Lucius Neratius Marcellus war ein kaiserlicher römischer Militäroffizier und Senator, der verschiedene Positionen inne hatte. Er war zwei mal Konsul, unter den Kaisern Domitian und Hadrian. Von 101 bis 104 n. Chr. war er Gouverneur des Römischen Britannien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcellus hatte schon früh in seinem Leben einen prestigereichen Posten inne. Um 101 wurde er zum kaiserlichen Legaten für das Römische Britannien ernannt.

Zu der Zeit, als er in Britannien diente, stand die römische Armee unter starkem Druck, die Gebiete zu halten, die von Gnaeus Julius Agricola eine Generation zuvor erobert worden waren. Eine Legion war 92 n. Chr. zum Kampf gegen die Danuben abgezogen worden und Kaiser Trajan benötigte Verstärkung für seinen Ersten Dacischen Krieg. Dies nutzte die einheimische Bevölkerung aus und griff die unterbesetzten Garnisonen an. Die Frontlinie wurde vom Antoniuswall zur Line des Stanegate zurückverlegt, die später als Hadrianswall bekannt werden würde. Marcellus war sicherlich für einen Teil dieser großen Neuorganisation verantwortlich. [1]

Befreundet mit Plinius dem Jüngeren erhielt er von diesem die Bitte, Suetonius zu einem Tribun in Britannien zu machen. Dieser lehnte jedoch ab und Plinius gab den Posten statt dessen einem Verwandten von Suetonius. Dies deutet an, dass Marcellus' Status hoch genug war, um militärische Ernennungen durchzuführen ohne die Armee konsultieren zu müssen. [2]

Eine weitere Darstellung von Marcellus Rolle im Netzwerk der Vetternwirtschaft dieser Zeit ist der Auszug eines Briefes, der in der römischen Festung in Vindolanda [3] gefunden wurde. Der Kommandant der Neunten Kohorte der dort stationierten Batavier, Flavius Cerialis, schreibt an seinen Freund Crispus über ein Treffen mit Gouverneur Marcellus. Der Text ist an dieser Stelle beschädigt und es wurden von modernen Historikern verschiedene Theorien über den Grund für das Schreiben aufgestellt. Birley vermutete, dass Cerialis Crispus fragte, für ihn um eine Beförderung oder Versetzung zu bitten. M. P. Speidel und R. Seider glauben, dass dies ein Beispiel für litterae commendaticiae sein könnte, ein Brief, um sich selbst Chrispinus vorzustellen. Alan K. Bowman und J. David Thomas glauben an eine nüchternere Bedeutung: "Der Schreiber bittet Crispinus darum, ... ihm seinen militärischen Dienst zu verschönern, indem er ihn mit so vielen einflussreichen Leuten wie möglich gute Beziehungen verschafft." [4]

Der nächste Bericht über Neratius Marcellus findet sich Jahrzehnte nach seiner Rückkehr aus Britannien, als er 129 n. Chr. zum Consul Ordinarius gewählt wird und gemeinsam mit Publius Juventius Celsus Titus Aufidius Hoenius Severianus dient. [2] Da sich Kaiser Hadrian auf Ratschläge seines Bruders verließ, glaubt Birley, dass Marcellus mit Hadrian sehr vertraut war, was der Grund gewesen sein Könnte für die einzigartige Ehre einer zweiten Amtszeit als Konsul (seine erste Amtszeit war als Suffektkonsul im Jahr 95). Doch Birley erwähnt auch, dass "es sein könnte, dass er bald darauf ein trauriges Ende fand, denn unter Hadrians engen Freunden ... nennt der Autor der Historia Augusta einen Marcellus, der vom Kaiser zum Selbstmord gezwungen wurde." [5]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Frere, Sheppard (1978). Britannia: A History of Roman Britain
  2. 2,0 2,1 Birley, A. R. (1991). "Vindolanda: Notes on Some New Writing Tablets". Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik
  3. Eine Römische Festung gleich südlich des Hadrianswalls, nahe dem heutigen Bardon Mill in Northumberland.
  4. Bowman and Thomas, Vindolanda: The Latin Writing-Tablets Britannia Monograph Series 4 (1983)
  5. Birley, A. R. (1981). The Fasti of Roman Britain
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