Die Wikinger-Invasionen auf den britischen Inseln ereigneten sich während des Frühmittelalters vom 8. bis 10. Jahrhundert, als Nordmänner aus Skandinavien nach Großbritannien und Irland reisten, um dort zu siedeln, zu handeln oder Überfälle zu machen. Jene, die auf die Britischen Inseln kamen, wurden üblicherweise als Wikinger bezeichnet, [1] [2] doch einige Gelehrte sind sich nicht einig, ob der Begriff Wikinger alle nordischen Siedler repräsentiert oder nur jene, die die Überfälle begingen. [3] [4]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Frühmittelalters waren Irland und Britannien kulturell, sprachlich und religiös geteilt in verschiedene Völker. Die Sprache der keltischen Britonen und Gälen stammte von der keltischen Sprache ab, die von den eisenzeitlichen Bewohnern Europas gesprochen worden war. In Irland und Teilen des westlichen Schottland sowie auf der Isle of Man sprachen die Menschen eine frühe Form des gälischen, die als Altirisch bekannt ist. In Cornwall, Cumbria, Wales und dem südwestlichen Schottland wurde die keltisch-britonische Sprache gesprochen, von der das heutige Walisisch und Cornisch abstammen. Im Gebiet nördlich der Flüsse Forth und Clyde lebten die Pikten, die die piktische Sprache sprachen. Aufgrund des Mangels von geschriebenem Piktisch kann nur wenig geschriebene in Ogham [5] gefunden werden und die Ansichten sind geteilt, ob es sich beim Piktischen um eine keltische Sprache handelt, wie sie weiter südlich gesprochen wird, oder vielleicht sogar um eine nicht indoeuropäische Sprache wie das Baskische. Die meisten Inschriften und Ortsnamen deuten allerdings darauf hin, dass die Pikten in Sprache und Kultur keltisch waren. Die meisten Menschen von Britannien und Irland waren bereits größtenteils von ihrer vorchristlichen polytheistischen Religion zum Christentum konvertiert. Im Gegensatz zum Rest der Inseln wurde der Großteil des südlichen Britannien als Teil des Angelsächsischen England angesehen, wo angelsächsische Einwanderer vom kontinentalen Europa sich während dem 5. Jh. angesiedelt hatten, die ihre eigene germanische Sprache (bekannt als Altenglisch), eine polytheistische Religion (das angelsächsische Heidentum) und ihre eigenen einzigartigen kulturellen Praktiken mit sich gebracht hatten. Zur Zeit der Wikingerinvasionen war auch das Angelsächsische England hauptsächlich christlich geworden.

Die Isle of Man hatte ihre eigene landwirtschaftliche Bevölkerung bekommen, doch die meisten Historiker glauben, dass die Menschen dort britonisch sprachen, bevor das Altirische (das später Manx wurde) sich dort verbreitete. Die Gälisierung könnte vor dem Wikingerzeitalter stattgefunden haben oder möglicherweise während dessen, als das Gebiet von nordisch-gälischen besiedelt wurde, die ihre eigene Kultur ausübten.

Im nördlichen Britannien, in dem Gebiet, das in etwa dem heutigen Schottland entspricht, lebten drei einzigartige ethnische Gruppen in ihren eigenen Königreichen: die Pikten, Schotten und Britonen. Die piktische Gruppe dominierte den Großteil von Schottland, wobei der Hauptteil der Bevölkerung zwischen dem Firth of Forth und dem Fluss Dee konzentriert war, sowie auch in Sutherland, Caithness und Orkney. Die Schotten waren laut den erhaltenen Quellen eine Stammesgruppe, die im späten 5. Jahrhundert aus Dal Riata im nördlichen Irland nach Britannien gekommen war. Archäologen waren nicht in der Lage, etwas zu identifizieren, das einzigartig war im Königreich der Schotten und sie bemerkten Ähnlichkeiten mit den Pikten in den meisten Formen der Kultur. Die Britonen waren diejenigen, die im Alten Norden lebten, in Teilen dessen, was das südliche Schottland und Nördliche England werden würde, und im 7. oder 8. Jahrhundert waren sie anscheinend unter die politische Kontrolle der Angelsachsen gekommen. [3]

Mitte des 9. Jh. war das angelsächsische England in vier unabhängige Königreiche geteilt: East Anglia, Wessex, Northumbria und Mercia, von denen das letzte die stärkste militärische Macht war. Zwischen einer halben und einer Million Menschen lebten zu dieser Zeit in England, wobei die Gesellschaft streng hierarchisch ausgerichtet war. Dieses Klassensysstem hatte einen König und seine Ealdormen an der Spitze, unter denen die Thegns oder Landbesitzer standen, und dann die verschiedenen Kategorien von landwirtschaftlichen Arbeitern unter ihnen. Unter ihnen allen stand eine Klasse von Sklaven, die möglicherweise ein viertel der Bevölkerung ausmachten. Der Großteil der Bevölkerung lebte auf dem Land, obwohl ein paar wenige große Städte wie London und York sich entwickelt hatten, die die Zentren der königlichen und kirchlichen Verwaltung waren. Es gab auch eine Reihe von Handelshäfen wie Hamwic und Ipswich, wo ausländischer Handel stattfand. [2]

Skandinavien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft Skandinaviens im 8. Jh. war anders als Teile der Britischen Inseln noch immer schriftunkundig und befand sich in den letzten Stadien der europäischen Prähistorie, die bei Archäologen als die Eisenzeit bekannt ist. In Skandinavien erwies sich das 8. Jh. als "eine Zeit schneller technologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklung", was die Region aus der Eisenzeit und in das führen würde, was als das Wikingerzeitalter bekannt wurde. [3]

Zu Beginn des Frühmittelalters sah die nordische Bevölkerung sich selbst hauptsächlich als Bewohner spezieller Orte an, so wie Jütland, Vestfold und Hordaland. Erst in späteren Jahrhunderten entwickelten sich die nationalen Identitäten unter den Skandinaviern, was sie in nationale Gruppen wie die Dänen, Schweden und Norweger teilte. [2]

Die spät-eisenzeitlichen Menschen von Skandinavien waren noch nicht zum Christentum bekehrt worden wie die Menschen von Britannien und Irland, und folgten statt dessen dem nordischen Heidentum, einem polytheistischen Glauben, der solche Götter wie Odin, Thor, Frey und Freya verehrte. [3]

Die skandinavische Gesellschaft war stark abhängig von der Fischerei und als dies fehlschlug, wandten sich die seefahrenden nordischen Segler dem befahren des frühmittelalterlichen Europa zu. [2] Die nordische Bevölkerung von Skandinavien hatte Handelsverbindungen mit vielen Gebieten von Europa entwickelt, sie verkauften große Mengen von Gold im späten 5. Jh., von dem das meiste in Schweden gefunden worden war und im geringeren Maße in Norwegen. [6]

Wikingerüberfälle: 793 bis 850[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahrzehnten des 8. Jh. griffen nordische Angreifer eine Reihe von christlichen Klöstern auf den britischen Inseln an. Hier lagen die Klöster oftmals auf kleinen Inseln und in anderen abgelegenen Küstengebieten, so dass die Mönche in Abgeschiedenheiten leben und sich selbst dem Gebet widmen konnten ohne die Ablenkung durch andere Elemente der Gesellschaft. Zur gleichen Zeit ließ es sie zu isolierten und schutzlosen Opfern für Angriffe. [6] Der Historiker Hunter Blair merkte an, dass die Wikinger verblüfft gewesen sein müssen, "so viele Gemeinden zu finden, die beträchtlichen Reichtum beherbergten und deren Bewohner keine Waffen trugen". [6] Diese Überfälle waren vermutlich der erste Kontakt, den viele Nordmänner mit dem Christentum hatten, doch sie waren nicht speziell anti-christlich. Die Klöster wurden einfach als "leichte Ziele" für die Angreifer angesehen. [3]

Der erste bekannte Bericht eines Wikingerüberfalls im angelsächsischen England fand 789 statt, als drei Schiffe von Hordaland (im heutigen Norwegen) auf der Insel von Portland an der Südküste von Wessex landeten. Sie trafen auf Beaduheard, den königlichen Reeve von Dorchester, dessen Aufgabe es war, alle ausländischen Händler zu identifizieren, die das Königreich betragen, und er wurde von ihnen getötet. Es ist wahrscheinlich, dass es bald darauf andere Überfälle gab (deren Berichte inzwischen verloren gegangen sind), denn 792 begann Offa von Mercia Vorbereitungen für die Verteidigung von Kent zu treffen, vor Angriffen durch "heidnische Völker". [2]

Der nächste aufgezeichnete Angriff gegen die Angelsachsen kam im folgenden Jahr 793, als das Kloster Lindisfarne, eine Insel an Englands Ostküste, von Wikingern am 8. Juni angegriffen wurde. [2] Im folgenden Jahr plünderten sie die nahe Abtei Monkwearmouth-Jarrow. [6]

795 kam es zu einem weiteren Angriff, diesmal auf die Abtei Iona an Schottlands Westküste. [6] Dieses Kloster wurde erneut 802 und 806 angegriffen, und 68 dort lebende Menschen wurden getötet. Nach dieser Zerstörung verließ die mönchische Bevölkerung von Iona den Ort und floh nach Kells in Irland. [3]

Im ersten Jahrzehnt des 9. Jh. begannen Wikinger die Küstenregionen von Irland anzugreifen. [6] 835 fand der erste große Wikingerangriff im südlichen England statt, auf der Insel Sheppey. [6] [7] [8]

Englands Runensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Runensteine Englands sind eine Gruppe von etwa 30 Runensteinen in Schweden, die sich auf die Reisen des Wikingerzeitalters nach England beziehen. Sie bestehen aus einer der größten Gruppen von Runensteinen, die Reisen in andere Länder zum Thema haben und sind in ihrer Anzahl vergleichbar mit den etwa 30 griechischen Runensteinen und den 26 Ingvar Runensteinen, letztere beziehen sich auf eine Wikinger-Expedition in den mittleren Osten. Sie wurden in altnordisch mit dem jüngeren Futhark graviert.

Die angelsächsischen Herrscher zahlten große Summen Danegeld an die Wikinger, die größtenteils aus Dänemark und Schweden kamen und während der 990er Jahre und den ersten Jahrzehnten des 11. Jh. an der englischen Küste erschienen. Einige Runensteine beziehen sich auf dieses Danegeld, so wie der Yttergärde Runenstein, der von Ulf of Borresta erzählt, der das Danegeld drei mal erhielt und das letzte erhielt er von Knut dem Großen. Knut schickte die meisten Wikinger heim, die ihm bei der Eroberung von England geholfen hatten, behielt aber eine starke Leibwache zurück, und ihre Mitglieder werden ebenfalls auf verschiedenen Runensteinen erwähnt.

Der Großteil der Runensteine - siebenundzwanzig - wurde im heutigen Schweden aufgestellt und siebzehn in den ältesten schwedischen Provinzen um den See Mälaren. Im Gegensatz dazu hatte Dänemark keine solchen Runensteine, doch es gibt einen Runenstein in Scania, der London erwähnt. Es gibt ebenfalls einen Runenstein in Norwegen und einen schwedischen in Schleswig in Deutschland.

Einige Wikinger wie Guðvér griffen nicht nur England an, sondern auch Sachsen, wie von der Grinda Runestone Sö 166 in Södermanland berichtet wird:

Grjótgarðr (und) Einriði, die Söhne
machten (den Stein) in Erinnerung an (ihren) fähigen Vater.
Guðvér war im Westen;
teilte (auf) die Bezahlung in England;
griff mannhaft an
Gemeinden in Sachsen.

Hortfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Horte mit Schätzen wurden zu dieser Zeit in England vergraben. Einige davon könnten von Angelsachsen vergraben worden sein, in dem Versuch, ihren Reichtum vor den Wikingern zu verstecken, und andere von den Wikingern als Maßnahme, um ihre geplünderten Schätze zu schützen. [2]

Einer dieser Horte, der 1862 in Croydon (historisch ein Teil von Surrey, jetzt in Greater London) entdeckt wurde, enthielt 250 Münzen, drei Silberbarren und Teile eines vierten, sowie vier Stücken Hacksilber [9] in einem Leinenbeutel. Archäologen interpretieren dies als Beute, die von einem Mitglied der Wikingerarmee gesammelt wurde. Sie schätzen, dass dieser Hort 872 vergraben wurde, als die Armee in London überwinterte. Die Münzen selbst kamen aus verschiedenen Königreichen, mit Stücken aus Wessex, Mercia und East Anglia zusammen mit ausländischen Importen aus dem Frankenland und aus der arabischen Welt. Nicht alle diese Wikingerhorte in England enthalten münzen. Beispielsweise wurden in Bowes Moor, Durham, [3] Silberbaren gefunden, während in Orton Scar, Cumbria, ein silberner Halsring und eine Brosche entdeckt wurden. [2]

Hunter Blair glaubte, dass der Erfolg der Wikingerüberfälle und das "vollständige Unvorbereitetsein von Britannien, solchen Angriffen etwas entgegen zu setzen" die Hauptfaktoren für die nachfolgenden nordischen Invasionen und die Kolonialisierung großer Teile der britischen Inseln wurden. [6]

Invasion und Danelag: 865 bis 896[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 865 veränderte sich die Einstellung der Nordmänner gegenüber den britischen Inseln, als sie sie als Ort für mögliche Kolonialisierung anzusehen begannen und nicht einfach nur als Ort für Überfälle. Als Resultat daraus begannen größere Armee an Britanniens Küsten zu erscheinen mit der Absicht, Land zu erobern und dort Siedlungen zu erbauen. [2]

England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Danelag

Nordische Armeen eroberten 866 York, die Hauptstadt im Königreich Northumbria. [2] Gegenangriffe führten zu einer entscheidenden Niederlage für die Angelsächsischen Truppen am 21. März 867 und dem Tod der northumbrischen Anführer Aelle II von Deira und Osbert von Northumbria.

Andere angelsächsische Könige begannen den Forderungen der Wikinger nachzugeben und überließen nordischen Siedlern Land. [10] Zusätzlich dazu kamen viele Gebiete im östlichen und nördlichen England - inklusive ganz Northumbria, mit Ausnahme des nördlichsten Teils - unter die direkte Herrschaft von Wikingeranführern und ihren Marionettenkönigen.

Aethelred I von Wessex, der den Konflikt gegen die Wikinger angeführt hatte, starb 871 und sein Bruder Alfred der Große folgte ihm auf den Thron. Der Wikingerkönig von Northumbria, Halfdan Ragnarsson, einer der Anführer des Großen Heidnischen Heeres, überließ sein Land 876 einer zweiten Welle von Wikingerinvasoren. In den nächsten vier Jahren eroberten die Wikinger weiteres Land in Mercia und East Anglia. Alfred führte den Kampf gegen die Wikinger fort, wurde aber 878 nach Somerset im Südwesten seines Reiches zurückgedrängt, wo er Zuflucht suchen musste in den Marschen von Athelney. [2]

Alfred formierte seine Truppen neu und besiegte die Armeen des nordischen Königs von East Anglia, Guthrum I, in der Schlacht von Edington im Mai 878. 886 unterzeichneten Wessex und das nordisch kontrollierte East Anglia den Vertrag von Wedmore, der eine Grenze zwischen den beiden Königreichen festlegte. Das Gebiet im Norden und Osten dieser Grenze wurde als das Danelag bekannt, da es sich unter nordisch-politischem Einfluss befand, während die Gebiete südlich und westlich unter angelsächsischer Herrschaft befand. Alfred begann eine Reihe von befestigten Städten oder Burhs zu kontruieren, eine Flotte und er organisierte ein Milizsystem, die Fyrd, wobei die Hälfte seiner Bauernarmee immer im aktiven Dienst war. [2] Um die Burhs und das stehende Heer zu unterhalten, setzte er ein Steuersystem ein, das als die Burghal Hidage bekannt ist. [11]

892 setzte sich eine neue Wikingerarmee mit 250 Schiffen in Appledore, Kent fest und eine weitere aus 80 Schiffen bald danach in Milton Regis. Die Armee begann dann eine wiederkehrende Reihe von Angriffen auf Wessex. Doch zum Teil aufgrund von Alfreds Bemühungen und seiner Armee erwiesen sich die neuen Verteidigungen des Königreichs als Erfolg und die Wikinger trafen auf einen erhöhten Widerstand und erreichten weniger, als sie erhofft hatten. 896 zerstreuten sich die Invasoren und siedelten sich statt dessen in East Anglia und Northumbria an, während einige sogar in die Normandie segelten. [2] [12]

Alfreds Politik, sich den Wikingersiedlern entgegen zu stellen, ging unter der Herrschaft seiner Tochter Aethelflaed weiter, die Aethelred, Ealdorman von Mercia geheiratet hatte, und auch unter ihrem Bruder König Edward der Ältere (899-924). 920 unterwarfen sich die northumbrische und die schottische Regierung der militärischen Macht von Wessex und 937 führte die Schlacht bei Brunanburh zum Zusammenbruch der nordischen Macht im nördlichen Britannien. [2]

Edwards Sohn Edmund I wurde 939 König der Engländer. Doch als Edmund in einem Handgemenge getötet wurde, übernahm sein jüngerer Bruder Eadred die Herrschaft. 947 wiesen die Northumbrier Eadred ab und machten den Norweger Erik Blutaxt zu ihrem König. Eadred begann daraufhin eine Invasion und verwüstete Northumbria. Als die Sachsen nach Süden zurück zogen, verwickelte Eriks Armee einige von ihnen bei Castleford in eine Schlacht und konnte viele töten. [13] Eadred drohte damit, Northumbria aus Rache zu zerstören, so dass die Northumbrier sich von Erik abwandten und Eadred wieder als ihren König anerkannten. Doch dann entschieden sie sich erneut um und machten Amlaib Cuaran zu ihrem Herrscher, den Erik Blutaxt jedoch vertrieb, so dass er erneut König von Northumbria wurde. 954 wurde Erik zum zweiten und letzten mal von Eadred vertrieben. [14] [15] Er war der letzte nordische König von Northumbria. [16]

Nordische Siedlungen auf den britischen Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühen nordischen Siedler im angelsächsischen England unterschieden sich offenbar sichtbar von der angelsächsischen Bevölkerung. Sie trugen spezielle skandinavische Arten von Schmuck und vermutlich auch ihren eigenen besonderen Kleidungsstil. Nordmänner und Angelsachsen hatten auch unterschiedliche Frisuren: das Haar der Nordmänner war hinten rasiert und vorn zottelig, während die Angelsachsen üblicherweise das Haar lang trugen. [2]

Zweite Invasion: 980 bis 1012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Herrschaft von Edgar dem Friedfertigen wurde England noch weiter politisch vereinigt und Edgar wurde als König von ganz England anerkannt, sowohl von den Angelsachsen als auch den Nordmännern. Doch während der Herrschaft seines Sohnes Edward der Märtyrer, der 978 ermordet wurde, und Aethelred dem Unberatenen schwand die politische Stärke der englischen Könige und 980 nahmen Wikinger von Skandinavien die Angriffe gegen England wieder auf. Die englische Regierung entschied, dass der einzige Weg, sich damit zu befassen, die Zahlung von Geld war und 991 zahlte man 10.000 Pfund. Dies erwies sich als nicht genug und in den nächsten Jahrzehnten war das englische Königreich gezwungen, den Angreifern immer größere Summen zu zahlen. Viele Engländer begannen eine feindseligere Haltung gegenüber den Wikingern zu fordern und so erklärte König Aethelred am St. Brice's Day 1002, dass alle in England lebenden Dänen hingerichtet werden sollten. Dies wurde als das St. Brice's Day Massaker bekannt. [2]

Die Neuigkeiten des Massakers erreichten König Sweyn Gabelbart in Dänemark. Man glaubt, dass Sweyns Schwester Gunhilde unter den Opfern gewesen sein könnte, was Sweyn dazu brachte, England im folgenden Jahr zu überfallen und Exeter niederzubrennen. Hampshire, Wiltshire, Wilton und Salisbury wurden auch Opfer des Rachefeldzuges. [17] Sweyn führte seinen Überfall auf England weiter und 1004 plünderte seine Armee East Anglia, Thetford und eroberte Norwich, bevor er wieder nach Dänemark zurückkehrte. [18] Weitere Angriffe fanden zwischen 1006-7 statt und 1009-12 führte Thorkell the Tall eine Invasion nach England.

1013 kehrte Sweyn zurück, um England mit einer großen Armee zu überfallen, und Aethelred floh in die Normandie, was Sweyn den englischen Thron einbrachte. Er starb innerhalb eines Jahres und Aethelred kehrte zurück, doch 1016 fiel eine weitere nordische Armee in England ein, diesmal unter König Knut der Große von Dänemark, Sweyns Sohn. Nachdem er die angelsächsischen Truppen in der Schlacht von Assandun besiegt hatte, wurde Knut König von England und regierte dadurch über das dänische und das englische Königreich. Nach seinem Tod 1035 wurden die beiden Könige wieder als unabhängig erklärt und verblieben somit getrennt, abgesehen von einer kurzen Periode zwischen 1040 und 1042, als Knuts Sohn Harthacnut den englischen Thron bestieg. [2]

Schriftliche Berichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Archäologen Graham-Campbell und Batey bemerkten, dass es einen Mangel an historischen Quellen gibt, betreffend der frühesten Wikingerangriffe auf die britischen Inseln, die höchstwahrscheinlich auf den nördlichen Inselgruppen stattfand, die am nächsten zu Skandinavien lagen. [3]

Die Irischen Annalen versorgen uns mit Berichten über viel der nordischen Aktivität während dem 9. und 10. Jh. [6]

Die Wikingerüberfälle, die das angelsächsische England betrafen, wurden hauptsächlich in der Angelsächsischen Chronik dokumentiert, einer Sammlung von Annalen, die im späten 9. Jh. aufgeschrieben wurden, höchstwahrscheinlich im Königreich Wessex während der Herrschaft von Alfred dem Großen. Die Chronik ist allerdings eine voreingenommene Quelle als eine Art "Kriegspropaganda", die in einer Zeit geschrieben wurde, als die Angelsachsen gegen ihre nordischen Gegner kämpften, und sie übertreibt in vielen Fällen die Größe der nordischen Flotten und Armeen, um die angelsächsischen Siege gegen sie heldenhafter erscheinen zu lassen. [2]

Archäologische Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nordischen Siedler auf den britischen Inseln hinterließen Überreste ihrer Kultur, die Archäologen im 20. und 21. Jahrhundert ausgraben und interpretieren konnten. Einige dieser Hinweise bestehen hauptsächlich aus nordischen Grabstätten in Shetland, Orkney, den Westlichen Inseln, der Isle of Man, Irland und dem Nordwesten von England. [6] Graham-Campbell und Batey merkten an, dass gerade auf der Isle of Man die nordische Archäologie "bemerkenswert reich an Qualität und Quantität" war. [3]

Der Archäologe Julian D. Richards merkte an, dass Skandinavier im Angelsächsischen England "trügerisch sein können für die Archäologen", denn viele ihrer Häuser und Gräber sind nicht zu unterscheiden von jenen der anderen Bevölkerung im Land. [2] Aufgrund dessen notierte der Historiker Hunter Blair, dass in Britannien die archäologischen Hinweise auf nordische Invasionen und Siedlungen "nur sehr geringfügig waren, verglichen mit den entsprechenden Hinweisen auf die Angelsächsischen Invasionen" des 5. Jh. [6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Quelltext bearbeiten]

  1. Lapidge, Michael; Blair, John; Keynes, Simon; Scragg, Donald (eds.) (1999) "Vikings". The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 2,17 2,18 Richards, Julian D. (1991). Viking Age England
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Graham-Campbell, James & Batey, Colleen E. (1998). Vikings in Scotland: An Archaeological Survey
  4. Der Begriff "Wikinger" ist eine historische Wiederbelebung. Er wurde nicht im mittelenglischen benutzt, sondern entstand aus dem altnordischen vikingr, was "Freibeuter, Seevagabund, Pirat, Wikinger" bedeutet und normalerweise als genaue Übersetzung mit "einer, der von den Fjorden kam" übersetzt wurde, von vik "kleine Bucht, Bucht, Einbuchtung". Doch das Altenglische wicing und das altfriesische wizing sind beinahe 300 Jahre älter und stammen möglicherweise von wic "Dorf, Lager" (befristete Lager waren eine Eigenart der Wikingerüberfälle), das verwandt ist mit dem lateinischen vicus "Dorf, Siedlung".
  5. Ein frühmittelalterliches Alphabet, das hauptsächlich in der frühirischen und später in der Altirischen Sprache benutzt wurde.
  6. 6,00 6,01 6,02 6,03 6,04 6,05 6,06 6,07 6,08 6,09 6,10 Hunter Blair, Peter (2003). An Introduction to Anglo-Saxon England
  7. Wright, ChristopherKent through the years
  8. Angelsächsische Chronik, Jahr 835
  9. Hacksilber ist vormünzliches Geld in Form von zerkleinerten Gegenständen aus Silber, wie Schmuck, Münzen, Barren oder kleinen Blechen. Der Handelswert wurde entsprechend dem Metallwert zerkleinert, abgewogen und eingetauscht.
  10. Starkey, David (2004). The Monarchy of England
  11. Horspool, David (2006). Why Alfred Burned the Cakes
  12. Sawyer, PeterThe Oxford Illustrated History of the Vikings
  13. Die Angelsächsische Chronik berichtet für das Jahr 948 "Und als der König [Eadred] auf seinem Weg nach Hause war, überfiel die angreifende Armee [Erik Blutaxt], der in York war, des Königs Armee bei Castleford und ein großes Gemetzel wurde dort gemacht."
  14. Die Angelsächsische Chronik berichtet, dass Blutaxt "vertrieben wurde" aus Northumbria. Doch eine andere Quelle behauptet, dass er auch getötet wurde.
  15. Pearson, William (2012). Erik Bloodaxe: His Life and Times: A Royal Viking in His Historical and Geographical Settings
  16. Panton, Kenneth J. (2011). Historical Dictionary of the British Monarchy
  17. "The St Brice's Day Massacre". Historic UK (2020)
  18. Howard, Ian (2003). Swein Forkbeard's Invasions and the Danish Conquest of England, 991-1017
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