Sallustius Lucullus war ein Gouverneur des Römischen Britannien im späten 1. Jh. und der Nachfolger von Gnaeus Julius Agricola; es ist allerdings nicht klar, ob er sein unmittelbarer Nachfolger war oder es zwischen ihnen einen weiteren unbekannten Gouverneur gab. Er wird als "ein Rätsel" beschrieben, da die einzige definitive Tatsache, die über ihn bekannt ist, sich in Gaius Suetonius Paulinus' Bericht befindet, dass Kaiser Domitian ihn hinrichten ließ, da er eine neue Art von Lanze nach sich benannt hatte.

Rätsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt keine gesicherten Tatsachen über Lucullus, außer der von Gaius Suetonius Paulinus aufgezeichneten Geschichte. Diese könnte einen weiteren Grund für Lucullus' Hinrichtung maskieren. Da so wenig über ihn bekannt ist, sind einige Theorien über ihn in Umlauf.

Ronald Syme, der die Schwierigkeit von vieldeutigen Namen kennt, schlug die Identifikation von Lucullus mit einem bekannten Suffektkonsul von 89 n. Chr. vor, Publius Sallustius Blaesus. Dieser ist bekannt aus den Briefen von Plinius dem Jüngeren und einigen Inschriften. Deren Inhalt und verschiedene andere Gründe lassen Syme vermuten, dass es sich um die gleiche Person handelt. Spätere Experten akzeptierten seine Argumente. Andere jedoch merken an, dass die Inschrift seine Anwesenheit in Rom während jedem Jahr der ersten Hälfte von Domitians Regierung berichtet, was ihm keine Gelegenheit gegeben hätte, genügend Erfahrung als Praetor zu erhalten, um schließlich die Ernennung zum Gouverneur von Britannien zu erhalten.

Eine weitere Theorie von Dr. Miles Russel bezieht sich auf eine Inschrift aus Chichester, die jedoch verloren gegangen ist. Sie bezieht sich auf Sallustius Lucullus und gibt seinen Vornamen als Gaius an. Sie beschreibt ihn als Prätorianer-Legaten des Kaisers Domitian. Eine weitere Inschrift aus Chichester, die 1923 entdeckt wurde, bezieht sich auf einen "Lucullus, Sohn von Amminus". Russel vermutet, dass es sich um den gleichen Lucullus handelt und dass sein Vater der einheimische Prinz Amminius war, Sohn von Cunobelinus, der ca. 40 n. Chr. nach Rom floh. Weiterhin vermutet er, dass der römische Fishbourne-Palast bei Chichester für ihn als Gouverneur erbaut worden war, und nicht für den Vasallenkönig Tiberius Claudius Cogidubnus. Obwohl andere Archäologen die Erbauung des Palastes auf das Jahr 73 datiert haben, interpretierte Russel den Bauplan des Palastes auf das Jahr 92, was eher zu Lucullus als zu Cogidubnus passt. Doch weitere Gelehrte argumentieren gegen Russels Interpretation der Inschriften. Die verloren gegangene Inschrift wurde als Fälschung bezeichnet: die Erwähnung von Domitian, dessen Name aus öffentlichen Inschriften entfernt wurde, nach seiner Damnatio Memoriae [1], lässt an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln, vor allem da die Gouverneure von Britannien Ex-Konsuln waren, nicht Ex-Praetoren. Russels Restaurierung der zweiten Inschrift erbrachte einen Text, der nicht den römischen Namenskonventionen folgt und der Altar, auf dem die Inschrift steht, ist weder eines keltischen Prinzen noch eines Römischen Gouverneurs würdig.

Eine dritte Theorie wurde von Conole und Jones vorgebracht, die Lucullus als Lucius Lucullus identifizieren, der Prokonsul von Hispania Baetica war, zu der Zeit, als Plinius der Ältere seine Natural History schrieb. Dieser Lucullus wäre von angemessenem Rang gewesen, um zum Gouverneur von Britannien ernannt zu werden. Weiterhin wäre Sallustius Blaesus ein Verwandter dieses Lucullus gewesen und Blaesus wurde im gleichen Jahr zum Suffektkonsul ernannt, als Saturninus seinen erfolglosen Aufstand machte, weshalb Lucullus' Hinrichtung nichts mit Saturninus' Handlungen zu tun gehabt hätte. Brian Jones führt dieses Szenario noch weiter aus in seiner Studie von Domitian. Dort berichtet Jones, dass Gaius Julius Karus belohnt wurde für einen ansonsten unbekannten britischen Krieg, mit einer außergewöhnlichen Ehrung, die Domitian demjenigen gewährte, der Saturninus' Aufstand niederschlug. Deshalb schlug Jones folgende Theorie vor: Lucullus stellte sich gegen Domitians Pläne, die Grenze des Römischen Britannien an einen südlicheren, leichter zu verteidigenden Punkt zu verlegen. Dies wurde von Karus an den Kaiser weitergegeben und dieser sah es als Verrat an und befahl Karus, Lucullus hinzurichten, wonach er ihn großzügig belohnte. Jones sagt aber auch, dass diese Theorie als Spekulation angesehen werden sollte.

Militärische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Archäologie erzählt einiges über die römischen Militäraktivitäten in den Jahren nach Gnaeus Julius Agricolas Rückruf 84 n. Chr. Sallustius (oder sein unbekannter Vorgänger, wenn es denn einen gab), könnte versucht haben, Agricolas Siege in Schottland zu festigen, indem er die Glen-Festungen erbauen ließ, die Salway auf die Zeit seiner Herrschaft datiert. Die Festungen in Ardoch und Dalswinton im südlichen Schottland, die Agricola erbauen ließ, wurden in den späten 80er Jahren stark erweitert und es gibt Hinweise auf Verbesserungen an anderen militärischen Bauten in der Region, was auf eine starke Römische Anwesenheit in den schottischen Lowlands hindeutet.

In dieser Zeit wurde auch Inchtuthil verlassen und es ist wahrscheinlich, dass Truppen anderswo im Imperium benötigt wurden, was Sallustius nicht genug Truppen ließ, um den hohen Norden zu halten. Es gibt archäologische Hinweise darauf, dass einige der römischen Wachtürme im nördlichen Schottland noch bis 90 besetzt blieben.

Alles in allem ist es wahrscheinlich, dass Truppenkürzungen Sallustius zwangen, sich aus dem nördlichen Schottland zurückzuziehen, es ihm aber dennoch ermöglichten, den Süden zu besetzen.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Lateinisch für "Verdammung des Andenkens". Eine Römische Praxis, das Andenken einer Person zu verfluchen. Die Namen besonders verachteter und verhasster Personen wurden aus sämtlichen Annalen getilgt, alle Bildnisse und Inschriften wurden zerstört und man erwöhnte den Verurteilten in Zukunft nicht mehr, ohne jedoch die Nennung des Namens unter Strafe zu stellen.
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