Als Britannien aus dem Römischen Imperium entstand, war es an den führenden Adligen und Generälen, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Überfälle der Stämme vom Kontinent hatten schon im vorangegangenen Jahrhundert begonnen, waren aber von den Römern zurückgeschlagen und eingedämmt worden. Doch mit dem Abzug der Römer, der um 380 begann, wurde Britannien regelrecht entblößt und Angeln, Sachsen und Jüten begannen, die Küsten zunächst zu überfallen und sich später dort anzusiedeln.

Einige Anführer begannen sich in verschiedenen Ecken von Britannien zu erheben, die ersten entlang der nördlichen Grenze, wo Coel Hen, Coel der Alte, ein Königreich formte, regiert von den "Männern des Nordens". Ihr Gebiet erstreckte sich von der nördlichsten römischen Mauer, dem Antoniuswall, zum heutigen Yorkshire. Nach Coels Tod wurde sein Reich zwischen seinen Nachfahren aufgespalten und teilte sich schnell, wobei das britische Königreich Strathclyde am längsten als Einheit überlebte.

Das südliche Britannien, der Teil, den romantische Legenden Loegres nannten, wurde nach dem Abzug der Römer ebenfalls in seine früheren Stammesgebiete aufgeteilt, allerdings weniger offensichtlich als im Norden, wo die Verteidigung gegen die Pikten, Iren und Sachsen stärker war. Das südliche Britannien behielt zu einem gewissen Grad die frühere römische Verwaltung und man kann erkennen, dass es unter den südlichen Stämmen einen Versuch gab - jedenfalls eine Zeit lang - eine einheitlichere Verwaltung aufrecht zu erhalten, besonders an den wohlhabendsten römischen Zentren um Cirencester und Gloucester, wo die Stämme der Dobunni, Silurer und Cornovii sich vermischten. Vermutlich von dort aus entstanden die ersten Anführer des südlichen Britannien in dem, was später die britischen Königreiche Gwent, Powys und Gewissae werden würden. Und es war auch dort, wo der Hochkönig oder Pendragon entstand.

Der Südosten war das erste Gebiet, das von den Sachsen regiert wurde, besonders Kent und Sussex. Innerhalb eines Jahrhunderts nach der Römischen Herrschaft wurden die Briten weiter nach Westen, entweder nach Wales oder Dumnonia vertrieben.

Siehe hierzu auch die Einträge der Angelsächsischen Chronik.

 


Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Seven Ages of Britain 3of7 The Third Age 43–410 With Bettany Hughes Documentaries

Archäologische Funde aus dieser Zeit zeigen vielerorts Anzeichen des Niedergangs und der Rückkehr zur vorrömischen Lebensweise, die auf der Insel nie ganz verschwunden war, wenn die Menschen auch begeistert viele Vorteile der Eroberer übernommen hatten. Nach 406 brach die Verbindung Britanniens zur römischen Regierung in Ravenna vollständig ab und nach dieser Zeit tauchen auch keine neuen römischen Münzen mehr auf der Insel auf. Die Verwirrung und die Unsicherheiten dieser Zeit ließen in schneller Folge drei Kaiser auf der Insel erstarken.

409 sagten sich die römischen Provinzen vom Kaiser los und Aufstände erhoben sich. Um diese Zeit verließen auch die letzten römischen Truppen die Insel, wobei heutige Forscher vermuten, dass es sich dabei nur um das mobile Feldheer handelte. Die Grenztruppen blieben wohl im Land, zogen sich aber nach und nach aus dem Norden zurück. Das Jahr 410 wird allgemein als das "Ende" des römischen Britanniens angesehen.

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Seven Ages of Britain 4of7 The Fourth Age 410 –1066 With Bettany Hughes Documentaries

Der Name "Dark Ages" oder "Dunkle Zeitalter" beruht auf der Tatsache, dass sich für die Zeit nach 410 nur wenige schriftliche Quellen für die Ereignisse in Britannien finden lassen. Der Mönch Gildas verfasste einen Bericht über die Eroberung Britanniens durch die Angelsachsen, doch Forscher halten diese Aufzeichnungen für wenig zuverlässig und nur begrenzt informativ. Eine weitere Quelle, die Chronica Gallica von 452, erwähnt kurz, dass Britannien 441 für die Römer verloren gegangen und an die Sachsen gefallen sei. Ein anderer Chronist schreibt 511, Britannien sei von den Römern aufgegeben worden und und unter sächsische Herrschaft gelangt sein.

Die nächsten Quellen stammen aus dem 8. Jahrhundert - Beda Venerabilis, die Angelsächsische Chronik, die Historia Brittonum aus dem 9. Jahrhundert und schließlich Geoffrey of Monmouths Historia Regum Britanniae. Doch Historiker halten viele Informationen daraus für legendenhaft und größtenteils unhistorisch, und rekonstruieren daraus nur einen groben Ablauf der Ereignisse.

Kleinkönigreiche von Britannien um 500 n. Chr.

Nach dem Abzug der Römischen Truppen brach die Verteidigung der Nordgrenze zusammen und die Skoten und Pikten begannen britische Städte zu plündern und zu zerstören. Historiker vermuten, dass die Bewohner noch etwa dreißig Jahre lang versuchten, die vertraute römische Lebensweise zu bewahren, doch die einfallenden Angeln, Sachsen und Friesen beenden schließlich alle nachvollziehbaren Ereignisse. Man nimmt an, dass sich die Bewohner Britanniens zunächst mit den Angelsachsen verbündeten, um sich gegen die Pikten und Skoten zu verteidigen. Vermutlich waren auch einzelne germanische Gruppen schon vor dem Abzug der Römer als Siedler nach Britannien gekommen.

Beda beschreibt einen "tyrannus" aus dieser Zeit, der für die Anwerbung der Angelsachsen verantwortlich sein soll und bezeichnet ihn als Vortigern. Die Historia Brittonum behauptet, die Anwerbung dieser Söldner sei 428 erfolgt. Überraschender Weise gibt es aus dem Jahr 429 einen Hinweis, dass Germanus, ein römischer Bischof, römische Truppen gegen die Pikten und Skoten führte, andere Quellen behaupten jedoch, es habe sich nur um eine kirchliche Mission gehandelt.

Um 440 kam es schließlich zum endgültigen Ende des römischen Britanniens, als sich die Angelsachsen aus unbekannten Gründen entschlossen, die Provinz zu plündern. Archäologische Funde und DNA-Nachweise zeigen jedoch, dass es nicht zum vollständigen Bruch mit alten Lebensweisen kam, auch wurden die Besiedlungen vieler kleiner Dörfer im Themsetal und in Südengland nicht unterbrochen, was darauf hinweist, dass sich die Bewohner mehr mit den Invasoren verbündeten, als sich ihnen entgegen zu stellen.

Um 446 scheint ein Hilferuf der Briten an den Feldherren Aetius gegangen zu sein, doch Westrom sah sich außer Stande, die nur noch formale Provinz zu unterstützen, aus der es schon lange keine Steuereinnahmen mehr erhielt. Dennoch scheinen die Kontakte zum bis dahin noch römisch besetzten Gallien angedauert zu haben und weiterhin kam es zu einer Auswanderungswelle von Briten in die heutige Bretagne.

Aus dem Jahr 470 stammen Berichte über den britischen Feldherren Riothamus, der Westrom gegen die rebellierenden Westgoten unterstützte, und aus dieser Zeit stammen auch Geschichten über einen keltischen Anführer namens Coelius/Coel Hen, der als Old King Cole noch lange in Liedern fortlebte.

Zeitleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

401 bis 410[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

401

  • Stilicho zieht Truppen aus Britannien ab und gibt die Forts an der Küste von Yorkshire auf.

402

  • Die letzten Spuren römischer Münzen in Britannien.

405

  • Niall von den Neun Geiseln führt irische Überfälle entlang der Südküste durch.

407

409

  • Die Armee rebelliert gegen Constantine.
  • Sachsen überfallen Britannien.

410

  • Kaiser Honorius ruft die letzten Legionen aus Britannien zurück.

421 bis 430[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

429

ca. 430

  • Vortigern erlaubt angelsächsischen Söldnern, sich auf Thanet anzusiedeln.
  • Fastidius vervollständigt sein Werk Vom Christlichen Leben.

431 bis 440[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

433

441 bis 450[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

446

  • Die "Groans of the Britons": Die Briten flehen (möglicherweise an Konsul Aetius), dass die Römische Armee zurück nach Britannien kommt.

447

ca 450

451 bis 460[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

455

457

461 bis 470[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

466

471 bis 480[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

473

  • Hengest und Oeric kämpften gegen die Briten.

477

481 bis 490[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

485

491 bis 500[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

491

  • Aelle von Sussex und sein Sohn Cissa belagern Anderitum, das Fort bei Pevensey an der Sachsenküste und töten alle Briten dort.

495

  • Cerdic, später der erste König von Wessex, landet in Southampton.

ca 500

  • Schlacht von Mons Badonicus: Die Briten besiegen die vordringenden Sachsen und erhalten die Kontrolle über den Norden und Westen zurück.
    • Das genaue Jahr dieser Schlacht ist unklar und variiert je nach Quelle zwischen 493 bis 516
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