Der Lancelot-Gral Zyklus - auch bekannt als Vulgate Zyklus oder Pseudo-Map Zyklus - ist eine Reihe von Artus-Geschichten aus dem frühen 13. Jh.. Dieser Zyklus von einem unbekannten Autor stellt sich selbst als Chronik tatsächlicher Ereignisse dar und erzählt die Legende von König Artus, indem er sich auf die Affaire zwischen Lancelot und Guinevere sowie auf die Suche nach dem Heiligen Gral fokussiert. Damit erweitert er die Werke von Robert de Boron und Chrétien de Troyes und beeinflusst die spätere Geschichte von Tristan. Nach seiner Fertigstellung egen 1230-35 folgte ihm schnell eine große Neufassung namens Post-Vulgate Zyklus. Gemeinsam sind beide Werke eine sehr einflussreiche und verbreitete Form der Artusromane während ihrer Zeit und trugen auch einen Großteil zu der späteren englischen Sammlung Le Morte d'Arthur bei, die die Basis für die heutigen Legenden formte.

Zusammenstellung und Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der walisische Schreiber Gautier (Walter) Map (c. 1140-1209) soll der Autor gewesen sein, wie man an den Anmerkungen und Illustrationen in einigen Manuskripten sehen kann, die seine Behauptung beschreiben, dass er in Salisbury ein Archiv der Chronik von Camelot entdeckt habe (das angeblich aus der Zeit von Artus stammte) und seine Übersetzung dieser Dokumente aus dem Lateinischen ins altfranzösisch, wie ihm von Heinrich II von England befohlen wurde. [1] Maps Verbindung wurde von heutigen Gelehrten bestritten, da er zu früh starb, um der Autor gewesen zu sein und das Werk eindeutig vom Kontinent stammt. [2] [3] [4]

Der Vulgate-Zyklus hebt christliche Themen in der Legende von König Artus hervor, besonders die Geschichte vom Heiligen Gral. Wie Robert de Borons Gedicht Merlin (c. 1195-1210) behauptet der Zyklus, dass seine ersten Teile aus dem Livre du Graal stammen, das als ein Text beschrieben wird, den Merlin persönlich seinem Beichtvater Blaise gewidmet haben soll. Danach, nach dem Untergang von Merlin, werden die angeblichen originalen Autoren des Zyklus benannt (in verschiedenen Schreibweisen) als Arodiens de Cologne, Tantalides de Vergeaus, Thumas de Toulete und Sapiens de Baudas, [5] die als Schreiber Artus dienten und die Taten der Ritter der Tafelrunde aufzeichneten, inklusive der Gralssuche, wie sie ihnen von den Augenzeugen der Ereignisse berichtet wurden. Es ist nicht sicher, ob die zeitgemäßen mittelalterlichen Leser tatsächlich an den Wahrheitsgehalt der "Chronik" glaubten oder sie als fiktionales Werk erkannten. [2]

Der tatsächliche Autor der Geschichte ist unbekannt, doch die meisten Gelehrten glauben heute, dass sie von verschiedenen Autoren geschrieben wurde. Es könnte entweder einen einzelnen Planer gegeben haben - den sogenannten Architekten - der dann das Werk von mehreren anderen anonymen Schreibern beaufsichtigte. [6] [7] Eine Theorie besagt, es hätte sich um die französische Königin Eleanor von Aquitanien gehandelt, die das Projekt bereits 1194 in Gang setzte. [8] [7] [9] Alternativ könnte jeder Teil einzeln entworfen worden sein, Stück für Stück arrangiert und schließlich für Konsistenz und Zusammengehörigkeit neu geschrieben. Bedenkt man die Schreibweise des Autors der Geschichte Lancelot, vermutete Ferdinand Lot einen anonymen Hofkleriker mit aristokratischem Hintergrund. [10]

Heute glauben einige Historiker, dass eine Gruppe anonymer französischer katholischer Mönche den Zyklus schrieb - oder zumindest den Teil der Queste (wo laut Fanni Bogdanow das Hauptziel des Textes ist, Sünder zur Umkehr zu bewegen [11]). Andere bezweifeln dies und eine andere Theorie spricht von einem weltlicheren Autor, der einige Zeit in einem Zisterzienserkloster verbrachte. [12] Richard Barber beschreibt die Zisterzienser-Theologie der Queste als unkonventionell und komplex, aber subtil und erwähnt ihren Erfolg darin, ein höfisches Publikum anzusprechen, das sonst weltlichere Romanzen gewöhnt war. [13]

Struktur, Geschichte und Zusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zyklus kann in drei Teile unterteilt werden. [14] Einige Kategorisierungen sehen entweder den Mort oder sowohl die Queste und den Mort als einzelne Abteilungen unabhängig vom Lancelot. [15] Der letzte (oder die letzten drei im anderen System) waren eigentlich die ersten, die geschrieben wurden (beginnend etwa 1210 [14] -1215 [16]). Die ersten beiden, die als Vorgeschichten dienen, kamen später hinzu, irgendwann vor 1235. [3]

Geschichte des Heiligen Grals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vulgate Estoire del Saint Grail erzählt die Geschichte von Joseph von Arimathea und seinem Sohn Josephus, die den Heiligen Gral nach Britannien brachten. Sie ist entnommen aus Robert de Borons Gedicht Joseph mit neuen Charakteren und zusätzlichen Episoden. Die offenkundigen religiösen Elemente sind in diesem Teil des Zyklus am offensichtlichsten.

Geschichte von Merlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vulgate Estoire de Merlin oder einfach das Vulgate Merlin betrifft Merlin und die frühen Jahre von Artus. Es ist eine Fassung der Prosa Merlin, die selbst eine andere Version von Robert de Borons Gedicht gleichen Namens ist. Man kann sie teilen in:

  • das Vulgate Merlin propre, auch bekannt als der Roman de Merlin, das direkt auf Borons Merlin basiert.
  • Das Vulgate Suite du Merlin (Die Geschichte von Merlin), auch bekannt als Les Premiers Faits [du roi Arthur] [17]. Es stammt aus einer Reihe von Quellen und fügt mehr von Artus' und Gawains frühen Taten hinzu, bei denen ihnen Merlin hilft, besonders in ihren frühen Kriegen und inneren Machtkämpfen und gegen ausländische Feinde (Sachsen und Römer), und endet mit Artus' Ehe mit Guinevere und der Wiederherstellung des Friedens sowie dem Verschwinden von Merlin durch die Dame vom See. Es ist etwa viermal so lang wie der erste Teil.
    • Eine deutlich andere Version der Suite du Merlin kann in einem einzelnen, unvollendeten Manuskript gefunden werden, das gegen Ende des 13. Jh. geschrieben wurde und als das Livre d'Artus bekannt ist. [18]

Prose Lancelot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lancelot en prose oder die Estoire de Lancelot ist der längste Teil und umfasst beinahe die Hälfte des gesamten Zyklus. [3] Die Lancelot-Queste-Mort Artu-Trilogie folgt den Abenteuern des Helden Lancelot und der anderen Ritter der Tafelrunde. Sie besteht aus drei Hauptteilen, von denen der erste (ca. 1215-1220) als farbenprächtig, der zweite (ca. 1220-1225) als fromm und der dritte (ca. 1225-1230) als nüchtern beschrieben werden kann: [1] [3]

  • Das Vulgate Lancelot propre, auch bekannt als Roman de Lancelot oder einfach Lancelot du Lac basiert auf und ist inspiriert von Chrétien de Troyess Lancelot, le Chevalier de la Charette. [19] Es behandelt hauptsächlich die frühen Jahre von Lancelot und die höfische Liebe zwischen ihm und Königin Guinevere, sowie seine tiefe Freundschaft zu Galehaut, durchzogen von Abenteuern von Gawain und anderen Rittern wie Yvain, Hector, Lionel und Bors.
    • Aufgrund seiner Länge teilen moderne Gelehrte es oft in verschiedene Untersektionen, inklusive Galehaut, weitere Unterteilungen zwischen dem Charette und seinem Nachfolger, dem Suite[s] de la Charret[t]e. Der Agravain (benannt nach Gawains Bruder Agravain) und die Vorbereitung auf die Queste verbinden die beiden Vorgänger. [7] [2] [20] [3] Das akutelle [Conte de la] Charette, eine Einfügung von Chretiens Gedicht, umspannt nur einen kleinen Teil des Lancelot.
  • Das Vulgate Queste del Saint Grall (Die Suche nach dem Heiligen Gral) oder einfach das Vulgate Queste erzählt, wie die Gralssuche von verschiedenen Rittern inklusive Percival und Bors unternommen wird und wie der Gral von Lancelots Sohn Galahad gefunden wird, der hier sowohl Lancelot als auch Percival als auserwählter Held ersetzt. [3] Es wird von Bors erzählt, dem Augenzeugen dieser Ereignisse nach dem Tod von Galahad und Percival. [21]
  • Das Vulgate Mort le roi Artu (Der Tod von König Artus) oder einfach das Vulgate Mort Artu ist ein tragischer Bericht über spätere Kriege, die darin gipfeln, dass der König und sein illegitimer Sohn Mordred einander töten. Der Ruin von Artus' Königreich wird hier als desaströse direkte Folge aus der Sünde von Lancelots und Guineveres ehebrecherischer Affaire dargestellt. [3] Lancelot stirbt auch, so wie die anderen Protagonisten, die noch nicht in der Queste gestorben sind und nur Bors bleibt als einziger am Leben.

Möglicher nicht zyklischer Lancelot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Lancelot Proper Teil des Zyklus glaubt man, dass er zuerst geschrieben wurde. [10] Er war möglicherweise ursprünglich eine unabhängige Romanze, die mit Lancelots Geburt begann und mit einem glücklichen Ende abschließt als er seine wahre Identität erfährt und einen Kuss von Guinevere erhält, als er ihr seine Liebe gesteht. [6] [2] Elspeth Kennedy identifizierte die möglicherweise nicht zyklische Prosa Lancelot in einem früheren Manuskript. Es ist etwa drei mal kürzer als die späteren Ausgaben und erwähnt, dass die Gralssuche (die normalerweise später stattfindet) bereits von Percival allein abgeschlossen wurde. [10] [17] [2]

Post-Vulgate Zyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Post-Vulgate Zyklus wurde vermutlich zwischen 1230 und 1235 bis 1240 geschrieben. Es war ein Versuch, eine größere Einheit des Materials zu schaffen und die weltliche Liebesaffaire zwischen Lancelot und Guinevere herunterzuspielen, um die Gralssuche weiter in den Vordergrund zu stellen. Dieser Zyklus lässt beinahe alle Lancelot Proper-Abteilungen des Vulgate weg und macht es damit viel kürzer als diese Quelle, weiterhin tadelt es alles abgesehen vom geistlichen Leben. Es ist nicht vollständig erhalten, wurde aber aus dem altfranzösischen, kastilischen, altspanischen und galizischen Fragmenten reproduziert. Frühere Theorien glaubten an den sogenannten "pseudo-Boron" Zyklus, so genannt aufgrund der Tatsache, dass eines der Manuskripte Robert de Boron zugeschrieben wurde. Das Post-Vulgate ist auch eine der wichtigsten Quellen für Thomas Malorys Le Morte d'Arthur.

Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk ist in vier Teile unterteilt, die ihren jeweiligen Vulgate-Versionen entsprechen:

  • Die Estoire del Saint Grail, die sich nicht sehr von der Version in der Vulgate unterscheidet. Sie erzählt die Geschichte von Joseph von Arimathäa und seinem Sohn Josephus, die den Heiligen Gral nach Britannien bringen.
  • Die Estoire de Merlin, die ebenfalls nur wenige Änderungen zum Vulgate zeigt. Sie betrifft Merlin und die frühe Geschichte von Artus.
    • Hier wurde die Suite du Merlin hinzugefügt und die Huth-Merlin, die erste Abkehrt vom Quellenmaterial. Sie fügt viele Abenteuer von Artus und den frühen Rittern der Tafelrunde hinzu und enthält Details über Artus' inzestuöse Zeugung von Mordred und wie er Excalibur von der Dame vom See erhielt. Dies kann nicht im Vulgate gefunden werden. Der Autor fügt einiges relevante Material aus dem Lancelot Proper des Vulgate hinzu und die erste Version des Tristan, um die Ereignisse mit der Queste-Sektion zu verknüpfen.
  • Die Queste del Saint Graal. Diese Geschichte unterscheidet sich sehr in Ton und Inhalt von der Version der Vulgate, beschreibt aber immer noch die Suche der Ritter nach dem Heiligen Gral, der nur von den würdigen Rittern Galahad, Percival und Bors gefunden werden kann. Elemente aus dem Tristan finden sich hier, inklusive der Charaktere Palamedes und König Mark und dessen Invasion in Artus' Reich.
  • Das Mort Artu, das Artus' Tod durch seinen Sohn Mordred und den Zusammenbruch des Reichs behandelt. Es basiert größtenteils auf dem Vulgate, wurde aber mit mehr Zusammenhang zu den früheren Sektionen geschrieben.

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Smith, Joshua Byron (2017) Walter Map and the Matter of Britain
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Brandsma, Frank (2010). The Interlace Structure of the Third Part of the Prose Lancelot
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Chase, Carol J.; Lacy, Norris J. (2010). The History of the Holy Grail: The Old French Arthurian Vulgate and Post-Vulgate in Translation
  4. Loomis, Roger Sherman (1991). The Grail: From Celtic Myth to Christian Symbol
  5. https://muse.jhu.edu/article/763643
  6. 6,0 6,1 Lacy, Norris J. (2005). The Fortunes of King Arthur
  7. 7,0 7,1 7,2 Lie, Orlanda S. H. (1987). The Middle Dutch Prose Lancelot: A Study of the Rotterdam Fragments and Their Place in the French, German, and Dutch Lancelot en Prose Tradition
  8. Matarasso, Pauline Maud (1979). The Redemption of Chivalry: A Study of the Queste Del Saint Graal
  9. Carman, J. Neale (1973). A Study of the Pseudo-Map Cycle of Arthurian Romance
  10. 10,0 10,1 10,2 Dover, Carol (2003). A Companion to the Lancelot-Grail Cycle
  11. Norris, Ralph (2009). "Sir Thomas Malory and "The Wedding of Sir Gawain and Dame Ragnell" Reconsidered". Arthuriana
  12. Pratt, Karen The Cistercians and the Queste del Saint Graal
  13. Barber, Richard (2003). "Chivalry, Cistercianism and the Grail". A Companion to the Lancelot-Grail Cycle
  14. 14,0 14,1 "Vulgate cycle | medieval literature". Encyclopedia Britannica
  15. "The Story: Outline of the Lancelot-Grail Romance". www.lancelot-project.pitt.edu
  16. "Lancelot-Grail Cycle - Medieval Studies - Oxford Bibliographies - obo". www.oxfordbibliographies.com
  17. 17,0 17,1 Sunderland, Luke (2010). Old French Narrative Cycles: Heroism Between Ethics and Morality
  18. Bruce, James Douglas (1974). The Evolution of Arthurian Romance from the Beginnings Down to the Year 1300
  19. "What is the Lancelot-Grail?". www.lancelot-project.pitt.edu
  20. Lacy, Norris J.; Kelly, Douglas; Busby, Keith (1987). The Legacy of Chrétien de Troyes: Chrétien et ses contemporains
  21. Archibald, Elizabeth; Johnson, David F. (2008). Arthurian Literature XXV
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.