Die Schlacht von Watling Street fand 60/61 n. Chr. zwischen einem Bündnis britischer Stämme unter Boudicca und einer römischen Armee unter Gaius Suetonius Paulinus statt. Sie war die letzte Schlacht, die das Ende des Aufstands von Boudicca darstellte und führte zu einem entscheidenden Sieg der Römer über die Stämme, die schwere Verluste erlitten.

Sie war auch das Ende des Widerstands gegen die römische Herrschaft in Britannien im südlichen Teil der Insel, was bis 410 n. Chr. andauerte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Römischen Eroberung von Britannien 43 n. Chr. waren einige Stämme unterworfen worden, während andere zumindest dem Namen nach unabhängige römische Verbündete wurden. Dazu gehörten auch die Iceni unter ihrem König Prasutagus. Um die Unabhängigkeit seines Stammes auch nach seinem Tod zu bewahren, entschied Prasutagus sich, in seinem Testament sein Land und seinen Besitz zu gleichen Teilen dem römischen Imperium und seinen Töchtern zu hinterlassen. Doch sein Testament wurde ignoriert, die Römer besetzten seine Ländereien und forderten angebliche ausstehende Schulden ein. Als seine Witwe Boudicca sich dem widersetzte, ließ man sie auspeitschen und ihre Töchter vergewaltigen.

Um 60/61 befand sich der römische Gouverneur Gaius Suetonius Paulinus auf einem Feldzug in Wales, um die Insel Mona [1] zu erobern. Die Iceni verbündeten sich mit den Trinovanten und anderen britischen Stämmen und begannen ihren Feldzug. Das erste Ziel war die römische Provinz Camulodunum, die zuvor die Hauptstadt der Trinovanten gewesen war. Dort trafen sie auf einen Teil der Legion IX Hispana und konnten sie beinahe vollständig auslöschen, nur deren Kommandant und einige seiner Kavallerietruppen konnten fliehen.

Das nächste Ziel war Londinium, das der inzwischen heranziehende Suetonius bewusst den Rebellen überließ; er sah es als Opfer an, um statt dessen die gesamte Provinz zu opfern. Mit den Einwohnern, die bereit waren, ihm zu folgen, verließ er mit seinen beiden Legionen die Stadt. Als die Rebellen Londinium erreichten, töteten sie alle zurück gebliebenen Einwohner und brannten die Stadt nieder.

Die Truppen unter Boudicca zogen daraufhin nach Verulamium weiter, und Suetonius stellte seine Truppen neu auf. Laut Tacitus kommandierte er die Legion XIV Gemina, Teile der Legion XX Valeria Victrix und alle verfügbaren Hilfstruppen, die er sammeln konnte; insgesamt etwa 10.000 Mann. Eine dritte Legion, die II Augusta, konnte ihn nicht rechtzeitig erreichen, die IX Hispana war bereits in Camulodunum zerstört worden.

Schlacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da er stark in der Unterzahl war, wählte Gaius Suetonius Paulinus das Schlachtfeld sehr sorgfältig. Er entschied sich für eine enge Schlucht mit einem Wald in seinem Rücken, die sich auf eine breite Ebene öffnete. Die Schlucht schützte die römischen Flanken vor Angriffen, während der Wald einen direkten Zugang von hinten verhinderte. Dies hielt Boudicca davon ab, eine nennenswerte Streitmacht gegen die römischen Truppen zu führen, und die offene Ebene machte einen Hinterhalt unmöglich. Suetonius platzierte seine Legionäre nahe beieinander, mit leicht bewaffneten Hilfstruppen an den Flanken, und Kavallerie an den Flügeln.

Als die Armeen sich aufstellten, versuchten die Kommandanten sicherlich, ihre Soldaten zu motivieren. Tacitus, der mehr als fünfzig Jahre nach der Schlacht schrieb, behauptet, dass Boudicca folgendes ihren Legionären sagte:

"Doch jetzt, sagte sie, ist es nicht als Frau von edler Abstammung, sondern als eines des Volkes, dass ich die verlorene Freiheit räche, meinen geschundenen Körper, die geschändete Keuschheit meiner Töchter. Römische Lust ist so weit gegangen, dass nicht nur unsere Person, noch Alter oder Jungfräulichkeit, unbefleckt bleiben. Doch der Himmel ist auf der Seite der gerechten Rache; eine Legion, die es wagte zu kämpfen, ist ausgelöscht; der Rest versteckt sich in ihrem Lager, oder sie denken nervös an die Flucht. Sie werden nicht einmal dem Lärm und dem Schreien so vieler Tausender widerstehen, noch weniger unserer Schläge und Hiebe. Wenn ihr die Stärke der Armeen gut abwiegt, und die Gründe des Krieges, werdet ihr sehen, dass ihr in dieser Schlacht erobern oder sterben müsst. Dies ist die Lösung einer Frau; die Männer können leben und Sklaven sein."

Obwohl die Briten eine bemerkenswerte Streitmacht aufstellten, sollen sie nur schlecht ausgerüstet gewesen sein, da die Iceni vor der Rebellion entwaffnet wurden. Sie stellten ihren Wagenzug in einem Halbkreis am Ende des Schlachtfeldes auf, von wo aus ihre Familien das beobachten konnten, von dem sie dachten, dass es ein überwältigender Sieg werden würde. Zwei germanische Anführer, Boiorix von den Cimbri und Ariovistus von den Sueben, sollen das gleiche in ihren Schlachten gegen Gaius Marius und Julius Caesar getan haben.

Laut Tacitus sagte Suetonius vor der Schlacht folgendes zu seinen Legionären:

"Ignoriert den Lärm, den diese Wilden machen. Es sind mehr Frauen als Männer in ihren Rängen. Sie sind keine Soldaten - sie sind nicht einmal vernünftig ausgerüstet. Wir haben sie zuvor schon besiegt und wenn sie unsere Waffen sehen und unseren Geist fühlen, werden sie zusammenbrechen. Bleibt zusammen. Werft die Speere und dann stoßt vor: schlagt sie nieder mit euren Schilden und beendet es mit euren Schwertern. Vergesst das plündern. Gewinnt einfach und ihr werdet alles haben."

Obwohl Tacitus, wie viele Historiker seiner Tage, ergreifende Reden für solche Gelegenheiten erfinden sollte, ist Suetonius' Rede hier ungewöhnlich ungeschminkt und praktisch. Tacitus' Schwiegervater, der zukünftige Gouverneur Gnaeus Julius Agricola, befand sich in Suetonius' Stab und könnte sie recht genau überliefert haben.

Boudicca führte ihre Armee über die Ebene in das enge Feld zu einem massiven frontalen Angriff. Als sie vor stießen, wurden sie zu einer dichten Masse zusammen gedrängt. Als die Römer ihre Geschosse aufgebraucht hatten, stürmten sie in einer keilförmigen Säule voran. Die Römer, mit ihrem klaren Vorteil durch Rüstung, Waffen und Disziplin, hatten einen entscheidenden Vorteil in den Kämpfen gegen die eng aneinander stehenden Briten. Danach stieg die mit Lanzen bewehrte Kavallerie in die Schlacht ein.

Als die Verluste der Britonen immer größer wurden, versuchten sie sich zurückzuziehen, doch ihre Flucht wurde durch den Wagenring blockiert und sie wurden abgeschlachtet. Die Römer töteten nicht nur die Krieger, sondern auch Frauen, Kinder und sogar Packtiere. Tacitus berichtet von einem Gerücht, dass 80.000 Briten fielen, aber nur 400 Römer. Doch die Zahlen, die in den antiken Quellen für diesen Feldzug angegeben werden, werden von heutigen Historikern als übertrieben angesehen.

Laut Tacitus vergiftete sich Boudicca, laut Cassius Dio erkrankte sie, starb und erhielt ein verschwenderisches Begräbnis. Poenius Postumus, Präfekt der 2. Legion, der nicht rechtzeitig zur Schlacht anwesend war, und somit seinen Männern ihren Teil des Ruhms vorenthielt, beging Selbstmord, indem er sich in sein Schwert stürzte.

Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort der Schlacht wurde von keinem Historiker überliefert, obwohl Tacitus eine kurze Beschreibung liefert. Viele Orte wurden vorgeschlagen, eine Legende besagt, sie hätte an der Battle Bridge Road in King's Cross, London stattgefunden, obwohl es nach dem lesen von Tacitus unwahrscheinlich ist, dass Gaius Suetonius Paulinus nach London zurückkehrte.

Die meisten Historiker bevorzugen einen Ort in Mittelengland, möglicherweise entlang der Watling Street zwischen Londinium und Viroconium Cornovium (Wroxeter in Shropshire), die heutige A5. Plausible Vermutungen beinhalten Manduessedum (Mancetter) bei Atherstonein in Warwickshire, und eine kleine Senke an der Watling Street bei Cuttle Mill, zwei Meilen südöstlich von Lactodorum (Towcester) in Northamptonshire, deren Topographie der Beschreibung von Tacitus sehr gleicht, und wo große Mengen von menschlichen Knochen beider Geschlechter gefunden wurden, auch von Kindern, über ein großes Gebiet verteilt, zusammen mit Fragmenten römischer Töpferwaren aus dem 1. Jh.

2009 vermuteten Forscher, dass die Schlacht bei Arbury Banks, nahe Ashwell statt gefunden haben könnte. Im März 2010 erschienen Hinweise, die andeuten, dass der Ort sich bei Church Stowe in Northamptonshire befunden haben könnte. Außerdem wurde auch das Kennet Valley bei Silchester erwähnt.

Eine erst kürzlich gemachte Vermutung besagt, die Schlacht könnte an der A5, gleich südlich von Dunstable in Bedfordshire stattgefunden haben.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeblich war Kaiser Nero so erschüttert von diesen Ereignissen, dass er darüber nachdachte, sich ganz aus Britannien zurückzuziehen, doch nachdem der Aufstand zu einem Ende gebracht worden war, wurde die Besetzung von Britannien fortgeführt. Aus Angst, dass Gaius Suetonius Paulinus' strafende Politik weitere Rebellionen auslösen würde, ersetzte Nero ihn mit dem versöhnlicheren Publius Petronius Turpilianus.

Die Niederlage von Boudicca sicherte die römische Herrschaft im südlichen Britannien, doch der Norden blieb gewalttätig. 69 n. Chr. führte Venutius, ein brigantischer Adliger, einen andere weniger gut dokumentierten Aufstand an, ursprünglich eine Stammesrevolte, aus der schnell ein anti-römischer Feldzug wurde.

 


Römische Invasion und Eroberung von Britannien

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.