Robert of Jumièges war der erste normannische Erzbischof von Canterbury von 1051 bis 1052.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund und Leben in der Normandie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor Robert 1037 der Abt der bedeutenden Abtei von Jumièges wurde, war Robert der Prior des Klosters St. Ouen in Rouen. [1] [2] [3] Jumièges war gegen 940 unter William Longsword neu gegründet worden. [4] Seine Verbindung zur Herzogsfamilie waren eng und es spielte eine große Rolle in der herzöglichen Verwaltung und Kirchenreform. [5] Roberts anderer Nachname "Champart" oder "Chambert" stammte vermutlich von champart, einem Begriff für den Teil der Ernte, die als Miete einem Landbesitzer gezahlt werden musste. Abgesehen von Hinweisen darauf, dass Roberts Vorgänger als Abt in Jumièges ein Verwandter war, sind sein Ursprung und seine Familie ansonsten unbekannt. Während seiner Zeit als Abt begann Robert mit dem Wiederaufbau der Abteikirche im neuen römischen Stil. [1]

Als Edward der Bekenner im Exil in der Normandie lebte, freundeten er und Robert sich mit einander an, vermutlich in den 1030er Jahren. [6] Edward war der Sohn von Aethelred dem Unberatenen, König von England, der 1016 von Knut dem Großen verdrängt worden war. Knut heiratete schließlich Aethelreds Witwe Emma von der Normandie, die Mutter von Edward, und bekam mit ihr den Sohn Harthacnut. Zu ihrer eigenen Sicherheit wurden Edward und sein Bruder Alfred Aetheling zu Emmas Verwandten in der Normandie geschickt. [7] Nach Knuts Tod 1035 bestieg Harald I Hasenfuß - sein älterer Sohn durch seine erste Frau - den englischen Thron. Nach Haralds Tod 1040 folgte ihm Harthacnut, regierte aber nur eine kurze Zeit und da beide keine Nachkommen hinterlassen hatten, wurde der Thron bei Harthacnuts Tod 1042 Edward angeboten. [7] Es gibt einige Hinweise darauf, dass Edward einige Zeit seines Exils in der Gegend von Jumièges verbrachte, denn nach seiner Thronbesteigung schickte er Geschenke an die Abtei. [4]

Bischof und Erzbischof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert begleitete Edward den Bekenner bei dessen Rückkehr nach England 1042 [6] nach dem Tod von Harthacnut. [1] Durch Edward wurde Robert im August 1044 zum Bischof von London ernannt, [8] eine der ersten episkopalen Vakanzen, die sich während Edwards Herrschaft ereigneten. [3] Robert blieb dem König eng verbunden und war der Anführer einer Gruppe, die gegen Godwin, Earl of Wessex stand. [1] Godwin versuchte, den Einfluss seiner Familie zu erweitern, die bereits sehr viel Land besaß. Seine Tochter war Edwards Königin und zwei seiner Söhne wurden zu Earls erhoben. [9] Das Life of Saint Edward behauptet, dass Robert "immer der mächtigste vertraulichste Berater des Königs war". [10] Robert scheint enge Beziehungen zur Normandie und ihres Herzogs gefördert zu haben. [3] Edward selbst war in der Normandie aufgewachsen und verbrachte dort 25 Jahre im Exil, bevor er nach England zurück kehrte. Er brachte viele Normannen mit sich nach England und scheint viel Zeit in ihrer Gesellschaft verbracht zu haben. [11]

Als Erzbischof Eadsige von Canterbury im Oktober 1050 starb, [12] blieb das Amt fünf Monate lang vakant. [1] Die Mönche der Kathedrale wählten Aethelric, einen Verwandten von Godwin und Mönch in Canterbury, [6] [13] wurden aber überstimmt, als Edward Robert im folgenden Jahr zum Erzbischof ernannte. [1] [8] Godwin wollte versuchen, seine Macht der Schirmherrschaft über den Erzbischofssitz auszuüben, doch die Ernennung des Königs signalisierte, dass er bereit war, mit dem Earl über die traditionellen königlichen Rechte in Canterbury zu streiten. [14] Obwohl die Mönche von Canterbury sich dem entgegen stellten, stand die Ernennung des Königs fest. [3] Robert reiste nach Rom, um sein Pallium zu empfangen, und kehrte nach England zurück, [6] wo er am 29. Juni 1051 offiziell als Erzbischof eingesetzt wurde. [1] Einige normannische Chronisten berichten, dass er auf seiner Reise die Normandie besuchte und dort Herzog Wilhelm informierte, dass dieser der Erbe des kinderlosen König Edward sei. [3] Laut diesen Chronisten war die Entscheidung, Wilhelm zum Erben zu machen, bei dem gleichen königlichen Konzil zur Fastenzeit 1051 getroffen worden, das auch Robert zum Erzbischof erklärt hatte. [1]

Nach seiner Rückkehr aus Rom weigerte Robert sich, Abt Spearhafoc von Abingdon, der auch Goldschmied des Königs war, [10] zu seinem Nachfolger als Bischof von London zu weihen, und behauptete, dass Papst Leo IX die Weihung verboten habe. Höchstwahrscheinlich war der Grund dafür Simonie (Ämterkauf), [15] da Leo erst kürzlich Proklamationen gegen diese Praxis herausgegeben hatte. Mit seiner Weigerung, Spearhafoc zu weihen, folgte Robert möglicherweise seinen eigenen Interessen im Gegensatz zu denen des Königs und von Godwin, da er seinen eigenen Kandidaten - einen Normannen - im Sinn hatte. [13] Schlussendlich wurde Roberts Kandidat William the Norman geweiht. [1] [10] Robert entdeckte auch, dass einige Ländereien in Kent, die Canterbury gehörten, Godwin während Eadsiges Amtszeit in die Hände gefallen waren, [16] doch seine Bemühungen, sie durch die Shire-Gerichtshöfe zurück zu erhalten, waren nicht erfolgreich. [13] Diese Streitigkeiten über die Ländereien und Einkünfte der Erzdiözese vergrößerten noch die Spannungen zwischen Robert und Godwin, [16] [17] die mit Roberts Amtseinführung begonnen hatten. Roberts Wahl hatte Godwins Schirmherrschaft in Canterbury unterbrochen und jetzt bedrohten Roberts Bemühungen um die Rückgabe der Ländereien Godwins wirtschaftliche Rechte. [14] Die Ereignisse kamen bei einem Konzil in Gloucester im September 1051 zu ihrem Höhepunkt, als Robert Godwin beschuldigte, König Edward töten zu wollen. [6] Godwin und seine Familie wurden ins Exil geschickt. Danach beanspruchte Robert das Amt des Sheriffs von Kent für sich, möglicherweise deshalb, weil sein Vorgänger Eadsige das Amt ebenfalls ausgeübt hatte. [6]

Trotz der Angelegenheit um Spearhafoc gibt es nur wenig Hinweise darauf, dass Robert ein Interesse an der wachsenden Bewegung der Kirchenreform, die vom Papst gefördert wurde. [16] Papst Leo IX begann eine Reformbewegung, die später als die Gregorianische Reform bekannt wurde und sich ursprünglich darauf konzentrierte, den Klerus zu verbessern und Simonie zu verbieten. 1049 erklärte Leo, dass er mehr Interesse an englischen Kirchenangelegenheiten hatte und kirchliche Kandidaten viel strenger untersuchen wollte, bevor er sie bestätigte. Es könnte zum Teil ein Beschwichtigungsversuch gegenüber Leo gewesen sein, dass Edward Robert und nicht Aethelric ernannte, in der Hoffnung, damit dem Papst zu signalisieren, dass die englische Krone der Kirchenreform nicht vollkommen entgegen stand. [18] Vor diesem Hintergrund weigerte sich Robert, Spearhafoc zu weihen, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass Robert ein Reformer war und seine Behauptung, dass der Papst die Weihe verboten hätte, könnte mehr damit zu tun gehabt haben, eine einfache Entschuldigung zu finden, als irgend ein tatsächliches Interesse an Reform. [16] Es gibt auch einige Hinweise darauf, dass Spearhafoc mit Godwin verbündet war und seine Ernennung sollte ein Ausgleich für die Nicht-Ernennung von Aethelric sein. [12] [19] Wenn dem so ist, hätte Roberts Weiterung zu dem wachsenden Riss beigetragen, der zwischen dem Earl und dem Erzbischof entstanden war. [12]

Königlicher Berater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Life of Saint Edward behauptet, dass Robert während Godwins Exil versuchte König Edward der Bekenner zu überzeugen, sich von Edith von Wessex scheiden zu lassen, der Tochter von Godwin, doch Edward weigerte sich und schickte sie statt dessen in ein Nonnenkloster. [6] Das Life ist eine Hagiographie, die bald nach Edwards Tod geschrieben wurde, um ihn als Heiligen darzustellen. Es berichtet, dass Edward freiwillig im Zölibat lebte, was eher unwahrscheinlich wahr gewesen sein kann und mit keiner anderen Quelle übereinstimmt. Moderne Historiker glauben eher, dass Edward auf Roberts Drängen die Scheidung von Edith und eine neue Heirat wollte, um Kinder zu bekommen die ihm auf den englischen Thron folgen konnten, [13] obwohl es auch möglich ist, dass er sie einfach loswerden wollte, ohne zwangsläufig eine Scheidung zu erhalten. [1]

Während Godwins Exil soll Robert vom König mit einem Antrag zu Herzog Wilhelm geschickt worden sein. [6] Der Grund für die Gesandtschaft ist nicht klar. William of Jumièges sagt, dass Robert abreiste, um Herzog Wilhelm zu sagen, dass Edward ihn als seinen Erben wollte. Der mittelalterliche Autor William of Poitiers gibt den gleichen Grund an, fügt aber auch hinzu, dass Robert Godwins Sohn Wulfnoth und seinen Enkel Hakon (Sohn von Sweyn) als Geiseln mitnahm. Die Angelsächsische Chronik schweigt über den Besuch, also ist nicht klar, ob Robert die Normandie besuchte oder nicht, und aus welchem Grund er es getan haben könnte. [13] Die ganze Geschichte der verschiedenen Missionen, die Robert durchgeführt haben soll, ist verwirrend und wird durch Propaganda verkompliziert, die von den normannischen Chronisten nach der Normannischen Eroberung 1066 geschrieben wurde. [18] [20] Es ist unklar, ob Robert die Normandie auf seinem Weg nach Rom besuchte oder nachdem Godwin im Exil war, ob er zwei mal ging oder gar nicht. [18] [21] [22]

Ächtung, Tod und Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Godwin, Earl of Wessex England verlassen hatte, ging er nach Flandern und versammelte dort eine Flotte und Söldner, um seine Rückkehr zu erzwingen. Im Sommer 1052 segelte er schließlich nach England zurück und traf dort auf seine Söhne, die von Irland her eingefallen waren. Im September zogen sie nach London, wo Verhandlungen zwischen dem König und dem Earl mit Hilfe von Stigand, Bischof von Winchester, abgehalten wurden. [9] Als klar wurde, dass Godwin auf dem Rückweg war, verließ Robert England sofort, [6] gemeinsam mit Bischof Ulf von Dorchester und Bischof William the Norman, möglicherweise nahm er dabei Wulfnoth und Hakon erneut mit sich als Geiseln. Ob mit oder ohne Erlaubnis von König Edward ist nicht klar. [13] Robert wurde bei einem königlichen Konzil zum Geächteten erklärt und am 14. September 1052 seines Amtes als Erzbischof enthoben, hauptsächlich weil der zurückgekehrte Godwin das Gefühl hatte, dass Robert und einige andere Normannen die treibende Kraft hinter seinem Exil gewesen waren. [8] [6] Robert reiste nach Rom, um sich beim Papst über sein eigenes Exil zu beschweren, [6] und Leo IX und seine Nachfolger tadelten Stigand, [13] den Edward zum Erzbischof von Canterbury ernannt hatte. [18] Roberts persönlicher Besitz wurde zwischen Godwin, Harald Godwinson und der Königin aufgeteilt, die an den Hof zurückgekehrt war. [6]

Robert starb in Jumièges, [12] aber sein Todeszeitpunkt ist nicht klar. Es gibt verschiedene Daten und Ian Walker, Biograph von Harald Godwinson, behauptet, es läge zwischen 1053 und 1055, [13] doch Cowdrey, der Roberts Eintrag im Oxford Dictionary of National Biography schrieb, sagt es wäre der 26. Mai gewesen, entweder 1052 oder 1055. [1] Loyn und andere moderne Historiker glauben, dass es wahrscheinlich ist, dass er 1053 starb. [23]

Wilhelm I der Eroberer nutzte Roberts Behandlung als einen der Rechtfertigungsgründe für seine Invasion nach England. Der andere war, dass Edward ihn zum Erben ernannt hätte. Ian Walker, Autor der neusten Biographie von Harald II Godwinson, vermutet, dass es Robert war, der während seines Exils behauptete, dass Edward Wilhelm zu seinem Erben bestimmt hätte. [13] Douglas - Historiker und Biograph von Wilhelm dem Eroberer - steht dem jedoch kritisch gegenüber. Er glaubt, dass Robert einfach Edwards Entscheidung mitgeteilt hätte, möglicherweise auf seinem Weg nach Rom, um sein Pallium zu erhalten. [2] Einige mittelalterliche Chronisten, inklusive des Autors des Life of Saint Edward, waren der Meinung, dass die Schuld für den Konflikt zwischen Edward und Godwin in den Jahren 1051-52 allein bei Robert lag. [24] Moderne Historiker tendieren eher dazu, Robert als ehrgeizigen Mann mit wenig politischen Fähigkeiten zu sehen. [1]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Cowdrey, H. E. J. (2004). "Robert of Jumièges (d. 1052/1055)". Oxford Dictionary of National Biography
  2. 2,0 2,1 Douglas, David C. (1964). William the Conqueror: The Norman Impact Upon England
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Barlow, Frank (1979). The English Church 1000–1066: A History of the Later Anglo-Saxon Church
  4. 4,0 4,1 Crouch, David (2007). The Normans: The History of a Dynasty
  5. Crouch, David (1982). Normandy Before 1066
  6. 6,00 6,01 6,02 6,03 6,04 6,05 6,06 6,07 6,08 6,09 6,10 6,11 Barlow, Frank (1970). Edward the Confessor
  7. 7,0 7,1 Hindley, Geoffrey (2006). A Brief History of the Anglo-Saxons: The Beginnings of the English Nation
  8. 8,0 8,1 8,2 Fryde, E. B.; Greenway, Diana; Porter, Stephen; Roy, Ian (1996). Handbook of British Chronology
  9. 9,0 9,1 Mason, Emma (2004). House of Godwine: The History of Dynasty
  10. 10,0 10,1 10,2 Huscroft, Richard (2005). Ruling England 1042–1217
  11. Potts, Cassandra (2002). "Normandy, 911–1144". In Harper-Bill, Christopher; van Houts, Elizabeth (eds.). A Companion to the Anglo-Norman World
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 Higham, N. J. (2000). The Death of Anglo-Saxon England
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 13,4 13,5 13,6 13,7 13,8 Walker, Ian (2000). Harold the Last Anglo-Saxon King
  14. 14,0 14,1 Bates, David (May 1978). "The Land Pleas of William I's Reign: Penenden Heath Revisited". Bulletin of the Institute of Historical Research
  15. Coredon, Christopher (2007). A Dictionary of Medieval Terms & Phrases
  16. 16,0 16,1 16,2 16,3 Rex, Peter (2005). Harold II: The Doomed Saxon King
  17. Campbell, Miles W. (January 1971). "A Pre-Conquest Norman Occupation of England". Speculum
  18. 18,0 18,1 18,2 18,3 Stafford, Pauline (1989). Unification and Conquest: A Political and Social History of England in the Tenth and Eleventh Centuries
  19. John, Eric (1996). Reassessing Anglo-Saxon England
  20. Bates, David (2001). William the Conqueror
  21. John, Eric (April 1979). "Edward the Confessor and the Norman Succession". The English Historical Review
  22. Oleson, T. J. (April 1957). "Edward the Confessor's Promise of the Throne to Duke William of Normandy". The English Historical Review
  23. Loyn, H. R. (2000). The English Church, 940–1154
  24. Stafford, Pauline (1997). Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-century England
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