Ragnall ua Ímair war ein Wikingerkönig, der Northumbria und die Isle of Man im frühen 10. Jh. regierte und gehörte möglicherweise zu den Wikingern, die 902 aus Dublin vertrieben wurden. Er gehörte zur Dynastie der Ui Imair.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

902 wurden die herrschenden Wikinger von Dublin aus der Stadt vertrieben. [1] Diejenigen, die überlebten, teilten sich in verschiedene Gruppen auf. Einige gingen nach Frankreich, einige nach England und einige nach Wales. [1] [2] [3] [4] [5] Archäologische Hinweise zeigen, dass Dublin in den folgenden Jahren weiterhin besetzt blieb, was vermuten lässt, dass möglicherweise nur die Herrscherelite gezwungen wurde, die Stadt zu verlassen. [1] Die Wikingerangriffe auf irische Siedlungen gingen dennoch weiter und 914 reiste eine große Wikingerflotte nach Waterford. [6] [7] [8] [9] Ihre Ankunft markierte die erneute Herrschaft der Wikinger über Teile von Irland und weitere Wikingersiedlungen in Limerick kamen im folgenden Jahr. [1]

Die wichtigste historische Quelle für diese Zeit sind die nordischen Sagas und die Irischen Annalen. Einige der Annalen, wie die Annalen von Ulster, hält man für zeitgenössische Berichte, die Sagas wurden viel später niedergeschrieben und werden für weniger verlässlich gehalten. Einige der Annalen wie die Fragmentarischen Annalen von Irland und die Annalen der Vier Meister wurden ebenfalls später zusammengestellt, zum Teil aus zeitgenössischeren Quellen und zum Teil aus Fragmenten von Sagas. [10] Downham glaubt: "abgesehen von diesen Ergänzungen [von Sagafragmenten] werden die irischen Chroniken von Gelehrten für größtenteils akkurate Berichte gehalten, wenn auch voreingenommen in ihrer Darstellung der Ereignisse". [1]

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man glaubt, dass Ragnall Dublin mit dem Rest der Herrscherelite im Jahr 902 verließ. [11] Es scheint, dass er sich im südlichen Schottland oder auf der Isle of Man niederließ, und er wird von einigen Gelehrten als König von Mann beschrieben. [11] [12] Möglicherweise oder auch nicht regierte er Gebiete im westlichen und nördlichen Schottland, inklusive der Hebriden und Nördlichen Inseln, aber die zeitgenössischen Quellen schweigen zu dieser Angelegenheit. [12] Die früheste Erwähnung in den Irischen Annalen findet sich 914, wo er Barid mac Oitir in einer Seeschlacht vor der Isle of Man besiegte. Barid könnte ein Sohn von Otir mac Iercne gewesen sein, dem Mann, der einen Sohn von Auisle im Jahr 883 tötete, oder ein Sohn von Jarl Otir, der später Ragnall nach England begleitete und gemeinsam mit ihm dort kämpfte. Ragnall wird 917 erneut in den Irischen Annalen erwähnt, als er und Sitric Caech, ein weiterer Enkel von Imar, ihre Flotten nach Irland führten. [1] Sitric segelte nach Cenn Fuait in Leinster und Ragnall nach Waterford. Niall Glundub, Hochkönig der nördlichen Ui Neill, sah diese Wikinger als Bedrohung an und führte eine Armee nach Süden, um sie zurück zu schlagen. Die Wikinger kämpften gegen die Männer der Ui Neill bei Mag Femen im County Tipperary und konnten den Sieg erringen, allerdings nur durch rechtzeitige Verstärkung von Ragnalls Truppen. [13] [14] Danach folgte ein weiterer Sieg in der Schlacht von Confey (auch bekannt als Schlacht von Cenn Fuait), gegen Augaire mac Ailella, Hochkönig von Leinster, der in der Schlacht starb. Augaires Tod markierte das Ende des wirkungsvollen Widerstands gegen die Rückkehr der Wikinger nach Irland und Sitric führte seine Männer auf einem Triumphzug durch Dublin, wo er sich selbst zum König machte. [1]

Die Annalen von Ulster berichten, dass Ragnall und sein Verwandter Gofraid ua Imair sowie zwei Earls namens Ottir Iarla und Gragabai 918 Irland verließen, um gegen Constantine II mac Aed, König von Schottland zu kämpfen. Laut der Historia de Sancto Cuthberto (11. Jh. möglicherweise aber mit früheren Quellen zusammengestellt) half Constantine Ealdred I von Bamburgh, Sohn von Eadwulf II von Northumbria, der einen Teil oder sogar ganz Northumbria regierte. Die Schlacht, die als Schlacht von Corbridge bekannt ist, endete unentschieden, scheint es Ragnall jedoch ermöglicht zu haben, sich zum König von York zu machen. [1] [12] Ragnall handelte schnell und konnte seine Autorität bald auf die dortigen Wikinger ausweiten. [15] Seine Position als König von Northumbria wurde beinahe sofort durch eine Gruppe christlicher Wikinger (zu dieser Zeit war York größtenteils christlich) herausgefordert, die sich Ragnalls Heidentum entgegen stellten. Diese Fraktion kontaktierte Aethelflaed, Lady von Mercia, eine Angelsächsin und Christin, und bot an sich zu unterwerfen, doch die Verhandlungen endeten mit ihrem Tod im Juni 918. [11]

Ragnall ließ während seiner Herrschaft drei verschiedene Sorten Münzen prägen, was zeigt, dass der Verwaltungsapparat von Northumbria noch immer funktionierte, obwohl es möglich ist, dass die täglichen Geschäfte wie Münzprägestätten und Steuereintreiben im Aufgabenbereich des Erzbischof von York lagen, Hrotheweard, nicht bei Ragnall. [11] [12] Edward der Ältere, der im Süden herrschende angelsächsische König, versuchte 920 zu einer Übereinkunft mit Ragnall und den anderen nördlichen Königen zu kommen, doch worum genau es ging ist nicht klar. Die Angelsächsische Chronik berichtet, dass sie "ihn [Edward] zum Vater und Herrn wählten", [12] [16] was möglicherweise andeutet, dass Ragnall Edwards Oberherrschaft anerkannte, obwohl viele Gelehrte dies als unwahrscheinlich ansehen. [11] [12] [1] Ragnall starb 921 und wird von den Annalen von Ulster beschrieben als "König der hellen Fremden und der dunklen Fremden". [17] Es könnte sein, dass er schon 920 im Sterben lag, als die Irischen Annalen die Abreise von Sitric aus Dublin erwähnen, der dort von Gofraid ersetzt wurde. Sitric folgte Ragnall als König der Northumbrier von York. [12]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Annalen wird Ragnall mit dem Begriff "ua Imair" bezeichnet, was "Enkel von Imar" bedeutet, aber niemals mit einem Patronym, also einer Aussage, wer sein Vater war. Somit ist es nicht möglich, genau zu sagen, welcher der drei bekannten Söhne von Imar (Barid, Sichfrith oder Sitriuc) - wenn überhaupt - Ragnalls Vater war. Ein möglicher Grund dafür könnte es sein, dass Ragnal das Kind eines Sohnes von Imar war, der niemals Dublin regierte oder den größten Teil seiner Zeit außerhalb von Irland verbrachte, was Ragnalls Anspruch auf die Herrschaft über Dublin von der Identität seines Großvaters abhängig machte. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Ragnall ein Enkel von Imar war durch eine Tochter, wobei sein Herrschaftsanspruch erneut auf seinen Großvater zurückzuführen wäre. Sitrics Verwandte Imar, Sitric Caech, Amlaib und Gofraid ua Imair sind die anderen bekannten Enkel von Imar, die ebenfalls durch den Begriff "ua Imair" bezeichnet werden. Alle außer Amlaib regierten irgendwann entweder als König von Dublin oder Northumbria. [1]

Eine als Mac Ragnaill (Sohn von Ragnall) bezeichnete Person in den Annalen könnte Ragnalls Sohn gewesen sein, aber es ist kein Name bekannt. [1] 942 führte Mac Ragnaill einen Überfall auf Downpatrick an, doch er wurde innerhalb einer Woche von Matudan, Hochkönig von Ulster, getötet. Die Annalen der Vier Meister nennen Mac Ragnaill einen Jarl, doch die Annalen von Ulster nennen ihn einen König. [18] [19] Die Annalen der Vier Meister deuten außerdem an, dass er und seine Begleiter von einer Insel kamen. [1] [18]

Stammbaum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Imar
    1. Barid mac Imair
    2. Sichfrith mac Imair
    3. Sitriuc mac Imair
    4.  ?
      1. Sitric Caech
      2. Imar ua Imair
      3. Ragnall ua Imair
        1. NN mac Ragnaill
      4. Amlaib
      5. Gofraid ua Imair

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Downham, Clare (2007). Viking Kings of Britain and Ireland: The Dynasty of Ívarr to A.D. 1014
  2. Fragmentarische Annalen von Irland, §429
  3. Annales Cambriae, Jahr 902
  4. Brenhinoedd y Saeson, Jahr 903
  5. Brut y Tywysogion, Jahr 903
  6. Sawyer, Peter (January 2001). The Oxford Illustrated History of the Vikings
  7. Annalen der Vier Meister, Jahr 914
  8. Chronicon Scotorum, Jahr 914
  9. Annalen von Ulster, Jahr 914
  10. Radner, Joan "Writing history: Early Irish historiography and the significance of form" (PDF). Celtica
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 Hart, Cyril (2004). "Ragnall (d. 920/21)". Oxford Dictionary of National Biography
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 12,6 Woolf, Alex (2007). From Pictland to Alba: 789 – 1070
  13. Annalen von Ulster, Jahr 917
  14. Annalen der Vier Meister, Jahr 917
  15. Forte, Angelo; Oram, Richard; Pedersen, Frederik (5 May 2005). Viking Empires
  16. Angelsächsische Chronik, Jahr 920
  17. Annalen von Ulster, Jahr 921
  18. 18,0 18,1 Annalen der Vier Meister, Jahr 942
  19. Annalen von Ulster, Jahr 942
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