Manaw Gododdin war die schmale Küstenregion an der Südseite des Firth of Forth und in der nachrömischen Zeit Teil des britonischen Königreichs Gododdin. Es war die Heimat von Cunedda Wledig ap Edern vor seiner Eroberung des nördlichen Wales und wurde verewigt in dem Heldengedicht Y Gododdin. Bedrängt durch die nach Süden expandierenden Pikten und die in den Norden vordringenden Northumbrier wurde es im 7. Jh. schlussendlich zerstört und sein Gebiet ging in das aufsteigende Northumbria ein.

Die Gebiete südlich und nördlich des Firth of Forth waren als Manaw bekannt, doch ab der nachrömischen Ära nannte man nur noch die südliche Seite Manaw Gododdin. Neben Manaw Gododdin - und möglicherweise als Teil von ihm - lag Eidyn, die Gegend um das heutige Edinburgh. [1]

Obwohl Manaw Gododdin im heutigen Schottland liegt, als Teil des Yr Hen Ogledd (der alte Norden), ist es auch ein wesentlicher Teil der walisischen Geschichte, da sowohl die Waliser als auch die Männer des Nordens sich selbst als ein Volk ansahen, das als Cymry bezeichnet wurde. [2] Die Ankunft von Cunedda von Manaw Gododdin in Wales gegen 450 n. Chr. wird üblicherweise als Beginn der Geschichte des modernen Wales angesehen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund: Verwechslung mit der Isle of Man[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Isle of Man ist im walisischen als Ynys Manaw bekannt, was zu Verwirrungen in Literatur und historischen Quellen geführt hat, wo Manaw (oder Manau) ohne weitere Nachforschungen benutzt wurde, egal ob es sich auf die Isle of Man oder Manaw Gododdin bezog. Ein ähnliches Problem existiert im irischen, wo sowohl das nördliche Piktische Manaw und das südliche Manaw Gododdin als Manann (oder Manonn) bezeichnet werden. Verschiedene Formen des irischen Namens für die Isle of Man führten zum Genitiv-Namen Manann (oder Manonn). Jeder der beiden Orte könnte gemein sein, wenn der Kontext nicht klar ist.

Historia Brittonum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nennius sagt in seiner Historia Brittonum, dass "der große König Mailcun unter den Britonen regierte, in Gwynedd". Er fügt hinzu, dass Maelgwns Vorfahre Cunedda Wledig ap Edern 146 vor Maelgwns Herrschaft in Gwynedd ankam, aus Manaw Gododdin, und die Schotten (die Gälen) "mit großem Gemetzel" vertrieb. [3] [4]

In den Kapiteln der Historia Brittonum, die von den Umständen handeln, die zum Tod von Penda von Mercia 655 führten, wird Oswiu von Northumbria in "ludeu" von Penda und dessen Verbündeten belagert und bietet ihnen die Reichtümer (also die königlichen Insignien) dieses Ortes an, der kurz zuvor von den Northumbriern erobert worden war, und alles, das er "bis nach Manaw" an Land kontrolliert. [5] [6] Im lateinischen lautet der Satz usque in manau pendae. Die Fassungen stimmen an diesem Punkt nicht alle überein. Es gibt auch ein esque in manu pendae [7] und esque in manum pendae, [4] was, wenn es verlässlich ist, eine andere Interpretation zulassen würde, da manus (4. Deklination) lateinisch für Hand ist, und somit "in die Hand [von Penda]" bedeuten würde.

Walisische Stammbäume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die königlichen Stammbäume bringen an sich keine Informationen über Manaw Gododdin. Doch da es sich um die Heimat von Cunedda Wledig ap Edern handelt und er der Stammvater vieler walisischer Königslinien war, sticht er hervor in den Harleian-Stammbäumen. [8] Einige davon finden sich im Jesus College Manuscript 20, [9] obwohl sie sich hauptsächlich auf die alten Königshäuser von Südwales beziehen. Alle von Cuneddas Nachfahren beanspruchen ihre Herkunft aus Manaw Gododdin.

Annalen von Ulster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut den Annalen von Ulster war Aedan mac Gabrain, König von Dal Riata, der Sieger in einem "bellum Manonn" (Krieg oder Schlacht bei Manonn) im Jahr 582. Sein Gegner ist nicht bekannt. [10] Es gibt einige Uneinigkeit unter den Gelehrten, welcher Ort gemeint ist und ob es sich um Manaw Gododdin oder die Isle of Man handelt. Beide sind plausibel und es gibt jeweils Hinweise dafür, doch ohne gesicherte Informationen wird die Angelegenheit vermutlich nicht geklärt werden können. [11] [10]

Annalen von Ulster und Angelsächsische Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Annalen von Ulster berichten, dass die Northumbrier 711 die Pikten auf dem Feld von Manaw besiegten. Die Angelsächsische Chronik gibt das Jahr als 710 an und sagt, dass "Beorhtfrith der Ealdorman kämpfte gegen die Pikten zwischen Haefe und Caere". [10] Man geht davon aus, dass es sich hier um die Flüsse Avon (Haefe) und Carron (Caere) handelt. Skene argumentierte dies zuerst in The Four Ancient Books of Wales (1868) und erwähnte, dass der Avon an einem heute noch als Slamannan Moor (Sliabhmannan, das Moor von Manann) bekannten Ort entspringt. [12] Er wiederholt diese Vermutung in seinem Celti Scotland (1886) [5] und spätere Historiker haben diese Vermutung anerkannt und zitieren ihn als Quelle. [13] [6] [14]

Behandlung durch Historiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da man nur wenig über Manaw Gododdin weiß, gibt es auch nur wenig, das darüber sicher gesagt werden kann. Abgesehen von einigen Hinweisen darauf als Heimat von Cunedda Wledig ap Edern sind die Informationen knapp. Skene hat ein Kapitel über "Manau Gododdin und die Pikten", [12] und spätere Historiker wiederholen oder zitieren ihn, fügen aber nicht mehr hinzu. Kenneth Jackson gibt die gleichen Informationen wie Skene, erweitert von seinen Notizen und Kommentaren über einige der Spekulationen und Schlussfolgerungen, die von Historikern seit Skenes Veröffentlichung gemacht wurden. Er fügt hinzu, dass die frühirische Form von Gododdin Fortudán ist. [15]

John Koch benutzt einiges von Skenes Material über Manaw inklusive einer unabhängigen Ansicht über die historischen Berichte (wobei er zu den gleichen Schlussfolgerungen kommt wie Skene), er stellt diese Schlussfolgerungen aber auch wie fakten dar (unter anderem behauptet er, dass das in der Historia Brittonum erwähnte "ludeu" Stirling sei). [16]

John Rhys wiederholt und zitiert Skene, fügt aber nichts neues hinzu. [13] John Edward Lloyd macht nur ein paar Kommentare über Manaw [2] und John Davies unterlässt selbst dies. [17] Christopher Snyder erwähnt Manaw zwei mal am Rande und sagt dort nichts darüber oder über die Hinweise darauf im Gedicht Y Gododdin. [18] D. P. Kirby erwähnt Manaw mehrfach, aber nur am Rande und ohne weitere Informationen. [19] Alistair Moffat macht mehrere Hinweise auf Manaw Gododdin und Gododdin. [20] Grundsätzlich können gleich viele Informationen über Manaw in literarischen wie auch in historischen Abhandlungen gefunden werden, oft sogar mehr, obwohl es niemals mehr ist als Skene dargestellt hat.

Regionale Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühsten verlässlichen Informationen über die Region des Firth of Forth zur Zeit von Manaw Gododdin finden sich in der Archäologie des Römischen Britannien. Die Heimat der Votadini wie auch die der Damnonii und Novantae war nicht mit Festungen übersät, was vermuten lässt (aber nicht bestätigt), dass die Menschen dieser Regionen ein freundliches Einvernehmen mit de Römern erreicht hatten (wie eine ungleiche Allianz) und diese Stämme oder Königreiche schlussendlich während der Römischen Zeit weiter existierten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Römer jemals Krieg führten gegen diese Völker. Die Römer befanden sich allerdings hin und wieder im Krieg mit den nördlicheren Pikten und ihre militärischen Kommunikationswege waren gut befestigt. Dazu gehörte auch die Straße durch Manaw Gododdin, das nördliche Ende der Dere Street.

Der frühste verlässliche historische Hinweis auf die Menschen des nördlichen Britannien findet sich in der Geographia von Ptolemäus aus dem Jahr 150 n. Chr. Er sagt, dass es sich um das Gebiet der Otadini (also Votadini) handelte, [21] einem Volk, das später als das Königreich von Gododdin (also Königreich der Votadini) bekannt wurde. Ihre Gebiete lagen entlang der Küste des südöstlichen Schottland und nordöstlichen England, dazu gehörten auch die Gebiete entlang des Firth of Forth, im Norden und im Süden.

Ptolemäus berichtet, dass 150 n. Chr. sowohl die Damnonii und die Otadini das Land nördlich des Firth of Forth und südlich des Firth of Tay besaßen. Die Pikten drängten ständig nach Süden und im frühen 3. Jh. führte der römische Kaiser Septimius Severus einen erfolglosen Feldzug gegen sie. Zu dieser Zeit als die Maeatae bekannt zogen die ortsansässigen Pikten schließlich südlich zum Firth of Forth und darüber hinaus und im 7. Jh. waren die Votadini zwischen ihnen und dem anglischen Bernicia zerquetscht worden, das in den Norden expandierte.

Weder Gododdin noch Manaw Gododdin konnten nach dem 7. Jh. als Königreich weiter existiert haben. Das Königreich Northumbria befand sich im Aufstieg und eroberte schlussendlich alles von Schottland südlich der Firths of Clyde und Forth. Die entscheidenden Jahre waren in der Mitte des 7. Jh., als Penda von Mercia im Bündnis mit den Cymry (aus dem Norden und aus Gwynedd), East Angliern und Deirern gegen Bernicia zog. Er wurde 655 in der Schlacht von Winwaed besiegt und getötet, was die Allianz beendete und Bernicias Kontrolle über ganz Britannien zwischen den englischen Midlands und den Schottischen Firths festigte. Bernicia wurde mit Deira wieder zu Northumbria vereint, der militärischen Hauptmacht dieser Zeit. Alt Clut errang bald wieder seine Unabhängigkeit, doch alle anderen britonischen Königreiche nördlich des Solway und Tyne waren fort.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Bromwich, Rachel (2006), Trioedd Ynys Prydein: The Triads of the Island of Britain
  2. 2,0 2,1 Lloyd, Sir John Edward (1911), A History of Wales from the Earliest Times to the Edwardian Conquest
  3. Giles, J. A., ed. (1841), The Works of Gildas and Nennius
  4. 4,0 4,1 Giles, J. A., ed. (1847), History of the Ancient Britons
  5. 5,0 5,1 Skene, William Forbes (1886), Celtic Scotland: A History of Ancient Alban (History and Ethnology)
  6. 6,0 6,1 Anderson, A. O. (1908), Scottish Annals From English Chroniclers A.D. 500 to 1286
  7. Stevenson, Joseph (1838), Nennii Historia Britonum
  8. Phillimore, Egerton Grenville Bagot (1888), "The Annales Cambriae and Old Welsh Genealogies, from Harleian MS. 3859"
  9. Phillimore, Egerton Grenville Bagot, ed. (1887), "Pedigrees from Jesus College MS. 20", Y Cymmrodor
  10. 10,0 10,1 10,2 Reeves, William (1857), The Life of St. Columba Written by Adamnan, to which are added Copious Notes and Dissertations
  11. Miller, Molly (1980), "Hiberni Reversuri" (PDF), Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland
  12. 12,0 12,1 Skene, William Forbes (1868a), The Four Ancient Books of Wales I
  13. 13,0 13,1 Rhys, Sir John (1904), Celtic Britain
  14. Kirby, D. P. (1990), "The northern Anglian hegemony", The Earliest English Kings
  15. Jackson, Kenneth H. (1969), The Gododdin
  16. Koch, John T., ed. (2005), Celtic Culture: A Historical Encyclopedia
  17. Davies, John (1990), A History of Wales
  18. Snyder, Christopher Allen (1998), An Age of Tyrants: Britain and the Britons A.D. 400–600
  19. Kirby, D. P. (1991), The Earliest English Kings
  20. Moffat, Alistair (2005), Before Scotland: The Story of Scotland Before History
  21. Ptolemäus, Geographia - "Albion Island of Britannia"
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