Theodore von Tarsus war Erzbischof von Canterbury von 668 bis 690.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodore stammte aus dem byzantinischen Griechenland und war in Tarsus, Kilikien, geboren. Seine Kindheit war überschattet von verheerenden Kriegen zwischen Byzanz und dem persischen Sassaniden-Imperium, was zur Eroberung von Antiochia, Damaskus und Jerusalem zw. 613-614 führte. Persische Truppen eroberten Tarsus, als Theodore 11 oder 12 Jahre alt war, und es gibt Hinweise darauf, dass er mit ihrer Kultur in Berührung kam. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er in Antiochia studierte. Weiterhin kannte er sich mit der syrischen Kultur, Sprache und Literatur aus und war möglicherweise nach Edessa gereist.

637 wurde er wahrscheinlich durch die musilimische Eroberung aus Tarsus vertrieben. Er ging nach Konstantinopel, wo er studierte - Astronomie, kirchliche Osterberechnung, Astrologie, Medizin, römisches Bürgerrecht, griechische Rhetorik, Philosophie und die Nutzung von Horoskopen. Irgendwann vor den 660er Jahren reiste er nach Rom, wo er in einer Gemeinde östlicher Mönche lebte, möglicherweise im Kloster St. Anastasius. Dort lernte er kirchliches und weltliches Latein.

664 fand die Synode von Whitby statt, bei der die angelsächsische Kirche entschied, dem römisch-katholischen Ritus zu folgen. 667 wurde der Sitz des Erzbischofs von Canterbury vakant, weil der gewählte Wighard unerwartet auf seiner Reise nach Rom starb, wo er von Papst Vitalian geweiht werden sollte. Vitalian entschied sich, den inzwischen 66jährigen Theodore zum neuen Erzbischof zu ernennen und weihte ihn am 26. März 668 in Rom, dann schickte er ihn nach England, wo er 27. Mai 669 ankam.

Theodore begann eine Untersuchung der englischen Kirche, dann besetzte er verschiedene Diözesen mit neuen Bischöfen, nachdem sie einige Zeit lang unbesetzt gewesen waren, und berief die Synode von Hertford 673 ein, bei der er Reformen bezüglich der korrekten Berechnung von Ostern einführen wollte, und Themen erörtert wurden wie kirchliche Autorität, Wandermönche, regelmäßige spätere Synoden, Ehen und die verbotenen Verwandtschaftsgrade, und andere Angelegenheiten. Weiterhin plante er, die große Diözese von Northumbria in kleinere Einheiten zu unterteilen, was ihn in Konflikt mit Wilfrid I von York brachte, der 664 Bischof von York geworden war. Theodore setzte Wilfrid ab und vertrieb ihn 678 aus York, danach teilte er Northumbria auf. Der Konflikt mit Wilfrid ging bis 686/687 weiter.

679 starb Aelfwine von Deira, Bruder von Ecgfrith von Northumbria, in der Schlacht am Fluss Trent gegen Aethelred I von Mercia. Der junge Mann war sowohl in Northumbria als auch Mercia äußerst beliebt gewesen und es kam beinahe zu einer Blutfehde zwischen den beiden königlichen Familien - die durch die Ehe von Aethelred mit Osthryth von Bernicia verschwägert waren. Theodore konnte die Angelegenheit bereinigen, einen Krieg verhindern und Frieden aushandeln, indem er eine Wergeld-Zahlung von Aethelred an Northumbria aushandelte.

Theodore gründete eine Schule in Canterbury, in der Griechisch und Latein unterrichtet wurden, was zu einem "Goldenen Zeitalter" unter den angelsächsischen Gelehrten führte. Er unterrichtete auch heilige Musik, führte verschiedene Texte und Informationen über östliche Heilige ein und könnte sogar für die Einführung der Allerheiligenlitanei [1] gewesen sein.

Theodore berief weitere Synoden ein, 680 in Hatfield, Hertfordshire, und 684 bei Alnwick in Northumbria.

Er starb 690 im Alter von 88 Jahren nach zweiundzwanzig Jahren als Erzbischof von Canterbury. Er wurde später als Heiliger verehrt. Sein Feiertag ist der 19. September, Canterbury feierte außerdem einen Feiertag am 26. März, dem Tag seiner Weihung.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Ein großes Bittgebet der römisch-katholischen Kirche, bei dem im Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gemeinde die Heiligen um ihre Fürbitte bei Gott angerufen werden.
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