 gründete Boso von Wien außerdem das Königreich Niederburgund in der Provence.

881 wurde Karl der Dicke zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt, während Ludwig III von Sachsen und Ludwig III von Fränkischen Reich im folgenden Jahr starben. Sachsen und Bayern wurden mit dem Reich von Karl dem Dicken vereint und das Westfränkische Reich und Neustrien gingen an Karlmann von Aquitanien, der auch Niederburgund eroberte. Karlmann starb bei einem Jagdunfall 884 nach einer unruhigen und ineffizienten Herrschaft, seine Gebiete gingen an Karl den Fetten, der das Reich von Karl dem Großen damit wiederhergestellt hatte.

Karl litt an etwas, das man heute für Epilepsie hielt und konnte das Reich nicht gegen die Wikingerangriffe sichern. Nachdem er sich 886 ihren Rückzug aus Paris erkauft hatte, wurde er vom Hof als albern und inkompetent angesehen. Im folgenden Jahr begann sein Neffe Arnolf von Kärnten, der illegitime Sohn von Karlmann von Bayern, eine Rebellion. Statt dagegen anzukämpfen floh Karl nach Neidingen und starb im folgenden Jahr ohne feste Nachfolger.

Teilungen 887 bis 888[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Reich der Karolinger wurde aufgeteilt: Arnolf behielt Kärnten, Bayern, Lorraine und das heutige Deutschland. Graf Odo von Paris wurde zum König des Westfrankenreiches gewählt, Ranulf II wurde König von Aquitanien. Italien ging an Graf Berengar I von Friaul, das obere Burgund an Rudolph I und das untere an Ludwig den Blinden, Sohn von Boso von Arles, König von Niederburgund und Enkel mütterlicherseits von Kaiser Ludwig II. Der Rest von Lothringen wurde das Herzogtum Burgund. [12]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Magill, Frank (1998). Dictionary of World Biography: The Middle Ages
  2. Davis, Jennifer (2015). Charlemagne's Practice of Empire
  3. Story, Joanna (2005) Charlemagne: Empire and Society
  4. 4,0 4,1 Kramer, Rutger (2019). Rethinking Authority in the Carolingian Empire
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 De Jong, Mayke (2009). The Penitential State: Authority and Atonement in the Age of Louis the Pious, 814-840
  6. "Revolt of Bernard of Italy", The Cambridge Medieval History Series
  7. McKitterick, Rosamond (1983). The Frankish Kingdoms Under The Carolingians 751-987
  8. Knechtges, David R. and Vance, Eugene. Rhetoric and the Discourses of Power in Court Culture
  9. The Astronomer, 'The Life of Emperor Louis', in Charlemagne and Louis the Pious: The Lives By Einhard, Notker, Ermoldus, Thegan, and The Astronomer, übers. by Thomas F. X. Noble (2009)
  10. "Die Geburt Zweier Staaten – Die Straßburger Eide vom 14. February 842 | Wir Europäer | DW.DE | 21.07.2009". Dw-world.de. 2009
  11. Goldberg, Eric Joseph (2006) Struggle for Empire: Kingship and Conflict Under Louis the German, 817–876
  12. MacLean, Simon (2003) Kingship and Politics in the Late Ninth Century: Charles the Fat and the End of the Carolingian Empire
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