Das Mittelfränkische Reich - auch Mittelreich oder Lotharii Regnum genannt - war ein kurzlebiges fränkisches Königreich, das 843 mit dem Vertrag von Verdun durch die Enkel von Karl dem Großen geschaffen wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Ludwig wurde das Fränkische Reich unter seinen drei Söhnen aufgeteilt, die nach einem Bürgerkrieg 843 den Vertrag von Verdun aufsetzten, um die Reichsteilung damit festzuschreiben. Mittelfrsnken ging an Kaiser Lothar I, den ältesten Sohn von Kaiser Ludwig dem Frommen. Sein Reich bestand aus den kaiserlichen Städten Aachen (Wohnort von Karl dem Großen) und Pavia, hatte aber keinen ethnischen oder geographischen Zusammenhalt, der es davor bewahrte, zu zerfallen und ihm die Möglichkeit gegeben hätte, zu einem festen Staat zusammen zu wachsen, wie es im Westfränkischen und Ostfränkischen Reich der Fall war.

Mittelfranken lag zwischen dem östlichen und dem westlichen Reich und beinhaltete das fränkische Territorium zwischen den Flüssen Rhein und Scheldt, der friesischen Küste an der Nordsee, dem früheren Königreich Burgund (mit Ausnahme dem später als Bougogne bekannten Teil) und der Provence, sowie Teilen des nördlichen Italien. Nach der Teilung von 855 wurde "Mittelfranken" nur noch ein geographischer Begriff und der Großteil seines Gebiets wurde zu Lotharingia umorganisiert, benannt nach dem Sohn von Lothar I.

Teilung von 855[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

855 teilte Kaiser Lothar I auf seinem Totenbett mit dem Vertrag von Prüm Mittelfranken unter seinen drei Söhnen auf. Die Gebiete im nördlichen Italien, die sich bis hinunter nach Rom und Spoleto erstreckten, gingen an seinen ältesten Sohn Ludwig II der Jüngere, der 850 zum Mitkaiser gekrönt wurde und ab 855 Kaiser war. Dies wurde später das Königreich Italien. Der Großteil der Gebiete nördlich der Alpen, wozu auch die Niederlande, das westliche Rheinland, die Gebiete an der heutigen Grenze zwischen Frankreich und Deutschland und die heutige westliche Schweiz gingen an Lothar II und wurden Lothringen genannt. Karl erhielt das Königreich Burgund und die Provence, die nach Karls Hauptstadt Königreich Arles genannt wurden.

Spätere Teilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl starb 863 ohne Söhne. Laut dem fränkischen Brauch teilten seine Brüder Ludwig II und Lothar II sein Reich unter sich auf. Lothar erhielt das westliche Niederburgund, das an sein westliches Oberburgund grenzte und in Lothringen integriert wurde, während Ludwig II das Königreich Provence erhielt.

Als Lothar II 869 starb, wurde sein einziger Sohn Hugo, von seiner Mätresse Waldrada, illegitim erklärt und somit war sein einziger legaler Erbe sein Bruder Ludwig II. Wenn dieser Lothringen geerbt hätte, wäre Mittelfranken wieder geeint gewesen. Doch Ludwig führte zu dieser Zeit einen Feldzug gegen das Emirat von Bari durch und Lothringen wurde 870 mit dem Vertrag von Mersen zwischen seinen Onkeln Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen aufgeteilt. Ludwig der Deutsche erhielt Oberburgund und Gebiete nördlich des Jura, während der Rest an Karl den Kahlen ging.

875 starb Ludwig II ohne Söhne und ernannte Karlmann von Bayern, ältester Sohn von Ludwig dem Deutschen, zu seinem Nachfolger in Italien. Papst Johannes VIII stellte sich jedoch auf die Seite von Karl dem Kahlen. Nach vielen Streitigkeiten erhielt Karl der Kahle schließlich Ludwigs Reich in Italien. Karlmann wurde 876 zum König von Bayern gekrönt und fiel 877 in Italien ein, um das Reich für sich zu beanspruchen, starb jedoch 880 ohne legitime Erben und das Reich ging an seinen jüngeren Bruder Karl den Dicken. Dieser wurde 881 von Papst Johannes VIII zum Kaiser gekrönt und vereinigte das gesamte Karolingerreich 884 unter sich, was jedoch nur anhielt, bis Karl 887 gestürzt wurde.

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